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Landessortenversuch Spargel: Die Sorte ist entscheidend für Qualität und Ertrag
Mit 14 % Anteil an der Gemüseanbaufläche stellt Spargel in Bayern das Produkt mit der höchsten Wertschöpfung dar. Das Edelgemüse hat in den letzten Jahren in Bayern deutlich an Bedeutung gewonnen. An der gesamtdeutschen Produktion der einzelnen Bundesländer liegt Bayern mit ca. 10% Anteil an fünfter Stelle. Seit 1990 hat sich die Produktionsfläche für bayerischen Spargel vervierfacht. Dies spiegelt die verstärkte Hinwendung der Verbraucher an diese Gemüseart wider. Bayerischer Spargel wird neben seiner Frische insbesondere auch wegen seiner hochwertigen qualitativen Eigenschaften geschätzt.
Der Standort des Landessortenversuches liegt im Schrobenhausener Anbaugebiet, welches mit ca. 1000 Hektar bzw. 35 % Anteil an der bayerischen Anbaufläche beteiligt ist. Weitere Anbaugebiete sind Abensberg/Niederbayern, Kitzingen und Volkach/Unterfranken, sowie Nürnberg und Umgebung (Mittelfranken) und Bamberg (Oberfranken). Aufgrund des Einsatzes der Mulchfolien war es auch möglich Spargel außerhalb der traditionellen Anbaugebiete wie z.B. im Straubinger Gäu zu kultivieren. Der Anbau auf schweren Böden kommt auch der Geschmacksvielfalt zu Gute.
Der wirtschaftliche Erfolg im Spargelbau hängt wesentlich von der richtigen Sortenwahl ab. Hinsichtlich Qualität und Ertrag gibt es bei den Spargelsorten große Unterschiede, die wesentlich vom Standort bedingt sind. Da im Vergleich zu anderen Gemüsekulturen Spargel über mehrere Jahre am gleichen Standort kultiviert wird, ist die richtige Sortenwahl von großer Bedeutung.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) testet seit über 20 Jahren aktuelle Spargelsorten, um den Spargelerzeugern eine objektive Entscheidungshilfe bei ihrer Sortenwahl in die Hand geben zu können. Im Jahr 2006 wurde der derzeitige Versuch in Schrobenhausen in einem Praxisbetrieb angelegt und befindet sich nun mittlerweile im 6. Standjahr (5. Ertragsjahr). Die Betreuung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfaffenhofen / Ilm – Aussenstelle Schrobenhausen.
Im Versuch werden derzeit 12 Sorten (3 Pflanzen je laufenden Meter) und zusätzlich 3 Sorten in Dichtpflanzung (5 Pflanzen je laufenden Meter) in vier Wiederholungen geprüft. Abschließende Aussagen und Empfehlungen hinsichtlich Ertrag, Qualität und Frühzeitigkeit können erst am voraussichtlichen Versuchsende 2013 erfolgen. Mittlerweile können jedoch die Ergebnisse aus 4 Vollertragsjahren herangezogen werden, wobei die Stechsaison 2008 aufgrund eines Hagelereignisses im Vorjahr verkürzt werden musste. Es zeichnen sich erste Tendenzen ab. Die detaillierten Ergebnisse werden zum Jahresende auf der Webseite der LWG unter www.lwg.bayern.de bzw. www.aelf-ph.bayern.de veröffentlicht.
Tabelle 1 : Sortenliste und Pflanzdichte
Marktertrag, Frühzeitigkeit und Qualität entscheidend für die Wirtschaftlichkeit
Die Einteilung und Bewertung in den Handelsklassen der Sorten erfolgt durch die frühere EG-Verordnung bzw. jetzt gültigen UNECE-Standard FFV04 (Asparagus).
Der Gesamt- und Marktertrag 2011, der über dem Vorjahr lag, ist aus Tabelle 1 zu ersehen.
In der Aufsummierung der Erträge von 2008 bis 2011 (Abb. 2-5) weisen die frühen Sorten ‘Ravel‘ und ‘Ramada‘ sowie ‘Gijnlim‘ die höchsten Markterträge auf. Handelsklasse I am Gesamtmarktertrag erreichte die Sorte ‘Herkolim‘ in Dichtpflanzung - mit 89% das beste Ergebnis.
Die Frühzeitigkeit ist für die Bewertung einer Spargelsorte ein wichtiges Kriterium (siehe dazu Abb. 6). Der höchste Frühertrag in % am Gesamtertrag, gemeint sind die ersten 10 Stechtage, wurde mit der Sorte ‘Mondeo‘ erzielt. Jedoch ist der Gesamtertrag unterdurchschnittlich. Der höchste absolute frühe Ertrag in dt/ha wurde mit der Sorte ‘Gijnlim‘ erzielt.
