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Nützlinge - kleine Helfer in Garten, Kleingewächshaus und Wintergarten

Raubwanze (rechts) erdolcht Thrips

Wer kennt das nicht, dass Pflanzen in Haus und Garten auf einmal von Tieren besiedelt werden, die unsere Nutz- und Zierpflanzen mehr oder weniger schädigen. Selbstverständlich wollen wir sofort etwas dagegen unternehmen.

Schwebfliege

In der Natur gilt weithin das Prinzip, dass ein Organismus vom anderen lebt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis nach dem Aufkommen von Pflanzenschädlingen andere Lebewesen erscheinen, die ihnen zu Leibe rücken. Wir nennen solche Organismen „Nützlinge", weil sie die Schädlinge dezimieren.

Marienkäferlarven

Diese Broschüre soll zum besseren Kennenlernen von Nützlingen dienen. Einige der kleinen Helfer kommen natürlich im Garten vor, andere werden von Züchtern vermehrt und sind käuflich zu erwerben.

Nützlinge lassen sich wie folgend einteilen:
Räuber benötigen zu ihrer Entwicklung Beutetiere, die sie jagen und verzehren. Bei den Räubern sind häufig nur die Larvenstadien Nützlingsrelevant, während sich die erwachsenen Tiere von Honigtau, Nektar und Pollen ernähren.
Beispiele sind hier Marienkäfer, Raubwanzen, Raubmilben, Gallmücken und Schwebfliegen.

Parasiten entwickeln sich in einem Wirtstier und töten es damit ab. Bei den Parasiten wirken ausschließlich die Larven gegen Schädlinge.
Beispiele: Schlupfwespen, parasitische Nematoden.

Pathogene sind Mikroorganismen, wie Pilze, Bakterien oder Viren, die sich im Wirtstier vermehren und es dadurch abtöten.
Beispiele: Granulosevirus, Bacillus thuringiensis.

Lässt man Nützlinge im Garten gewähren oder setzt man käufliche Nützlinge in Wintergarten und Kleingewächshaus ein, so bringt dies durch Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel viele Vorteile:

  • Schonung vorhandener Nutzorganismen und Bienen
  • Keine schädlichen Rückstände in und auf der Pflanze
  • Kein Einhalten von Wartezeiten bei der Ernte nötig
  • Keine Gefahr der Resistenzbildung bei den Schädlingen

Beim Einsatz käuflicher Nützlinge kommen noch einige Punkte dazu:

  • Käufliche Nützlinge sind leicht auszubringen, es ist kein komplizierter Geräteeinsatz nötig
  • Keine einschränkenden Auflagen im Bezug auf Bienen, Gewässer usw.
  • Keine gesundheitlichen Gefahren für den Anwender

Nützlinge im Garten

Viele unserer Schädlinge im Garten haben natürliche Feinde. Diese erscheinen meist etwas zeitverzögert zu den Schaderregern. Leider finden Nützlinge nicht in allen Gärten geeignete Lebensbedingungen. Die Bewirtschaftung und Gestaltung der Freilandflächen sind häufig eher schädlings- als Nützlingsfördernd. Die Gärten müssen nicht nur attraktiv für den Menschen, sondern auch für die Nutzinsekten sein. Es ist durchaus sinnvoll, in einem Gemüsebeet auch einzelne Korb- und Doldenblütler stehen zu haben. Diese Pflanzen bieten besonders blütenbesuchenden Insekten, deren Larven parasitisch oder räuberisch leben, eine wichtige Nahrungsquelle.

