Säulenobst
Säulenbirne und Säulen-Steinobst

Säulenbirne 'Decora'

Kompakt wachsende und kleine, schmale Baumkronen ausbildende Säulenapfelsorten erfreuen sich starker Nachfrage. Die Beliebtheit steigt durch die einfachere Kulturführung, die zunehmend kleineren Gärten oder gar die Verwendung in Kübeln für Terrasse und Balkon.

Da liegt der Gedanke der Baumschulwirtschaft nahe, auch andere Obstarten in Säulenform auf den Markt zu bringen. Doch nicht alle Arten entsprechen diesem Wuchstypus.

Säulenbirne

In dieser Kategorie sind meist 'Decora' und 'Obelisk' zu finden. Es handelt sich um schlank und kompakt wachsende Bäumen spezieller Sorten, die besonders aufrecht wachsen und/oder kürzere Seitentriebe ausbilden, kombiniert mit besonderen Anzuchtverfahren, z.B. kein Einkürzen des Mitteltriebes; Pinzieren von Seitenverzweigungen.
Zu 'Obelisk' liegen an der Bayer. Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim (LWG) keine Erfahrungen vor. Bei 'Condora' müssten die Seitentriebe pinziert/auf kürzere Zapfen geschnitten werden, um Säulenform bzw. Kompaktwuchs zu erhalten.
'Decora' hingegen kann als Columnartyp bezeichnet werden.

Säulenkirsche

Die Abbildung zeigt eine Säulenkirsche im 4. Jahr

Säulenkirsche im 4. Jahr

Hier handelt es sich um spezielle, kompakt und schlank wachsende, wenig verzweigende Sorten, die meist aus dem kanadischen Züchtungsprogramm stammen.

Es sind keine reinen Säulen wie beim Apfel. Analog der Birne und dem restlichen Steinobst soll die Mittelachse in den ersten Jahren nicht angeschnitten werden, sonst erfolgt eine Verzweigung, die bei der Wuchsform "Säule" nicht gewünscht wird. Bilden sich einzelne lange, dickere, steile Seitenverzweigungen, so sollten diese direkt an der Mitte entfernt werden. Schwächere Seitentriebe können entweder flach gestellt, dabei nicht eingekürzt werden oder aber ständig auf kürzere Zapfen ab Austrieb und im Laufe des Sommers pinziert werden.

Alternativ zur Säulenform können diese - oder aber anderen Sorten auf schwachen Unterlagen wie GiSelA 3 oder GiSelA 5 - auch als schmale "Pyramide" erzogen werden. Dabei werden die Mitte und 3 - 4 Seitentriebe, in etwa im 45° Winkel angeordnet, in den ersten Jahren nicht eingekürzt.

Auf kurze "Stummel" geschnittene SeitenverzweigungenZoombild vorhanden

Auf kurze "Stummel" geschnittene Seitenverzweigungen

Wenn nach 5 - 7 Jahren die Krone zu hoch geworden ist, kann eine Höhen- und Breitenreduzierung im Sommer (= wuchsbremsend) vorgenommen werden (ableiten = Seiten- bzw. Mitteltrieb über einer tiefer sitzenden, flacheren Seitenverzweigung abschneiden).

Unbedingt muss beachtet werden, dass nur früh reifende Sorten frei von Maden sein können. Wer sein Bäumchen im Kübel auf einem Balkon in Innenstädten stehen hat, hat gute Chancen, dass auch die später reifenden Sorten wie 'Silvia', 'Campanilo' madenfrei bleiben können.

Außerdem können die Container in Regenperioden trocken untergestellt werden. Aber auch bei ausgepflanzten, klein gehaltenen Bäumen kann der Regen durch zeitweilige Folieneindeckung abgehalten werden.

Weitere Steinobstarten

Die Abbildung zeigt eine SäulenzwetschgeZoombild vorhanden

Säulenzwetschge

Hier gilt Gleiches analog der Kultivierung von "Säulenkirschen" - für "Säulenzwetschgen" ('Anja', 'Fruca', 'Pruntop'), Säulenaprikose ('Campanilo', 'Compacta').

Neu auf den Markt kommt die gedrungen, schmal und aufrecht wachsende Sauerkirsche 'Jachim', die im Gegensatz zur normalen Wuchsform von Sauerkirsche als säulenförmig bezeichnet wird.

