Zwetschge/Pflaume

Zwetschge 'Hoh 7187' ('Jolina')

Dieser Artikel enthält aktuelle Informationen zum Zwetschgensortiment, das durch eine lange Saison gekennzeichnet ist. Dies soll sicher stellen, dass vollreife Ware in bester Qualität auf den Markt gelangt, denn im Handel sind vielfach unreife Früchte zu finden.

Sortenempfehlungen

Sorte Reifezeit Bemerkungen/Hinweise
Ruth Gerstetter (Hauptsorte in Frühgebieten) Anfang (bis Mitte) Juli Standard im Frühbereich; sinnvoll in frühen Lagen. Uneinheitliche Reife erfordert durchpflücken! Ertrag mittel (Vorerntefruchtfall). Sehr früh blühende Sorte, die Befruchter, z.B.: Presenta, Katinka, Jojo, Hanita, benötigt.
Herman (Hauptsorte in Frühgebieten) Anfang bis Mitte Juli Erste blaue Sorte kurz nach Ruth Gerstetter; ebenfalls folgend reif (aber nicht so uneinheitlich wie Ruth Gerstetter). Ertrag mittel (Vorerntefruchtfall). Anbau in frühen Lagen. Probleme mit Alternanz und Kavernen möglich.
Katinka (Hauptsorte) Mitte (bis Ende) Juli Ertrag früh; (sehr) hoch, regelmäßig. Qualitativ beste Frühsorte, jedoch kleine Frucht. Daher intensiver Schnitt; Zusatzbewässerung, beste Böden, Fruchtausdünnung. Folgende Reife (2-3 Pflückgänge). Anbau in frühen Lagen.
Hanka ("Club"-Sorte) Ende Juli bis Anfang August Clubsorte: nur für Erzeuger für Großmärkte wie WOG/BAYWA mit Anbaulizenz. Frucht mittelgroß mit guter bis sehr guter Qualität inkl. guter Steinlöslichkeit. Färbt bereits früh; nicht zu früh ernten, sonst leicht bitter. Ertrag regelmäßig; mittel bis hoch.
Tegera (Nebensorte) Ende Juli bis Anfang August Füllt Reifezeit zwischen Katinka und Cacaks Schöne; als Ersatz für Ersinger, da kompakter abreifend. Wird schnell weich, ansonsten gute Fruchtqualität (Optik, Größe, Steinlöslichkeit). Ertrag: hoch, jedoch gewisse Alternanz möglich. Nur in Scharkafreien Lagen anbauen; wichtige Sorte vor Cacaks Schöne.
Cacaks Schöne (Hauptsorte) Anfang bis Mitte August Färbt sehr früh blau, nicht zu früh ernten! Günstige Fruchteigenschaften nur bei voller Reife. Frucht mittel bis groß; Ertrag hoch; regelmäßig; Geschmack – v.a. bei knapp reifer Ware mit grasgrünem Fruchtfleisch - nicht befriedigend. Bei Fruchtausdünnung: mehr Zucker; besserer Geschmack.
Topfive (Nebensorte) Mitte bis Ende August deutlich nach Cacaks Schöne; färbt ebenfalls sehr frühzeitig blau. Nicht zu früh ernten! Zudem hangstabil und auch vollreif noch festes Fruchtfleisch. Befruchter wie Cacaks Schöne erhöhen den Behang. Ertrag dann gut, regelmäßig, nicht zu voll! Daher gute Fruchtgröße u. Geschmack. Ggf. Halswelke! Kaum Monilia.
Hanita (Nebensorte) Mitte bis Ende August Nicht zu früh ernten! Vollreif gute Fruchtqualität, dunkelblau. Bei starker Blüte ausdünnen! Behang gut und regelmäßig; 2-3 × durchpflücken. Wuchs steil; daher v.a. in den ersten Standjahren Formieren sinnvoll. Nachlassende Bedeutung.
