Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
weiter zur Themennavigation|
Bildsymbol Obst| Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau |
Wappen mit Link auf die Startseite des StMELF|
Kopfnavigation: weiter zur Position im Verzeichnisbaum|
Position im Verzeichnisbaum: weiter zum Inhalt|
StMELFLWGFreizeitgartenInfoschriftenObst
Inhalt: zurück zum Seitenanfang|

Weinstock am Haus und im Garten

Der Weinstock gewinnt immer mehr Liebhaber. Kein Wunder! Er verschönert kahle Hauswand- und Mauerflächen, liefert selbst erzeugte Trauben, aus denen man auch Wein machen kann, und unterstreicht die Naturverbundenheit seines stolzen Besitzers. Selbst im Kübel auf einem Balkon erfreut die Rebe ihre Pfleger mit frischen Weintrauben.

Welche Ansprüche stellt die Rebe?

Hausstöcke an der Hauswand

Prinzipiell können Weinstöcke in allen Regionen Deutschlands, von Kiel bis Berchtesgaden und von Görlitz bis Saarbrücken angebaut werden. Es empfiehlt sich aber, außerhalb der Weinbaugebiete auf früh- bis mittelspät reifende Sorten zurückzugreifen und ihnen einen geschützten Standort an einer Hauswand zu geben.

Die Rebe ist ein Obstgehölz. Wie alle Obstarten braucht sie für die Entwicklung gesunder, süßer Früchte soviel Sonne wie möglich. Das heißt, dass sie eine Stelle im Garten oder an einer Mauer haben sollte, die nach Süden oder Südwesten orientiert ist. Selbst ein Balkon kann ein guter Platz für einen Rebstock sein, denn genau wie viele andere Gehölze lässt sich auch eine Rebe im Kübel halten. Gerade für einen Süd- oder Südwestbalkon ist ein Rebstock ein wunderbarer grüner Sonnen- und Sichtschutz.

Ein Platz, der nur die Morgensonne erhält, ist nicht so vorteilhaft, weil die Reben außer Sonne auch die Wärme lieben. Die Mittags- und die Nachmittagssonne bringen die meiste Wärme.

An den Boden stellen Weinstöcke keine großen Anforderungen. Das einzige, was die Rebe „krumm" nimmt, sind Verdichtungen und Vernässungen. Undurchlässige Böden nehmen den Wurzeln der Pflanzen buchstäblich die Luft zum Atmen. Bei solchen Problemen reicht es nicht, nur den Grund des Pflanzloches zu lockern. Besser wäre es, einen anderen Standort zu suchen, oder den Boden ca. einen Meter tief auszuheben und locker wieder in die Grube einzufüllen. Genau in der Reihenfolge, in welcher der Boden ausgegraben wurde. Was unten war, soll auch wieder nach unten kommen. Wird bei einer Probegrabung an einer Hauswand oder Mauer eine „Bauschuttdeponie" unter dem Oberboden entdeckt, dann muss diese unbedingt ausgeräumt werden.

Generell gilt: je besser die Vorbereitung, desto mehr wird es der Weinstock durch guten Wuchs und Ertrag danken.

zum Seitenanfang

Rebenkauf

Sorte Muscat bleu

Weinstöcke kauft man am besten direkt beim Erzeuger — in der Rebschule. Dort gibt es neben einer breiten Sortenpalette auch fachmännische Beratung. Wer außerhalb der Weinbaugebiete wohnt, kann sich die gewünschten Sorten auch zuschicken lassen, oder nutzt die Gelegenheit des Rebschulbesuches für einen ein- oder mehrtägigen Ausflug ins Anbaugebiet. Mittlerweile bieten auch verschiedene Baumschulen und Fachbetriebe des Gartenbaus pilztolerante Rebsorten an.

Reben werden in der Regel als Topfreben (meist mit grünem Trieb), Wurzelreben oder als Reben im Netzballen angeboten.

Wie der Name schon sagt, sind Topfreben in Töpfen kultivierte Pflanzen. Wie andere Gehölze, die Sie im Container kaufen, können sie den ganzen Sommer über gepflanzt werden. Wobei Weinstöcke spätestens bis Ende Juli im Boden oder im endgültigen Kübel sein sollten, damit sie noch vor dem Winter richtig einwurzeln können.

Bei Wurzelreben handelt es sich um wurzelnackte Pflanzen ohne Austrieb. Auch Reben im Netzballen haben noch keinen Austrieb. Sie werden von März bis Mitte Mai gepflanzt, grüne Topfreben von Mitte Mai bis Ende Juli.

