Gartencast
Klimawandel: Auswirkungen im Obstgarten
1. Dezember 2016

Der Klimawandel ist unbestritten, auch wenn dies nicht auf Anhieb sichtbar ist und zwischendurch kalte Tage auftreten. „Doch die Folgen sind auch im Obstgarten zu sehen“, informiert der Experte der Bayerischen Gartenakademie.

Klimawandel: Auswirkungen im Obstgarten

Wichtige gärtnerische Aspekte des veränderten Klimas

Die milderen Winter führen zu einem deutlich früheren Austrieb der Gehölze. Dadurch sind Stämme und Blüten stärker durch Spätfröste gefährdet. Auch die Wetterextreme nehmen zu: sehr trockene Frühjahrsmonate, ein feuchterer Frühsommer, länger andauernde Trockenphasen und äußerst große Regenmengen in kurzer Zeit.

Negative Auswirkungen bei Obstgehölzen

Der schnelle Wechsel von bewölktem zu heiß-trockenem Wetter mit hoher UV-Strahlung führt bei reifenden Früchten zu Sonnenbrandschäden. Stachel-, Johannis-, Him-und Brombeeren zeigen an der prallen Sonne zugewandten Seite weiche, verbräunte Stellen, die durch die Sonneneinstrahlung wie gekocht aussehen. Stachelbeeren fallen vorzeitig ab. Rechtzeitig aufgelegte Schattiernetze können eine Abhilfe schaffen. Auch schwach wachsende Baumobstarten mit schmalen Kronen sind betroffen. Hier sollte ein Sommerschnitt erst gegen Mitte August erfolgen, um die Früchte länger auf natürliche Weise zu schattieren.
Als weitere Auswirkung des Klimawandels ist das verstärkte Auftreten bisheriger Schaderreger, aber auch die Ausbreitung neuartiger Schädlinge zu beobachten. So hat sich die Kirschessigfliege durch milde Winter etabliert und durch feuchtes Wetter breitet sie sich massiv aus. Vor allem ab Juli reifende Früchte, besonders Himbeeren, Heidel-und Brombeeren, Holunder, Trauben werden bei voller Reife stark befallen. Die kleinen Maden finden sich aber auch in Früchten von wilden Hecken. Ein Faltblatt zum Umgang mit diesem invasiven Schädling finden Sie auf der Homepage der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim, Seite Freizeitgartenbau. Ein nasses Frühjahr verstärkt den Befall mit Apfelschorf und Birnengitterrost.
Der dritte Aspekt ist die erhöhte Spätfrostgefahr für Obstgehölze. Die nachweislich deutlich zeitigere Obstblüte führt durch Spätfrostereignisse zu Ernteausfällen oder starker Berostung der Fruchtschale bei Apfel und Birne. Ein sehr frühes Ende der Winterruhe kann bei stärkeren Minusgraden im Februar und März vor allem bei Steinobstbäumen zu Frostrissen am Stamm führen. Diese Wunden dienen als Eintrittspforte für holzzerstörende Pilze und Bakterien, die dann große Schäden am Gehölz auslösen können.
Zuletzt noch ein Hinweis zum sinnvollen Gießen in Trockenphasen: da Obstgehölze meist tiefer wurzeln, reicht eine wöchentliche, dafür durchdringende Wassergabe von zehn bis fünfzehn Litern pro kleinem Obstbaum bzw. Beerenstrauch aus. Großkronige, ältere Bäume benötigen hingegen etwa 50 Liter. Eine bewuchsfreie Baumscheibe mit Gießwall ist dabei sinnvoll.

Was sind denn positive Erscheinungen des Klimawandels?

Bei frühzeitigem, warmem Vegetationsbeginn reifen Obstarten bis zu zwei Wochen eher. Spät reifende Sorten von Kernobst und Trauben können jetzt auch in klimatisch ungünstigeren Gegenden noch gute Fruchtqualitäten liefern. Des Weiteren kann ein Anbau von besonders wärmeliebenden Arten wie Kiwi, Kaki, Feigen -zumindest an geschützten Stellen im Garten- erfolgreich sein. Voraussetzung sind spezielle frostharte Sorten und ein gewisser Winterschutz, denn nicht jeder Winter verzeichnet nur leichte Fröste bis minus fünf Grad Celsius.