Schlupfwespen

Schlupfwespen sind hochspezialisierte Nutzorganismen. Die meisten von ihnen wirken selektiv, d.h. sie parasitieren nur einen ganz bestimmten Schädling. Die Größe der zierlich gebauten Schlupfwespen variiert von 0,5 bis 30 mm. Die weiblichen Tiere legen mit Hilfe eines Legestachels ein oder mehrere Eier in oder an das Ei, die Larve oder die Puppe des Wirtstieres. Die Schlupfwespenlarve entwickelt sich im Wirtstier und zehrt es nach und nach aus. Erst ziemlich spät wird durch Farb- und Formveränderungen des Wirtstieres der Parasitenbefall sichtbar. Häufig im Garten anzutreffen sind Schlupfwespen, die Blattläuse befallen. Die Schädlinge verfärben sich durch die Parasitierung glänzend bronzefarben. Die Körperhülle wird rund und transparent. Bei genauem Hinsehen findet man häufig ein kleines Loch, durch das die neuentwickelte Schlupfwespe das Wirtstier verlassen hat. Andere Schlupfwespen sind spezialisiert auf verschiedene kohlschädigende Raupen, Schildläuse oder Weiße Fliege.

Florfliegen

Florfliegenlarve

Bekannt sind die erwachsenen Florfliegen, wenn sie mit ihren filigranen, durchscheinenden Netzflügeln in den Wintermonaten und im zeitigen Frühjahr an Dachbodenfenstern sitzen und ins Freie wollen. Die Nützlichen Larven kennt man weniger. Während sich die erwachsenen Tiere häufig nur von Nektar und Honigtau ernähren, sind die Larven räuberisch sehr aktiv.

Die „krokodilartig" aussehenden kleinen Larven haben zangenähnliche, gebogene Mundwerkzeuge als Erkennungsmerkmal. Mit Hilfe der hohlen Kiefernzangen wird die Beute angestochen, festgehalten und ausgesaugt. Bei der Nahrung sind die Florfliegenlarven nicht wählerisch. Neben Blatt- und Blutläusen, Schildläusen und Spinnmilben macht die Florfliegenlarve auch vor jungen Raupen nicht halt. Die Verpuppung der Larve erfolgt in einem kleinen weißen, kugeligen Kokon.

Schwebfliege

Schwebfliegenlarve

Wespenähnlich ist die Körperzeichnung dieses Insekts, das sich aber durch sein Flugverhalten von Wespen einfach unterscheiden lässt. Aufgrund der schnellen Flügelbewegung bleibt die Schwebfliege in der Luft stehen, um dann sehr schnell den Standort zu wechseln. Als Nahrung dienen dem erwachsenen Tier Nektar und Pollen blühender Pflanzen, während sich die Larve räuberisch ernährt.

Zu den Hauptnahrungsquellen gehören Blattläuse, aber auch andere Blattsauger und Spinnmilben. Da die Schwebfliegenlarven häufig unbekannt sind, werden sie fälschlicherweise als Schädlinge bekämpft. Die Larven können in ihrem Aussehen sehr unterschiedlich sein. Die Farben reichen von durchsichtig grünlich bis zu bräunlich, während ihre Form oft mit kleinen Nacktschnecken verglichen wird. Da die Larven keine Augen besitzen, bewegen sie ihren Vorderkörper kreisförmig, um Beute ertasten zu können.

Räuberische Wanzen

Raubwanze „Kleiner Putt" erdolcht mit ihrem Rüssel eine Spinnmilbe

Neben den pflanzenschädigenden Wanzenarten gibt es solche mit räuberischer Lebensweise. Diese sind hauptsächlich unter den Blumenwanzen, Sichelwanzen, Weichwanzen und Baumwanzen zu finden. Auf dem Speiseplan räuberischer Wanzen und deren Larven stehen vorzugsweise Spinnmilben, Blattläuse, Zikaden und andere kleine Insekten sowie deren Eier.

Mit Hilfe eines kräftigen Rüssels werden die Opfer erdolcht und ausgesaugt. Manche Arten besitzen Stinkdrüsen, die bei Gefahr den typischen Wanzengeruch verbreiten oder als Kontaktgift andere Insekten schädigen oder töten können.

Laufkäfer

Laufkäfer

Sie zählen zu den sehr wichtigen Nützlingen, wenn es um die Bekämpfung größerer Schädlinge geht. Wie der Name schon sagt, können die bis
45 mm großen Käfer mit ihren kräftigen, langen Beinen gut laufen. Flugfähig sind die meisten allerdings nicht. Die Nahrung der Käfer und ihrer Larven besteht aus Insekten, die auf oder im Boden leben. Schnecken, Raupen, Kartoffelkäfer, Engerlinge und Drahtwürmer erscheinen auf dem Speiseplan. Da die Räuber hauptsächlich nachtaktiv und lichtscheu sind, bekommt man sie nicht sehr häufig zu Gesicht.


