Veranstaltungsbericht
Industriegemüsetag 2016

Arnold Andreas (links) und Apfelbeck Josef
Der Bayerische Industriegemüsetag 2016 fand am 09.01.2017 erstmals als Auftaktveranstaltung der Straubinger Vortragsreihe in Aiterhofen statt. Der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Dr. Hermann Kolesch, begrüßte die 90 Teilnehmer, unter denen sich rund 35 Anbauer befanden. Dr. Kolesch ging in seiner Rede auf den hohen Stellenwert der Einlegegurke im Bayerischen Gemüsebau ein. Nachdem sich die Anbaufläche von 1990 mit circa 300 ha kontinuierlich auf 1640 ha im Jahr 2014 ausgedehnt hatte, geht nun die Anbaufläche wieder zurück. Teile der Produktion verlagern sich ins Ausland. Die Ursachen sind unter anderen in den dortigen niedrigeren Produktionskosten insbesondere bei kleineren Sortierungen zu suchen.

Vorstellung der Ergebnisse aus den Anbauversuchen in Niederbayern

Die LWG liefert mit ihren Sorten- und Anbauversuchen den bayerischen Gemüsebauern wichtige neutrale Anbauempfehlungen. Das Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost in Niederbayern führt im Auftrag der LWG die Anbauversuche für Industriegemüse durch. Die Ergebnisse der Sortenversuche für Einlegegurken und Rote Bete sowie des Düngeversuches für Einlegegurken wurden von den Versuchsingenieuren Markus Göttl und Daniela Gleißner vorgestellt.

Anbau von Cornichons in Bosnien und Herzegowina

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH seit 1995 in Bosnien und Herzegowina. Projekte zwischen GIZ und Privatwirtschaft - Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft - EPW genannt - verbinden betriebswirtschaftliche Interessen mit entwicklungspolitischen Zielen. Die GIZ führte 2015 ein Pilotprojekt mit der Carl Kühne KG zum Anbau von Cornichons durch.
Ziel des Projektes war, praxisnah zu demonstrieren, wie ein erfolgreicher Vertragsanbau gestaltetet werden kann. Welche Bedingungen und Voraussetzungen gibt es in Bosnien und Herzegowina für den Anbau von Gemüse, welche Anbaustrukturen gibt es und wie kann ein Projekt "develop" mit der GIZ entwickelt und umgesetzt werden. Andreas Arnold berichtete aus der Praxis, welche Chancen und Hemmnisse es für den Anbau in Südosteuropa gibt.
Der Vorsitzender des Landesverbandes bayerischer Feldgemüsebauer e.V. Josef Apfelbeck gab im Anschluss an den Vortrag von Andreas Arnold ein kurzes Statement zu den neuesten Entwicklungen im Bereich des Industriegemüseanbaues und deren Auswirkungen auf den bayerischen Anbau. Cornichons würden in Bayern nicht produziert, deshalb stellt der Anbau von Cornichons keine direkte Konkurrenz zum bayerischen Anbau da. Jedoch würde bei der Produktion von Cornichons auch andere Sortierungen anfallen, welche auch in Bayern Einkommen produzieren würden. Derzeitiges Hauptproblem für den bayerischen Anbau wären die steigenden Produktionskosten.
Josef Apfelbeck sieht beispielweise ein Problem in der Art und Weise wie zertifiziert wird. Der Einzelhandel zertifiziert mittlerweile auch Sozialstandards beispielweise nach GRASP (GLOBAL G.A.P. Risk Assessment on Social Practice). Allerdings unterscheiden sich die zertifizierten Sozialstandards von Land zu Land. Beispielsweise basiert in Deutschland eine GRASP Zertifizierung auf den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 8,84 €/h, in Bosnien und Herzogowina verlangt eine Zertifizierung jedoch eine Arbeitsvergütung nach dem landesüblichen Lohnniveau von 1 bis 2 €/h. Dies würde zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

Praxisbeobachtungen – Industriegemüse

Lukas Mackle vom Erzeugerring für Obst und Gemüse Straubing e.V. ließ in seinem Vortrag „Praxisbeobachtungen – Industriegemüse“ die vergangene Saison aus Sicht des Pflanzenschutzes Revue passieren und gab einen Rückblick auf eine von extremen Wetterlagen geprägten Anbausaison.

Lebensmittelhygiene

Dr. Petra Kaiser vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sprach in ihren Vortrag über Hygiene in Erzeugerbetrieben pflanzlicher Lebensmittel. Zu Beginn stellte sie die gesetzlichen Grundlagen der Lebensmittelhygieneproduktion vor. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen primärer Gemüseproduktion und Gemüseproduktion mit ersten Verarbeitungsschritten. Weiterhin stellte Frau Kaiser die Ergebnisse des Projektes Primärproduktion vor.
Die Auswertung der Analyseergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen von Lebensmittel- und Bewässerungswasser-Proben aus dem Bereich Primärproduktion wiesen keine Beanstandungen auf. Abschließend erläuterte Frau Kaiser zu beachtende Hygieneaspekte bei der Gemüseproduktion, einschließlich nachfolgender Verarbeitungsschritte. Mit Hilfe von vielen Beispielen aus der Praxis wurden den Zuhörern Tipps gegeben, wie die Anforderungen an die Hygiene beim Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von Lebensmitteln umgesetzt werden können. Was muss bei der Personalhygiene beachtet werden? Was ist bei der Hygiene und Instandhaltung von den Produktionsgebäuden bzw. Produktionsanlagen zu beachten? Wie sollte ein Arbeitsplatz aufgebaut sein?

Versuchsplanung 2017

Martin Schulz stellt zum Abschluss die Versuchsvorhaben für 2017 vor, die im Vorfeld durch den Versuchsbeirat für Industriegemüsebau bestimmt wurden.

Organisatoren und Referenten

Referenten und Organisatoren von links nach rechts: Lukas Mackle, Josef Apfelbeck, Markus Göttl, Andreas Arnold, Maja Popović, Dr. Petra Kaiser, Daniela Gleißner, Angela Vaas, Oskar Kreß, Dr. Hermann Kolesch