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Forschungsprojekt
Nachweis für Biotomaten

Reife Tomaten an der Rispe im LWG Schaugarten

Nach Biorichtlinien erzeugte Ware steht bei vielen Verbrauchern hoch im Kurs, der Absatz steigt. So kann mit biologisch erzeugtem Gemüse attraktive Preise erzielt werden. Das wiederum verleitet einige Anbieter dazu, konventionelle Waren als biologische auszugeben – zum Schaden der Verbraucher.

Der Versuchsbetrieb für ökologischen Gemüsebau der LWG in Bamberg ist an der Entwicklung eines neuartigen Verfahrens beteiligt, mit dem biologisch erzeugtes Gemüse schnell identifiziert werden kann. Zunächst wird die Methode für Tomaten entwickelt.

Eindeutige Zuordnung bisher nicht möglich

Tomatenpflanzen, die in der Erde wachsenZoombild vorhanden

Tomaten im Bioanbau

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt weiter an. In Deutschland konnten alleine mit Biogemüse 2012 mehr als 220 Millionen Euro erlöst werden, im Vergleich zum Vorjahr sind die Umsätze der biologischen Landwirtschaft in Deutschland um 12 Prozent angestiegen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Der zeigt asich in regelmäßigen Skandalen, in denen Fleisch, Eier oder Gemüse fälschlicherweise als biologisch deklariert wurden, obwohl sie konventionell hergestellt worden waren.
Bisher ist die Aufdeckung solcher Fälle eher dem Zufall geschuldet. Denn ob beispielsweise Gemüse und Früchte tatsächlich auf biologische Weise erzeugt wurden, lässt sich mit Laboranalysen bislang nur unzureichend klären. Die verlässlichste Methode besteht derzeit darin, das Muster an Stickstoff-Isotopen zu untersuchen. „Eine eindeutige Zuordnung ist mit dieser Methode aber nicht immer möglich“, sagt die Lebensmittelchemikerin Monika Hohmann, Doktorandin an der Universität Würzburg und am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Tomatenpflanzen, die im Substrat wachsen

Tomaten im konventionellen Anbau

Hohmann arbeitet derzeit an einer Alternative zur Isotopen-Analyse, der sogenannten Kernspinresonanzspektroskopie. Das Verfahren wird in der organischen Chemie zur Strukturaufklärung von Molekülen eingesetzt. So lässt sich eine Art Steckbrief einer Frucht anlegen. Hohmann testete das Verfahren an biologisch und konventionell erzeugten Tomaten der Sorten „Mecano“ und „Tastery“. Und tatsächlich lassen sich, so berichtet sie in einem viel beachteten Artikel im „Journal of Agricultural and Food Chemistry“, in den Tomaten deutliche Unterschiede zwischen den beiden Anbauverfahren erkennen.
Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau spielt bei dem Projekt eine wichtige Rolle. Im Versuchsbetrieb für ökologischen Gemüsebau der LWG in Bamberg werden die für die Untersuchungen benötigten Tomaten im Gewächshaus unter penibel kontrollierten Bedingungen konventionell und biologisch angebaut. Die Tomaten werden püriert, zentrifugiert und schließlich von Hohmann mittels der Kernspinresonanzspektroskopie analysiert.

Testverfahren auch für andere Gemüsesorten

„Aus den Spektren bauen wir eine Datenbank auf, und daraus konnten wir für die Tomaten aus dem Versuchsanbau die Unterschiede zwischen den biologischen und den konventionellen Tomaten erkennen“, sagt Hohmann. Als nächsten Schritt will sie nun auch andere Tomatensorten analysieren. Hohmann schätzt, das jede tomatensorte ein charakteristisches Spektrum aufweist. In einem zweiten Schritt könnte die Methode dann auf andere Gemüsearten ausgeweitet werden. Damit der Verbraucher in Zukunft auch bei Brokkoli und Gurken sicher sein kann, was biologisch hergestellt wurde und was nicht.