Forschungsprojekt
Monitoring der Mykorrhiza in Burgundertrüffel-Gärten

Schwarzer Trüffel aus Franken

Trüffeln sind die unterirdischen Fruchtkörper von Schlauchpilzen (Ascomyceten) der Gattung Tuber und sind Teil der Mykorrhizaflora zahlreicher einheimischer Baumarten. Von den weltweit vorkommenden ca. 150 Arten sind sieben kulinarisch und wirtschaftlich von Interesse. Von größter Bedeutung sind die Weiße Alba-Trüffel (T. magnatum Pico) und die Schwarze Périgord-Trüffel (T. melanosporum Vittadini).

Sie gedeihen in Südeuropa und gelten seit langer Zeit als Inbegriff exklusiver und rarer Delikatessen. Die Burgundertrüffel (T. uncinatum Chatin) ist ebenfalls eine schwarze Trüffel und kann nach Aussagen von Trüffelexperten, je nach lokalem Bezug, an die kulinarische Qualität der Perigord-Trüffel heranreichen.
Im 19. Jahrhundert wurden auch in Deutschland einheimische Trüffeln, insbesondere die Burgundertrüffel, gesammelt und hauptsächlich in Form der exquisiten „Trüffelleberwurst“ verwertet (Hesse, 1891). Mit Beginn des 20. Jahrhunderts, möglicherweise auch in Folge der Weltkriege, verschwanden die einheimischen Trüffeln aus der Küche und dem Bewusstsein der deutschen Bevölkerung. Die Trüffeln galten in der Folgezeit gemeinhin als nicht existent und waren selbst dem Blickwinkel der allermeisten Pilzexperten entschwunden.

Wie Phoenix aus der Asche – Die Wiederentdeckung der Trüffeln in Deutschland

Umso größer war die Überraschung, als einschlägige Untersuchungen in den letzten Jahren belegten, dass die Burgundertrüffeln deutschlandweit und in reichem Maße zu finden sind, sofern die Standorte sich auf kalkhaltige und gut durchlässige Böden gründen (Stobbe et al., 2012). Nicht nur in Wäldern und Ruderalflächen, sondern auch in Hausgärten, Parks und selbst auf städtischen Kinderspielplätzen können Burgundertrüffeln nachgewiesen werden. Die weite Verbreitung der Burgundertrüffeln haben nicht nur das breite publizistische Interesse geweckt, die „Trüffel“ ist zu einem spektakulären Thema in der Öffentlichkeit geworden.
Und dennoch ist in Deutschland das Sammeln und Verwerten der Trüffeln in jeglicher Art ausgeschlossen. Die Trüffeln unterliegen der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und gehören zu den „besonders geschützten“ Arten.

Trüffeln aus Trüffelgärten?

Auch in absehbarer Zukunft wird das Sammeln von Burgundertrüffeln in ihren natürlichen Habitaten nicht erlaubt sein. Im Gegensatz dazu ist die Trüffelzucht in dafür speziell angelegten Baumkulturen (Trüffelgärten) ohne Einschränkungen erlaubt.
Vor mehr als 150 Jahren gelang erstmals in Südfrankreich, Eichen künstlich mit Trüffelmykorrhiza zu inokulieren und in Trüffelgärten Trüffeln zu ernten. Seit einigen Jahren bieten spezialisierte Baumschulen auch in Deutschland mit Burgundertrüffel-Mykorrhiza inokulierte „Trüffelbäume“ für die private oder kommerzielle Trüffelzucht an. Nach den Angaben der Produzenten solcher „Trüffelbäume“ ist ab dem 5. bis 7. Standjahr mit der Ernte erster Trüffeln zu rechnen. Die ältesten der mit „Trüffelbäumen“ errichteten Trüffelgärten habe wohl noch nicht die erforderliche Standzeit erreicht. Jedenfalls sind, nach unserem Kenntnisstand, bislang noch keine Trüffeln von „Trüffelbäumen“ geerntet worden.

Das Projekt „Franken Trüffel“

In diesem Pilotvorhaben ist beabsichtigt, auf aufgelassenen Steillagenflächen des Weinbaus zur Förderung der Biodiversität und zur Erhaltung des Kulturlandschaftsbildes Trüffelkulturen (Haselnuss, Eiche und Buche) anzupflanzen. In einem weiteren Schritt sollen mittelfristig weitere Flächen hinzukommen. Ziel ist es, die Eignung und Wirtschaftlichkeit der Trüffelkultur wie die weintouristische Inwertsetzung der Region durch das Ergänzungsprodukt Trüffel zu prüfen und zu entwickeln.
Darüber hinaus sollen Anreize für weitere wirtschaftliche Trüffelkulturen durch interessierte Erzeuger geschaffen werden. Im Herbst und Winter 2013/2014 wurden die ersten Weinbergsflächen mit "Trüffelbäumen", Haselnüsse und Eichen, bepflanzt.

Wissenschaftliche Begleitung des Projektes „Franken Trüffel“

Zielsetzung

Monitoring der Intensität und Stabilität der Mykorrizierung der „Trüffelbäume“ im Hinblick auf das Inokulat Tuber uncinatum

Arbeitsprogramm

  • Extraktion der Feinwurzelsysteme und Selektion maßgeblicher Wurzelstrukturen des Pflanzgutes und repräsentativ ausgewählter „Trüffelbäume“ in den Trüffelgärten.
  • Mikroskopische Erfassung des Morphotypus und Bestimmung des relativen Anteils mykorrhizierter Wurzelspitzen (Abundanz) sowie der trüffelspezifischen Mykorrhiza (Tuber uncinatum).
  • Molekularbiologischer Abgleich (PCR) der morphologisch-mikroskopischen Befunde.
  • Dokumentation der Intensität und der relativen Häufigkeit der Trüffelmykorrhiza an der Gesamtmykorrhiza und der Konstanz während der Projektzeitraums.

Literatur

  • Stobbe U., et al., Spatial distribution and ecological variation of re-discovered German truffle habitats, Fungal Ecology (2012), doi: 10.10.16/j.funeco.2012.02.001
  • Hesse R., Die Hypogaeen Deutschlands, Band 1: Die Hymenogastreen, Verlag von Ludw. Hofstetter, Halle/Saale (1891)

Projektdaten

  • Projektbearbeitung: Josef V. HERRMANN
  • Laufzeit: 2014 bis 2020

Projektpartner

  • Prof. Dr. Theo Eberhard, Fakultät für Tourismus, Hochschule München
  • Cluster Ernährung - Bayern Innovativ, Kompetenzzentrum für Ernährung KErn, Kulmbach