Toptaste (Nebensorte) Ende August bis Anfang September langes Erntefenster, süß mit sehr gutem Geschmack – besonders für Frischmarkt (Tafelware) und zum Brennen. Wiederholt überzeugende Ergebnisse: Ertrag früh einsetzend; mittel-hoch, nicht zu voll; leicht alternierend. Befruchtersorten, z.B. Hanita, mit einbeziehen! Günstige Fruchteigenschaften – jedoch Steinlöslichkeit nicht immer optimal. Nicht in Frostlagen pflanzen. Gewisse Halswelke bei Überreife bzw. trockenen Sommern möglich.
Cacaks Fruchtbare (Hauptsorte) Ende August bis Anfang September Sehr hohe Erträge – bei Massenbehang leidet Fruchtgröße und –qualität. Daher nur für beste Böden; bei Überbehang ausdünnen (bessere Größe und Geschmack; Vorbeuge gegen Alternanz). Ansonsten optisch und geschmacklich gut – quasi als "frühe Hauszwetschge". Kompakter Wuchs. Starker Fruchtholzschnitt.
Jojo (Nebensorte) Ende August bis Mitte September Scharkaresistente (hypersensible) Sorte; langes Erntefenster (hangstabil), färbt bereits sehr früh blau (über 2 Wochen vor optimaler Reife; daher hängen lassen! Sonst minderer Geschmack). Frucht steinlöslich; groß, fest; Ertrag hoch. Blüte früh, nicht in frostempfindlichen Lagen pflanzen!
Topper (Nebensorte) Anfang September Vorteil: sichere Erträge, da relativ froststabile Blüte (Anbau auch in Tallagen möglich. Sehr gute Backfrucht. Kompakter Wuchs. Nachteil: (sehr) hoher Anteil Zwillingsfrüchte bzw. Fruchtdellen.
Hauszwetschge (Hauptsorte) Anfang bis Mitte September Langes Erntefenster durch Wahl entspr. Typen (früh: Meschenmoser, mittel: Schüfer, spät: Etscheid). Späterer Ertragsbeginn. Im Vollertrag Fruchtgröße durch Schnitt verbessern. Qualitativ hochwertige Sorte, die sich auch gut lagern lässt – jedoch anfällig für Scharka. Auf keinen Fall in scharkagefährdete Gebiete pflanzen!
Haroma (Versuchssorte) Mitte September Ertrag früh einsetzend, (sehr) hoch, regelmäßig; Fruchtfleisch gelborange (sehr attraktiv), fest, süß. Ernte erst bei voller Reife, dann gut bezügl. Steinlöslichkeit und Geschmack. Auf Frucht-Monilia und Einreißen des Stiels beim Pflücken achten!
Presenta (Hauptsorte) Ende September bis Anfang Oktober Qualitativ hochwertig, jedoch platzempfindlich. Fruchtgröße durch scharfen Schnitt und ggf. Ausdünnung verbessern. Anbau nur in gut ausreifenden Lagen. Frühe Blüte: keine Frost (Tal-)-Lagen. Wertvolle Spätsorte; aufgrund guter Lagerfähigkeit langer Angebotszeitraum möglich.
Hinweis:
Für direkt absetzende Betriebe kann im sehr frühen Reifebereich ('Ruth Gerstetter') für einen Versuchsweisen Anbau 'Juna' empfohlen werden. Sie trägt reich, regelmäßig (insgesamt besser als 'Ruth Gerstetter', 'Herman') und weist guten Geschmack ("pfirsichartiges" Aroma) auf Fruchtgröße jedoch klein - bei Überbehang ausdünnen! Kurzes Erntefenster: Genaue Ernteterminierung!
Zwetschge 'Herman'

