Pflanzentipp
Wunderbeere Goji?

Die Abbildung zeigt die Gojibeere 'No. 1-Lifeberry'

Gojibeere 'No. 1-Lifeberry'

Bei dem botanischen Namen der Gojibeere, Lycium barbarum, denkt man zunächst eher an eine Böschungspflanze als an ein Obstgehölz. Und ist dieses Nachtschattengewächs nicht auch giftig? Dann soll Goji so gesund sein? In vielen Beschreibungen werden zahlreiche positive, gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe dieser für uns Europäer neuen Obstart herausgestellt und Anbau bzw. Verzehr der Beeren nahe gelegt. Ist der Mega-Hype berechtigt?

Erste Erkenntnisse im Anbau von Gojibeeren

Geernte Gojibeeren im Vergleich mit einer MünzeZoombild vorhanden

Geerntete Gojibeeren im Vergleich

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim hat seit 2011 einige Sorten geprüft. Da sie selbstfruchtbar sind und am diesjährigen Neutrieb fruchten, stellt sich der Behang sofort ein. Entgegen Baumobstarten können auch schnell Bewertungen der Sorten vorgenommen werden. Sie lassen sich grob in 2 Kategorien einteilen:
Sorten mit orangefarbenen, etwas „größeren“ (0,7 - 1 Gramm), oval-zylindrisch, eher länglichen Früchten von 15 - 20 mm wie ‘No.1-Lifeberry‘ und einigen Selektionen der Gärtnerei Umbach/Heilbronn (www.biogojipflanzen.de‎ bzw. www.gaertnerei-umbach.de ) schmecken mild (ähnlich einer süßlichen Tomate) bis leicht herb und sind daher für Rohverzehr und Verarbeitung gleichermaßen geeignet. Der hohe Zuckergehalt (bei Vollreife um 20 °Brix / 85 °Oechsle) bestätigt dies.
Die andere Gruppe mit den eher ziegelroten, kleineren, ca. 0,5 - 0,6 g schweren, 10 - 15 mm länglich spitzovalen Beeren schmeckt nach Paprika, je nach Sorte mit einem herben +/- spürbaren Pfefferton: für den Frischverzehr als Beerenobst somit ungewöhnlich. Rohe Früchte sind jedoch denkbar als z.B. Beimischung zu Salaten, Joghurt und Käse (auch als Farbtupfer!).
Die blasslila Blüten einer Goji-PflanzeZoombild vorhanden

Gojiblüte

Die Schärfe nimmt bei getrockneten Beeren etwas ab. Zieht man einen Vergleich mit Sanddorn, so schmecken – v.a. die „roten“ Gojis – roh nicht besonders, aber verarbeitet können interessante Produkte entstehen wie Fruchtsoßen, Fruchtaufstriche (pur oder in Mischung mit anderen Beeren oder Pflaumen, Mirabellen etc.), Mischsäfte.
Die richtige Sorte ist daher entscheidend und dabei die Namensgebung manchmal irreführend. So sind ‘Sweet Lifeberry‘,‘Big and Sweet‘,‘Big Lifeberry‘ herb-pfeffrig bzw. nicht „big“ und primär für Verarbeitung zu sehen. Über nunmehr 3 Jahre erweist sich ‘No.1-Lifeberry‘ (bei verschiedenen Jungpflanzenproduzenten erhältlich) als am besten. Sehr ähnlich oder einen Tick besser erweisen sich nach den Ersteindrücken 2012 und 2013 die besten Selektionen der Gärtnerei Umbach z.B. ‘Turgidus‘ und ‘L 22‘.

