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Mechanische Beikrautregulierung


- Erfahrungen mit Fingerhacke, Striegel & Co. -


Für die Beikrautregulierung im Biobetrieb stehen nur mechanische und thermische Verfahren zur Verfügung. Für den Bereich zwischen den Kulturpflanzenreihen stehen technisch ausgereifte Geräte bzw. Gerätekombinationen zur Verfügung. Dagegen muss der Bereich „in der Reihe“ u. U. aufwändig von Hand nachgearbeitet werden. Je nach Kultur und Verunkrautung sind 60 bis 800 Arbeitskraftstunden je Hektar erforderlich.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) prüfte in einem dreijährigen Forschungsvorhaben im Gemüsebauversuchsbetrieb in Bamberg sowie in einigen Praxisbetrieben verschiedene Geräte bzw. Verfahrenskombinationen mit dem Ziel, den Handarbeitsaufwand in der Reihe, festgelegt als 10 cm breiter Streifen, zu reduzieren.

Die Versuche wurden zwar vor einigen Jahren durchgeführt, aber die Ergebnisse des Forschungsvorhabens werden noch häufig nachgefragt. Bei Gerätepreisen sind aktuelle Zahlen beim Landmaschinenhandel nachzufragen.

Flachhäufler (Fa. Kress)

Diese sind aufsteckbar auf gerade Hackscharstiele, verstellbar. Sie schieben die vom Hackschar gelockerte Erde in den Reihenbereich und bedecken keimende Beikräuter durch Anhäufeln.

Fingerhacke (Fa. Kress)

An einer Metallscheibe befestigte Fingersterne (flexibel, unterschiedliche Härtegrade) greifen durch Bodenantrieb bewegt in die Kulturpflanzenreihe.

links Flachhäufler, rechts Fingerhacke

Foto links:
Flachhäufler: wirkungsvoll und preisgünstig

Foto rechts:
Fingerhacke für Reihenabstände ab 25 cm

Klassischer Hackstriegel (versch. Firmen)

Er durchkämmt mit seinen Zinken das Beet und reißt keimende Beikräuter heraus.

Reihenstriegel (Fa. Christiaens Agro Systems)

Ölmotoren bewegen Achsen, die über die Kulturpflanzenreihen bewegt werden und mittels federnder Metallpinne die Reihen einzeln von der Seite durchstriegeln.

links klassischer Hackstriegel, rechts Reihenstriegel

Foto links:
Im Keimblattstadium der Beikräuter gute Regulierungserfolge mit herkömmlicher Striegeltechnik.
Foto rechts:
Intensive Bestriegelung des Reihenbereiches mit dem Reihenstriegel.

Rotorstriegel (Fa. Egedal)

Rotorstriegel

Er ähnelt einem Heuschwader und durchstriegelt das Beet kreisförmig, Antrieb durch Ölmotor.


Foto rechts:
Rotorstriegel - durch kreisförmige Arbeitsweise unabhängig von Reihenabstand und -anzahl.

Handhacke

Sie diente als Vergleichsvariante; die Intra-Reihenregulierung fand ausschließlich von Hand statt.

Beobachtungen im praktischen Einsatz

Ab einer Kulturpflanzenhöhe von ca. 10 cm wurden alle Varianten in schlechtdeckenden Gemüsearten wie Porree und Sellerie sowie in den gesäten Kulturen Möhren und Zwiebeln eingesetzt. Die Kulturpflanzenverluste betrugen in der Regel 0-1%, nur ausnahmsweise bis zu 8%. Um den Bekämpfungserfolg zu erfassen, wurden in der Reihe Zählbereiche abgesteckt und in diesen die Beikräuter jeweils vor und 3 Tage nach dem Maschineneinsatz ausgezählt. Die Bekämpfungserfolge betrugen im Jahr 2002 bei Wildkräutern im Keim- bis maximal 6-Blattstadium im Reihenbereich für die Fingerhacke 78%, den Reihenstriegel 79%, den klassischen Striegel 52% und das Anhäufeln 88%. Im trockenen Versuchsjahr 2003 erfolgte der Maschineneinsatz jeweils im Keimblattstadium der Beikräuter. Die Fingerhacke beseitigte 86%, der klassische Striegel 84%, der Rotorstriegel 90%, die Handhacke 90% und der Reihenstriegel 96% der Beikräuter. Das Anhäufeln erfolgte hierbei nicht mehr als Vergleichsvariante, sondern ging als eigenständiger Hackgang allen anderen Varianten (außer Handhacke) voraus.In einem Fall (Knollensellerie) konnten hiermit 99% Regulierungserfolg erreicht werden.

