Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Himbeere: Probleme und Lösungen
Aufgrund des guten Geschmackes gilt die Himbeere als "Königin unter den Beeren". Der Erwerbsanbau ist risikobehaftet (Witterung, Pflanzenschutzprobleme, Ware nicht lagerfähig), die Pflücklöhne hoch und somit sind die köstlichen Beeren oft teuer. Daher werden sie gerne in Haus- und Kleingärten angebaut.
Gewisse Bedingungen werden vom Standort erwartet. Die "Königin" erwartet keine staunassen, schweren Böden, sondern einen möglichst jungfräulichen, humosen Standort, pH-Wert 5,5 bis 6,5, nicht zu heiß. Als ursprüngliche Waldpflanze verträgt sie auch leichten Schatten. Die flachwurzelnde Obstart mag keine (tiefe) Bodenbearbeitung. Somit erweist sich das Mulchen der Oberfläche als günstig, was den Boden einerseits "gar" und andererseits feucht hält. Während der Fruchtreife, die über drei bis vier Wochen anhält, benötigt die Himbeere ausreichend feuchte Böden. Auf leichten Böden sollte bei längeren Trockenphasen zusätzlich bewässert werden.
Probleme im Anbau
Die einmaltragenden Sorten, die im Sommer an zweijährigen (= im Vorjahr neu gewachsenen) Ruten fruchten, zeigen in den letzten Jahren in vielen Regionen Ausfälle der Tragruten durch die sog. "Rutenkrankheit": Die Ruten mit den kurz vor der Reife stehenden Früchten verbräunen zunächst, vertrocknen dann komplett, die Rinde platzt auf und die Beeren reifen nicht mehr aus – sie vertrocknen ebenfalls unreif. Die Ernte ist passé und die neuen, im Aufwuchs befindlichen Triebe, die im Folgejahr fruchten sollen, werden bereits infiziert. Die Symptome zeigen sich schon im Laufe des Sommers: Braunviolette Flecken an Trieben, meist in der Nähe einer Wunde, z. B. Blattstiel, an aufgerissenen Trieben und Reibestellen. Der Bestand stirbt nicht ganz ab – im Gegensatz zu den bodenbürtigen Wurzelkrankheiten durch Phytophthora.
Die Rutenkrankheit, die von mehreren Pilzen verursacht wird, ist schwer zu bekämpfen. Pflanzenschutzmittel sind im Freizeitgartenbau dafür nicht zugelassen. Eine gewisse Abhilfe schafft ein lichter Bestand (einzeilig mit je 10 bis 15 Tragruten und Jungtrieben pro lfd. Meter; überzählige Jungruten bereits Anfang Juni entfernen). Reicht dies nicht aus, so müssten alle Ruten ausgangs des Winters vor dem Austrieb komplett und direkt über dem Boden abgeschnitten werden. Dies würde einen Übertrag bereits infizierter Jungruten auf den dann folgenden Neuaustrieb unterbinden. Dies bedeutet zwar einen einmaligen Verzicht auf eine Sommerernte – kann aber auf Dauer wirksam sein. Beachten Sie aber bitte, dass der Neuaustrieb verstärkt einsetzt und Sie sehr konsequent die über 15 Jungtriebe erscheinenden Ruten entfernen müssen.
Lösung: Herbsthimbeeren
Es gibt spezielle Sorten, die am diesjährigen Neutrieb ab Mitte/Ende August bis in den Oktober hinein fruchten. Sie werden einjährig kultiviert. Das bedeutet, dass der Bestand komplett ausgangs des Winters bodennah abgeschnitten und somit eine Übertragung pilzinfizierter Ruten vermieden wird. Auch hier sollten zu breite Beete und zu dichte Bestände ausgelichtet werden.
Das Befestigen der Ruten gestaltet sich einfacher, da die Ruten nicht so hoch wachsen wie bei den sommertragenden Sorten. An jeder Stirnseite werden zwei Pfosten im Abstand von 60 cm Breite angebracht. Sie sollten ca. 80 cm aus dem Boden ragen und oben mit einer Querlatte verbunden werden. Darauf könnte man ein Zaungeflecht, Gitter oder mehrere Schnüre zum anderen Ende spannen, sodass die Triebe durchwachsen können und Halt finden ohne angebunden zu werden, was auch das Entfernen erleichtert.
Vorteile der Herbsthimbeeren
Sie sind robust gegen Ruten- und bislang auch Wurzelkrankheiten, madenfrei, besitzen einen langen Erntezeitraum, sodass ständig frische Beeren geerntet werden können. Dies ist auch vorteilhaft bei der Herstellung von Mischmarmeladen, z. B. mit späten Johannis- oder mit Brombeeren. Liegen keine Probleme mit der Rutenkrankheit vor, so können die Herbstsorten auch zweijährig wie die Sommersorten kultiviert werden: Sie remontieren, d. h. sie fruchten Ende Juni – noch vor den frühen Sommersorten – ein zweites Mal im mittleren Rutendrittel, nachdem das obere Drittel bereits im Herbst davor getragen hatte. Diese Zone sollte über Winter abgeschnitten werden.
Spezielle Herbstsorten
Bis vor über 20 Jahren war u. a. 'Zefa 3' (Herbsternte) verbreitet. Von den Ende der 80er Jahre hinzugekommenen Sorten 'Autumn Bliss' (= 'Blissy'®), 'Polana', 'Ruby' und 'Heritage' erfuhr erstere die stärkste Verbreitung und war seither ein gewisser Standard. 'Autumn Bliss' weist mittelgroße, mittelfeste, mittel- bis dunkelrote Früchte auf, die je nach Witterung und Erntemonat gut bis zufriedenstellend schmecken. Ihre gelbfruchtige "Schwester" 'Golden Bliss', die Farbe in das Sortiment bringt, ist süßer, weniger aromatisch, etwas weicher und somit etwas anfälliger für Botrytis.
Neu auf den Markt sind drei Sorten gekommen, die sich bislang sehr positiv darstellen und als eine Verbesserung bezüglich Geschmack und Fruchtgröße gegenüber 'Autumn Bliss' erweisen: 'Himbo Top', eine schweizer Kreuzung von Peter Hauenstein, sowie die beiden polnischen GEVO-Sorten 'Polka' und 'Pokusa'. Diese drei sind relativ ähnlich, sie unterscheiden sich nur in Nuancen. Gleichgültig für welche Sie sich davon entscheiden – einen Anbauversuch sind sie alle drei wert!
Neue Himbeersorten - von links nach rechts: 'Himbo Top', 'Polka' und 'Pokusa'
zurück zur Hauptseite Baumschulen
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Obstbau und Baumschulen
|