'Herman'

Zwetschge 'Katinka'

'Katinka'

Zwetschge 'Hanka'

'Hanka'

Zwetschge 'Tegera'

'Tegera'

Zwetschge 'Cacaks Schöne'

'Cacaks Schöne'

Zwetschge 'Topfive'

'Topfive'

Zwetschge 'Hanita'

'Hanita'

Zwetschge 'Toptaste'

'Toptaste'

Zwetschge 'Jojo'

'Jojo'

Hauszwetschge Typ 'Schüfer'

Hauszwetschge Typ 'Schüfer'

Zwetschge 'Haroma'

'Haroma'

Zwetschge 'Presenta'

'Presenta'

Zwetschge 'Juna'

'Juna'

Bei allen großfrüchtigen Sorten besteht eine gewisse Neigung zur Kavernenbildung.
Sorte Reifezeit Bemerkungen/Hinweise
Tophit Plus (Nebensorte) Mitte September Färbt früh blau, nicht zu früh ernten! Knappreif geerntete Früchte leicht bitter. Hohe Erträge mit Neigung zu leichter Alternanz. Frucht sehr groß (je nach Behang 40-45 mm; 60-65 g); süß, saftig. Nicht zum Backen, da stark saftend. Auf Frucht-Monilia, v.a. bei dichtem Behang, achten.
Haganta (Versuchssorte) Mitte (bis Ende) September Färbt früh blau: nicht zu früh ernten! Vollreif saftig, guter Geschmack, fest. 55-60 g, 42-45 mm. Behang gut - nicht zu voll! Alternanz möglich. Befruchter: Katinka, Hanita, Cacaks Schöne. Nicht scharkatolerant. Jahrgangsbedingte Probleme mit Kavernen und Harzeinschlüssen; in 2012 und 2013 hingegen wieder tadellos
Topend Plus (Versuchssorte) Ende September Fest; länglich-oval; 42-45 mm; 55-60 g, auf Grund später Reifezeit interessant. Färbt schon 3 Wochen vor Pflückreife blau! Nur für gute Lagen! Dort hohe, regelmäßige Erträge, die jedoch den Geschmack beeinträchtigen können.
Zwetschge 'Tophit'

'Tophit'

Zwetschge 'Haganta'

'Haganta'

Zwetschge 'Topend Plus'

'Topend Plus'

Sorte Reifezeit Bemerkungen/Hinweise
Aprimira (Versuchssorte) (Mitte bis) Ende August Ovaler, fast Hauszwetschgengroßer Mirabelle x Zwetschgen-Abkömmling (nicht: Aprikose x Mirabelle!). Optisch ansprechend: gelborange Fruchthaut mit rotvioletten Backen, orangefarbenes Fruchtfleisch. Sehr hohe Zuckerwerte und aromatisch; daher auch für Verarbeitung bestens geeignet. Ertrag hoch, regelmäßig; langes Erntefenster. Wiederholt überzeugend.
Hinweis: verschiedene "Typen" im Handel!
Tafelfrucht 'Aprimira'

'Aprimira'

Tafelfrucht 'Aprimira'

'Aprimira'

Unterlagen

St. Julien A:
Standardunterlage; mittelstarker Wuchs; günstig: Fruchtgröße (v.a. bei kleinfruchtigen Sorten) und v.a. Baumgesundheit trotz hohem Befallsdruck mit Pseudomonas ("Zwetschgensterben").
Wangenheims Sämlinge, Wavit (S), WeiWa ®:
Erste Erfahrungen positiv bezügl. Wuchs (mittelstark), Ertrag, Baumgesundheit.
Myrobalane:
Starker Wuchs; für leichte Böden und sehr trockene Standorte, v.a. im extensiven Anbau, geeignet. Behang nicht so dicht wie o.a. Unterlagen.
GF 8/1:
Starker Wuchs; sowohl für leichte, trockene als auch schwere Böden. Für extensiven Anbau; Behangdichte schwächer als bei St. Julien A.
  • Anmerkung: St. Julien 655/2 und Fereley werden aufgrund hoher Baumausfälle (Frostrisse mit Sekundärbefall Pseudomonas) nicht empfohlen.

Pflanzabstände

mittelstarke Unterlagen:
Spindelerziehung: 4-4,5 m x 2-2,5 m. Auf sehr wüchsigen Standorten eher 4,5 m x 3 m
Starkwüchsige Sorten-Unterlagen-Kombinationen:
Flachkrone: 5 m x 3,5-4 m

Fruchtausdünnung

Um eine optimale äußere und innere Fruchtqualität zu erreichen und Alternanz vorzubeugen wird auch im Zwetschgenanbau bei sehr reich tragenden Sorten - und hier v.a. eher kleinfruchtigen wie 'Katinka', 'Presenta' – eine Behangregulierung von Blüten bzw. Früchten empfohlen. Übermäßiger Behang führt zu schlechter Ausfärbung, ungleicher Ausreife (mehrere/weitere Pflückdurchgänge), kleineren Früchten, Einbußen im Geschmack und Zuckergehalt, geringerer Anzahl von Blütenknospenanlagen, weniger gut ernährten (Blüten-) Knospen, sowie Gefahr von Alternanz/Mindererträgen.

