Erkrankungen der Bienen
Varroa (Varroose)

Die Varroamilben sind vielfach für Völkerverluste verantwortlich. Sie sind in allen Völkern präsent und können sich insbesondere bei Völkerzusammenbrüchen schnell in der Umgebung verbreiten. Maßnahmen zur Vermeidung von Varroaverlusten sind deshalb nicht nur für den eigenen Betrieb wichtig, sondern stellen auch eine Verantwortung für das Tierwohl der Bienen in der Umgebung dar!

Kontrolle der Befallsentwicklung

Um die eigenen Bienenvölker gesund zu erhalten, muss man die Belastungssituation am eigenen Stand richtig einschätzen können! Hierzu ist eine wiederholte Diagnose durch die Bienenhalter erforderlich. Je nach Zeitpunkt sind unterschiedliche Methoden sinnvoll.

Aufgrund der natürlichen Entwicklung der Bienen steigt ab Juli der Varroadruck in den Völkern. Die Bienenvölker sollten deshalb zu diesem Zeitpunkt untersucht werden. Nach erfolgter Sommerbehandlung sollte mit der gleichen Methode der Behandlungserfolg geprüft werden. Mögliche Methoden und Kennzahlen finden Sie in den nachfolgenden Links:
Auch nach erfolgreicher Varroabehandlung müssen die Bienen, so lange Bienenflug herrscht, auf Varroabefall – insbesondere bei möglicher Milbenreinvasion – kontrolliert werden. Dies kann bis weit in den Herbst erforderlich sein. Auch nach der Auswinterung ist eine Milbenkontrolle wichtig, um Problemvölker frühzeitig zu erkennen. Hierzu eignet sich folgende Methode:
Zur Abschätzung des Befallsdruckes empfiehlt es sich auch auf weitere Faktoren wie Witterungsverlauf, Brutstärke, Brutbild und Sekundärinfektionen (z.B. verkrüppelte Flügel) zu achten.

Behandlungsmaßnahmen

Auswahl der Methoden

Varroa Auf Puppe
Bayerisches Varroabekämpfungskonzept
Ein erfolgreicher Umgang mit der Varroamilbe besteht immer aus einem engen Zusammenspiel zwischen Befallskontrolle und Behandlung der Völker. Im bayerischen Varroabekämpfungskonzept werden bewährte Methoden empfohlen, die auch Rückstandsproblematik, Reinvasion und die Gefahr von Resistenzen berücksichtigen.
Für Maßnahmen gegen die Varroamilben liegen verschiedene Voraussetzungen vor. Wichtig hierbei ist, ob zum Zeitpunkt des Eingriffes noch Honig produziert werden soll und ob die Völker brüten. Bezogen auf den Verlauf des Bienenjahres werden deshalb im Regelfall folgende Phasen unterschieden:

Weitere Methoden wurden von der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute in einer gemeinsame Broschüre zusammengefasst:

Varroa unter Kontrolle pdf 11,0 MB

Ein Varrobekämpfungskonzept ist wichtig! Es kann jedoch immer nur eine Leitlinie darstellen. Eine Beurteilung der speziellen Situation bleibt trotzdem unerlässlich, da nicht alle Einflussgrößen in einem Konzept berücksichtigt werden können.

Auswahl der Behandlungsmittel

Ameisensäureflasche
Zulassung
Für viele Behandlungsmaßnahmen werden Medikamente benötigt. Für die Verwendung müssen die Stoffe eine arzneimittelrechtliche Zulassung besitzen. Verstöße gegen das Arzneimittelrecht werden zum Teil mit mehrjährigen Freiheitsstrafen bestraft! Eine Liste mit den aktuell in Deutschland zugelassenen Varroabehandlungsmitteln finden Sie in der folgenden Liste:

Zugelassene Varroabehandlungsmittel pdf 190 KB

Sonderfall Therapienotstand
Der Therapienotstand ist gegeben, wenn die notwendige arzneiliche Versorgung der Bienenvölker ernstlich gefährdet ist und die Anwendung geeigneter zugelassener Arzneimittel keine Abhilfe schaffen kann. Entsprechend dem Schreiben vom 09.07.2008 vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit des Einsatzes der 85%igen Ameisensäure zur Bekämpfung der Varroamilbe im Therapienotstand. Dieser muss von einem praktizierenden Tierarzt festgestellt werden. Als Hilfestellung wurden die Rahmenbedingungen für das Vorliegen eines Therapienotstandes durch das Fachzentrums Bienen zusammengestellt. Näheres finden Sie hier:
Für die Festlegung der Behandlungsmittel sind neben dem genutzten Behandlungskonzept auch weitere Kriterien relevant. Die staatliche geförderten Mittel stellen hierbei eine Auswahl dar.

Empfehlungen zur Varroamittelauswahl

Bei den Präparaten wurde neben der Wirkung besonders die Rückstandsproblematik und Anwenderfreundlichkeit berücksichtigt.


Varroawetter2
Varroawetter
Die erfolgreiche Varroabehandlung ist sehr stark auch von der Wettersituation abhängig. Die Auswahl der einsetzbaren Mittel hängt deshalb auch von der vorherrschenden Witterung ab. Eine Beurteilungs- und Planungshilfe für die Varroazid-Anwendung erhalten Sie in unserem Varroawetter.

Beschaffung von Varroabehandlungsmitteln

Varroabehandlungsmittel sind Tierarzneimittel und unterliegen strengen Bestimmungen bei Verkauf. Neben freiverkäuflichen Medikamenten besteht zum Teil auch eine Apotheken- oder Rezeptpflicht.

Bezugsquellen Varroabehandlungsmittel

Neben den rechtlich zulässigen Bezugsmöglichkeiten finden Sie zusätzlich die Hersteller der Präparate, da diese zum Teil nicht im Einkaufssystem der Apotheken gelistet sind.

Durchführungsbeschreibungen

Die nachfolgenden Arbeitsanweisungen stellen praktische Anleitungen für die Durchführung von Behandlungsmaßnahmen dar und ersetzen nicht die Packungsbeilagen der jeweiligen Medikamente. Bei den Anleitungen handelt es sich zum Teil um Auszüge der Broschüre „Varroa unter Kontrolle“, die mit Praxisempfehlungen ergänzt wurden.
Varroabehandlung bei Völkern mit Brut
Varroabehandlung bei Völkern ohne Brut

Dokumentation

Der Einsatz von Arzneimitteln gegen die Varroose muss bei apotheken- und rezeptpflichtigen Medikamenten dokumentiert werden. Informationen zum Umfang der Nachweispflichten sowie ein Bestandsbuchmuster finden Sie in der nachfolgenden Broschüre des Gesundheitsministeriums:

Bestandsbuch pdf 483 KB

Allgemein entspricht es jedoch der guten fachlichen Praxis zusätzlich alle Anwendungen in der Stockkarte zu dokumentieren.


Notmaßnahmen

Der Behandlungserfolg kann nur über eine Nachkontrolle festgestellt werden. Der Milbenabfall während der Behandlung bietet nur erste Hinweise! Hat eine Behandlung nicht angeschlagen und kann diese nicht wiederholt werden, müssen Notmaßnahmen ergriffen werden. Das gleiche gilt, wenn trotz erfolgreicher Behandlung die Bienenvölker durch Milbeneintrag von außen (Reinvasion) nachträglich die Milbenbelastung wieder kritisch geworden ist. Dies Gefahr besteht bis zur Einstellung des Flugbetriebes im Spätherbst und kann innerhalb sehr kurzer Zeit auftreten.