In jedem Fall handelt es sich um veredelte Weinstöcke, sogenannte Pfropfreben. Denn wegen der Wurzelreblaus, auf die alle unsere Rebsorten empfindlich reagieren, werden sie auf unempfindliche Unterlagen gepfropft. Und bedenken Sie bitte, dass, obwohl es um die Reblaus still geworden ist, sie in unseren Weinbaugebieten noch immer vorhanden ist und Schaden anrichten kann.

Die Reben dürfen im verholzten Bereich keine Schäden an der Rinde aufweisen und die Veredelungsstelle muss gut verwachsen sein. Auch sollten die verholzten Teile der Weinstöcke mindestens zeigefingerdick sein, da sich die Reben nur dann gut weiterentwickeln können.

zum Seitenanfang

Die Sortenwahl

Sorte Himrod

Eine „Idealrebe", die allen Ansprüchen gerecht wird, gibt es leider nicht. Kompromisse sind deshalb notwendig. Das gilt vor allem für die unterschiedlichen Eigenschaften der Sorten. Sie unterscheiden sich in der Winterfrosthärte, dem Reifezeitpunkt der Trauben, der Beerenfarbe und im Geschmack. Aber vor allem unterscheiden sie sich in ihrer Widerstandsfähigkeit pilzlichen Krankheiten gegenüber. Die meisten im Handel angebotenen Rebsorten werden nämlich früher oder später von Pilzkrankheiten befallen.

Sorten wie zum Beispiel ‘Königin der Weingärten’, ‘Gutedel’, ‘Müller-Thurgau’, ‘Portugieser’ und `Dornfelder´ etc. sind von hervorragender Traubenqualität, aber leider sehr anfällig für den Echten und den Falschen Mehltau. Sie müssen den ganzen Sommer über mehrmals zum richtigen Zeitpunkt „gespritzt" werden. Nur wirkliche Spezialisten im Umgang mit Reben haben auf Dauer Freude an diesen Sorten.

Außer den Gefahren, die durch den unsachgemäßen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln heraufbeschworen werden, können Spritzmittel auch zu unschönen Flecken an Fenstern, Mauern und Hauswänden führen.

Deshalb stellen wir in der folgenden Sortentabelle nur pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die normalerweise nicht „gespritzt" werden müssen, für die Pflanzung im Hausgarten vor. Natürlich unterscheiden sich auch diese Rebsorten hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzkrankheiten, aber sie sind wesentlich weniger anfällig als ihre „klassischen" Verwandten. Die Pilzwiderstandsfähigkeit ist übrigens das Ergebnis von fast 200 Jahren Kreuzungszüchtung, bei der immer wieder europäische Rebsorten mit verschiedenen widerstandsfähigen Wildarten gekreuzt wurden. Frühere Generationen dieser Reben wurden als „Hybridreben" oder „Amerikanerreben" bezeichnet. Mittlerweile sind Sorten auf dem Markt, die einen qualitativ wertvollen Wein „abgeben". Die rote Sorte `Regent´ erfährt im deutschen Anbau gerade einen Aufschwung, weil sie wesentlich weniger oft als andere Sorten mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden muss und einen tollen Rotwein ergibt.

Es gibt eine sehr große Anzahl an pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. Wir stellen aber nur Sorten vor, die wir an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau erprobt haben und daher genau kennen. Jährlich nehmen wir neue pilzwiderstandsfähige Rebsorten in unser Hausrebensortiment auf und aktualisieren damit unsere Sortenliste.

Übrigens: Viele blaue Traubensorten bringen im Herbst ein schmückendes, rotes Laub, das sich optisch besonders reizvoll präsentiert. Sie sollten deshalb an einem dekorativen Rebenspalier nicht fehlen. Sorten mit einer frühen Traubenreife sind besonders gefährdet durch Wespen- und Vogelfraß. Ein Traubenschutz in Form von Gazebeuteln ist deshalb notwendig. Die Reihenfolge der aufgeführten Sorten stellt keine Wertung dar. Die Tabelle soll das Sortenangebot lediglich etwas überschaubarer machen.

