Forschungsprojekt 2015 - 2018
Möglichkeiten für den Nachbau von Erdbeeren auf bodenmüden Standorten

Erdbeeren in Portionsschalen - frisch gepflückt
Fehlender oder eingeschränkter Flächenwechsel mit ständigem Anbau von Erdbeeren und anderen Rosaceaen auf dergleichen Fläche führt zu Bodenmüdigkeit, die sich u.a. in Wuchs-, Ertrags- und Qualitätseinbußen, sowie erhöhtem Erregerbefall äußert. Das Problem Bodenmüdigkeit ist komplex und betrifft sowohl konventionell als auch biologisch wirtschaftende Erdbeerbetriebe.

Ziel

In diesem Projekt sollen einfache und kostengünstig umzusetzende Möglichkeiten für bodenmüde Standorte gefunden werden, sowohl für kontrolliert - integriert als auch biologisch wirtschaftende Betriebe. "Biofumigation" von Böden hat sich als kaum bis wenig geeignet erwiesen. Bodenentseuchungsmittel sind längst verboten. Um der selbst durch (zu kurze) Anbaupausen entstehenden Nachbauproblemen in der Freiland-Erdbeerkultur entgegenzuwirken, sollen in dem Forschungsvorhaben wirtschaftliche und von der Praxis einfach Umzusetzende Möglichkeiten geprüft werden. Sie kreuzen sich von den hinsichtlich Technik und kostenaufwändigen bodenunabhängigen Substratkulturen ab. Daher stehen Varianten zur Aktivierung des Bodenlebens und für Verbesserung der Bodenstruktur (weniger Staunässe, bessere Bodendurchlüftung durch Einarbeitung von Substraten (IP) bzw. Kompost, Kleegrassilage, Mikroorganismen als Gegenspieler; spezielle Phosphordünger) in der Prüfung.

Methode

Der IP-Teil wird in einem nord- und südbayerischen Standort durchgeführt: Praxisbetrieb Gerhard, Bergtheim (Lkr. Würzburg) bzw. Lehr- und Beispielsbetrieb für Obstbau (LUB) Deutenkofen (Lkr. Landshut), für den Versuch sind Nachbauflächen obligatorisch: nach jeweils 3-jähriger Erdbeerkultur werden in diesen beiden Anlagen 5 Varianten mit der Hauptsorte 'Elsanta' getestet. In Randreihen der Versuchsfelder stehen weitere 10 Erdbeersorten in kleinem Umfang (Randreihe 1: Kontrolle; Randreihe 2: im IP-Teil mit zusätzlicher Phosphordüngung; im ökologischen Anbau Behandlung mit Bodenmikroorganismen).
Die biologische Variante im ökologischen Gemüsebauversuchsbetrieb Bamberg der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) durchgeführt (auf 2-jähriger Erdbeerfläche). Im Vergleich zur Kontrolle wird allen 3 Standorten 'Elsanta' im Hauptversuch mit 4 Varianten, sowie 10 neue Sorten als Randreihen geprüft. Der Versuch, der am 14.08. bzw. 17.08.2015 mit Grünpflanzen derselben Bezugsquelle für alle Standorte gepflanzt wurde, ist jeweils 3-fach wiederholt angelegt.

Varianten IP-Anbau

  • 1: Kontrolle
  • 2: Phosfik 0,5 % tauchen und Bandbehandlung im Herbst 2015 und Frühjahr 2016
  • 3a (nur Standort Bergtheim): Phosfik Fertigation (10x Herbst 2015, weitere Frühjahr 2016) je 12 l/ha
  • 3b (nur Standort Deutenkofen): Kalkstickstoff (300 kg Perlka/ha, 3 Wochen vor Pflanzung)
  • 4: torfreduziertes Containersubstrat (mit Green Fibre und 1 kg/m3 Langzeitdünger Osmocote 3 bis 4 Monate) 23 l/lfm eingefräst
  • 5: dito, jedoch in 15 x 15 cm ausgehobenen Rinnen verhüllt
  • Die 10 Randsorten je 1x unbehandelt und mit Phosfikbehandlung (ohne Wiederholung)
Varianten 1, 'Elsanta' (Kontrolle)