Marienkäfer

Marienkäfer

Der rote Siebenpunkt-Marienkäfer gehört mit Sicherheit zu den bekanntesten Nützlingen im Garten. Schon Kinder kennen das niedliche Tier. Marienkäfer (es gibt über 70 heimische Arten, die sich in Farbe und Größe unterscheiden) sind wichtige Helfer im Garten. Die meisten Marienkäfer und deren Larven vertilgen Blattläuse. Manche Arten haben sich jedoch auf Schildläuse, Spinnmilben oder Schadpilze spezialisiert.



Gallmücken

Gallmückenlarve (orangefarben) mit Blattläusen

Viele Vertreter dieser Familie schädigen Pflanzen, da sie Verkrümmungen und Gallen hervorrufen. Einzelne Gallmücken-Arten sind jedoch wichtige Nutzorganismen. Hier ist wiederum die Larve der wichtige Nützling. Inmitten von Blattlauskolonien erscheinen sie als kleine orange „Würmchen". Auf den ersten Blick werden sie häufig zu unrecht für Schädlinge gehalten. Sie stechen die Blattläuse an, lähmen sie, saugen sie mehr oder weniger aus und hinterlassen ein Blattlausschlachtfeld. Die erwachsenen 2 bis 3 mm kleinen Mücken haben lange Fühler und Beine.

Raupenfliege mit leerer Puppe an ihrem Wirt, einer Erdraupe

Zu den Nützlichen Insekten gehören außerdem noch Raupenfliegen, deren Larven sich an und in schädigenden Schmetterlingsraupen festbeißen, einbohren und sich auf Kosten des Wirtstieres entwickeln.

Wichtige Käfer im Garten sind Weichkäfer. Die Nahrung der erwachsenen Käfer besteht nicht nur aus Pollen und Nektar, sondern auch aus Blattläusen, Schmetterlingsraupen, Fliegenlarven und anderen. Die Larven der Weichkäfer ernähren sich außerdem von Schnecken, Raupen und anderen Insekten, die in oder auf dem Boden leben.

Kurzflügler frisst Schneckeneier

Kurzflügler ähneln dem Ohrwurm und machen Jagd auf Blattläuse, Milben und andere Insekten. Manche Larven leben parasitisch an und in Puppen von Gemüsefliegen.

Wespenspinne

Auch wenn man Spinnen im Haus nicht gern sieht, im Garten sind sie unentbehrlich. Eine große Beutevielfalt findet sich in ihrem Netz und ihren Fängen: Blattläuse, Zikaden, Fliegen und Mücken, Blattsauger, Schmetterlinge und vieles mehr.

Raubmilbe (hell) mit schädigender Milbe

Zu den Spinnentieren gehören auch Raubmilben. Diese winzig kleinen Nützlinge haben sich auf Spinnmilben und andere schädigende Milben-Arten, wie Rebenpockenmilben, spezialisiert.


Verschiedenste Insekten (wie auch Wespen) und Spinnentiere sind kleine unauffällige Helfer im Garten. Schon allein durch die Größe fallen Nützliche Kriechtiere (Kröte, Eidechse und Blindschleiche), Vögel und verschiedene Säugetiere (Igel, Fledermaus, Spitzmaus usw.) mehr auf.