Die Sorte ‘Backlim‘ ist die späteste Sorte. Weiterhin konnte „Herkolim“ im späteren Sortiment überzeugen. In der Bewertung des Anteils der ????
Abb. 1: LSV Spargel; Gesamt und Marktertrag für 2011 in dt/ha (GD 5 %; 33,5 dt)
Abb. 2: Summe der Markterträge für den Zeitraum 2008 - 2011 dt/ha für die Sortierung +12 mm in dt/ha (GD 5 %: 47 dt)
Abb. 3: Frühe Sorten - Summe der Markterträge für die Sortierung +16 mm für den Zeitraum von 2008 - 2011
Abb. 4: Späte Sorten - Summe der Markterträge in der Sortierung +16 mm für den Zeitraum von 2008 - 2011
Abb. 5: Dichtpflanzung - Summe der Markterträge in der Sortierung +16mm für den Zeitraum 2008 - 2011
Abb. 6: Durchschnittlicher Frühertrag HKL I + II für 2009 - 2011 (GF 5 %: 15 dt)
Bei den folgenden Qualitätskriterien wurden die Ergebnisse der Jahre 2009 bis 2011 ausgewertet.
Abb. 7: Qualitätskriterien in % am Gesamtertrag für den Zeitraum von 2009 - 2011
Bei der Auswertung offene Köpfe und Aufblüher (Tabelle 8) zeigt sich die Sorte ‘Herkolim‘, als nicht kopfstabil. Sorten mit einer sehr guten Kopffestigkeit sind ‘Ramires‘ und ‘Gijnlim‘. Beim Folienmanagement ist bei diesen Sorten eine höhere Dammtemperatur (bis 22°C in 20 cm Tiefe) möglich. Dagegen ist bei den nicht so kopfstabilen Sorten bei höheren Dammtemperaturen (>18°C) mit mehr offenen Köpfen zu rechnen.
Hinsichtlich der Hohlneigung (Tabelle 9) sind die Sorten ‘Stamm 20‘ und ‘Hannibal‘ auffällig. Dagegen steht bei den Sorten ‘Herkolim‘, ‘Backlim‘ und ‘Mondeo‘ eine geringe Neigung zu hohlen Stangen. Das bedeutet auch, dass bei diesen Sorten unter höheren Differenztemperaturen zwischen Ober- und Unterboden weniger hohle Stangen bilden.
Einen überdurchschnittlichen Berostungsanteil auf dem Versuchsstandort zeigten die Sorten ‘Grolim‘, ‘Ramires‘, ‘Herkolim‘ und ‘Avalim‘.
Im Mittel des Versuchszeitraumes sind hinsichtlich krumme Stangen vorwiegend die Sorten ‘Hannibal‘,‘Stamm 20‘ und ‘Avalim‘ negativ aufgefallen.
Eine überdurchschnittliche Rosaverfärbung zeigten die Sorten ‘Mondeo‘,‘ Gijnlim‘, ‘Ramada‘ und ‘Avalim‘.
Hinsichtlich Riffigkeit am Standort Schrobenhausen ist die Sorte ‘Rapsody‘ auffällig.
Abb. 8: Mittelwert Offene und Aufblüher in % für 2009 - 2011
Abb. 9: Mittelwert der Hohlneigung in % für 2009 - 2011
Das durchschnittliche Stangengewicht lag bei 61 g/Stange (siehe dazu Tabelle 10). Als besonders dickfallende Sorten stellten sich insbesondere die Sorten ‘Herkolim‘ mit 84 g/Stange und ‘Grolim‘ mit 77 g/Stange heraus.
Weitere Sorten mit höheren Stangengewichten (Hauptteil der Stangen bis 26(28)mm) sind die Sorten ‘Backlim‘ und ‘Ramires‘.
Die Stangenzahl ist sortenabhängig. Sorten mit geringer Anzahl von geernteten Stangen, aber hohen Einzelstangengewicht reduzieren die Erntekosten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass dicke Stangen über 26 mm am Markt nicht erwünscht sind.
