Gartencast
Biodiversität im Garten
1. Januar 2019

Biologische Vielfalt steht seit Jahren, besonders in Verbindung mit dem naturnahen Gärtnern, hoch im Kurs vieler Gartenfreunde. Über dieses aktuelle Schwerpunktthema informieren die Experten der Bayerischen Gartenakademie.

Biodiversität im Garten

Was bedeutet Biodiversität im Garten?

Biodiversität bedeutet biologische Vielfalt. Sie äußert sich in verschiedenen, Lebensbereichen, den Ökosystemen. Diese sind mit einer breiten Palette unterschiedlicher, jedoch standortangepassten Pflanzenarten ausgestattet: Abwechslung statt Monotonie. Dabei sollte auch die genetische Vielfalt unter den verwendeten Pflanzen berücksichtigt werden. Beim Gemüse tragen vor allem die älteren, meist samenfesten Sorten dazu bei.

Was kann der Gartenbesitzer tun?

Jeder Hobbygärtner kann unterschiedliche Lebensräume in seinem Garten schaffen. Dies lässt sich auf geräumigen Grundstücken vergleichsweise einfacher, großzügiger und vielfältiger umsetzen. Je unterschiedlicher, bunter die Gartenräume gestaltet und je extensiver sowie ohne Einsatz chemischer Pflanzenschutzmitteln sie gepflegt werden, desto leichter bieten sie einen passenden Lebensraum mit entsprechendem Nahrungsangebot für Nützlinge.
Vögel, Insekten, Bienen, Igel und Co. werden durch passende Unterschlupfmöglichkeiten zusätzlich gefördert. Dazu tragen Lese- und Steinhaufen, Reisig-und Holzhaufen, Wildbienenröhren und -hölzer, Nistkästen, Trockenmauern, aber auch „wilde Ecken“ mit Brennnesseln und anderen Wildkräutern bei. Übrigens helfen unsere Nützlinge dann wiederum Schädlinge ausreichend in Schach zu halten!

Wie sollte die Pflanzenauswahl beschaffen und der Garten gestaltet sein?

Bei den gepflanzten Arten werden einfache, nicht gefüllt blühende Sorten gewählt. Sie bieten Nahrung in Form von Nektar und Pollen, aber auch Samenständen. Die Förderung lässt sich optimieren, wenn Sie seltenere Arten und Sorten einsetzen sowie vom Sortiment der Nachbargärten abweichen. Außerdem sollte das Blütenangebot von Februar mit Winterling und Krokussen bis in den Spätherbst mit Astern reichen.
Bei der Gartengestaltung gilt es, Lebensräume zu schaffen. Größere Pflanzeinheiten in passenden Pflanzgruppen lassen sich z.B. durch Hecken und davor angelegte Pflanzsäume realisieren. Hier eignen sich um Zwiebelblumen ergänzte Staudenbeete und extensive Wiesenflächen. Schwächer wachsende Bäume sollten auch in kleineren Gartenflächen und in Vorgärten berücksichtigt werden.

Soll der Garten eine gewisse Unordnung haben?

Ein sogenanntes „wildes“ Eck, etwas Unordnung im Garten sollte sein. Dies muss ja nicht neben der Terrasse oder im Vorgarten realisiert werden, sondern an einem unscheinbaren Platz, was auch für den Kompostplatz gilt.
Ein wichtiger Appell: den Garten nicht im Oktober „clean“ machen. Das bedeutet Gräser und Staudenstängel mit Samenständen nicht abzuschneiden, Laub nicht in der Biotonne zu entsorgen, sondern zwischen Staudenlücken, unter Hecken oder über Reisighaufen zu streuen.

Kann ein Balkongärtner auch zur Biodiversität beitragen?

Auch hier gibt es Möglichkeiten. Zum Beispiel durch Verwendung verschiedener Balkonpflanzenarten in ungefüllt blühenden Sorten. Viele Kräuter, vor allem die mediterranen, sind Insektenmagnete. Nach dem Sommerflor kommen über Winter nicht die beliebten Knospenheiden (Callunen) zum Einsatz, sondern Eriken und für das zeitige Frühjahr werden Zwiebelblumen in die Kästen gesteckt. Kleinbleibende Schmetterlingsflieder können ebenso in Töpfen gehalten werden wie Heidelbeeren und anderes Beerenobst, sowie schwachwüchsige Apfelbäume oder Zieräpfel.