Nützlingsschutz - ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Pflanzenschutz

In einem penibel sauberen und aufgeräumten Garten haben es Nützlinge schwer, heimisch zu werden. Natürlich ist es aufgrund geringer Gartengrößen häufig gar nicht möglich, optimale Bedingungen gerade auch für größere Nutzorganismen zu schaffen. Manches lässt sich aber auch auf kleinem Raum verwirklichen.
Viele Nützliche Insekten und Spinnentiere überwintern in abgestorbenen Blütenständen und Samenkapseln von Stauden und Einjahresblumen. Auch abgefallenes Laub von Bäumen und Sträuchern oder abgestorbene Blätter der Blumen sind Rückzugs- und Überwinterungsquartiere von Nutzorganismen. Warum also seinen Garten im Herbst gründlich säubern? Im Frühjahr bleibt noch ausreichend Zeit dafür und die im Garten überdauerten Nützlinge können bei erstem Schädlingsbefall auf Beutezug gehen.

Trockenmauern, Steinhaufen, Reisig- oder Totholzhaufen bieten nicht nur für die kleinen Helfer Versteckmöglichkeiten, auch größere Tiere können dort unterschlüpfen.

Selbst in kleinen Reihenhausgärten gibt es Möglichkeiten, Nutzinsekten zu fördern. So lassen sich beispielsweise Insektennisthölzer und -wohnungen aufhängen. Verschiedenste Solitärwespen und andere Hautflügler nehmen die Verstecke gerne an und benutzen sie auch als Brutplätze.

Insektenhotel

Nicht jeder hat Platz für eine Blumenwiese, die vielen Nützlingen Nahrung, Fortpflanzungsplätze und Unterschlupf bietet. Aber selbst in kleinen Gemüse- und Blumenbeeten, auf Terrasse und Balkon können mit bestimmten Blütenpflanzen Schwebfliegen, Gallmücken, Florfliegen, Schlupfwespen und andere wichtige Nützlinge angelockt werden. Eine besondere Anziehungskraft haben einfach blühende Wildformen von Blütenpflanzen und Sträuchern. Die züchterisch bearbeiteten gefüllt blühenden Sorten besitzen meist wenig oder gar keinen Nektar und Pollen. Sie sind daher für die erwachsenen Nützlinge unbrauchbar. Doldenblütlern und Korbblütlern können die Insekten nicht widerstehen. Es ist deshalb auch sinnvoll in einem Gemüsebeet einmal eine Ringelblume oder eine Wilde Möhre stehen zu lassen. Ist das Angebot von attraktiven Blütenpflanzen gegeben, legen die Nützlinge ihre Eier ab und die räuberischen Larven vernichten sofort die Schädlinge, wenn diese auftauchen.

Um für die Nutzinsekten Nahrung zu bieten, sollte der Garten das ganze Jahr über Blüten entwickeln. Frühblühende Stauden und Sträucher (Haselnuss, Zwiebelblumen usw.) sind genauso wichtig, wie die noch spät im Jahr blühenden Astern und Anemonen.

Weitere wichtige Blütenpflanzen für Nützlinge sind: Dill, Kerbel, Wilde Möhre, Mohn, Margeriten, Gemeine Schafgarbe, Wegwarte, Bienenfreund, Wiesenbärenklau, Ehrenpreis, Kornblume, Rainfarn, Große Brennnessel.

Hecken fördern Nutzorganismen. Besonders eignen sich freiwachsende Hecken aus heimischen Laub- und Blütengehölzen. Der Unterwuchs und auch der entstehende Mulm geben vielen Nutzinsekten Heimat. Außerdem entsteht ein Kleinklima, das den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht wird. In kleineren Gärten sind freiwachsende Hecken aus Platzgründen nicht möglich. Aber auch geschnittene Hecken sind für Nützlinge wertvoll, wenn heimische Laubgehölze, wie Hain- und Rotbuche, Liguster, Weißdorn, Feldahorn und Buchsbaum verwendet werden.

Hat man im Garten Platz für eine Ecke Halbtrocken- und Trockenrasen, so bietet man den Insekten und besonders auch den Nützlingen ein wertvolles Nahrungsangebot. Während viele Wiesen erst im August ihren Blütenhöhepunkt haben, ist dies bei Trockenrasen im Frühjahr und im Frühsommer der Fall.