Abb. 10: Mittleres Stangengewicht für 2009 - 2011 in g/Stange (GD 5 %: 5 g)
Sensorische Bewertung der Spargelsorten
Neben den äußeren Merkmalen ist für die Qualität des Spargels Frische und Geschmack wichtig. Ausschlaggebend ist dabei der Boden, Witterungsverlauf, Nacherntebehandlung und nicht zuletzt die Sorte. Im Gegensatz zu Äpfeln oder Kartoffeln wird die Königin des Gemüses, der Spargel, ohne Sortenauszeichnung dem Verbraucher angeboten. Langfristige Käuferbindung erfordert besonders ein Augenmerk auf die Qualität. Der Verbraucher wünscht wohlschmeckenden und frischen Spargel. Nicht akzeptabel ist ein alter, verholzter, bitterer, modrig riechender Spargel.
Im Auftrag der LWG wurde am Julius Kühn Institut in Quedlinburg - Institut für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz - unter Leitung von Dr. Detlef Ulrich eine professionelle Spargelverkostung von 11 Sorten aus dem Sortenversuch zu jeweils zwei Ernteterminen durchgeführt. Die Verkostung erfolgte durch ein geschultes Team von 12 Prüfern. Geschult bedeutet, dass die Prüfgruppe auf ihre sensorischen Fähigkeiten hin geprüft wurde. Dafür gibt es eigens eine DIN-Norm 10961 "Schulung von Prüfpersonen für sensorische Prüfungen" für die Grundgeschmacksarten; salzig, bitter, süß und sauer.
Der zu verkostende Spargel wurde am Tag zuvor geerntet, aufbereitet, gekühlt verpackt und anschließend versandt. Am Morgen des darauffolgenden Tages wurde der Spargel in Quedlinburg geschmacksneutral gekocht und anschließend verkostet. Geprüft wurden insgesamt 26 Parameter. Anhand einer 10 cm langen Skala wurde die Merkmalsausprägung durch den Prüfer festgestellt. Der Wert Null bedeutet nicht vorhandene und 10 maximale Merkmalsausprägung. Am Ende wurde ein subjektiver Beliebtheitstest durchgeführt.
Beliebteste Sorte war die Sorte ‘Ramada‘. Es folgen die Sorten ‘Avalim‘, ‘Ravel‘,‘Gijnlim‘, ‘Mondeo‘, ‘Backlim‘, ‘Ramires‘, ‘Herkolim‘,‘Hannibal‘,‘Grolim‘ und ‘Rapsody‘. Mit abnehmender Beliebtheit nehmen tendenziell auch der typische Geruch, der buttrige und nussige Geschmack ab. Umgekehrt steigen mit abnehmender Beliebtheit tendenziell die negativen Parameter adstringierend und bitter an (Abb. 11). Für das Jahr 2012 ist eine Wiederholung der Verkostung geplant. Weiterhin soll eine instrumentell-analytische Laboruntersuchung von Dr. Detlef Ulrich zu den Geschmacksursachen (Aromastoffe) durchgeführt werden.
Die Idealsorte gibt es nicht
Die Sortenwahl hat im Spargel einen hohen Stellenwert. Es gibt nicht die Idealsorte, welche allen Ansprüchen hinsichtlich Marktwarenertrag, Sortierung und Qualität optimal erfüllt (siehe dazu Auswertung und Graphiken). Bei der Bewertung der Ergebnisse muss man den Standort und die klimatischen Bedingungen berücksichtigen. Aufgrund dessen muss der Spargelerzeugerbetrieb die Sorten und –kombination aus frühen und späten Sorten nach Marktwünschen und Standort ausrichten. Ein großflächiger Einstieg in neuen Sorten sollte nach Versuchsergebnissen und erst nach Testpflanzungen vorgenommen werden.
Abb. 11: Ergebnisse der Spargelverkostung "Bayerischer Landessortenversuch".
Information zu Abbildung 11: Ergebnisse der Spargelverkostung „Bayerischer Landessortenversuch“. Ausgewählte normierte sensorische Parameter von gekochtem Spargel. Durch die Normierung der Daten trägt der Durchschnitt des jeweiligen Parameters den Wert 0, postive Zahlenwerte bedeuten größer als der Mittelwert, negative Zahlenwerte kleiner als der Mittelwert. Die 12 Sorten sind auf der x-Achse in der Reihenfolge fallender Beliebtheit angeordnet (Quelle Dr. Detlef Ulrich, JKI Institut Quedlinburg).
Abb. 12: Prüfformular für die sensorische Bewertung (Quelle: Dr. D. Ulrich vom JKI Institut Quedlinburg)
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Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Gemüsebau, Martin Schulz; Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfaffenhofen/Ilm - Außenstelle Schrobenhausen, Peter Strobl
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