Vor allem bei Pfirsich und Nektarinen sind auch Zwergformen bekannt: 'Bonfire' (dunkellaubig), 'Amber' und 'Diamond' sowie die Nektarine 'Rubis'. Sie bilden sehr kurze lnternodien und somit einen gestauchten Wuchs, sodass die "Zwerge" selbst nach mehreren Jahren klein bleiben.

Besonders sticht deren üppige, dicht sitzende, rosafarbene Blüte hervor. Als selbstfruchtbare Gehölze bringen sie mittelgroße, vergleichsweise ansprechende Früchte hervor, die eine Verbesserung zu früheren Zwergsorten wie 'Bonanza', 'Nectarina' darstellen. Kübel bzw. ausgepflanzte Zwergsorten lassen sich durch Abdeckung vor Blütenfrost schützen.

Bereits ab Januar überdacht (Pergola, Balkon, Vordach) und trocken stehende Kübel können der gefürchteten Kräuselkrankheit vorbeugen.

Säulenbeerenobst

SäulenjohannisbeereZoombild vorhanden

Säulenjohannisbeere

Hierunter versteht man die Erziehung von Johannis- und Stachelbeeren in Form von 1- oder 2-triebigen Spindeln (Heckenerziehung). Hierüber wurde bereits früher berichtet.
Ansonsten können Sie dies nachlesen unter www.lwg.bayern.de - Freizeitgartenbau - Infoschriften.

Hilfreich hierbei ist der Kauf bereits ein- oder zweitriebiger Jungpflanzen, die nicht angeschnitten werden dürfen. Sinnvoll erweist sich zudem ein Ausbrechen von 3 - 5 Konkurrenzknospen an der Spitze der Triebe, um den Austrieb aus der Terminalknospe zu fördern.

Haben sich längere Seitentriebe gebildet, so können diese im Frühjahr auf eine Länge von 20 - 25 cm eingekürzt werden.

Brombeersäulen sind kompakt, aufrecht wachsende Sorten wie 'Navaho', 'Asterina', 'Loch Ness', die mit 2 - 3 Trieben als Fächerspalier gezogen und an ca. 2 m langen Stäben bzw. einem Fächergerüst angebunden werden. Wie bei Brombeeren üblich, werden 2 - 3 Neutriebe belassen und die alten, abgetragenen Ruten im Spätherbst herausgenommen.

Fazit

Bei Apfel sind genetisch bedingte Säulensorten vorhanden. Sie behalten diese typische Wuchsform bei, die kaum Schnitt erfordert.
Möglichkeiten der SäulenerziehungZoombild vorhanden

Möglichkeiten der Säulenerziehung

Bei den anderen Baumobstarten handelt es sich um ausgewählte Sorten, die sich durch aufrechten, schmalen, kompakten Wuchs auszeichnen. In Verbindung mit speziellen, meist schwach wüchsigen Veredlungsunterlagen und gesonderter Jungbaumerziehung ergeben sie schlanke, eintriebige Baumformen. Einige Sorten verzweigen sich schwach, kurz, flach. Deren Haupttrieb muss in den ersten Jahren nicht eingekürzt werden. Dann bleibt die schmale, säulenartige Form erhalten.
Wurde der Mitteltrieb angeschnitten (z.B. "gewohnter" Pflanzschnitt, der jedoch bei diesem Wuchstypus nicht gewünscht ist oder durch Höhenreduzierung nach 4 - 6 Jahren), so bilden sich Seitenverzweigungen. Diese können 1 - 2 x jährlich auf ca. 10 cm (im Juni) und der daraus resultierende Neutrieb dann auf 5 cm Länge eingekürzt/pinziert (etwa im August) werden.
An diesen "Stummeln" besteht die Möglichkeit, dass sich im Folgejahr Blütenknospen anlegen. Nur durch diese wiederholten Sommerschnitte hält sich die säulenartige Form. Ansonsten kann daraus auch eine Spindel mit flach gestellten Seitentrieben erzogen werden, die jedoch ausgepflanzt und unter "Hausgartenverhältnissen" je nach Schnittintensität und verwendeter Unterlage 1,50 - 3 m Kronendurchmesser erreichen. Bei Johannis- und Stachelbeeren entspricht die "Säule" der eintriebigen Spindel- oder Heckenerziehung. Hier empfiehlt es sich, mit eintriebigen Jungpflanzen mit bereits kurz angelegten Seitenverzweigungen zu starten.