Veranstaltungsbericht
Industriegemüsetag 2015

Industriegemüsetag 2015 im Sebastian Englerth Saal

Teilnehmer im Sebastian Englerth Saal

Der Bayerische Industriegemüsetag 2015 fand am 10.12.2015 in Veitshöchheim statt. Die Veranstaltung wurde von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost und dem Verein ehemaliger Veitshöchheimer organisiert. Herr Gerd Sander, der Abteilungsleiter Gartenbau der LWG, eröffnete die Veranstaltung in dem mit fast 100 Besuchern gefüllten Sebastian Englerth Saal.

Ergebnisse der niederbayerischen Sortenversuche

Zu Beginn der Veranstaltung stellten Frau Daniela Gleißner und Herr Markus Göttl vom Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost die Versuchsergebnisse der Sortenversuche für Einlegegurken und Buschbohnen vor.
Unter anderen wurden von Herrn Göttl erstmals die Ergebnisse der sensorischen Sortenprüfung für Einlegegurken vorgestellt. Bisher wurde die sensorische Texturprüfung durch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt. Aufgrund von personellen Veränderungen und Umstrukturierungen war dies 2015 nicht mehr möglich. Eine Lösung musste gefunden werden. Deshalb wurden die Sorten aus dem LWG Einlegegurkenversuches anonymisiert durch das Sensorikpanel der Firma Develey verkostet und anschließend von Herrn Göttl ausgewertet.

Einfluss der Stickstoffdüngung auf den Ertrag und die Qualität von Einlegegurken

Herr Florian Hageneder stellte die Ergebnisse des LWG – Düngeversuches vor. Nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie soll die Düngeverordnung in vierjährigen Abständen überprüft werden. Die Düngebedarfsermittlung erfolgt dabei zukünftig nach einen Bedarfswertesystem. Dazu wurden Nmin - Sollwerte für die einzelnen Fruchtarten festgelegt. Die Höhe der Nmin – Sollwerte ist unter anderen vom Ertrag abhängig (Feldabfuhr). Ein vorläufiger Entwurf der Düngeverordnung vom 18.12.2014 geht von einem Ertragsniveau von 800 dt/ha bei Einlegegurken aus. Der Nmin-Sollwert ist auf 210 kg N/800 kg Erntemenge festgelegt. Bei 20% höheren Erträgen (im Durchschnitt der letzten 3 Jahre) dürfen Zuschläge gegeben werden. Daraus würde sich ein Sollwert von 250 kg N ergeben. Jedoch ist das Ertragsniveau in Niederbayern mit 1100 dt/ha höher. Aus diesem Grund liegt die Beratungsempfehlung deutlich höher, als die im Entwurf der Düngeverordnung empfohlenen 250 kg/ha Stickstoff. Dies bildete den Hintergrund für den vorgestellten LWG-Versuch.

„Hat der Industriegemüseanbau in Deutschland eine Zukunft? – Chancen/Perspektiven“

