Süßkirsche

Süßkirsche 'Fabiola'

Wichtige Kriterien bei der Sortenwahl von Süßkirschen im Erwerbsanbau sind Reifezeit, innere Qualitäten (u.a. Festigkeit, Geschmack), Optik, Fruchtgröße, Platzfestigkeit und für die Wirtschaftlichkeit der Kultur auch das Ertragsverhalten. Zudem sollen entsprechende Bäume auch einfach zu kultivieren sein.

Sortenempfehlungen

Sorte Kirschwoche (Reifezeit) Bemerkungen/Hinweise
Sweet Early® (Versuchssorte) 2/2-3 selbstfruchtbar! Ca. 2 Tage vor Burlat; Ertrag bislang zwar schwächer als Burlat; jedoch qualitativ besser, v. a. fester; Anbau in trockenen Gebieten bzw. Überdachung sinnvoll; Vogelabwehr!
Burlat (Hauptsorte) 2-3 Ertrag gut bei Anbau in spätfrostsicheren Lagen. Wüchsige Sorte: sinnvoll GiSelA 5; bei intensiver Kultur auch schwächere Unterlage. Intensiver Schnitt zur Förderung der Fruchtqualität; Vogelabwehr!
Early Star® (Nebensorte) 3 selbstfruchtbar! 3-4 Tage nach Burlat; Ertrag bislang gut, ebenso Qualität (Geschmack, Größe, Festigkeit besser als Burlat)
Bellise (Hauptsorte) 3-4 Ca. 7-10 Tage nach Burlat. Optisch und qualitativ gute Sorte (deutlich fester als Burlat). Frühe Blüte: kein Anbau in Frostlagen! Dann auch gute Erträge. Scharfer Schnitt für günstige Fruchtgrößen erforderlich. Kann durch die kurzen-mittellangen Stiele dicht hängen
Samba®/Sumste (Nebensortesorte) 4-5 Sehr frühe Blüte: Befruchter beachten; dennoch guter Behang; Frucht fest, glänzend; guter Geschmack erst bei Vollreife (diese liegt nicht vor KW 4); Wuchs: aufrecht, sparrig, schwach verzweigend. Daher konsequenter Anschnitt der Mitte. Günstig erweisen sich stärkere Unterlagen als GiSelA 5, z.B.: GiSelA 6, Maxma 14 , v.a. bei fehlender Bewässerung bzw. leichten Böden
Grace Star® (Versuchssorte) 4/4-5 selbstfruchtbar! Behang günstig (nicht zu voll); langes Erntefenster; rel. stabile, feste, dennoch platzfeste Frucht mit gutem Geschmack. Kaum Monilia. Günstiges Wuchsverhalten; einfacher zu kultivieren als Giorgia. Frucht ist weniger sensibel als Summit. Beachte: Pseudomonasbefall am Bodensee führt dort zu Baumausfällen - in Franken weniger Proleme
Summit (Hauptsorte) 4/4-5 Premiumsorte: sehr groß; fest; guter Geschmack; optisch schön. Behang günstig (nicht zu voll); platzempfindlich: nur für Trockengebiete bzw. Überdachung. Weitere Verlängerung der Saison durch Überdachung. Wuchs: mittelstark.
Canada Giant®/Sumgita (Nebensorte) 4-5/5 Premiumsorte bezügl. Größe, Optik und Geschmack. Alternative zu Summit, da weniger anfällig für Monilia und Platzen als Summit. Dennoch sicherheitshalber mit Überdachung
Satin®/Sumele (Versuchssorte) (4-5)/5 Optisch schöne, feste, geschmacklich gute, mittel bis große Frucht. Erträge früh, hoch, regelmäßig; langes Erntefenster (bis KW 5-6 möglich). Stärkere Unterlage als GiSelA 5 günstig. Nur für Trockengebiete bzw. Überdachung.
Kordia (Hauptsorte) (5-6)/6 Optisch u. qualitativ hochwertig (aromatisch; fest; dunkelrot glänzend; platzfest). Langes Erntefenster – nicht zu früh ernten! (Zuwachs Fruchtgröße). Ertragsausfälle in frühen Lagen möglich (Frostschäden bereits in geschlossenen Knospen möglich). Im "Oberland" der Fränkische Schweiz in einem Versuch ertragsreichste Sorte!
Tamara (Nebensorte) 6 Reife ähnlich Kordia (+/- 3 Tage), hängender Wuchs. Frucht fest, guter Geschmack, wenig platzanfällig, kaum Monilia. Bislang sehr überzeugende Neuheit! z.T deutlich größere Früchte als Kordia. Alternative und Ergänzung zu Kordia für Lagen, wo Kordia ertragsmäßig unsicher ist.
Regina (Hauptsorte) 7 Spätsorte mit langem Erntefenster, guter Lagerfähigkeit und zusätzl. Verspätung durch Überdachung. Gutes Preisniveau; qualitativ hochwertige Sorte (Geschmack, Optik, Ertrag, relativ platzfest). Späte Blüte, somit spezielle Befruchter erforderlich. Einfacher Baumaufbau, jedoch rechtzeitige Begrenzung der Baumhöhe und Seiten (Ableiten!)
Süßkirsche 'Samba'

