Unterlagenversuch
Wangenheim als Pflaumen- / Zwetschgenunterlage

neue Sorten werden auf Wavit oder Weiwa geprüft
In einem 1996 angelegten Zwetschgenunterlagenversuch zeigte sich der Einfluss von Unterlagen auf das „Zwetschgensterben“, ausgelöst durch Frostrisse mit sekundärem Befall Pseudomonas syringae pv. syringae.
Die Unterlagen Jaspy®/Fereley(S) und St. Julien INRA 655/2 waren in unserer Region sowohl in dem Versuch als auch in Praxisbetrieben deutlich betroffen. Daraufhin wurde ein neuer Versuch mit den Unterlagen Jaspy®/Fereley(S), St. Julien INRA 655/2, St. Julien A, Wavit®/Prudom(S), Wangenheims Sämling (Herkunft Lodder) und 6 Zwetschgensorten, sowie 'Mirabelle von Nancy' gestartet.
Die Pflanzung einjähriger Veredlungen erfolgte im November 2003 im Versuchsgelände Stutel (leichter, humusarmer Boden, pH-Wert 7,2 Nachbau (10 Jahre Zwetschgen vorher), Tröpfchenbewässerung, Spindelerziehung, 4 m x 2,5 m) und zusätzlich in einer von „Zwetschgensterben“ betroffenen Praxisanlage im Raum Volkach (Lkr. Kitzingen).
Auch in diesem Versuch erwiesen sich die bereits „verdächtigen“ Unterlagen wiederum als anfällig: bis Ende 5. Standjahr waren 77 % der Fereleybäume, 49 % von St. Julien 655/2 ausgefallen; hingegen von Wavit (3 %), St. Julien A (6,7 %), Wangenheim-Sämling (10 %). Diese 3 Unterlagen wurden weiter auf ihre Leistungsfähigkeit bis Ende 2013 geprüft.

Wuchsstärke und Ertrag

Bezüglich der Stammquerschnittsfläche waren im Durchschnitt der 7 Sorten Wavit und Wangenheim-Sämling (“Wa-S“) fast gleich und beide ca. 17 % schwächer als St. Julien 655/2 und St. Julien A. Beide St. Julien-Typen lagen im Ertrag pro Baum (Summe 2006 bis 2010) vorne: 655/2 mit 77 kg, St. Julien A: 73 kg, Wavit: 68 kg, "Wa-S" fiel mit 58 kg ab. Im Fruchtgewicht lagen alle 4 Unterlagen im Durchschnitt der Sorten auf gleichem Niveau.
Der ursprüngliche Versuch konnte durch die massiven Baumausfälle von 655/2 nicht fortgeführt werden. Jedoch wurden die 3 verbliebenen Unterlagen bis einschließlich 10. Laub verglichen. In Relation zu St. Julien A bildete Wavit 3 % stärkeres; "Wa-S" 4 % schwächeres Kronenvolumen aus. Schnitteingriffe nivellierten die Unterschiede im Kronenwachstum. Differenzen zeigten sich jedoch in der Stammquerschnittsfläche deutlicher:
St. Julien A (98 cm²), Wavit (84 cm², -14 %), "Wa-S" (81 cm², -17 %).
Bis einschließlich 2013 (10. Laub) beliefen sich die marktfähigen Einzelbaumerträge im Schnitt der 7 Sorten auf 134 kg (Wavit), St. Julien A (130 kg) und "Wa-S" (112 kg). Dabei fruchteten 'Hauszwetschge Typ Schüfer', 'Nancy', 'Topper' schwächer als 'Elena', 'Katinka', 'Hanita', 'Cacaks Fruchtbare'.
Der etwas höhere Ertrag von Wavit führte zu einer leichten Fruchtgewichtsreduzierung um 1 g.

Fazit

In diesem Zwetschgenunterlagenvergleich konnte Ersatz für die durch Baumausfälle von uns nicht mehr empfohlenen Fereley und St. Julien 655/2 (zudem viele Ausläufer!) gefunden werden.
In Franken hat sich St. Julien A seit vielen Jahren bewährt. Sie wächst stärker als „655/2“, trägt schwächer (bei Massenträgern sogar von Vorteil), bringt stets positive Fruchtgrößen, was v.a. bei kleinfruchtigen Varietäten wichtig ist. Wavit, St. Julien A, Wangenheim-Sämling erweisen sich im modernen Zwetschgenanbau mit stark fruchtenden Sorten günstig und sind fast gleichwertig einzustufen. Sie besitzen ein hohes Potential bezüglich Ertragssicherheit, Behangdichte (ggf. Ausdünnen!), günstiger Fruchtgröße, Bestandssicherheit (wenig Baumausfälle, v.a. bedingt durch Pseudomonas syringae) und bilden kaum Stockausschläge.
Unter den Wangenheim-Unterlagen erhält die vegetativ vermehrte Sämlingsauslese Wavit® den Vorzug, da der Sämlingsklon im Ertrag abfällt. Allerdings haben verschiedene Sämlingsauslesen durchaus Potential, was zwei -in unterschiedlicher Wuchsstärke- von Baumschule Lodder selektierte Wangenheim-Klone bislang unter Beweis stellen.
Bei der Sortenprüfung stehen inzwischen -auch in anderen Versuchsanstalten- alle neu zu bewertenden Pflaumen-, Zwetschgen-, Mirabellensorten bzw. -Klone auf Wavit oder der Weihenstephaner WeiWa (in vitro vermehrte Zwetschensorte Wangenheim als Unterlage). Beide liefern gute Ergebnisse (Ertrag, Fruchtgröße, geeignete Wuchsstärke), verzeichnen weder Baumausfälle noch Stockausschläge.
Zudem ist als Zwischenergebnis eines Bundesversuches festzustellen, dass sich Wavit sehr gut als leistungsfähige, frostfeste und damit bestandssichernde Unterlage für Aprikose erweist.
Neue Sorten werden auf Wavit oder Weiwa geprüft

Neue Sorten werden auf Wavit oder Weiwa geprüft

Wangenheim-Sämling, 'Toptaste'

'Toptaste', Wangenheim-Sämling

St. Julien A, bewährte Unterlage in der Praxis

St. Julien A

St. Julien A, 'Hanka' 7. Laub

'Hanka', St. Julien A

Wavit, 'Toptaste', Spindelerziehung im 3. Laub

'Toptaste', Wavit