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Maibeere & Co
Kleine, feine, essbare "Heckenkirschen"
Unter Lonicera (Geißblatt, Heckenkirsche) kennen wir zahlreiche Ziergehölze und Schlingpflanzen mit schönen, meist duftenden Blüten, deren Früchte aber nicht essbar sind. Im Gegensatz dazu: die Lonicera-Arten caerulea und kamtschatica, die als Maibeere® (Marke der Fa. Häberli) bzw. Blaue Honigbeere (Baumschule Hofmann/Langensendelbach) bzw. Blaue Heckenkirsche/Sibirische Blaubeere (Jungpflanzen-Baumschule Kordes) bezeichnet werden. Deren Früchte sind klein, oval bis walzenförmig, 1 bis 1,5 cm lang, um 1 g schwer und blau bereift (ähnlich Heidelbeere). Sie sind zum Rohverzehr und zur Verarbeitung geeignet.
Foto links: Blüten der Maibeere
Foto rechts: Blühender Maibeer-Strauch
Foto links: Am Strauch reifende Maibeeren
Foto rechts: Früchte im Größenvergleich zu einem 5-Cent-Stück
Vorteile
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Geschmack: ähnelt Heidelbeere, süß
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Reifezeit: sehr früh, ab Ende Mai bis Mitte Juni, die ersten Strauchbeeren
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Frosthärte: Blüte und Holz
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Schwacher Wuchs: 1 bis maximal 1,5 m hoch, aufrecht wachsend
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Robustheit bezüglich Schädlingen und Krankheiten; lediglich auf Frostspanner und v.a. Vogelfraß achten!
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Keine besonderen Standortansprüche: „Heidelbeerersatz“ für Standorte, wo Heidelbeeren – selbst mit großen Anstrengungen zur Bodenversauerung – nicht (oder nur ungenügend) wachsen.
Nachteile
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Kleine Frucht mit kleinen Stielchen, daher schwer zu pflücken und schlechte Pflückleistung
Standortansprüche und Pflege
Lonicera caerulea bzw. kamtschatica sind äußerst frosthart im Holz, aber auch in der Blüte. Diese erscheinen nach der Kornelkirsche (Cornus mas) - noch vor Johannis- und Stachelbeere - in etwa mit Forsythien sowie Aprikosen und Pfirsichen in warmen Gegenden bereits Ende März bis Mitte April (Blühende), in kälteren Gebieten und höheren Lagen entsprechend 1 bis 2 Wochen später. Im Versuchsgelände Stutel der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim fruchteten blühende Sträucher trotz Blütefrost bis zu –8 °C stets. Die genügsamen "Maibeere & Co" kommen mit einem breiten Standortspektrum aus, das von Halbschatten bis Sonne, von leichten bis (mittel-) schweren Böden im leicht sauren bis leicht alkalischen Bereich reicht (Stutel: pH-Wert 7,2). Wie andere Obststräucher sind sie für eine gute Humusversorgung dankbar. Die Düngung lehnt sich an die der Johannisbeeren an. Zusatzbewässerung ist aufgrund der frühen Reifezeit, wo sich die Frühjahrsniederschläge noch auswirken, nicht zwingend erforderlich; kann aber auf sehr leichten Böden und in sehr trockenen Gebieten nützlich sein.
Der Schnitt gestaltet sich ähnlich eines Johannisbeerstrauches. Ältere, zu dichte Triebe im Inneren werden bodennah – sinnvoll: gleich nach der Ernte – abgeschnitten. Es reichen jährlich drei neue Bodentriebe; überzählige Neutriebe werden ebenfalls entfernt. Wie bei Johannis- und Stachelbeeren beeinflusst ein Zuviel an Trieben die Fruchtqualität, vor allem die Fruchtgröße, negativ, was bei den kleinen Früchten besonders gravierend ist. Um eine Verbesserung der Fruchtgröße bzw. eine höhere Pflückleistung zu erreichen, versuchen wir – in Anlehnung an die Hecken-(Spindel-)Erziehung bei Johannis- und Stachelbeeren – einige Jungpflanzen eintriebig (Pflanzabstand: 50 cm) zu kultivieren.
Da die Pflanzen relativ langsam und zudem aufrecht wachsen, können sie zur Straucherziehung im Abstand von 1,25 bis 1,50 m gepflanzt werden. Zur besseren Befruchtung sollten dabei zwei verschiedene Sorten gewählt werden.
Krankheiten und Schädlinge traten bisher nicht in Erscheinung, so dass Pflanzenschutzmaßnahmen in der Regel nicht notwendig sind. Eventuell können Frostspanner auftreten. Beachten müssen Sie aber auf jeden Fall den Vogelfraß: Schutznetze sollten schon vor der Reife um die Sträucher angebracht werden! Die Sträucher schließen früh ab. Das Laub wird Ende August/ September fahl bis gräulich (das ist arttypisch und kein Pilzbefall) und fällt auch früh ab. In milden Wintern können vereinzelte Blüten vorab erscheinen.
Sorten
Im Versuchsgelände Stutel stehen vier Sorten: 'Mailon' und 'Maistar' (beide Fa. Häberli) sowie 'Morena' und 'Fialka' (Baumschule Hofmann). Die Unterschiede zwischen den Sorten sind weitgehend gering.
'Morena' und 'Fialka' sind einen Deut größer und schwerer. Reifezeit ist in frühen Lagen ab Ende Mai, ansonsten Anfang bis Mitte Juni – also deutlich vor Johannisbeeren. Große Reifezeitdifferenzen gibt es – im Gegensatz zu mancher Beschreibung - nicht. Vollreif sind die Früchte süß mit heidelbeerähnlichem Geschmack. Der Gehalt an Vitamin C und weiteren sekundären Inhaltsstoffen ist hoch.
Diese Lonicera-Früchte sind also nicht uninteressant und für den einen oder anderen direktabsetzenden Betrieb eine Besonderheit in einem abwechslungsreichen Sortiment, das der Kunde zunehmend fordert. Somit können solche Nischen dazu beitragen, den Absatz der Hauptkulturen zu unterstützen. Die Verkaufspreise sollten aufgrund der geringeren Pflückleistung und der geringeren Haltbarkeit über denen von Kulturheidelbeeren liegen.
Erträge von Maibeeren am 7. Juni 2006 (6. Standjahr)
| Sorte |
Ertrag pro Strauch in g |
100-Fruchtgewicht in g |
| Morena |
2.730 |
152 |
| Maistar |
2.105 |
120 |
| Mailon |
1.990 |
96 |
Neu gepflanzt wurden die Sorten 'Amur' und 'Blue Velvet'; hierzu liegen uns noch keine Früchte und Erfahrungen vor.
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Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Obstbau und Baumschulen
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