Versuche im deutschen Gartenbau 2015
Kühllagerung bei Topfchrysanthemen (Chrysanthemum indicum)

Zweite Staffel vor dem Einräumen ins Kühlhaus

Bei vorzeitigem Blühbeginn und um den Absatzzeitraum zu verlängern, können Topfchrysanthemen kühl gelagert werden.

Wie überstehen Sorten mit unterschiedlichen Blütenformen und unterschiedlichem Entwicklungszustand (farbezeigend oder voll erblüht) eine Lagerphase im dunklen Kühlraum bei 1 °C bzw. 5 °C?

Ergebnisse - kurzgefasst

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim untersuchte 2015 den Einfluss unterschiedlicher Lagerungsbedingungen bei 10 Topfchrysanthemensorten im 12-cm-Topf auf die Qualität sowie die anschließende Haltbarkeit. Wenn die Knospen Farbe zeigten wurden die Pflanzen auf einem CC-Container in einem dunklen Kühlraum bei 1 °C bzw. 5 °C für 1 oder 3 Wochen gelagert und anschließend im Gewächshaus die weitere Entwicklung beobachtet.

Die geprüften Sorten reagierten unterschiedlich auf die Kühllagerung. Dabei schnitten die kühleren Varianten mit 1 °C besser ab als die 5 °C Varianten. Bei einer dreiwöchigen Lagerung bei 5 °C verringerte sich bei einigen Sorten die Füllung der Blüten, die Farben verblassten und die Knospen wurden braun und vertrockneten. Am robustesten erwies sich die Sorte 'Barium', die sich nach allen Kühlvarianten gut weiter entwickelte.

Ergebnisse

Wahrscheinlich bedingt durch die vorangegangenen extrem hohen Temperaturen im Gewächshaus (über 30 °C) verspätete sich die Blüte der meisten Sorten um ca. 2 Wochen. Je nach Entwicklungszustand der Blüten wurden die Sorten in vier Staffeln, jeweils in Paletten auf CC-Wagen, in die Kühlräume gebracht. Für die ersten drei Staffeln wurde das Stadium gewählt, bei dem die ersten Knospen Farbe zeigten. Die drei-Wochen-Varianten wurden nach einer Woche einmal von Hand gegossen. In Staffel vier wurde an vier Sorten eine Kühllagerung im voll erblühten Zustand untersucht. Blattschäden durch die kühlen Temperaturen in der Lagerphase wurden in keiner Staffel festgestellt. Bei einigen Pflanzen, mit Blattlausbefall (Aphis gossypii) bildete sich auf dem Honigtau der Blätter bei 5 °C ein sehr starker Rußtaubelag mit Cladosporium-Arten. Dieser Belag trat auch bei der dreiwöchigen 5 °C-Kühlung auf, fehlte aber in den 1 °C–Varianten und bei den ungekühlten Pflanzen.

Die einwöchige Kühlung sowohl bei 5 °C als auch bei 1 °C wurde von allen Sorten gut vertragen. Wie beabsichtigt, blieben die Pflanzen im farbezeigenden Stadium stehen, manche Knospen entwickelten sich bei 5 °C noch etwas weiter, jedoch mit deutlicher Verzögerung zu der ungekühlten Variante. Die noch geschlossenen Knospen wirkten auch nach der 1 °C Kühllagerung vital und turgeszent und blühten anschließend normal auf.

Die größten Unterschiede in der Reaktion der Sorten traten bei der dreiwöchigen Kühldauer auf. Hier war es besonders die 5 °C-Variante, bei der Blüten und Knospen stark beeinträchtigt wurden. Als Ursache wird angenommen, dass die Pflanzen bei 5 °C ihre Reservestoffe veratmeten, während bei 1 °C der Stoffwechsel weitgehend zum Erliegen kam. Bei 'Chrystal White' und 'Chrystal Yellow' mit ihrem dekorativen Blütentyp zeigten sich die Unterschiede zwischen den beiden Kühltemperaturen besonders stark. Bei 5 °C blieben die Blüten flach und die Mitte verkümmerte, sodass sie ungefüllt wirkten. Bei 'Chrystal Yellow' war außerdem eine deutliche Farbaufhellung zu sehen. Die Pflanzen, die 3 Wochen bei 1 °C gelagert worden waren, entwickelten sich normal weiter. Die Blumenfüllung schien hier sogar stärker ausgeprägt als bei der ungekühlten Variante.

Blüten von 'Chrystal White'

Blüten von 'Chrystal White'

Blüten von 'Chrystal Yellow'

Blüten von 'Chrystal Yellow'

Die einfach blühenden 'Breeze Yellow', 'Rainbow Pink Secret' und 'Tampico Yellow' reagierten nach 3 Wochen Kühlung bei 5°C mit einer Aufhellung der Blütenfarbe. Bei diesen Sorten sowie bei 'Tampico White' kam es mit zunehmender Standdauer im Gewächshaus zur Verbräunung der Blütenmitte und vertrockneten Knospen. Bei der 1°C Variante blühten die Sorten dagegen vollständig auf und die Knospen entwickelten sich weiter.