Ausdünnung während der Blüte

Der Einsatz von Agro-N-fluid (= Stickstoffdüngemittel mit 53% Wirkstoffgehalt Ammoniumthiosulfat ATS) im Zeitraum Vollblüte bis 4-5 Tage danach ist mit einmaliger Applikation (Menge: 20-23 l/ha; 800 l Wasser/ha) nach ersten Erfahrungen nur schwach wirksam. Eine 2. Behandlung (15-20 l/ha) 1-2 Tage nach dem 1. Einsatz verstärkt jedoch die Wirkung erheblich. Die 1. Vorlage mit Agro-N-flüssig ist auch eine sinnvolle Basis für eine ggf. spätere Behandlung mit Flordimex 420.
Wirkung: Blütenorgane und (junge) Blätter werden - z.T. sichtbar - geschädigt (direkte Verätzung bzw. Ethylenschock).
Unbedingt zu beachten ist die Witterung zum geplanten Einsatztermin: die Spritzung soll bei sonnig-warmem Wetter auf das trockene Blatt erfolgen. Nicht auf das nasse Blatt oder kurz vor Regen anwenden (Verbrennungsgefahr!). Keine Behandlung zur Blüte bei Frostgefahr.

Ausdünnung junger Früchte

a) Flordimex 420 (Wirkstoff: Etephon)
Genehmigung nach Art 51 EU-Verordnung Pflanzenschutz (früher: § 18a PflSchG) für eine einmalige Anwendung zur Fruchtausdünnung in Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen.
Anwendungstermin: 30-35 Tage nach der Vollblüte.
Durch die Wartezeit von 60 Tagen sind Frühsorten (u.a. 'Katinka') ausgenommen.
Zugelassene Aufwandmenge: 150 ml pro ha u. m Kronenhöhe.
Günstige Witterung: 18 – 23 °C während und 3–4 Std. nach der Anwendung. Bei >25 °C nicht bzw. mit geringeren Mengen einsetzen.
Die ausdünnende Wirkung von Ethephon ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Vor einem großflächigen Einsatz sollten hierzu zuerst eigene sortenspezifische Erfahrungen in kleinerem Umfang gewonnen werden.
b) Agro-N-fluid
Alternativ kann Agro-N-fluid ebenfalls in diesem Zeitraum eingesetzt werden. Hierbei können auch Frühsorten einbezogen werden.
c) Fruchtbehang
Zu starker Fruchtbehang lässt sich auch von Hand regulieren. Im Gegensatz zum Apfel werden hierbei aber nicht einzelne Früchte abgezwickt, sondern es werden, durch Entlangstreichen mit den Fingern der geöffneten Hand an den Astunterseiten, die Früchte quasi "ausgekämmt". Dies kommt nur in jüngeren Anlagen und zu Überbehang neigenden Sorten in Frage. Günstiger bereits zu Ende des Winters: mit den Handschuhen überzählige Blütenknospen der Triebunterseite abstreifen

Hinweise zur Behangstärke von Zwetschgen:

Der Fruchtbehang pro m Fruchtholz sollte sortenabhängig ca. 3–4 Wochen nach der Blüte ermittelt werden, als Entscheidungshilfe für weitere Ausdünnungsmaßnahmen.
Die anzustrebenden Optimalbehänge pro Meter Fruchtholz sollten bei sehr großfruchtigen Sorten (z.B. 'Tophit plus') bei ca. 20 Früchten, bei großfruchtigen Sorten (z.B. 'Cacaks Schöne') bei ca. 30 Früchten und bei kleinfruchtigen Sorten (z.B. 'Katinka') bei etwa 40 Früchten liegen.