Gartentipp
Leimringe: für Frostspanner nicht „barrierefrei"
1. September 2016

Im Herbst legen manche Leute Leimringe um die Baumstämme an. Was soll diese Maßnahme bewirken? Der Experte der Bayerischen Gartenakademie erklärt die Gründe.

Ganz bis auf die Rippen oder zumindest aber löchrig zerfressene Blätter im Frühjahr (April bis Mai), oft in Verbindung mit angefressenen Jungfrüchten, werden von den gefräßigen hellgrünen bzw. bräunlichen Raupen des Kleinen bzw. Großen Frostspanners verursacht. Sie sind eindeutig durch ihre "Katzbuckelartige", also spannerartige Fortbewegung zu erkennen und eigentlich an allen Obst- und Ziergehölzen anzutreffen.

Leimringe gegen Frostspanner

Um Schäden durch Frostspanner im kommenden Jahr vorzubeugen, sollten um den Hauptstamm an Bäumen rechtzeitig Leimringe unterhalb der Kronenverzweigung angelegt werden. Beim Leimring handelt es sich um eine etwa zehn Zentimeter breite Barriere aus Papier, auf dem ein spezieller Leim aufgetragen ist. Dieser verhindert, dass die kleinen, flugunfähigen, aus dem Boden geschlüpften weiblichen Falter über den Stamm in die Baumkrone aufwandern können. Denn erst dort erfolgt die Begattung mit den flugfähigen männlichen, gräulichen unscheinbaren Kleinfaltern und anschließend die Eiablage.

Was ist beim Anlegen des Leimrings zu beachten?

Zum einen der rechtzeitige Termin – und zwar, wenn die ersten kalten Nächte auftreten: Das kann schon im September sein, spätestens Anfang Oktober.
Weiterhin muss Wert auf das richtige Anbringen um den Stamm gelegt werden, v.a. bei älteren Bäumen mit sehr borkiger Rinde. Diese muss in dem Anlegebereich geglättet werden, damit die Barriere plan anliegt. Andernfalls könnten die weiblichen Falter darunter durchkrabbeln. Daher muss der Fangring an dessen oberen und unteren Enden gut mit Schnüren um den Stamm festgezurrt sein.
Ferner ist zu beachten, dass der Leim antrocknen kann oder dass an ihm Blätter anhaften können. In diesen Fällen das Klebemittel erneuern bzw. Blätter, die in der Leimzone als "Brücke" zum Aufwandern dienen können, entfernen.
Außerdem müssen auch Baumpfähle, wenn sie in die Krone reichen und somit als Umweg zum Hochklettern dienen, ebenfalls mit dem Schutz versehen werden.
Last, but not least, werden die Leimringe spätestens Anfang März wieder abgenommen, da sonst nützliche Insekten wie Marienkäfer, Ohrwürmer abgefangen werden.

Vor- und Nachteile:

Die Barriere ist eine giftfreie, somit umweltfreundliche und dabei sehr effektive Maßnahme, denn selbst mit Biomitteln kann eine größere Baumkrone mit einer Rückenspritze nur äußerst aufwendig und unzureichend behandelt werden. Es gibt fertige Leimringe verschiedener Anbieter. Sie können ihn aber auch selbst „basteln“: einen Papierstreifen von ca. zehn bis fünfzehnZentimeter anbringen. Darauf den reinen Raupenleim mindestens zehn Zentimeter breit mit einem Pinsel auftragen.
Leider können Vögel auf dem Leim anhaftende Insekten als Futterquelle nutzen und sich dabei ihre Schnäbel verkleben.

Gute Erfahrungen

Im Mai seilen sich die Frostspannerraupen aus der Baumkrone zum Boden ab, wo sie sich verpuppen. Sie verbleiben somit im Baumbereich und die flugunfähigen Weibchen können nicht zufliegen. Wenn Sie den Leimring zwei Jahre nacheinander konsequent, d.h. rechtzeitig und richtig einsetzen, sollten Raupenbefall und Schaden nur noch minimal sein. Dann kann durchaus wieder eine kleine Pause von ein bis zwei Jahren ohne diese „Barriere“ eingelegt werden.