Versuchsergebnis
Spätfrostempfindlichkeit von Obstkulturen im Jahr 2017

Apfelblüte mit Eiszapfen von der Beregnung
Die Blüte von Obstgehölzen hat in den letzten Jahren deutlich früher eingesetzt. Die Anzahl der Frühjahrsfröste hat sich aber nicht verringert. Somit sind Obstkulturen einer höheren Spätfrostgefahr ausgesetzt, die wie 2011 in einigen süddeutschen Anbaugebieten zu erheblichen Schäden geführt hat. Auch 2016 hat ein Spätfrost Ende April von -4 °C zu teils starken Schäden bei einigen Obstbauern in Franken geführt. Im Jahr 2017 gab es europaweit frostbedingt deutlich weniger Obst.

Hintergrund

Für Bayern und Baden-Württemberg wurden die Frostnächte vom 19. auf 21. April 2017 und die vorausgegangene warme Witterung im März als ein einer Naturkatastrophe vergleichbares Witterungsereignis eingestuft.
Auf dem Versuchsbetrieb Thüngersheim "Stutel" der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wurden als kälteste Trockentemperatur -3,86 °C und Feuchttemperatur von -4,5 °C auf 0,60 m Höhe gemessen. Auf einer Höhe von 1,20 m war die kälteste Temperatur 0,4 °C höher. Die Temperaturen fielen ab 22:30 Uhr unter den Gefrierpunkt und erst nach Sonnenaufgang, gegen 7:15 Uhr, konnten wieder Plusgrade gemessen werden.
Durch ausführliche Bonituren 5 bis 8 Tage nach dem Frostereignis konnten Informationen über die Anfälligkeit von Sorten verschiedener Obstkulturen gesammelt werden. Dazu wurden von jeder Sorte 100 Blüten bzw. junge Früchte auf Schäden kontrolliert. Bei Kiwibeeren wurde die Ertragsbonitur als Datengrundlage gewählt. Der sonst in Praxisanlagen unterschiedliche Standortfaktor kann bei den Ergebnissen vernachlässigt werden, da alle Bäume am gleichen Versuchsort standen.
Zu berücksichtigen ist, dass ein Spätfrostereignis auf dem Versuchsbetrieb Thüngersheim Ende April 2016 zu Schäden geführt hat und dadurch die Knospen und jungen Blütenstände 2017 vermutlich besser ernährt gewesen waren als bei einem Vollertrag im Vorjahr. Bei nahezu allen Kulturen und Sorten konnte eine sehr gute Blüte festgestellt werden.
Blüten von roten und schwarzen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Indianerbananen und Sauerkirschen haben den Spätfrost vergleichsweise gut überstanden und werden deshalb hier nicht aufgeführt.

Apfel

Bei einer Vollblüte reichen den meisten Obstgehölzen 10 % der vorhandenen Blüten zu einem Vollertrag aus. Dafür wird aber eine optimale Befruchtung vorausgesetzt. Selbst nach dem natürlichen Fruchtfall können somit genügend Früchte am Baum vorhanden sein.
Beim Apfel haben sich 2017 vor allem früh blühende Sorten als hoch anfällig für Blütenfröste gezeigt. Am 20. April 2017 waren diese in der Vollblüte bzw. abgehenden Vollblüte, während bei anderen Sorten wie z. B. 'Fuji' nur die Königsblüte offen war. Bei den hoch anfälligen Sorten konnten am Versuchsbetrieb Thüngersheim eine Ertragsreduktion bis ca. 50 % festgestellt werden. Noch dazu kam, dass bis Anfang Mai 2017 eine Kälteperiode vorherrschte, welche zu einem sehr geringen Flug von bestäubenden Insekten und somit geringerer Befruchtung führte.

Birne

Die Vollblüte bei Birnen war 2017 auf dem Versuchsbetrieb Thüngersheim zwischen 7. April und 12. April. Zum Spätfrostereignis waren die Bäume abgeblüht und befanden sich im BBCH-Stadium 71 (Früchte bis 10 mm). Da die jungen Früchte anfälliger für Fröste sind als Blüten, fiel der Schaden dementsprechend hoch aus. Am Baum waren zur Ernte meist nur parthenokarpe und somit auch deformierte Früchte zu finden.
Als positiv herauszustellen war der Ertrag von 'Novembra' ('Novemberbirne', 'Oksana', 'Xenia'). Eine Behandlung mit Gibberllinen wurde nicht durchgeführt.

Zwetschge

Zwetschgen haben die Fröste vergleichsweise gut überstanden. Bis auf einige Sorten wie z. B. 'Ruth Gerstetter', 'Aprisali', 'Aprikyra' (kein Ertrag), 'Hermann', 'Katinka', 'Presenta', 'Tipala' (Minderertrag) konnten Vollerträge realisiert werden. Die Vollblüte war am Standort zwischen dem 3. April und 11. April (sortenabhängig).

Süßkirsche

Bei Süßkirschen war die Vollblüte je nach Sorte am 3. April bis 15. April. Der Ertrag war bei Sorten deutlich dezimiert. Zum Spätfrostereignis waren Frühblüher wie 'Samba', 'Satin', 'Bellise' bereits abgeblüht und junge Früchte am Baum. Während Spätblüher wie 'Regina', 'Kordia' und 'Areko' zu dem Zeitpunkt in der abgehenden Blüte waren.
Nachteilig war die Kaltphase während bzw. kurz nach der Blüte, auf die vor allem Süßkirschen sehr empfindlich reagieren können. Eine nicht optimale Befruchtung hat den Schaden dadurch erhöht. Die unten aufgeführte Tabelle mit den Bonituren nach dem Frostereignis konnte somit nicht in den Ertragszahlen bestätigt werden.