Pilzfeste Rebsorten
Rebsorte Beerenfarbe Besonderheiten
Bianca  grün  sehr frühe Reife (im Weinbauklima ab August), geringe Ansprüche, neigt zu Sonnenbrand, zur Weinbereitung geeignet 
Glenora  gelb  geringe Ansprüche, kleine Kerne
 
Hecker  gelb  geringe Ansprüche, große Trauben, zur Weinbereitung geeignet
 
Himrod  gelb  kernlos, windgeschützter Platz, sonst Ertragsausfälle, Himbeeraroma
 
Königliche Esthertraube  blau  geringe Ansprüche, große Beeren
 
Muscat bleu  blau  große Beeren, stark wüchsig* Muskataroma
 
Phönix  gelb  unempfindlich gegen Kälte, stark wüchsig*, Muskataroma, in Weinbaugebieten keine ausreichende Pilzfestigkeit 
Regent  blau  windgeschützter Platz, sonst robust, zur Weinbereitung geeignet
 
Romulus  grün  kernlos, harte Beerenhaut, geringe Ansprüche, stark wüchsig*, rote Herbstverfärbung 
Theresa  gelb  sehr späte Reife (in Weinbauregionen ab Oktober, daher nur für Weinbauklima sinnvoll), hoher Ertrag, stark wüchsig* 

*) starkwüchsige Sorten sind für Kübelbepflanzung weniger gut geeignet



Weitere pilztolerante Sorten und Bezugsquellen  PDF-Dokument

zum Seitenanfang

Wein als Kübelpflanze

Skizze: Weinstock im Kübel

Auch als Containerpflanze kann eine Weinrebe den Hausbewohnern viel Freude bereiten. In einem mindestens 30 Liter fassenden Gefäß mit Wasserabzug wird der Weinstock gepflanzt und an einem stabilen Holz- oder Bambusstab kultiviert. Als Substrat ist eine Mischung aus zwei Teilen Blumenerde in Gärtnerqualität und einem Teil Bimskies oder gebrochenem Blähton (Lecadan) zu empfehlen. Dieser Zuschlag verhindert, dass die Blumenerde zu schnell zusammensackt und sorgt für eine gute Belüftung der Rebenwurzeln.

Das Pflanzgefäß soll eine Drainageschicht aus Kies oder Blähton enthalten, damit die Wurzeln nicht unter Staunässe leiden. Eine gute Wasserversorgung und gelegentliche Düngung, von der Blüte bis Anfang August ab dem zweiten Jahr, fördern die Gesamtentwicklung. Zur Überwinterung gräbt man am besten das Gefäß im Garten ein und bedeckt es vollständig mit Erde. Wo diese Möglichkeit nicht besteht, überwintert die Rebe in einem frostfreien Raum mit gleichmäßig niedrigen Temperaturen oder auf Balkon/Terrasse, wo der Topfballen rundum einen Schutz vor starken Temperaturschwankungen braucht. Möglichst nahe an der Hauswand umhüllt man das Pflanzgefäß vollständig mit einer dicken Schicht aus trockenem Falllaub, Stroh, Styropor oder ähnlichem Material.
Containerpflanzen können natürlich auch vorkultiviert und bereits traubentragend bei einer Rebschule gekauft werden.

zum Seitenanfang

Vielseitige Reben

Die Wildform unserer Kulturrebe Vitis silvestris ist im südlichen Europa eine Bewohnerin der Auwälder. Sie ist eine Lianenpflanze, die im Schatten der Bäume wurzelt und bis in den Kronenbereich der Bäume klettert. Dort breitet sie dann ihre Triebe in der vollen Sonne aus. Genauso würden sich unsere Kulturreben verhalten. Deshalb ist die Rebe so vielseitig. Sie können Reben praktisch zu jeder gewünschten Form erziehen: als Einfassung einer Pergola, als Gartenzaunbegrünung, als senkrechten Cordon, als Spalier bzw. waagrechten Cordon, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie haben keinen Platz an der Hauswand oder am Gartenzaun? Kein Problem, bauen Sie dort, wo Sie in Ihrem Garten einen Weinstock haben wollen, eine „Wäschespindel" aus Akazienholz (hält sehr lange und kommt ohne Imprägnierung aus). Das reicht als Klettergerüst für einen Weinstock. Der Stock wird mit einem geraden Stamm erzogen, um dann oben auf der Spindel seine Triebe auszubreiten. So schaffen Sie nicht nur einen idealen Standort für Ihren Weinstock, sondern Sie stellen sich dadurch auch einen grünen Sonnenschirm in den Garten.

zum Seitenanfang

Musterspalier

Das A und O der Rebenerziehung ist ein lockerer, luftiger Stockaufbau. Der Abbildung „Klettergerüst", können Sie die von uns empfohlenen Maße für ein Spalier entnehmen. Natürlich kann das Spalier jederzeit um weitere Etagen ergänzt werden. Nur bleibt dabei zu bedenken, dass Sie dann auch mehrmals im Jahr mit der Leiter am Rebstock arbeiten müssen. Als Material für das Spalier eignen sich am besten rostfreier Draht oder Edelstahldrahtseile. Montieren Sie diese so, dass die Drähte oder die Stahlseile ca. 10 cm von der Wand abstehen.