'Samba'

Süßkirsche 'Grace Star'

'Grace Star'

Süßkirsche 'Summit'

'Summit'

Süßkirsche 'Satin'

'Satin'

Süßkirsche 'Kordia'

'Kordia'

Süßkirsche 'Tamara'

'Tamara'

Kulturhinweise

  • Für selbstfruchtbare Sorten erweisen sich stärker wachsende Unterlagen als Gisela 5, v.a. auf schwachen Böden und bei fehlender Bewässerung günstiger. Auf das Blatt-Frucht-Verhältnis achten; ein Teil des Fruchtholzes wegschneiden; insgesamt stärker schneiden und v.a. bei Jungbäumen Blütenknospen der Astunterseiten bereits im Winter abstreifen.
  • Kompakt wachsende Sorten mit schlechter Verzweigung (Samba, Skeena, Celeste, Sylvia …) sollten in den ersten 3-4 Jahren in der Mitte, ggf. auch die Seitenäste angeschnitten werden, um ausreichend Fruchtholz (und somit Ertrag) zu erzielen.
  • Durch Lagerung der Sorten kann das Sortenspektrum eingeschränkt werden.
  • Die Überdachung verlängert die Saison. Durch Anbau einer Sorte im Freien und unter Dach ergeben sich doppelt lange Ernteperioden. Außerdem erleichtert sie Vogelschutz durch seitliche Einnetzung.
  • Hängendes Holz führt zu kleineren Früchten und sollte konsequent entfernt werden. Überbauung der Kronen vermeiden; "Lichtschneisen" in dichte Kronen schneiden; auf pyramidale Baumform achten!
  • Baumabstände nicht zu weit wählen, damit ein notwendigerweise schärferer Schnitt rechtzeitig erfolgt!
  • Für eine Qualitätsproduktion ist Zusatzbewässerung, besonders in Franken, unverzichtbar. Im Vergleich zu unbewässerten Anlagen erweisen sich die Früchte von Bäumen, die regelmäßig mit Wasser versorgt wurden, als nicht ganz so platzanfällig. Die Kosten für die Zusatzbewässerung werden durch bessere Fruchtgrößen wieder eingefahren. Ziel: Fruchtgröße von mindestens 26-28 mm bzw. 28-30 mm!
    Durch Größensortierung ergeben sich enorme Preisspannen (Zu- bzw. Abschläge).