Standort und Erziehung

Als ursprüngliches Pioniergehölz gilt Lycium barbarum als anspruchslos und frosthart. So auch die Sorten der Gojibeere, die auch trockene, sandige, kalkhaltige bis hin zu sandig-lehmigen Böden gut verträgt. Wie bei anderen Obstgehölzen sind Verdichtung bzw. Staunässe auszuschließen.
Als optimal gelten humose Böden mit pH-Werten 5,7 - 6,5. Wenn auch „Pioniergehölz“, so sind auf leichten, sandigen, humus- und speicherarmen Böden Zusatzgaben von Dünger bzw. Wasser in längeren Trockenphasen positiv; bei Kultur in Gefäßen zwingend.
Werden mehrere Pflanzen (Abstand z.B. 50 - 60 cm) kultiviert, so kann sich die Erziehung ähnlich den Herbsthimbeeren gestalten, jedoch auf Grund der dünnen, bogig überhängenden und längeren Triebe von etwa 2,5 - 3 m mit 2 Lagen Drahtgeflecht. Überlange Triebe können im Spätsommer bei etwa 2 m Höhe abgeschnitten werden. Ausgangs des Winters werden nur 3 - 4 Ruten belassen; diese etwa kniehoch abgeschnitten. Die daraus resultierenden Neutriebe blühen ab ca. Mitte Juli bis in den Spätsommer und fruchten ab Anfang – Mitte August bis zu den ersten Frösten. In der Summe aller Erntegänge lassen sich Erträge von 0,5 - 1 kg pro Strauch erzielen.
Für Einzelpflanzen und Kultur in Kübeln bietet sich die alternative Erziehung von 3 Trieben an einem Gittergerüst an. Diese 3 Leittriebe können über mehrere Jahre belassen, deren Seitentriebe auf Stummel vor dem Austrieb und als „Kontur“ im Sommer geschnitten werden. Durch Winterfrost oder Mehltau geschädigte Triebteile werden ebenfalls entfernt.
Unabhängig der Erziehungsform gilt es, Ausläufer heraus zu nehmen. Wurzelschutzbarrieren helfen ein „Auswandern“ im Garten zu verhindern, erlassen aber das Entfernen der Ausläufer nicht. In unseren 3-jährigen Erfahrungen zeigte sich, dass die „orangefarbenen“ Sorten keine oder nur wenige Ausläufer trieben, während die „roten“ hier negativ auffielen. Neben der richtigen Sorte kann nur ein übersichtlich geschnittener Strauch für die Obstart Gojibeere zufrieden stellende Fruchtgrößen liefern. Stark triebige, Ausläufer bildende, wuchernde Pflanzen reagieren mit nachlassenden, ungenügenden Fruchtgrößen.

Schaderreger

Bei Goji handelt es sich eigentlich um robuste Pflanzen bezüglich pilzlichen Krankheiten, tierischen Schädlingen und Frost. Allerdings muss – durchaus sorten- und standortspezifisch – auf mit Befall durch Echtem Mehltau und Gallmilben gerechnet werden. Gegen beide Erreger kann Schwefel ab Austrieb Abhilfe schaffen; gegen Mehltau auch Stärkungsmittel. Erstaunlich war in unseren ersten 3 Jahren festzustellen, dass die „Gruppe der orangefarbenen“ Sorten nicht oder nur wenig von beiden Schaderregern befallen waren, während die daneben stehenden „roten“ Sorten jeweils starken Befall aufwiesen. Sollte sich dieses Verhalten in Zukunft bestätigen, kann die Sortenwahl hier vorbeugen: ein weiteres Plädoyer für die „orangefarbene“ Sortengruppe!
Leider gilt Goji auch als Wirtspflanze der Kirschessigfliege.

Fazit

Für einen problemlosen Anbau sind definierte Sorten, u.a. ‘No.1-Lifeberry‘, ‘Turgidus‘, ‘L22‘ unerlässlich. Nur sie können nach den ersten Erfahrungen bezüglich Geschmack, Fruchtqualität, Schaderregerbefall, Ausläuferbildung zufrieden stellen. Im Zuge des Goji-Boomes sind sicher weitere brauchbare Sorten auf dem Markt - jedoch sind dabei auch Enttäuschungen vorprogrammiert.