Skizze Musterpalier

Der in der Skizze eingezeichnete „Heftdraht" dient dazu, die Rebentriebe, die von der jeweiligen Etage hoch wachsen, festzuklemmen. Dadurch wird verhindert, dass sie hängend wachsen und eine Glocke über den Trauben bilden. Materialien für selbstgebaute Spaliere können Sie preiswert in jedem Baumarkt erstehen.

zum Seitenanfang

Fachgerecht pflanzen

Skizze einer wurzelnackten Rebe

Entnahme einer Topfrebe

An wurzelnackten Reben werden verletzte Wurzeln sauber abgeschnitten und der Trieb auf ein Auge (= Knospe) zurückgeschnitten (Bild links).
Grüne Topfreben müssen vorsichtig transportiert werden und erhalten keinen Rückschnitt. Reben, die im Topf (Container) gekauft werden, entnimmt man folgendermaßen: Topf umdrehen, leicht aufstauchen und die Rebe vorsichtig herausnehmen (Bild rechts). Wurzelverfilzungen und Ringwurzeln werden gelockert. Reben in Netzballen werden direkt eingepflanzt.



Skizzen zur richtigen Pflanzung

Das Pflanzloch wird, je nach Wurzellänge, mindestens 40 - 50 cm tief ausgehoben. Mit mehreren Spatenstichen wird auch der Boden des Pflanzloches aufgelockert (Bild oben links). Sollten die Wurzeln extrem lang sein, dann können sie etwas eingekürzt werden. Die Rebe wird in das Pflanzloch gestellt. Alle Wurzeln sollen flach zu liegen kommen, die Wurzelspitzen dürfen nicht nach oben zeigen.

Die Veredelungsstelle soll ca. 5 cm über der Bodenoberfläche sein (Bild oben Mitte und Bild oben rechts). Die Rebe wird mit ca. 2 bis 3 Litern Aushub umgeben und leicht angedrückt. Danach wird die Pflanzgrube vollständig mit dem restlichen Aushub verfüllt und ein Gießrand angelegt. Achten Sie bitte beim Einfüllen des Aushubes darauf, dass der Boden, der vom unteren Teil der Pflanzgrube stammt, auch als erstes wieder in die Grube gefüllt wird.

Bitte keinesfalls Mineraldünger oder Kompost in das Pflanzloch geben!

Dies könnte zu Verbrennungen an den empfindlichen Wurzeln der jungen Rebe führen. In guten Gartenböden ist eine weitere Bodenverbesserung oder Düngung nicht notwendig.

Skizze einer frisch gepflanzten Grünrebe an der Hauswand

Bei Pflanzung an der Hauswand wird die Rebe etwas schräg in das Pflanzloch gestellt (siehe Bild oben Mitte). Dabei ist es von Vorteil, einen Wandabstand von mindestens 50 cm einzuhalten. Der Stock wird dann an die Wand geleitet (Bild links). Sollten nämlich später einmal Fassadenarbeiten am Haus vorgenommen werden, kann man das Spalier von der Wand abnehmen und zusammen mit dem Stock umlegen, um Platz für ein Gerüst zu schaffen. Dadurch muss der Rebstock wegen solcher Arbeiten nicht „geopfert" werden. Ein Pflanzstab ist zur Erziehung eines geraden Stammes unbedingt notwendig.

Nach der Pflanzung muss noch angegossen werden (nicht anschlämmen). 3 bis 5 Liter Wasser genügen normalerweise. Während des ersten Jahres ist eine regelmäßige Wasserversorgung hilfreich, der Boden darf nur nicht vernässen.

Werden mehrere Reben gepflanzt, ist ein Stockabstand von 1,50 - 2,00 m empfehlenswert.

