Geschmackstest
Alt vs. Neu – Apfelsorten im Geschmackstest beim Streuobsttag in Triesdorf

Dekoration
Welche Apfelsorten sind die geschmacklich besseren? Sind es alte heimische Sorten von Streuobstwiesen oder neuere Züchtungen aus dem Erwerbsanbau? Die Frage wird unter Apfelliebhabern gern emotional, mit Erinnerungen aus der Kindheit und dem eigenen Anbau beantwortet. „Die alten Sorten schmecken eh viel besser!“ ist keine ungewöhnliche Antwort. Meist sind die positiven Erinnerungen noch mit einer bestimmten Lieblingssorte mit klangvollem Namen verbunden. 'Signe Tillisch', 'Goldparmäne', 'Kardinal Bea', 'Landsberger Renette' und 'Roter Berlepsch' sind alte Sorten mit prägendem Namen, die es aber heutzutage kaum noch im Lebensmitteleinzelhandel zu kaufen gibt. Neuzüchtungen wie 'Jazz', 'Kanzi', 'Pink Lady', 'Gala', 'Elstar' oder 'Braeburn' aus dem Erwerbsanbau werden zum großen Teil mit einem kurzen Namen versehen, der auch international verwendet werden kann. Das Sachgebiet Obstbau/Baumschule der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) hat zum Streuobsttag in Triesdorf, am 01. Oktober 2017, eine Apfelverkostung mit 5 verschiedenen Sorten durchgeführt, an der 562 interessierte Besucher teilgenommen haben. Vormittags, von 10 Uhr bis 13 Uhr, erfolgte die Verkostung mit präsentierten Sortennamen. Nachmittags, von 13 Uhr bis 16 Uhr, wurde der Sortenname verdeckt und somit blind verkostet. Die Teilnehmer konnten dann entscheiden, welcher Apfel ihnen am besten geschmeckt hat.
Das Ergebnis präsentiert sich ziemlich ausgewogen. 'Elstar', die am häufigsten im Erwerbsobstbau angebaute Apfelsorte in Deutschland, erhielt rund ein Viertel der Stimmen (150). Sie zeichnet sich durch ein leicht säuerliches, würziges Aroma mit hoher Saftigkeit aus. Gezüchtet wurde 'Elstar' 1955 in Wageningen (Niederlande) aus 'Golden Delicious' und 'Ingried Marie'. Wegen der alternierenden Erträge, der hohen Krankheitsanfälligkeit und des schwierigen Baumwachstums ist 'Elstar' für den Hausgarten nicht geeignet.
Knapp danach, mit insgesamt 128 Stimmen, folgte 'Kardinal Bea' von einer Streuobstwiese. Die Sorte mit einer leuchtend roten Färbung ist ein Zufallssämling aus dem Kreis Esslingen (Baden-Württemberg) und wurde 1960 nach dem Kurienkardinal Bea benannt. Sie ist süßfruchtig und saftig. Leider wird 'Kardinal Bea' schnell weich und ist somit nur bedingt lagerfähig. Gegenüber 'Elstar' kann sie aber auch im Hausgarten und auf Streuobstwiesen gut angebaut werden. Dort erweist sie sich als robust gegen Krankheiten und nicht zu stark wachsend.
Auf Platz 3 folgt 'Gala', eine Standardsorte aus dem Erwerbsanbau, in jedem Supermarkt zu finden, mit knackigem süßem Fruchtfleisch, entstanden in Neuseeland aus 'Kidds Orangen' und 'Golden Delicious' und seit 1960 im Handel.
Nur 7 Stimmen weniger erhielt die 'Landsberger Renette'. Sie hat eine gelbe Grundfarbe mit einer leicht orangefarbenen Backe. Entstanden um 1850 aus einem Zufallssämling in Landsberg a.d. Warthe (heute Polen) ist sie heute ein bekannter Wirtschaftsapfel auf Streuobstwiesen, der aber auch gern als Tafelfrucht verwendet werden kann. Das Manko ist aber auch hier die nur bedingte Lagerfähigkeit und das schnell mürbe werdende Fruchtfleisch.
Die Sorte 'Mutterapfel' stammt aus den USA, wurde um 1880 im österreichischen Lavanttal aufgepflanzt und verbreitete sich schnell als Streuobstbaum auch im süddeutschen Raum. Wegen des unverwechselbaren leichten Bananenaromas ist sie auch unter dem Namen 'Lavanttaler Bananenapfel' bekannt. Im Anbau erweist sie sich als relativ unproblematisch und kann gut gelagert werden.

Die fünf Verkostungsäpfel

In Grafik 2 sind die Ergebnisse aufgeschlüsselt in die Verkostung mit Sortennamen und einmal ohne Sortennamen. Bei 'Elstar', 'Kardinal Bea' und 'Landsberger Renette' erfolgte nur eine leichte Verschiebung gegenüber der Vormittagsverkostung. 'Gala' verlor fast 4 %, die dafür der 'Mutterapfel' zulegen konnte.
Letzten Endes sind die Unterschiede, ob mit Name oder ohne, nur bei zwei Sorten leicht zu sehen. Erfreulicherweise gibt es alte Sorten, die zumindest geschmacklich auch mit denen aus dem Supermarkt mithalten können. Nur für den erwerbsmäßigen Anbau sind sie wegen verschiedener Faktoren (Lagerfähigkeit, Ertrag, Fruchtgröße, Fruchtfarbe etc.) nur bedingt geeignet. Auch das Neuzüchtungen nicht nur auf die genannten Bedingungen für den Profianbau abzielen, sondern auch auf Geschmack, wurde bei der Verkostung deutlich.

Wer eine robuste Sorte für den Hausgarten sucht, kann sich auf unserer Top-Ten-Liste eine Sorte aussuchen.