Unterlagen

GiSelA 5:
Mittelstarke Standardunterlage für gute Böden, in Trockengebieten mit Zusatzbewässerung. Für selbstfruchtbare Sorten unter wuchsschwachen Bedingungen weniger empfehlenswert (zu starker Behang, ungünstiges Blatt: Frucht-Verhältnis, reduzierte Fruchtgröße). Hohe Baum- und Flächenerträge durch Dichtpflanzung. mögliche Pflanzabstände je nach Boden, Schnittintensität, Überdachung: 4,0-4,5 m x 2,5-3 m (Spindelerziehung). Rechtzeitige Schnitteingriffe, um Verkahlungen vorzubeugen.
Piku 1:
Im Wuchs leicht bis spürbar stärker als GiSelA 5; daher günstig sowohl für wuchsschwache Standorte, als auch für sehr ertragreiche Sorten. Liefert sehr hohen Behang. Somit ist ein intensiver Schnitt unabdingbar, um Verkahlungen und minderen Fruchtgrößen vorzubeugen.
Mögliche Pflanzabstände: 4,5-5 m x 3 (-3,5) m
Maxma 14:
Im Wuchs deutlich stärker als GiSelA 5. Alternative zu Piku 1 oder Weiroot 13 (*1); u. a. auch für leichte Böden mit höherem pH-Wert geeignet, für Nachbau, selbstfruchtbare Sorten. Behang deutlich schwächer als GiSelA 5, was bei sehr ertragreichen, v.a. kleinfruchtigen Sorten positiv sein kann.
Mögliche Pflanzabstände: 4,5-5 m x 3-3,5 m
GiSelA 6:
Noch wenig Erfahrung; spürbar stärker als GiSelA 5 wachsend. Daher für schwächere Böden, sehr fruchtbare Sorten, ggf. Nachbau sinnvoll. Bei reich tragenden Sorten auch mit Zusatzbewässerung. Behang kann ähnlich stark wie GiSelA 5 bzw. Piku 1 sein. Schwierigkeiten mit der Standfestigkeit!
Mögliche Pflanzabstände: 4,5-5 m x 3 (-3,5) m
GiSelA 3:
Schwach wachsende Unterlage (ähnlich Weiroot 72 (*1)) – nur für beste Böden, Zusatzbewässerung, großfruchtige Sorten. Für intensiven Anbau (z.B. Überdachung), z.B. 4 m x 2 m.
  • Vogelkirsche (Prunus avium, F 12/1 oder Alkavo) nur für extensiven Anbau.
  • neu auf den Markt kommen Unterlagen der Weigi-Serie. Weigi 2 hat viele Ähnlichkeiten mit GiSelA 5, jedoch verkahlt sie weniger stark und scheint besser hitzeverträglich zu sein. Auch wohl für Nachbau geeignet, was in Versuchen abgeprüft wird. Bezüglich Ertrag und Fruchtqualitäten der GiSelA 5 ebenbürtig oder leicht besser.
(*1) Anmerkung:
Weiroot-Klone 13, 158, 154 derzeit nicht im Handel. Die sehr schwachwüchsige Weiroot 72 wurde züchterisch weiter bearbeitet und seit 2010 sind Unterlagen mit der neuen Bezeichnung ‘Weiroot 720‘ in den Niederlanden (www.janssen-rootstocks.nl) erhältlich.

Befruchtung

Die meisten Süßkirschensorten sind selbststeril und brauchen somit für gute Erträge eine geeignete Befruchtersorte.
Bei der Auswahl der Befruchtersorte ist darauf zu achten, dass sich die Blühzeiten ausreichend überschneiden.
Ein weiteres Kriterium ist die sog. Intersterilität. Jede Kirschsorte besitzt 2 Sterilitätsfaktoren, sog. S-Allele. Sorten mit gleichen S-Allelen können sich gegenseitig nicht befruchten.
Nur Sorten, die sich zumindest in einer S-Zahl unterscheiden, sind miteinander verträglich.
Die o.a. Tabelle wurde anhand verschiedener Fachliteraturangaben erstellt.
Die Entfernung zur Befruchtersorte sollte 30 m nicht überschreiten. Die Befruchterbäume können entweder in der Reihe (ca. jeder 10. Baum) oder bei sortenreinen Blöcken reihenweise (mind. jede 4. Reihe) verteilt werden.
Die Übertragung des Pollens (Bestäubung) kann durch das Aufstellen von Bienen- und Hummelvölkern in der Anlage, sowie auch durch die Ansiedlung von Wildbienen gefördert werden.