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Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
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Der Holunder ist ein heimisches Gehölz. Ursprüngliche Standorte waren Auwälder und Flussufer in Mitteleuropa. Heute ist der Holunder in ganz Europa, dem Kaukasus, Kleinasien, Westsibirien und Nordafrika besonders auf nährstoffreichen Böden zu finden. Der Holunder gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Er besitzt beerenartige Steinfrüchte.

Blüte und Frucht

Durch die späte Blüte Anfang Juni besteht keine Spätfrostgefahr. Die, je nach Sorte cremeweißen, gelblich leuchtenden oder rosa blühenden, flachen Trugdolden verströmen einen süßlichen Geruch und stellen einen besonderen Zierwert dar. Der Holunder ist selbstfruchtend und benötigt deshalb keine weitere Befruchtersorte.

Je nach Sorte beginnt die Fruchtreife ab Mitte August und geht bis September/Oktober. Die einzelnen Steinfrüchte sind kugelig, 5 bis 7 mm groß und schwarzviolett glänzend.
Holunder enthält viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Eine ganz besondere Rolle spielt auch der dunkle Farbstoff des Holunders, den man früher zum Färben genommen hat. Die Früchte sind NICHT zum Rohgenuss geeignet. Der Inhaltsstoff Sambunigrin kann Verdauungsstörungen hervorrufen! Der Giftstoff wird durch Erhitzen und Vergärung jedoch abgebaut.

Pflanze

Holunder ist ein flachwurzelnder, schnellwachsender Baum oder Strauch, der drei bis sechs Meter hoch wird. Die Äste sind sehr markreich. Eine Pflanzung im Frühjahr gilt als vorteilhaft, denn bei einer Herbstpflanzung reift das Holz bis zum Winter nicht genügend aus. Wichtig ist ein tiefgründiger, durchlässiger Boden. Da der Holunder auch ein Vogelnährgehölz ist, kann die starke Verbreitung der Samen durch Vögel lästig werden.

Mit Ausnahme von Blattlaus- und Milbenbefall zählt Holunder zu den robusteren Pflanzen. Wegen der vielen positiven Eigenschaften eignet sich der Schwarze Holunder für Hausgärten als Zier- und Fruchtgehölz. In letzter Zeit wird – v. a. in regenreichen Gegenden – von Doldenwelke (Komplex mehrerer Pilze) an reifenden Dolden berichtet. Auch Mäusefraß stellt eine Gefahr, v. a. bei jüngeren Pflanzen, dar. Extreme Witterungsumschwünge können Sonnenbrand an den Beeren auslösen. Sehr große Probleme bereitet die Kirschessigfliege, deren Befall zu totalen Ertragsausfällen führen kann.

Nähere Informationen im Umgang mit der Kirschessigfliege im Haus- und Kleingarten

Erziehung und Schnitt

Neben der mehrtriebigen Straucherziehung bewährt sich zunehmend die Stämmchenerziehung (kleiner, schirmartiger Baum). Diese ist im Hausgarten besonders empfehlenswert. Dazu geht man wie folgt vor: Die Jungpflanze wird auf einen Trieb gestellt und in circa 1,25 Meter Stammhöhe angeschnitten. Bestehende Verzweigungen und Augen bis ein Meter Höhe werden ausgebrochen. Es sollen unterhalb der Anschnittstelle fünf bis sechs Augen verbleiben, aus denen sich die Gerüstäste bilden können. Im zweiten Jahr werden Bodentriebe und Verzweigungen unterhalb der Krone entfernt. Die fünf bis sechs Gerüstäste werden auf Stummel mit je zwei Augen eingekürzt. Aus diesen entwickeln sich die Tragruten.

Holunder trägt am letztjährigen (einjährigen) Holz. An ihm entwickeln sich kurze Seitentriebe mit den Blütendolden. Abgetragene Fruchtruten können im Spätwinter, ähnlich wie bei Himbeeren, komplett herausgeschnitten werden. Gleichzeitig belässt man etwa 12 Jungruten, die im Sommer fruchten. Im Gegensatz zu anderen Obstgehölzen kann bei Holunder jedoch auch ein kleiner Stummel mit ein bis maximal zwei Augen verbleiben, aus dem sich neue Langtriebe bilden, die im Folgejahr fruchten. Für eine gute Ernte reichen 12 bis maximal 15 Fruchtruten aus. Durch diese Fruchtholzrotation werden die Sträucher bzw. Stämmchen in einer Wuchshöhe von höchstens drei Meter gehalten. Außerdem bleiben die Pflanzen vital und verkahlen nicht.

Bilden sich mehr Jungtriebe, als für das Folgejahr benötigt werden, können die überzähligen bereits im Frühsommer (nach der Blüte) entfernt werden. Die Spitze von zu langen Tragruten kann ebenfalls zu diesem Zeitpunkt eingekürzt werden. Diese Maßnahmen sorgen für eine lichte Krone mit besserer Durchlüftung und Ausreife der Dolden. Holunder ist übrigens für eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung dankbar. Nur so lassen sich kräftige Tragruten und gute Fruchtqualitäten erzielen.

Verwendung

Getrocknete Blüten und der Beerensaft werden in der Volksheilkunde wegen der harn- und schweißtreibenden Wirkung verwendet. Nur vollreife Früchte verwenden, diese lassen sich zu Fruchtsaft, Mus und Gelee, Wein, Likör und Edelbrand verarbeiten. Aus frischen Blütendolden können Holundersirup und -sekt sowie "Hollerküchle" hergestellt werden.

Empfehlenswerte Sorten

Hinsichtlich der Fruchtqualität (deutlich größere Dolden und Beeren) sind die Holundersorten den Wildformen weit überlegen. Die Früchte reifen auch einheitlich ab und weisen höhere Gehalte an Farbstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen auf. Anfang bis Mitte September reift die österreichische Sorte 'Haschberg'. Bereits ab Mitte August reifen dänische Sorten, wie z. B. 'Samyl', 'Sampo' und 'Samdal'. Mit ihrer attraktiven Erscheinung erweitern die neuen dunkellaubigen, z. T. geschlitztblättrigen oder auch gefülltblühenden Sorten (keine Früchte) die Gestaltungsmöglichkeiten im Garten. Sorten mit hohem Zierwert sind z. B. 'Black Lace' (purpurfarbene, geschlitzte Blätter), 'Black Beauty', 'Thundercloud' (dunkles Laub, Blüten duften nach Zitrone), 'Black Tower' (wächst säulenartig und kompakt, kleinere Dolden) oder 'Laciniata' (grüne, tief geschlitzte Blätter). Für zusätzliche Attraktivität sorgen die rosa-pinkfarbenen Blütendolden von 'Black Lace', 'Black Beauty', 'Black Tower' und 'Thundercloud'. Die Früchte der Ziersorten können ebenfalls verwertet werden.