Gemüseblog
Froststress für den Boden mindert den Stress bei der Frühjahrsbeetbestellung
5. März 2018

Was die Pflanzen stresst, bewegt auch unseren Boden – im wahrsten Wortsinn. Auch nicht umgegrabene Böden sind inzwischen gefroren, am intensivsten natürlich umgegrabene Flächen.

Bei Frost weiten sich alle mit Wasser gefüllten Poren um knapp 10 % aus, daher sind auch die tonreichsten Böden nach dem Auftauen fluffig locker. Damit diese Lockerung möglichst lange ins Jahr hinein anhält, bewegt man die Böden im Frühjahr möglichst wenig, einfaches Glattziehen zur Saat- oder Pflanzvorbereitung im März ist richtig.

So richtig turbulent geht es direkt an der Bodenoberfläche an besonnten Stellen zu: Auf ein bis drei Zentimeter Tiefe gefriert der Boden täglich, jedoch taut er oberflächlich oft gleich am nächsten sonnigen Tag auf. Dabei richten sich bei noch feuchtem Boden teilweise Zentimeter hohe Türmchen auf und zerfallen tagsüber gleich wieder. So ergibt sich von Tag zu Tag eine intensive Durchmischung dieser Bodenteilchen.
Steinchen „arbeiten“ sich beim Gefrieren und wieder Auftauen im Wechsel nach oben, das nennt man „Frosthub“. Unter den Steinen halten sich gefrorene Bereiche länger, und diese Eiskristalle „ziehen“ noch flüssiges Bodenwasser aus der Nachbarschaft an – sie wachsen also tendenziell und drücken den aufliegenden Stein zusätzlich zur Ausdehnung gefrierenden Wassers nach oben. Taut der Bereich unter dem Stein wieder auf, sinkt er nicht wieder vollständig zurück in seine Ausgangsposition, weil während des Abtauens immer wieder kleine Erdkrümel nachrutschen, wo vom Rand her die Eiskristalle schmelzen und Platz machen. Je öfter Frier- und Auftauphasen folgen, umso deutlicher lässt sich der Frosthub beobachten.
Wer steinigen Boden hat, muss leider damit rechnen, dass sich die enthaltenen Steine langsam aber sicher im Lauf der Jahre auch aus tieferen Schichten nach oben arbeiten, so dass er jedes Jahr wieder ablesen muss.
Besonders augenfällig sind die Folgen dieser Gefrier- und Tauprozesse auf Böden, die in der Tiefe Dauerfrost haben, also in polaren oder Hochgebirgsregionen liegen. Dort entstehen durch Frost-Wasserlinsen im Untergrund richtige Buckelpisten durch die Prozesse der „Kryoturbation“ (=Bodenbewegungen durch Frost).
Auf sandigen oder kiesigen Böden kann man den Paranuss- oder Müslieffekt beobachten: Bei äußerer Einwirkung auf körnige Massen (Nussmischung bzw. Müslimassen) bewegen sich die größeren bzw. die sperrigeren bzw. leichteren Teile nach oben. Gröbere Steine sind zwar im Einzelnen schwerer, als Lagermasse sind Schüttungen größerer Steine aber leichter als Schüttungen kleinerer Steine.