Grünreben bzw. bereits verholzte Triebe werden locker am Pflanzstab angebunden.

zum Seitenanfang

Erziehung - Stockaufbau

Die Phase im Leben eines Rebstockes, in der es darum geht, den Stock wachsen zu lassen, bis er ein Spalier oder anderes Klettergerüst belegt, nennt man Stockaufbau- oder Erziehungsphase. In dieser Zeit wird die Grundform des Weinstockes festgelegt. Während dieser Phase soll der Weinstock kräftig wachsen. Um ihm das zu ermöglichen, werden Sie in vielen Fällen dafür sorgen müssen, dass er nicht zu viele Trauben ansetzt. In der Stockaufbauphase ist es für das zügige Wachstum des Weinstockes besser, nur eine Traube, allerhöchstens aber zwei, pro Frucht tragendem Trieb zu belassen. Überzählige Trauben werden am besten gleich nach der Blüte entfernt. Der Stock wird diesen „Frevel" an seinen Früchten danken, denn er wird den ihm zugedachten Raum viel schneller ausfüllen als ein Stock, der von Anfang an viele Trauben versorgen muss.

Sie können einen Weinstock auf unterschiedliche Weise aufbauen. Im Folgenden ist eine der Möglichkeiten beschrieben.

Skizze: Ausbrechen der Geiztriebe


Pflanzjahr

Wenn Sie Ihren Weinstock mit einem Stamm erziehen möchten (das ist beim Rasenmähen praktisch), dann lassen Sie im Pflanzjahr und in den Folgejahren, bis der Stamm die von Ihnen gewünschte Höhe erreicht hat, keine Seitentriebe wachsen. Wie Tomatenpflanzen entwickeln Rebstöcke aus den Blattachseln am grünen Trieb Seitentriebe. Diese gilt es „auszugeizen" (siehe Bild links).

Am besten zwickt oder bricht man die Geize direkt an der Basis ab. Werden die Geiztriebe erst im Winter geschnitten, so hat der Rebstock offene Schnittwunden am Stamm oder an dessen Verlängerung. Durch das Ausbrechen im grünen Zustand, hat die Wunde Gelegenheit bis zum Herbst zu verheilen.

Rückschnitt des verholzten Triebes


Zweites Jahr

Die beste Zeit für den sogenannten Winterschnitt ist im März/April, kurz vor dem Austrieb. Der Stock wird „bluten", aber das schadet ihm nicht, da er nicht „verbluten" kann. Übrigens bluten selbst Stöcke, die schon im Januar geschnitten wurden, wenn der Saftstrom im Frühjahr wieder einsetzt.

Der verholzte Trieb wird auf die gewünschte Stammhöhe (gebräuchlich sind 60 bis 100 cm) so zurückgeschnitten, dass im Bereich des ersten Etagendrahtes drei gut sichtbare Augen verbleiben (Bild links). Im Bedarfsfall sind auch höhere Stämme möglich. Allerdings dauert dann der Stockaufbau länger.

Der angeschnittene Trieb sollte 8 bis 10 mm stark sein. Ist der Trieb zu dünn oder zu kurz, schneidet man besser auf 1 bis 2 Augen über der Veredelungsstelle zurück und beginnt erneut mit dem Stammaufbau.

Rebe im zweiten Standjahr nach dem Austrieb


Zweites Jahr nach dem Austrieb

Die Triebe, die aus den drei Augen um den Etagendraht wachsen, sind für den weiteren Stockaufbau wichtig.

Die aus den unteren beiden Augen wachsenden Triebe ergeben später die Grundlage der ersten Etage; der Trieb, der aus dem oberen Auge entsteht, dient dazu, den Stamm zu verlängern, um später weitere Etagen anlegen zu können.

Alle weiteren Austriebe am Stamm werden wieder im grünen Zustand ausgebrochen (Bild links).

Achten Sie bitte darauf, dass die drei Triebe, die Sie zum Stockaufbau benötigen, nicht abbrechen (also bitte anbinden!) und lassen Sie diese gerade in die Höhe wachsen (nicht einkürzen).





Ab dem dritten Jahr

Die Triebe für die erste Etage werden erst im kommenden Frühjahr auf die „Etagendrähte" gelegt (Bild unten links).

Erste Etage des Spaliers

Aufbau weiterer Etagen

So wird in den folgenden Jahren mit allen weiteren Etagen verfahren, bis die für den Weinstock bestimmte Unterstützungsvorrichtung von ihm ganz belegt ist. Im dritten Jahr wird also die Stammverlängerung genauso geschnitten, wie vorher der Stamm und so weiter (Bild oben rechts).

zum Seitenanfang

Rebschnitt

Gebräuchliche Fachausdrücke

- Rute: Trieb auf 8 - 12 Augen zurückgeschnitten
- Strecker: Trieb auf 5 - 7 Augen zurückgeschnitten
- Zapfen: Trieb auf 1 - 4 Augen zurückgeschnitten

Zwei Grundsätze

Der Rebschnitt hat das Ziel, den Rebstock Zeit seines Lebens vital zu halten. Der Schnitt im Frühjahr (März/April) soll zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen der Wüchsigkeit des Stockes und seiner Fruchtbarkeit führen. Kurz gesagt: je stärker der Rückschnitt, desto größer die Wüchsigkeit und desto geringer die Fruchtbarkeit.