Ertraglich gut

'Techlovan', 'Skeena', 'Grace Star', 'Tamara', 'Starblush', 'Early Korvik', 'Regina', 'Duroni 3', 'Christiana' und 'Naprumi'

Mittlerer Ertrag

'Samba', 'Paulus', 'Somerset', 'Stardust', 'Carmen', 'Sweet Gabriel', 'Bellise', 'Areko' und 'Livia'

Kaum bzw. kein Ertrag

'Kordia', 'Sweet Early', 'NA 1', 'Burlat', 'Justyna', 'Kasandra', 'Tieton', 'Sweet Saretta', 'Sweet Valina', 'Sweet Aryana' und 'Earlise'

Aprikose

An Aprikosenbäumen waren Ende April bereits junge Früchte. Die Vollblüte war sortenabhängig vom 27. März bis 1. April erreicht. In der Anlage wurden auch Versuche mit Frostkerzen durchgeführt.

Frostkerzen – Eine Alternative zur Spätfrostabwehr?

Bei Aprikosen stellte sich 'Kioto' als sehr frostrobuste Sorte heraus. Die Versuchsbäume in der beheizten Variante mussten sogar noch ausgedünnt werden, während andere Sorten keine Früchte getragen haben, obwohl die Kerzen dort auch standen.
Weitere Sorten in der Kontrollvariante mit Ertrag waren 'Robada' (6,3 kg/Baum) und 'Pink Mary' (3,4 kg/Baum) und dies, obwohl nach dem Frost ein Totalausfall bonitiert wurde. Einzelne Früchte haben es trotz anscheinenden Frostschadens geschafft. Bei allen anderen Sorten wurden höchstens einzelne Früchte gezählt.

Himbeere

An Strauchbeeren führte der Frost zu keinen oder nur geringen Schäden an Blüten. Bei Sommerhimbeeren waren die Blüten Ende April noch geschlossen. Der Neuaufwuchs vom Boden war bis dahin bereits 5 bis 30 cm hoch gewesen. Nach dem Frost wurden die jungen Triebe auf ihre Schädigung untersucht. Bis auf 'Meeker' wurden an den untersuchten Sorten sehr hohe Schädigungsgrade erreicht. Das Mark im Inneren der Triebe war deutlich verbräunt. Bei gesunden Trieben muss dieses weiß ein.
Bei Sommerhimbeeren wird beratungsmäßig empfohlen, die ersten Jungtriebe wegzunehmen und die nachfolgende Generation von Trieben für das kommende Jahr zu erziehen. Versuchsmäßig wurde dies auch am Versuchsbetrieb Thüngersheim durchgeführt. Die zweite Generation der Triebe erreichte bei allen Sorten den obersten Draht. Auch der Bestand mit den geschädigten Trieben ist weiter gewachsen. Die Schädigung ist aber im Mark und teilweise auch außerhalb zu sehen. Wie sich die Varianten ertragsmäßig unterscheiden, soll 2018 festgestellt werden.
Auch Herbsthimbeeren wurden durch den Frost geschädigt. Normalerweise werden die Neutriebe nicht weggeschnitten, da diese den Jahresertrag bilden. Wird dies trotzdem gemacht, verzögert sich die Ernte um ca. 2 bis 3 Wochen und die Neubildung von einer zweiten Generation an Trieben kann je nach Sorte deutlich reduziert sein.
Bei 'Sugana' waren am Versuchsbetrieb Thüngersheim in der Variante „weggeschnitten“ zu wenig Triebe vorhanden, während bei 'Himbo Top' die Anzahl ausreichend war. Dies sollte in einem Exaktversuch aber genauer untersucht werden. Aus der Praxis wurde von einer kurzen Ernte und dem schlagartigen Zusammenbrechen von Herbsthimbeerkulturen berichtet. Dies konnte bei dem Pflanzen auf dem Versuchsgelände auch festgestellt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren die Spätfröste und deren Schädigung im Mark der Triebe dafür verantwortlich.

Kiwibeere

Die Kiwibeerenblüte ist erst Ende Mai bzw. Anfang Juni. Mit Blütenfrostschäden kann somit nicht gerechnet werden. Dafür ist der Austrieb bereits Ende März/Anfang April anfällig. Ende April war die Trieblänge bereits bei 10 bis 40 cm gelegen. Eine Temperatur unter -2 °C kann zu Schäden an den mit Blütenknospen besetzten Trieben führen. Die Triebe werden braun und hängen schlaff herunter. Aber auch bei Kiwibeeren gibt es Sortenunterschiede in der Anfälligkeit von Spätfrösten. Diese werden ausgeprägter je älter die Pflanzen sind.
In Junganlagen konnten die Unterschiede noch nicht so stark festgestellt werden. Bei Sorten, die robuster gegen niedrige Temperaturen sind, wurden nur vereinzelt Triebe braun und starben ab. Jedoch kann auch hier das Laub Schädigungen tragen, der Trieb mit den Blütenknospen bleibt aber grün. Anzunehmen ist, dass Fröste mit -6 oder -7 °C auch an den robusten Pflanzen zu deutlichen Schädigungen führen können.
Auch im Jahr 2016 konnten sich Sorten wie 'Fresh Jumbo', 'Honig 1', 'Molli' und 'Jumbo Verde' als frostrobust erweisen.