Nützlinge und Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel schädigen häufig die Nützlinge stärker als den Schädling selbst. Schädlinge können, aufgrund ihrer schnellen Generationsfolge, Resistenzen gegen den Wirkstoff entwickeln und somit schwer bekämpfbar werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beeinträchtigt das ökologische Gleichgewicht, da den Nützlingen kurzzeitig die Nahrung genommen wird. Zum anderen werden verschiedene Nützlinge und deren Entwicklungsstadien nachhaltig geschädigt, so dass sich die Schädlingspopulation ungehindert vermehren kann. Wer auf Pflanzenschutzmittel im Garten nicht verzichten möchte, sollte doch sehr darauf achten, dass die Mittel Nützlingsschonend und für die Anwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Leider werden dann trotzdem nicht alle Nützlinge geschont, denn gerade die Schwebfliegenlarve reagiert sehr empfindlich auf Pflanzenschutzmittel. Auch sog. „Hausmittelchen" sind meist nicht Nützlingsschonend.
Übrigens: Unkrautvernichtungsmittel entfernen nicht nur die „Unkräuter", sondern auch wichtige Nahrungspflanzen der Nutzorganismen. Beim Ausbringen eines zugelassenen Pflanzenschutzmittels muss die genaue Dosierung beachtet werden. Manchmal kann es sinnvoll sein, zuerst ein Nützlingsschonendes Pflanzenschutzmittel einzusetzen, um einen sehr starken Schädlingsbefall zu reduzieren. Daraufhin haben es die Nützlinge leichter der Schädlinge Herr zu werden. Dagegen dauert es sehr lange, bis sich nach der Anwendung eines nicht-Nützlingsschonenden Präparates wieder Nutzorganismen einfinden. Was man auch wissen muss: Schädlinge sind Nahrungsquellen der Nützlinge. Entzieht man die Nahrung vollkommen, so verschwinden auch die kleinen Helfer.

Während sich Nützlinge im Garten selbst ansiedeln können, ist dies im Kleingewächshaus und im Wintergarten kaum der Fall. Hierfür gibt es Nützlinge, die käuflich zu erwerben sind.

Nützlinge für Kleingewächshaus und Wintergarten

Encarsia und parasitierte Larven der Weißen Fliege

Schlupfwespe Encarsia formosa

Dieser winzige Nützling mit einer Größe von etwa 0,6 mm hat einen dunklen Kopf und eine dunkle Brust. Beim Weibchen ist das Hinterteil fast durchscheinend, während das Männchen auch hier eine dunkle Färbung aufweist. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Honigtau, stechen aber auch junge Weiße Fliege-Larven an und saugen diese aus. Diese Schlupfwespe parasitiert ausschließlich Weiße Fliegen. Die Eiablage erfolgt in die Larven der Weißen Fliege, die sich daraufhin schwarz oder gelblich (je nach Art) verfärben.

Die Larven der Schlupfwespe, die aus den Eiern schlüpfen, entwickeln sich innerhalb des Wirtstieres und lassen es schließlich absterben. Da das Encarsia-Weibchen aktiv auf Suche nach Wirtstieren geht und auch jeweils nur ein Ei in das Wirtstier ablegt, ist die Parasitierungsrate sehr gut, sofern die Nützlinge geeignete Lebensbedingungen haben. Die durchschnittliche Tagestemperatur sollte 18 °C nicht unterschreiten, da sich sonst die Schädlinge, nicht aber die Nützlinge ausreichend vermehren. Schlupfwespen haben einen hohen Lichtbedarf und die Luftfeuchte sollte zwischen 60 und 70 % liegen. Deshalb verspricht das Einsetzen nur in den Sommermonaten Erfolg.