Dieser Grundsatz lässt sich leicht erklären. Der Weinstock legt nämlich seine Blütenknospen für das kommende Jahr schon im Sommer an. Was also im Frühjahr austreibt, ist quasi schon seit dem vergangenen Jahr in Vorbereitung. Wird der Rebstock nun zurückgeschnitten, so verringert man dadurch die Zahl der Knospen, die am Stock bleiben, und damit auch direkt die Zahl der Blüten. Wenn der Weinstock weniger Blüten zu versorgen hat, dann bleibt ihm mehr „Kraft", die er in sein Wachstum stecken kann.

Wenn man sich diesen Zusammenhang vor Augen führt, wird auch klar, dass man einen alten, erschöpften Weinstock durch starken Rückschnitt wieder zu neuem Wachstum anregen kann. Beziehungsweise, dass man einen sehr wüchsigen, jungen Stock im Wachstum bremsen kann, indem man gar nicht oder nur wenig schneidet.

Fruchttriebe und Wasserschosse

Das zweite wichtige Merkmal, das man sich verinnerlichen muss, ist, an welchen Trieben der Stock blüht und damit fruchtet: Die Weinrebe blüht an diesjährigen Trieben, die auf einjährigem Holz wachsen, das auf zweijährigem steht. Wasserschosse, die direkt aus altem Holz (älter als zwei Jahre) wachsen, sind in den meisten Fällen unfruchtbar (siehe Bild links).

Wer diese beiden Grundsätze beherzigt, macht beim Rebschnitt keine Fehler.


Also nochmals:

Die Zahl der am Rebstock vorhandenen Knospen (Augen) bestimmt dessen Wüchsigkeit und Fruchtbarkeit.

Einjähriges Holz muss auf zweijährigem stehen.


Alle weiteren Gesichtspunkte sind rein kosmetischer Natur. Der einzige wirkliche Fehler, den Sie beim Rebschnitt machen können, ist der, dass Sie den Weinstock von seinen Wurzeln trennen. Alles andere kann die Rebe verkraften. Sie können beispielsweise eine ganze Etage aus einem Spalier herausschneiden - absichtlich zur Verjüngung eines alten Stockes, oder aus Versehen. Sollte Ihnen das passieren, dann ziehen Sie die Etage einfach aus einem Wasserschoss nach.

zum Seitenanfang

Der Zapfenschnitt

Bei einem Weinstock, der als Spalier erzogen wurde, ist der sogenannte Zapfenschnitt die zweckmäßigste Form des Schnittes. Hier besteht das Ziel, immer einjähriges Holz auf zweijährigem zu haben. Um zu verhindern, dass der Zapfen mit der Zeit vergreist, immer höher wird und dann die Wüchsigkeit und die Fruchtbarkeit der Neutriebe immer schwächer werden, zieht man sich zwei Zapfen: einen Zapfen für die Fruchtruten (zwei bis vier Augen) und einen Zapfen für die Ersatzrute (ein bis zwei sichtbare Augen). Der „Ersatzzapfen" soll immer tiefer stehen als der „Fruchtzapfen", da er im folgenden Jahr die Fruchttriebe tragen wird. Wasserschosse werden als Ersatz für alte Zapfen verwendet.

Lassen Sie bitte 25 bis 30 cm Abstand zwischen den Zapfen auf einer Etage des Spalieres, weil sonst der Weinstock im Sommer zu dicht wächst und Sie sehr viel auszubrechen haben.

Die hier beschriebene Schnittvariante ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Profis im Rebschnitt schneiden oft nur einen Zapfen, statt eines Frucht- und eines Ersatzzapfens, aber der Schnitt, wie er hier beschrieben ist, hat sich für Hobbywinzer bewährt. Beachten Sie bitte auch die Hinweise zu den Laubarbeiten, die weiter unten beschrieben sind.