'Rainbow Pink Secret' am 27. Oktober 2015: Tag 15 bzw. Tag 1 nach dem Ausräumen aus dem Kühlhaus. (Mitte links: ungekühlt, oben von links: 1 Woche 5 °C, 1 Woche 1 °C, unten von links: 3 Wochen 5 °C, 3 Wochen 1 °C)

'Rainbow Pink Secret': Tag 15 bzw. Tag 1 nach dem Ausräumen aus dem Kühlhaus

'Rainbow Pink Secret' 7 Tage nach der dreiwöchigen Kühllagerung. (links: 3 Wochen 5 °C, rechts: 3 Wochen 1 °C)

'Rainbow Pink Secret': 7 Tage nach der dreiwöchigen Kühllagerung

'Tampico Yellow' am 27. Oktober 2015: Tag 15 bzw. Tag 1 nach dem Ausräumen aus dem Kühlhaus. (Mitte links: ungekühlt, oben von links: 1 Woche 5 °C, 1 Woche 1 °C, unten von links: 3 Wochen 5 °C, 3 Wochen 1 °C)

'Tampico Yellow': Tag 15 bzw. Tag 1 nach dem Ausräumen aus dem Kühlhaus

'Tampico White' 21 Tage nach der dreiwöchigen Kühllagerung. (von links: 3 Wochen 5 °C, 3 Wochen 1 °C)

'Tampico White': 21 Tage nach der dreiwöchigen Kühllagerung

Die Pflanzen der dritten und vierten Staffel bestanden aus Sorten der' Yahou & friends'-Gruppe.
'Yahou Golden' wurde in drei Entwicklungsstadien getestet: noch nicht farbezeigend, farbezeigend und voll erblüht. Diese Sorte reagiert schnell mit braunen Blüten und eingetrockneten Knospen besonders in den 5 °C–Varianten. Bei früher Einlagerung mit noch nicht farbezeigenden Knospen verträgt 'Yahou Golden' eine einwöchige Kühlung bei 1 °C gut. Nach 3 Wochen bei 5 °C in diesem Stadium blieben die Blüten flach mit brauner Mitte und es entwickelten sich keine gefüllten Blüten. In voll erblühtem Zustand ist eine einwöchige Lagerung bei 1 °C möglich.

'Yahou Golden' Tag 21 Kühllagerungsstadium noch nicht farbezeigend (Mitte links: ungekühlt, oben von links: 1 Woche 5 °C, 1 Woche 1 °C, unten von links: 3 Wochen 5 °C, 3 Wochen 1 °C)

'Yahou Golden': Tag 21, Kühllagerungsstadium noch nicht farbezeigend

'Yahou Golden' Tag 10 nach 3 Wochen bei 5 °C, Kühllagerungsstatium farbezeigend

'Yahou Golden': Tag 10, Kühllagerungsstatium farbezeigend

Bei 'Rico' ist von einer dreiwöchigen Kühlung im farbezeigenden Stadium abzuraten. Hier bildeten sich schnell vertrocknete Blütenmitten und Knospen. Im Versuch schnitt die Variante eine Woche Kühlung bei 1°C mit farbezeigenden Knospen am besten ab. In voll erblühtem Zustand zeigten sich nach einwöchiger Kühlung und anschließend einwöchigem Aufstellen im Gewächshaus keine Schäden.

'Rico' Tag 14 nach dreiwöchigen Kühllagerung. (von links: ungekühlt, 3 Woche 5 °C, 3 Woche 1 °C)

'Rico': Tag 14 nach dreiwöchigen Kühllagerung

'Rico' Kühllagerung voll erblüht, Tag 7 nach einwochiger Kühlung (von links: 1 Woche 5 °C, 1 Woche 1 °C)

'Rico': Tag 7 nach einwöchiger Kühllagerung

Bei 'Elys blanc' ist bemerkenswert, dass die weiße Blütenfarbe beim Abblühen in ein kräftiges Pink übergeht. Auf 5 °C Kühltemperatur reagierte 'Elys blanc' wie die einfachblühenden Sorten aus der ersten und zweiten Staffeln mit brauner Blütenmitte, auch bei Lagerung im voll erblühten Zustand. Nach dreiwöchiger Kühldauer im farbezeigenden Stadium bildeten sich schnell braune Knospen und die Blüten entwickelten sich nicht weiter. Am besten wurde eine Woche Kühlung bei 1 °C vertragen.

'Elys blanc' Tag 21 nach 3 Wochen Kühlung

'Elys blanc': Tag 21 nach dreiwöchigen Kühlung

'Barium' Tag 21 nach 3 Wochen Kühlung

'Barium': Tag 21 nach dreiwöchigen Kühlung

Als Muster an Robustheit erwies sich die Sorte 'Barium', die problemlos alle Kühlvarianten überstand, sowohl im farbezeigenden als auch im voll erblühten Zustand. Es gab keinerlei Blütenschäden oder steckengebliebene, vertrocknete Knospen. In der Beobachtungsphase nach der Kühlung wechselte die kräftige Orangefärbung zwar mit zunehmender Standdauer zu einem goldgelben Farbton, dies trat aber auch in der ungekühlten Variante auf.