Raubmilbe Phytoseiulus persimilis

Diese Raubmilbe ist der natürliche Gegenspieler der Gemeinen Spinnmilbe (Rote Spinne). Spinnmilbe und Raubmilbe ähneln sich in Körperbau und Größe. Die Raubmilben haben jedoch eine leuchtend orange Färbung, eine tropfenförmige, rundliche Körperform und bewegen sich viel schneller als Spinnmilben. Phytoseiulus-Raubmilben ernähren sich ausschließlich von Spinnmilben (erwachsenen Tieren, Larven, Eiern). Sie benötigen eine Luftfeuchte von mindestens 60%. Es ist ratsam, mit Spinnmilben befallene Pflanzen öfter mit Wasser zu besprühen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

Raubmilbe Amblyseius cucumeris

Diese hellbraune, winzige Raubmilbe wirkt besonders gegen den Kalifornischen Blütenthrips. Häufig werden Raubmilbenkombinationen mit Amblyseius barkeri angeboten, die außerdem gegen Weichhautmilben wirken. Die Raubmilben sind schwierig zu entdecken, da sie meist geschützte Verstecke in Blattachseln oder zwischen Blatthaaren suchen, oder aber sie rennen schnell über das Blatt. Die Raubmilben benötigen hohe Temperaturen (optimal um
20 °C) und eine Luftfeuchte von über 65%. In den Wintermonaten gehen die Raubmilben in eine Ruhepause. Von einem Einsatz ist daher zu dieser Zeit abzuraten.

Achtung: Der häufig auftretende Drazänenthrips wird nicht erfasst! Gegen ihn ist der Einsatz von Florfliegenlarven möglich.

Räuberische Gallmücke Aphidoletes aphidimyza

Sie ist ein wichtiger Gegenspieler fast aller Blattlaus-Arten. Das Insekt geht in die Winterruhe bei einer Tageslänge von unter 16 Stunden, weshalb die Gallmücke nur in den Sommermonaten eingesetzt werden sollte. Desweiteren benötigt sie eine Luftfeuchte von mindestens 70 % und einen offenen Boden, da die Entwicklungsstufe der Puppe im Boden vor sich geht. Weitere Informationen finden Sie oben unter „Nützlinge im Garten".

Aphidius in Blattlauskolonie

Schlupfwespe Aphidius sp.
(A. colemani, A. matricariae)

Als weitere Gegenspieler gegen Blattläuse wirken Schlupfwespen. Sie treten häufig spontan auf, da sie bei uns heimisch sind. Man kann sie jedoch auch gezielt einsetzen. Die nur etwa 2 mm großen, dunkel gefärbten erwachsenen Tiere benötigen Temperaturen von mindestens 15 °C.

Der Einsatz ist nur während der Sommermonate ratsam, da die Tiere im Winter eine Ruhepause machen. Sofort nach dem ersten Auftreten der Blattläuse sollten die Schlupfwespen ausgebracht werden, damit sich die Schädlingspopulationen nicht zu stark ausbreiten. Achtung: Nicht alle Blattlaus-Arten werden parasitiert! Die Schädlinge müssen genau bestimmt sein, in schwierigen Fällen übernehmen dies auch Nützlingsfirmen.

Florfliege Chrysoperla carnea

Die Larve der Florfliege ist ein wichtiger Nützling sowohl im Garten als auch in Innenräumen. Da sie keine hohen Ansprüche an Temperatur und Luftfeuchte stellt, ist sie ganzjährig im beheizten Wintergarten einsetzbar. Sie ernährt sich vielseitig und lässt die meisten Schädlinge erst gar nicht überhand nehmen.

Raubwanze Orius

Die Raubwanze, ebenfalls ein wichtiger Helfer im Garten, kann gegen Thripse (Blasenfüße) eingesetzt werden.

Außerdem gibt es eine Menge Spezial-Nützlinge, die nach genauer Schädlingsbestimmung eingesetzt werden können. Sie stellen hohe Anforderungen an Temperatur und Luftfeuchte und sind oftmals nur gegen bestimmte Entwicklungsstadien wirksam.

Chilocorus (schwarz) frisst Deckelschildläuse

Hier nun einige Beispiele:

  • Australischer Marienkäfer Cryptolaemus montrouzieri,
  • Schlupfwespen Leptomastix dactylopii und Leptomastidea abnormis gegen verschiedene Woll- und Schmierlaus-Arten,
  • Schlupfwespen Metaphycus helvolus und Microterys flavus gegen Napfschildläuse,
  • Schlupfwespe Aphytis melinus, Chilocorus nigritis und Lindorus lophanthes-Käfer gegen Deckelschildläuse.