Schnittführung im ersten Jahr:

Zapfenschnitt im ersten Jahr



Schnittführung im 2. Jahr: 


2. Jahr, nach dem Schnitt: 
Zapfenschnitt, 2. Jahr

Nach dem Schnitt



Schnittführung im 3. Jahr: 


3. Jahr, nach dem Schnitt: 
Schnitt 3. Jahr

nach dem Schnitt



Schnittführung im 4. Jahr: 


4. Jahr, nach dem Schnitt: 
Schnitt 4. Jahr

nach dem Schnitt

Der Wasserschoss wird zum "Ersatzzapfen".





Schnittführung im 5. Jahr: 


5. Jahr, nach dem Schnitt: 
Schnitt 5. Jahr

nach dem Schnitt

Wenn Sie diese Hinweise beherzigen, wird Ihnen der Zapfenschnitt bald "locker" von der Hand gehen. Es ist wirklich keine Hexerei. Und wie gesagt, wenn Sie einen Fehler machen, wird Ihr Weinstock diesen durch sein Wachstum wieder ausgleichen.

zum Seitenanfang

Der Schnitt von Ruten oder Streckern

Wenn der Weinstock an einer Pergola wächst, dann hat er oft mehr Platz, um sich zu entfalten, als an einem Spalier. Hier können dann statt der „Fruchtzapfen" längere Triebe stehen gelassen werden. In diesem Fall spricht man von Ruten oder Streckern. Der Ersatzzapfen wird bei dieser Schnittvariante auf ein Auge zurückgenommen.

Natürlich können Sie beide Schnittvarianten am selben Rebstock anwenden. Denken Sie dabei aber immer an Grundsatz Nummer eins: die Zahl der am Rebstock vorhandenen Knospen (Augen) bestimmt dessen Wüchsigkeit und Fruchtbarkeit! Dann viel Spaß beim Schnitt Ihres Weinstockes Ende März oder Anfang April.

zum Seitenanfang

Laubarbeiten

Alle Pflegearbeiten am Weinstock, die im Sommer gemacht werden, bezeichnet man als Laubarbeiten. Für ein gutes Gedeihen der Reben müssen Licht, Luft und Sonne (Wärme) auf die Reben einwirken können. Zu dicht stehende Triebe und zu dichtes Laub im Bereich der Trauben erhöhen selbst bei pilzwiderstandsfähigen Rebsorten die Gefahr der Fäulnis und Infektion mit Pilzkrankheiten. Folgende Laubarbeiten können diese Gefahr erheblich herabsetzen und tragen auch sonst noch zu einer guten Entwicklung des Weinstockes und seiner Trauben bei:

Ausbrechen

Skizze: Ausbrechen

Nicht benötigte Wasserschosse, nach unten oder hinten wachsende Triebe, Kümmertriebe und zu dicht stehende Triebe werden, sobald sie 20 bis 40 cm lang sind, ausgebrochen (siehe Bild links).

Am „Fruchtzapfen" sollten nicht mehr als 3 bis 4 und am „Ersatzzapfen" nur 1 bis 2 gut entwickelte Austriebe stehen bleiben. Diese Arbeit hilft mit, die Erziehungsform zu erhalten und Verdichtungen in der Laubwand vorzubeugen.



Heften

Grüne Triebe, die nicht in die Unterstützungsvorrichtung hineinwachsen oder sich nicht festranken, werden eingesteckt bzw. geheftet. Damit sorgt man für eine gleichmäßige Verteilung der Triebe am Spalier und vermeidet Bruchschäden.

Einkürzen

Zu lange Triebe können bald nach der Blüte auf 6 bis 10 Blätter über der letzten Traube abgeschnitten werden. Die alte Regel, nur zwei Blätter über der letzten Traube stehen zu lassen, ist überholt. Der Weinstock braucht nämlich seine Blätter, um Zucker für die Trauben produzieren zu können. Wenn er zu wenig davon hat, wird die Reife verzögert und der Zuckergehalt der Trauben geringer. Deswegen auch die Empfehlung 0,8 bis 1 m Abstand zwischen den einzelnen Etagen zu lassen, weil die Triebe in etwa diese Länge erreichen und nicht in die nächste Etage hinein wachsen sollen.

Gipfeln

Ab Ende Juli können überhängende, zu lang gewachsene Triebe etwas eingekürzt werden. Auch diejenigen, die in die nächste Etage des Spalieres einwachsen, kürzen Sie bitte ein. Achten Sie immer darauf, dass der Rebstock nicht zu dicht wird, das wird Ihnen viel Verdruss ersparen.