Variante 1: Kontrolle

Varianten 3, 'Elsanta' (Phosfik-Tauchen und Spritzen)

Variante 2: Phosfik-Tauchen und Spritzen

Varianten 2, 'Elsanta' (Phosfik-Fertigation)

Variante 3: Phosfik-Fertigation

Varianten 4, 'Elsanta' (Substrat eingefräst)

Variante 4: Substrat eingefräst

Varianten 5, 'Elsanta' (Substrat in Graben verfüllt)

Variante 5: Substrat in Graben verfüllt

Varianten im biologischen Anbauverfahren (hier Pflanzabstand 82,5 x 40 cm)

  • 1: Kontrolle
  • 2: TMix-Bodenaktivator (5 verschiedene Boden-Mikroorganismen), 4x gießen Herbst 2015 und 2x Frühjahr 2016, entspricht insgesamt 6x 1kg TMix/ha)
  • 3: betriebseigene Biokleegrassilage (5,55 t/ha entspricht 100 kg N/ha; eingefräst)
  • 4: RhizoVital 42 (= Bacillus amyloliquefaciens) 0,25 % tauchen (Pflanzung) und je 1 Bandspritzung 2 l/ha Herbst 2015 und Frühjahr 2016
  • 5: betriebseigener Biokompost 16,66 t/ha entspricht 100 kg N/ha), eingefräst in Pflanzreihe
  • Das Randsortiment wurde unbehandelt und mit TMix geprüft (ohne Wiederholungen)
Der heiße, trockene Spätsommer 2015 erforderte eine Überkronenberegnung zum Anwachsen der Jungpflanzen. Ab Frühjahr 2016 erfolgt die Zusatzbewässerung mit Tropfschläuchen (Bergtheim, Deutenkofen) bzw. Überkronenberegnung (Bamberg). Nach der 2. Ernte 2017 wird der Bestand ausgetauscht und mit neuen Jungpflanzen derselben Sorten in den vorhandenen Varianten für eine Beetnutzung 2018 ersetzt.

Ergebnisse (Stand Juli 2016)

Hohe Niederschläge unmittelbar nach der Pflanzung Mitte August 2015 und ein überdurchschnittlich warmes Herbstwetter bis Mitte November 2015 führten zu Sortenbedingt gutem Wachstum der Erdbeerpflanzen. Im Hauptversuch mit 'Elsanta' war bei der Bonitur am 24.11.2015 am Standort Bergtheim ein mittleres Wachstum zu verzeichnen. Beide Substratvarianten lagen mit Boniturnote 6 bis 5,7 sichtbar über den Phosfikvarianten (3,7 bzw. 4) und der Kontrolle (2,5).
Am Sandort Deutenkofen waren beide Substratvarianten schwächer (4), Phosfik (3,5) und in der Kalkstickstoffvariante sehr schwach (1 bis 2), sowie ca. 50 % Pflanzenausfall (Mögliche Ursache: durch exreme Hitze 2015 wohl zu schnelle und überhöhte N-freisetzung).
Im biologischen Anbau zeigte sich der Bestand am besten (Boniturnoten der 4 Varianten 5,5 bis 6,7), auch die Kontrolle (5). Als Grund wird die langjährige, nachhaltige Bodenbewirtschaftung im ökologischen Anbau mit wechselflächen, hohem Anteil organischer Substanz, guter Versorgung mit Mikroorganismen und somit günstiger Bodenaktivität gesehen. Die Ergebnisse der 1. Ernte 2016 werden nach deren Auswertung eingestellt.

Mehr zum Thema

Projektdaten
Projektleitung: Gerd Sander (LWG), Hubert Siegler (LWG) (01.04.2015 bis 31.08.2016), Alexander Zimmermann (LWG) (seit 01.09.2016)
Projektbearbeitung: Klaus-Peter Gerhard (LWG), Tino Hedrich (LWG), Hans Göding (Versuchsstation für Obstbau Schlachters)
Projektpartner: Lehr- und Beispielsbetrieb für Obstbau (LUB) Deutenkofen, Praxisbetrieb K.-P. Gerhard, Bergtheim
Laufzeit: 01.04.2015 bis 31.10.2018
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichnen: A/15/12