Forschungsprojekt 2015 -2018
Verbesserung des Nahrungsangebotes durch Präriestaudenmischungen

Eine Hochstaudenmischung in Blüte im Juli (Achselschwang, 9. Juli 2015)
Ein neues Forschungsvorhaben befasst sich mit der Verbesserung des Nahrungsangebots für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten durch attraktive, langblühende Präriestaudenmischungen zur Energiegewinnung.

Projekthintergrund

In der ausgeräumten, intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft des 21. Jahrhunderts gibt es außerhalb der Blühzeiten von Ackerfrüchten nur wenig Nahrung für blütenbesuchende Insekten. Viele der etwa 550 Bienen- und Hummelarten sind daher selten geworden oder vom Aussterben bedroht. Wegen ihrer wichtigen Funktion als Bestäuber kann dies gravierende wirtschaftliche Folgen haben.
Für die Honigbienen gibt es ab Mitte Juli kaum noch Nahrung. Ein Mangel an Pollen im August und September beeinträchtigt die Aufzucht gesunder Winterbienen. Finden die Bienen im Spätsommer keinen Nektar und Honigtau mehr, suchen Sie auch in benachbarten Bienenvölkern nach Nahrung. Schwache und kranke Bienenvölker werden dabei ausgeraubt und die Übertragung von Krankheiten insbesondere von Varroa-Milben begünstigt.
Angesichts der Flächenknappheit und bestehender Nutzungskonflikte sind Flächenpotenziale zur Anlage von Blühstreifen oder -flächen begrenzt. Anbausysteme zur energetischen Nutzung, die auch als Bienenweide genutzt werden können, stellen daher eine gute Möglichkeit dar, diese Nahrungslücke für blütenbesuchende Insekten zu schließen.

Projektziele

Das vom Bayerischen Staatsministerium 2013 und 2014 geförderte Projekt „Auswirkungen von Trachten spätblühender Energiepflanzen auf Widerstandsfähigkeit und Überwinterungserfolg von Honigbienenvölkern“ hat gezeigt, dass späte Trachten die Entwicklung der Bienenvölker im Spätsommer begünstigt und keine negativen Auswirkungen auf die Varroa-Befallsentwicklung auftreten. Insbesondere bei Energiepflanzenmischungen konnten durch die lange Blüte über mehrere Wochen der Eintrag von Nektar und Pollen beobachtet werden. Dies führte zu einer Futterersparnis im Winterfutter und zu einer besseren Überwinterung der Bienenvölker. Diese Ergebnisse wurden auch durch Untersuchungen des Fachzentrums Bienen im Rahmen des von der Abteilung Landespflege durchgeführten FNR Projektes „Energie aus Wildpflanzen“ bestätigt.
In den bisherigen Energiepflanzenmischungen wurde der Schwerpunkt auf einheimisches und autochthones Saatgut gelegt. Versuche auf kleinflächigen Parzellen haben gezeigt, dass massewüchsige Präriestaudenmischungen über ein großes Potential zur energetischen Nutzung als Substrat für Biogasanlagen verfügen. Diese Mischungen zeigen eine große Blütenvielfalt mit wechselnden Blühaspekten über einen langen Zeitraum von Juli bis September.
Anders als bei ungenutzten Blühflächen könnten sich enorme Flächenpotenziale auch in strukturarmen, intensiv landwirtschaftlich genutzten Hochertragslagen erschließen. Dies ist anzunehmen, weil aufgrund der im Folgenden skizzierten Eigenschaften der Präriestaudenmischungen von einer hohen Anbaubereitschaft der Energiewirte ausgegangen wird. Durch zwei Funktionen auf einer Fläche -Blütenbereitstellung und Biomasseproduktion - können Nutzungskonflikte entschärft werden.
  • Hohes Ertragspotenzial durch extreme Massewüchsigkeit der verwendeten Arten und hohe Methanausbeuten
  • Geringer Produktionsaufwand (kostengünstige Etablierung durch Saat und nur wenige jährliche Arbeitsschritte bei voraussichtlich langjähriger Standzeit, praxisübliche Technik)
  • Gute Integrierbarkeit in den Betriebsablauf, auch als Ergänzung in geringerem Umfang, beispielsweise als Randstreifen großer Maisschläge (Ernte zeitgleich mit Silomais, d.h. zusätzliche Ernteeinsätze wie beim Anbau von Wildpflanzenmischungen mit heimischen Stauden entfallen)
  • Vielfältiges Blütenangebot als Nahrungsquelle für blütenbesuchende Insekten insbesondere Bienen im Spätsommer
  • Die attraktiven Blühbestände eignen sich hervorragend zur Imageförderung in der Landwirtschaft
Im Projekt soll die Eignung spätblühender Präriestauden als Bienenweide und Biomasse für die Biogasgewinnung geprüft werden. Dabei ist es das Ziel, die Mischung gegebenenfalls zu optimieren und Empfehlungen auf Grundlage der Ergebnisse und Praxiserfahrungen zu erarbeiten.
Alle Untersuchungen sollen über drei Standjahre fortgeführt werden, weil sich die Pflanzenbestände in diesem Zeitraum wegen der Mischungszusammensetzung aus ein- bis mehrjährigen Arten stark verändern.
Projektziel: Verbesserung des Nahrungsangebots für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten durch attraktive, langblühende Präriestaudenmischungen zur Energiegewinnung
Projektleitung: Dr. Ingrid Illies, Fachzentrum Bienen
Projektbearbeiter: Kornelia Marzini, Abteilung Landespflege
Laufzeit: 01.10.2015 bis 31.12.2018
Finanzierung: Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: K/15/02