Entblättern

Zur optimalen Beerenreife vor allem bei Rotwein und zum vorbeugenden Schutz vor Pilzkrankheiten, insbesondere dem Grauschimmel (Botrytis), können ab Anfang August einzelne Blätter in der Traubenzone entfernt werden.

zum Seitenanfang

Düngung

Empfehlenswert ist eine Bodenuntersuchung v o r der Pflanzung, um Nährstoffmangel bzw. eine Überdüngung zu vermeiden. Bei einem gut durchwurzelbaren, tiefgründigen und durchlässigen Boden ist in der Regel keine Düngung notwendig. Auf nährstoffarmen Standorten und bei geringer Wuchsleistung der Reben ist eine jährliche Düngergabe von 30 - 60 g/m² Boden ab Ertragsbeginn oft hilfreich. Dabei ist ein Mineraldünger oberflächlich einzuarbeiten.

Falsche Düngung, insbesondere mit zu viel Stickstoff, führt dazu, dass die Rebe „ins Kraut schießt", provoziert Pilzkrankheiten, verzögert die Holzreife und vermindert die Winterfrostfestigkeit. Auch hier gilt: „Weniger ist oft mehr!"

Pflanzenschutz

Weinblatt mit Echtem Mehltau

Auch pilzfeste Rebsorten können bisweilen vom Echten Mehltau befallen werden. Infektionsgefahr besteht vor allem in den Monaten Juni bis August. Alle grünen Teile des Rebstockes können krank werden, also auch die jungen Trauben. Sorgfältig durchgeführte Laubarbeiten und eine luftige Erziehung machen aber in den meisten Jahren den Einsatz von chemischen Pflanzenbehandlungsmitteln überflüssig.

Im Bild links ist der Echte Mehltau der Rebe am Blatt zu sehen. Erkennbar ist der feine puderartige Überzug.

Traube mit Echtem und Falschem Mehltau

Im Bild rechts ist eine mit Echtem und Falschem Mehltau befallene Traube zu erkennen. Die geplatzten Beeren sind die Folge eines frühen Befalls mit dem Echten Mehltau. Die braunen, verdorrten Beeren nennt man Lederbeeren. Sie sind die Folge eines Befalls durch den Falschen Mehltau der Rebe.

Vor Vögeln und Wespen schützen engmaschige Netze (z.B. Gemüsefliegennetze), die bei Beginn der Traubenreife angebracht werden müssen. Mit Hilfe von selbst zugeschnittenen Beuteln (aus nicht zu starren Gemüseschutznetzen oder auch aus ausrangierten Gardinen) können einzelne Trauben vor Fraßschäden gerettet werden. Alle Pflegearbeiten müssen rechtzeitig, sorgfältig und fachgerecht durchgeführt werden.

Weitere Informationen zu Echtem und Falschem Mehltau, zu Rebenpockenmilbe, Kräuselmilbe, Traubenwickler und Grauschimmel finden Sie hier unter der Rubrik:

Pflanzenschutz am Weinstock

Bei Problemen mit Ihrem Hausrebstock können Sie auch die Experten der Bayerischen Gartenakademie um Rat fragen:

Das Bayerische Gartentelefon

zum Seitenanfang

Ernte

Reife Trauben sind am Wohlgeschmack, der Beerenfarbe und am holzigen Traubenstiel zu erkennen. Auch wenn die erste Vorkostung der Beeren bereits „Süße" signalisiert, wird die wirkliche Traubenreife erst nach mindestens einer weiteren Woche erreicht sein.

Ungenießbare, faulende Beeren an reifenden Trauben sind zur Vermeidung weiterer Infektionen gesunder Beeren auszuzupfen. In kühlen, luftigen Räumen können nach der Ernte ganze Trauben noch einige Zeit aufbewahrt werden, indem man sie einzeln lagert oder an Drähten bzw. Schnüren aufhängt.

Wenn Sie selbst Wein machen möchten, brauchen Sie eine größere Menge Trauben, damit eine ausreichende Menge Most in Glasballons oder kleine Kunststoffbehälter gefüllt werden kann. Die Saftausbeute liegt zwischen 60 - 70 %, d.h. von 15 kg Trauben können 10 - 12 Liter Traubensaft (Most) gewonnen werden. Neben der Weinbereitung, die besondere Sachkenntnis erfordert, können Sie auch einfach das gärende Produkt „Sauser", „Bremser" oder „Federweißer" genießen. Trauben dienen außerdem als Zutaten für verschiedenste Gerichte und können sehr gut zu Marmelade und Gelee verarbeitet werden.

Nun bleibt nur noch, Freude und Erfolg beim Anbau von Haus- und Gartenreben zu wünschen!



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Bayerische Gartenakademie