Gartencast
2018 - ein spezielles Gartenjahr
1. Dezember 2018

Die extreme, langanhaltend trocken-heiße Witterung in vielen Teilen Bayerns hat auch in Gärten ihre Spuren hinterlassen. Auf positive wie negative Erscheinungen blicken die Experten der Bayerischen Gartenakademie zurück.

2018 - ein spezielles Gartenjahr

Vorteile des trockenen und heißen Klimas

Die äußerst üppige Obstblüte verlief schnell und ohne Frosteinbußen. So stellten sich vor allem beim Baumobst enorme Überbehänge ein. Hitze und Trockenheit ließen gesunde Früchte deutlich früher heranreifen. Neben den Obstarten profitierten auch Tafeltrauben und Weinreben, sowie Tomaten, Paprika, Auberginen, Süßkartoffel, mediterrane Kräuter und wärmeliebende Gehölze von der warmen, trockenen Witterung bei ausreichender Bewässerung. Auch spät gepflanzte Salate bzw. gesäter Feldsalat gediehen im wiederum verlängerten Spätsommer noch sehr gut.

Licht und Schatten bei Schaderregern

Die auf eine gewisse Blattnässedauer angewiesenen Pilzkrankheiten waren heuer ebenso wenig verbreitet wie das Aufkommen von Schnecken und der in den letzten Jahren ab Juli-August stark schädigenden Kirschessigfliege. Auch die Kirschfruchtfliege, die wurmige Früchte verursacht, war weniger schadhaft. Nur überreife oder nicht abgeerntete Obstbestände konnten betroffen sein. Grauschimmel und Fruchtfäulen waren selten.
Rosen und andere Ziergehölze präsentierten sich mit gesundem Laub bis zum Blattfall.
Anfällige Gemüse-und Obstsorten konnten vom „Schönwetterpilz“ Echter Mehltau betroffen sein. Eingesponnene Triebteile durch Gespinstmotten waren in diesem Frühjahr verstärkt vorzufinden. Der Buchsbaumzünsler hat sich inzwischen in allen Gegenden Bayerns ausgebreitet. Seine früh einsetzende und starke Vermehrung aufgrund der Wärme führte zum Teil zu massiven Schäden.
Der erhöhte Anteil an madigen Äpfeln und Zwetschgen wurde von Rekorderträgen überlagert, zeigte sich aber auch an sekundär gefaulten, vorzeitig abgeworfenen Früchten.

Was fiel 2018 witterungsbedingt negativ auf?

Gießen war über die ganze Saison angesagt - bei leider leeren Regentonnen. Rasenflächen verbräunten ohne üppige Zusatzbewässerung. Wie bei den Erwerbsbauern ließen auch im Garten Größe und Ertrag bei Kopfkohlarten oder Kartoffeln deutlich nach. Der Gemüseanbau im Sommer brachte nicht immer die gewohnten Qualitäten.
Viele Liebhaber von Tomaten und Paprika halten diese in Kübeln und stellen sie regengeschützt an Wände. Hier staut sich die Hitze enorm, was sich unter anderem an Wachstumsstörungen wie Blütenendfäule der Früchte geäußert hat.
Bei Kernobst ist eine geringere Lagerfähigkeit und ein erhöhter Stippeanteil festzustellen.
Langzeitschäden an gestressten Streuobstbäumen oder Straßen- bzw. Stadtbäumen können sich auch später noch zeigen. Ein regenreicher Winter ohne allzu tiefe Fröste, vor allem aber wieder „normales“ Klima im kommenden Jahr sind daher besonders wichtig.

Lehren aus dem Extremjahr

Effizientes Gießen nach dem Motto „weniger oft, dafür durchdringend“ ist ebenso anzuraten wie das Mulchen - am besten in dünnen Schichten mit angetrocknetem Rasenschnitt. Dieser hält die Feuchtigkeit und Bodengare in Zwischenreihen von Gemüsebeeten, zwischen den Stauden, aber auf Baumscheiben und unter Heckengehölzen.
Sä- anstelle Pflanzgemüse bilden tiefere Wurzeln. Diese können auch Feuchtigkeit aus unteren Bodenschichten noch nutzen.
Herbstpflanzung von Zier-und Obstgehölzen sind wieder verstärkt empfehlenswert; sie wachsen bei feuchter Witterung über Winter gut an.
Die Baumobstarten konnten durch den Überbehang keine oder nur wenige Blütenknospen anlegen. Der Gehölzschnitt sollte daher vor allem bei Kernobst und ertragsschwachen Zwetschgensorten mäßig erfolgen, zumal auch das Triebwachstum dieses Jahr moderat ausgefallen ist.
Und es bleibt zu überlegen, ob nicht ein Teil der intensiv zu pflegenden Rasenfläche im Garten durch eine Blumenwiese oder hitzeverträglichen Stauden ersetzt werden sollte.