Im Anschluss an die Versuchsberichte folgte der Vortragsblock „Hat der Industriegemüseanbau in Deutschland eine Zukunft? – Chancen/Perspektiven“.
Andreas Herr (Nunhems Netherlands BCS Vegetables Seeds) referierte über den Einlegegurkenanbau weltweit und in Deutschland aus der Sicht der Saatzuchtindustrie. Deutschland ist weltweit nach den USA der zweitgrößte Einlegegurkenanbauer. In Deutschland würden auch in Zukunft Einlegegurken produziert werden. Die geänderten Rahmenbedingungen werden sich jedoch auf den Anbau von Einlegegurken auswirken. Der überproportionale Kostenanstieg in Deutschland würde zu einer schleichenden Abwanderung der Kultur führen. Erwartet würde besonders eine Abwanderung der mittleren Sortierungen bei gleichzeitiger Verteuerung der groben Sortierungen.
Herr Freitag vom Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e.V. stellte die Situation aus Sicht der Verarbeitung da. Das Thema seines Vortrages lautete „Anpassung an den Mindestlohn aus Sicht der Sauerkonservenindustrie“. Eine generelle Preiserhöhung für das Produkt Sauerkonserve ist laut Herrn Freitag nicht durchsetzbar. Die Ursache wäre bei gleichzeitig sinkender Nachfrage eine Überproduktion. Diese muss durch den Export abgebaut werden. Eine Chance sieht Herr Freitag in der geschützten geographischen Angabe und der Einhaltung von Qualitätsstandards.
Herr Hubert Eckert konnte als Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels gewonnen werden. Herr Eckert ist verantwortlich für den Einkauf für den Bauer Markt in Elsenfeld und stellte diese im Rahmen seines Vortrages „Regionalität und Qualität - eine Zukunftsperspektive“ vor. Der Bauer Markt bietet auf 2800 Quadratmetern über 26.000 verschiedene Artikel unter anderem auch Sauerkonserven an. Das Unternehmen beschäftigt 142 Beschäftigte, darunter 70 Vollzeit-AK. Der Bauer Markt setzt im Verkauf auf Regionalität und Qualität und sieht hier auch eine Chance für die Sauerkonserve.
Herr Josef Hofmeister von der Geo Bayern GmbH, Aholming und Herr Winfried Strauß vom Gurkenhof Strauß aus Bergtheim/Unterfranken vertraten den bayerischen Anbau. Gemüse wäre zu billig. Der Verbraucher würde deshalb ein 15 Cent teureres Konservenglas verkraften, behauptete Herr Hofmeister. Die regionale Produktion in Bayern bietet ein qualitativ sicheres Produkt. Kaufanreiz wären demnach Lebensmittelsicherheit und Qualität. Allerdings wäre das Vertrauen des Verbrauchers aufgrund der verschiedenen Skandale gesunken. Der Verbrauer müsste sensibilisiert werden. Woher kommt das Produkt? Wie ist es produziert? Herr Hofmeister forderte dabei die Unterstützung der Politik an.
Der Gurkenhof Strauß aus Unterfranken baut Industriegemüse für die Firma Kühne im Vertragsanbau an. Herr Strauß sieht keine Anbausicherheit in Deutschland für arbeitsintensive Kulturen wie Einlegegurken. Zukunft hätten Kulturen mit weniger Arbeitsaufwand wie Kohl und Möhren. Herr Strauß verwies auf die Auswirkungen des Klimawandels u. a. auf die spezielle Situation in Unterfranken hin. Entscheidend für den Anbau würde deshalb auch die Frage sein: Wieviel Wasser für die künstliche Beregnung stehen in der Vegetationsphase zur Verfügung? Wie hoch ist die Grundwasserneubildung? Der Gemüseanbau besäße in der Region Unterfranken das Image des Wasservergeuders. Dem müsste entgegen gewirkt werden. Der Verbraucher wäre bereit, für einen regionalen, nachhaltigen Anbau mehr zu zahlen. Dies sollte der Lebensmittelhandel berücksichtigen und seiner Werbung Taten folgen lassen. Herr Hofmeister und Herr Strauß fordern von ihren Anbaukollegen die strikte Einhaltung von produktionsrechtlichen Vorgaben, Bodenschutz- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen, umso Negativschlagzeilen zu vermeiden.
Zur Situation des Vertragsgemüseanbaues in Deutschland gab Herr Heinz-Peter Frehn einen Überblick. Herr Frehn ist Inhaber des Gurkenhofes Frehn in Steinreich und des Biohofes Schöneiche im Spreewald. In der Bundesfachgruppe Gemüsebau ist Herr Frehn Vorsitzender des Arbeitskreises Vertragsgemüse. Neue gesetzliche Regelungen, wie das Arbeitszeit- und das Mindestlohngesetz, die zu erwartende neue Düngeverordnung, erforderliche Zertifizierungen aber auch Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels an die Anbauer verteuern die Produktion und erhöhen die Arbeitskosten sowie den Aufwand an Dokumentation. Die Arbeitskraftstunde würde sich in den nächsten Jahren einschließlich der Nebenkosten um 2 € im Jahre 2017 verteuern. Bei dem derzeitigen Preisniveau hätte der Gurkenanbau damit keine Chance mehr in Deutschland. Die Anbauwürdigkeit eines jeden Standortes müsste überprüft werden. Herr Frehn sieht nur in der Senkung des Arbeitskräftebedarfes/ha bei Intensivkulturen wie Einlegegurken eine Möglichkeit dieser Entwicklung zu begegnen. Dafür müsste die Ernte mechanisiert werden.
Weiterhin wären die Vorgaben des Arbeitszeitgesetztes nicht einzuhalten. Die Beschränkungen der Arbeitszeit würde mehr Personal erfordern, neue Unterkünfte müssten gebaut werden etc.. Die Vorgaben des LEH`s stellen ein weiteres Problem da. Beispielsweise würde eine Handelskette den Einsatz eines wirksamen Wirkstoffes verbieten. Eine Inkrustierung des Saatgutes ist damit nicht mehr möglich. Solche Vorgaben bezeichnete Herr Frehn als Irrsinn, zumal Anbauer aus dem Ausland diesen Anforderungen nicht unterliegen. Herr Frehn zitierte dazu aus einem Schreiben eines Lebensmitteldiscounters.
Momentan wäre der Verbrauer nicht bereit, mehr zu zahlen. Um dies zu erreichen sollten der LEH und die Industrie ihre Produkte offen deklarieren. Es müsste klar erkennbar sein, woher die Gurke im Glas kommt. Um kostendeckend zu produzieren wäre eine Anhebung des Preises um 30 Cent/Sauerkonserve erforderlich. Warum macht der LEH daraus eine Erhöhung um 60 Cent? Herr Frehn forderte von den Anbauern ein Ende des ständigen Preiskampfes untereinander. Er fordert „Waffengleichheit“. Ein höherer Preis wäre nur möglich, wenn alle mitziehen.
Am Ende der Veranstaltung stellte Herr Martin Schulz von der LWG das Versuchsprogramm 2016 für Industriegemüse vor.

Industriegemüsetag 2015: Gruppenfoto mit Referenten und Organisatoren

Referenten und Organisatoren von links nach rechts: Andreas Herr, Oskar Kreß, Markus Göttl, Angela Vaas, Daniela Gleißner, Florian Hageneder, Hubert Eckert, Josef Hofmeister, Heinz-Peter Frehn, Winfried Strauß, Christoph Freitag, Gerd Sander