Unterfränkischer Gartenbautag 2018
Was bewegt den Gartenbau?

Blick auf die interessierten Gäste im Vortragsraum

Für die Auftaktveranstaltung der diesjährigen Gartenbautage des Bayerischen Gärtnerverbandes (BGV) trafen sich rund 40 Gärtner, Branchenexperten sowie politische Vertreter am Montag, den 08.01.2018, an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Dabei standen den positiven Nachrichten, wie der steigenden Nachfrage nach Grün und der weiteren Fahrtaufnahme der Urban-Gardening-Bewegung auch die Herausforderungen der grünen Branche wie Fachkräftemangel, Wasserversorgung oder bürokratische Hürden gegenüber, die mit lokalen Vertretern der Landespolitik ausgiebig diskutiert wurden. Moderiert wurde der Unterfränkische Gartenbautag von Friedrich Reim, Bezirksvorsitzender des BGV Unterfranken.

Der Gartenbau: Modern und Positiv!
Modern und Positiv, so sollte nicht nur das Selbstverständnis jedes Gartenbaubetriebs sein – vielmehr solle man sich so für Kunden, besonders aber auch für Nachwuchskräfte präsentieren. Laut Friedrich Reim bietet vor allem die anstehende Landesgartenschau (12.04.-07.10.18) dem BGV nach 28 Jahren wieder die Möglichkeit, die Handwerkskunst und Innovationsfähigkeit der Branche für den Bürger direkt vor der Haustüre in Würzburg darzustellen – und sich gleichzeitig für Mitarbeiter- und Auszubildende in spe zu präsentieren. Denn auch im Gartenbau ist der Nachwuchs der Grundstein für den geschäftlichen Erfolg von morgen.
Politiker stehen Rede und Antwort
Bei einer Podiumsdiskussion, die von Franz Barthel moderiert wurde, standen MdL Volkmar Halbleib (SPD), MdL Kerstin Celina (Grüne), Landtags-Kandidatin Barbara Becker (CSU) und MdL Helmut Kaltenhauser (FDP) zu gartenbaulichen Themen Rede und Antwort. So wurden von den Gärtnern bayernweit einheitliche Ladenöffnungszeiten sowie die Geschäftsöffnung bei Marktsonntagen auch wieder außerhalb der Ortsgrenze gefordert.
Wasser ist nicht nur für den Mensch das wertvollste Gut, sondern ist auch für den Gartenbau ein existenzielles Produktionsmittel. Durch die Wasserknappheit, vor allem in Unterfranken als wasserärmste Region Bayerns, und einem damit verbundenen Bewässerungsmangel der Kulturen kann Gartenbaubetriebe an den Rand der Existenzgefährdung führen. Denn eine unzureichende oder gar ausfallende Bewässerung kann zu hohen Ertragseinbußen bis hin zum Totalausfall führen. Dr. Hermann Kolesch, LWG-Präsident, befürwortete die Forderung der Tagungsteilnehmer, zum einen die technischen Möglichkeiten der Wasserversorgung, wie beispielsweise den Einsatz von Zwischenspeicherlösungen, weiter zu untersuchen, und zum anderen die wassersparende wie effiziente Technologie zur Messung des Bewässerungsbedarfs, z. B. mittels Drohneneinsatz, zu prüfen. Mit geschlossenen Wasserkreisläufen und der Regenwassernutzung für die Bewässerung spielt die Erschließung neuer Wasserquellen, aber auch die Verteilung künftig eine entscheidende Rolle.
Der Lebensmitteleinzelhandel, oftmals in den Gewerbeflächen am Ortsrand, wird mit eigenen Verkaufsbereichen für Blumen und Zierpflanzen zu einem zunehmenden Wettbewerb für lokale Gärtnereien. Die Vertreter der Gartenbaubetriebe appellierten während der Gesprächsrunde für maßvollere Genehmigungsverfahren und einen Dialog zwischen Landespolitik und Kommunen. Diskutiert wurden dabei auch über mögliche Sortimentsbeschränkungen für den Lebensmitteleinzelhandel, Shop-in-Shop-Lösungen und neue Geschäftsfelder für den Gartenbau.
Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. So reicht es heute schon lange nicht mehr, sich auf den Lorbeeren vergangener Tage auszuruhen. Wettbewerbs- und somit Zukunftsfähigkeit bedeuten vielmehr die Zeichen der Zeit zu erkennen und neuen Mega- und Trendthemen aufgeschlossen entgegen zu treten. Doch dafür sind oftmals Investitionen zu leisten, die auch für erfolgreiche Gartenbaubetriebe nicht aus der Portokasse zu leisten sind. So gibt es zwar Förderprogramme der Staatsregierung, wie beispielsweise für Modernisierung und Energieeinsparung, die aber aufgrund der Prosperitätsklausel (Betrachtung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens) „erfolgreichen“ Unternehmen verwehrt bleibt. Auch hier bestünde deutlicher Handlungsbedarf, damit erfolgreiche Unternehmen auch weiterhin erfolgreich bleiben könnten.
Eine untrennbare Verbindung: Mensch und Pflanze
Pflanzen sind nicht nur optische Highlights und bieten als Nutzpflanzen Nahrung – nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist. „Pflanzen tragen einen wesentlichen Teil zum Wohlbefinden bei, den Grün steht für Leben“, so Jürgen Herrmannsdörfer, Vizepräsident des Bayerischen Gärtnereiverbandes. Innenraumbegrünung aber auch urbanes Grün sind daher gefragter denn je. „Die Entscheidung zur Begrünung des Faulhaber-Platzes in Würzburg ist dafür das beste Beispiel. Grün statt Beton – dadurch wird das große Interesse der Bürger nach Natur deutlich“, so Herrmannsdörfer. Entspannen ´im Grünen´ bekommt besonders in der schnelllebigen Zeit, gespickt mit Terminen auf Aufgaben, einen ganz neuen Stellenwert. So zählen Stress und psychische Erkrankungen zu den größten Indikatoren für Fehltage.

Die Devise lautet daher nicht nur den Stress zu reduzieren, sondern auch einen Ausgleich zu schaffen. Pflanzen im Büro haben dabei eine therapeutische Wirkung, denn sie bringen Leben in den Büroalltag. In den asiatischen Ländern geht man indes noch weiter: Wie beispielsweise in Singapur werden Pflanzen bewusst als Heilpflanzen eingesetzt und auch so vermarktet. „Was bei uns fehlt, sind jedoch Studien und Untersuchungen, die die Heilkraft der Pflanze auch darstellt und eine Grundlage für eine entsprechende Vermarktung bildet“, so BGV-Vizepräsident und äußerte gleichzeitig den Wunsch nach staatlichen Förderprogrammen.