Der Einsatz käuflicher Nützlinge erfordert zunächst einiges an Umdenken. Es werden Tiere gegen Tiere eingesetzt. Für viele Pflanzenliebhaber ist dies zunächst ungewöhnlich. Wer sich aber gezielt mit den Erscheinungsformen und Lebensweisen schädlicher wie Nützlicher Organismen beschäftigt, wird schnell merken, wie interessant ein kleines Stück Natur sein kann.
Häufig fehlen Kenntnisse über die Biologie von Schädling und Nützling. So werden beispielsweise oft falsche Nützlinge zum falschen Zeitpunkt eingesetzt. Vorraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz von Nützlingen ist die regelmäßige Kontrolle der Pflanzen, die leider häufig wegen des Zeitaufwandes vernachlässigt wird. Treten die Schädlinge erst massenhaft auf, sind Schädlingsbekämpfungen mit Nützlingen problematisch, da Nützlinge zeitversetzt wirken.

Nützlingseinsatz hat Grenzen

Häufig kostet der Einsatz von Nutzorganismen mehr als herkömmliche Methoden. Schon allein deshalb ist es wichtig, sich über die Bedürfnisse der Nützlinge zu informieren.
Nützlinge sind nur kurze Zeit lagerfähig und müssen am besten sofort nach Erhalt durch die Post auf den befallenen Pflanzen ausgebracht werden. Man kann sie einige Stunden originalverpackt bei kühlen Temperaturen aufheben, muss sie aber unbedingt vor direkter Sonneneinstrahlung und Erwärmung schützen.

Die meisten Nützlinge, besonders die fliegenden, haben hohe Ansprüche an Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchte. Deshalb ist meist nur der Einsatz von März/April bis September/Oktober ratsam.

Viele Nützlinge wirken nur gegen eine Schädlingsart, weshalb die Schädlinge vorher genau bestimmt werden müssen (Schädlingsbestimmungen übernehmen häufig die Nützlingsfirmen). Oftmals sind Nützlingskombinationen sinnvoll.

Meist müssen Nützlinge mehrmals in etwa 7- bis 14-tägigem Abstand ausgebracht werden, um Erfolg zu erzielen. Bei sehr starkem Schädlingsbefall ist der alleinige Einsatz von Nützlingen meist nicht ausreichend. Evtl. kann zur Verminderung des Befallsdruckes ein Nützlingsschonendes Präparat verwendet werden.

Nützlinge können nicht einfach im Laden gekauft werden, man muss sie direkt bei Nützlingsfirmen bestellen. (Beachten Sie bitte die Informationsbroschüre 1354 „Bezugsquellen für Nützlinge„ der Bayerischen Gartenakademie).

Möchte man Spezial-Nützlinge, so gibt es manchmal Probleme in der Beschaffung und die Nutzorganismen treffen erst ein, wenn sich der Schädlingsbefall schon drastisch vergrößert hat. Hier ist auf Pflanzenkontrollen ein besonderes Augenmerk zu legen.

Nutzorganismen müssen zum richtigen Zeitpunkt in den Pflanzenbestand gebracht werden. Ein falscher Zeitpunkt kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Außerdem setzen schlechte Klimabedingungen die Wirksamkeit deutlich herab.

Weiterführende Literatur: (einige Beispiele)

  • Hassan/Albert/Rost: „Pflanzenschutz mit Nützlingen im Freiland und unter Glas",
    Ulmer Verlag, ISBN 3-8001-5138-3
  • Fortmann, Dr. Manfred: „Das große Kosmosbuch der Nützlinge, Neue Wege
    der biologischen Schädlingsbekämpfung", Franckh-Kosmos Verlag, ISBN 3-440-06588-X
  • Berling, Rainer: „Nützlinge und Schädlinge im Garten, Erkennen und richtig handeln", BLV Verlag, ISBN 3-405-14005-6
  • „Integrierte Schädlingsbekämpfung an Pflanzen in Innenräumen", Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Baden-Württemberg


Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Bayerische Gartenakademie