Forschungs- und Innovationsprojekt
Winterbiene

Eine Hummel sitzt auf einer blühenden Staudensonnenblume die auf einem Feld voller Blumen steht

Verbesserung des Nahrungsangebots für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten durch attraktive, langblühende Präriestaudenmischungen zur Energiegewinnung

Blühmischungen aus mehrjährigen Wildpflanzen liefern Biomasse zur Energiegewinnung und können im Gegensatz zu Mais das Nahrungsangebot für Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten entscheidend verbessern. Spätblühende Präriestauden beispielsweise verfügen aufgrund ihrer extremen Massewüchsigkeit über ein hohes Ertragspotenzial und lassen daher hohe Methanausbeuten erwarten. Gleichzeitig liefern sie aufgrund ihrer langen Blühdauer bis Mitte Oktober Pollen und Nektar zu einer Jahreszeit, in der das Nahrungsangebot für Blütenbesucher sonst sehr begrenzt ist.

Ziel des Projektes

Das Forschungsprojekt Winterbiene ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau (ehemals Abteilung Landespflege) und des Instituts für Bienenkunde und Imkerei (ehemals Fachzentrum Bienen) der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Im Rahmen dieses Projekts wird die Eignung spätblühender Präriestaudenmischungen als Substrat für die Biogasproduktion in der Praxis geprüft und bewertet. Gleichzeitig erfolgt eine Evaluierung der Mischungen als Nektar- und Pollenquelle für Bienen und andere blütenbesuchende Insekten. Ziel des Forschungsprojekts ist es, für Insekten ab Mitte Juli ein wirtschaftlich nutzbares Blütenangebot in der Feldflur bereitzustellen. Basierend auf den Projektergebnissen und Praxiserfahrungen werden Empfehlungen für die Energiewirte erarbeitet.

Methoden des Projektes

Blühmischungen unterschiedlicher Zusammensetzung wurden auf mehreren Versuchsflächen etabliert. Durch regelmäßige Bonituren und Fotodokumentationen erfolgt eine Beurteilung der Bestandsentwicklung und des Blütenangebots der Flächen. Erfasst werden dabei der Feldaufgang, die Bestandsstruktur, die Flächendeckung und die Artenmächtigkeiten, die Höhe und der Entwicklungszustand der Blütenpflanzen, der Blütenreichtum und der Blühzeitraum. Zur Ermittlung des richtigen Erntezeitpunktes werden sowohl Sammelproben als auch Proben von massewüchsigen Einzelarten hinsichtlich Trockensubstanzgehalt und Methanausbeute (Batchuntersuchungen) durchgeführt.
Zur Bestimmung der Qualität der Mischungen als Nektar- und Pollenquelle für Insekten werden während der Blühphase mehrere Honigbienenvölker direkt an den Versuchsflächen aufgestellt und regelmäßig hinsichtlich Pollen- und Nektareintrag beprobt. Zudem wird erfasst, wie sich die Völker an den Flächen entwickeln. Zur Erfassung des Spektrums der Blütenbesucher der bestandsbildenden Pflanzenarten werden die Flächen an unterschiedlichen Tagen zu verschiedenen Tageszeiten für jeweils drei Minuten abgeschritten und dabei für eine bestimme Pflanzenart Anzahl und Art der Besucher (Honigbiene, Hummel, Wildbiene, Schwebfliege, Schmetterling) notiert. Zusätzlich werden Wildbienen auf den Versuchsflächen gefangen und bis auf Artniveau bestimmt.

Ergebnisse des Projektes

Die Deckfrucht der Blühmischung blühte im ersten Standjahr mit einer sehr guten Bodendeckung von 90 % und gewährleistete eine zügige Etablierung der Präriestauden. Der Ertrag der Deckfrucht belief sich auf 77 Dezitonnen Trockenmasse pro Hektar (dt TM/ha) mit einem Methanertrag von 232,5 Liter pro Kilogramm organische Trockenmasse (l/kg oTM). Die ersten nordamerikanischen Stauden kamen im zweiten Standjahr mit einer Bodendeckung von 90 % zur Blüte. Die Ernteergebnisse aus dem zweiten Standjahr erreichten mit 104 dt TM/ha etwa 80 % des Maisertrags. Die Ergebnisse zum Methanertrag liegen für das zweite Standjahr aktuell noch nicht vor.
Von dem lang anhaltenden Blütenangebot der Mischungen profitieren insbesondere Honig- und Wildbienen. Aber auch andere Insekten wie Schwebfliegen oder Schmetterlinge konnten an den Blüten der Mischung beobachtet werden. Honigbienenvölker, die während der Blühperiode an den Versuchsflächen standen, waren bis spät in den Herbst gut mit Pollen und Nektar versorgt. Zusätzlich zu einer geringen Honigernte war eine Ersparnis an Winterfutter festzustellen. Die bisherigen Daten zum Bestäuberspektrum zeigen, dass die hier untersuchten Blühmischungen von vielen Wildbienenarten genutzt werden. Im Untersuchungszeitraum von 2016 konnten insgesamt 35 Wildbienenarten aus insgesamt 9 Gattungen in den Flächen gefangen werden. Darunter befanden sich unter anderem seltene Arten, wie zum Beispiel Grashummel und Schwarzrote Schmalbiene, die in der Roten Liste geführt werden.
Die Blühmischungen wirken sich nicht nur positiv für Insekten aus, sie haben zudem noch einen weiteren ökologischen Nutzen. Bisherige Bodenuntersuchungen zeigen deutlich, dass mit dem Anbau von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen die Nitratbelastung in den Böden innerhalb kurzer Zeit massiv gesenkt werden kann. Durch die Umstellung von Silomais auf den Anbau von Wildpflanzen lässt sich somit das Umweltrisiko der Nitratbelastung des Grundwassers deutlich reduzieren. Diese Eigenschaft empfiehlt den Anbau von Blühmischungen vor allem für Wasserschutzgebiete und für Bereiche im Umgriff von Gewässern oder auf grundwassernahen Böden.

Publikationen

Heidinger, I., Marzini, K. und Illies, I. (2018) Die Energie aus der Prärie: Spätblühende Präriestaudenmischungen liefern Energie für Mensch und Blütenbesucher. Schule und Beratung Ausgabe 05-06/18
Heidinger, I., Marzini, K. und Illies, I. (2018) Mixtures of late flowering, herbaceous perennials providing energy for humans and flower visiting insects. Posterbeitrag auf der 65. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung e.V. vom 20.-22. März 2018 in Koblenz
Projektinformation
Projektleitung: Dr. Ingrid Illies (LWG-IBI)
Projektbearbeiter: Kornelia Marzini (LWG-ISL), Dr. Ina Heidinger (LWG-IBI)
Laufzeit: 01.10.2015 bis 31.12.2018
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Projektpartner: Institut für Bienenkunde und Imkerei (IBI), Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau (ISL)
Förderkennzeichen/Fördernummer: K/15/02