Früh eingreifen!

Im Keimblattstadium der Beikräuter arbeiten einfache Geräte wie der Striegel und die Fingerhacke nahezu gleich gut wie die teureren rotierenden Striegel. Eine Kombination aus Fingerhacke mit nachlaufendem Striegel erbrachte die gleichen Ergebnisse wie die motorbewegten Striegel. Damit ist die möglichst frühzeitige Maßnahme wichtiger als die Wahl des Gerätes.
Ab dem 6-Blattstadium der Beikräuter arbeiteten alle Geräte nicht mehr wirksam, wobei der einfache Striegel schneller abfiel als die rotierenden Geräte. Lediglich durch Anhäufeln ist dann noch eine gewisse Wirkung zu erzielen, sobald eine Erdbedeckung von wenigstens 2 cm erreicht wird.

Keine Ertragsminderung durch maschinelle Beikrautbekämpfung

Besonders schonend mit Ertragseinbußen nahe 0% arbeiteten Fingerhacke und einfacher Striegel. Nicht signifikant höher sind Ertragsverluste durch rotierende Striegel, verursacht durch einen geringen Verlust an Blattmasse und somit kurzzeitig reduzierter Photosyntheseleistung.

Wieviel Handhacke ersparten die einzelnen Verfahren?

Die Reduzierung der verbleibenden Handarbeit schafften alle maschinellen Varianten nahezu gleich gut. Während für Sellerie normalerweise zwei Handhackgänge (knapp 90 Akh) erforderlich sind musste nach der Verfahrenskombination Anhäufeln – Striegeln (verschiedener Art) oder einer Kombination Fingerhacke – Anhäufeln lediglich eine kleine Restverunkrautung von Hand beseitigt werden (10-15 Akh/ha).
Bei den Säkulturen Möhren und Zwiebeln war die Handjäte im ersten Hackgang unvermeidlich. Um diese zu erleichtern, kam eine motorgetriebene Liegeraupe zum Einsatz, die es auch als pedalbetriebenes Gerät gibt. Die höchste Zeitersparnis von bis zu 40 % erzielen zwei Personen im 3- oder 5-reihigen Anbau, da dann der jeweils schnellere mehr Jätarbeit in der gemeinsamen 3. bzw. 5. Reihe übernehmen kann. Liegeraupen ermöglichen angenehmeres Arbeiten, weil das Bücken, Aufstehen und Weitergehen entfällt.

Bewertung der einzelnen Varianten

(Preise zzgl. MwSt.)

  • Mit dem Anhäufeln konnte im Einzelversuch der höchste Bekämpfungserfolg erzielt werden, die Technik ist einfach und preisgünstig (ca. 240 Euro 3-reihig), vorausgesetzt, eine Hackmaschine ist vorhanden, was aber in jedem Öko-Betrieb der Fall sein dürfte. Bei aufeinanderfolgenden Häufelgängen reduziert sich die Wirkung, da nicht mehr genug Erde angehäufelt wird.
  • Die Fingerhacke wird von den Kulturpflanzen gut vertragen und ist durch den seitlichen Eingriff in die Pflanzenreihe auch noch in höheren Pflanzenbeständen wie auch in Kulturen mit rosettenartigem Wuchs einsetzbar. Der Preis für 3 Reihen liegt bei 1900 Euro, bei 4- oder 5-reihigem Anbau werden weitere Fingerhacken benötigt.
  • Der klassische Striegel (1070 Euro, Arbeitsbreite 1,40 m) ist gut geeignet zum Einebnen von Pflanzfurchen (z.B. Porree) und zum Auseinanderziehen von Häufelhügeln. Er hat eine hohe Schlagkraft durch große Arbeitsbreiten und kann auch ausgeliehen werden, da es ein gängiges Gerät in der Landwirtschaft ist. Einzeln im Einsatz bewirkte er den geringsten Bekämpfungserfolg, nur unter günstigen Umständen (Beikräuter im Keimblattstadium) kommt er nahe an die aufwändigeren Geräte heran.
  • Der hydr. Reihenstriegel arbeitet wirksamer als die herkömmliche Striegeltechnik und entfernt die Beikräuter aus dem Reihenbereich, allerdings auch Erde, die in einem später folgenden Häufelgang wieder zurückgeschoben werden muss. Er ist auch im Dammanbau einsetzbar, die möglichen Reihenabstände sind allerdings nach unten begrenzt (45 cm). Die Anschaffungskosten sind vergleichsweise hoch (3-reihig 7900 Euro).
  • Der Rotorstriegel arbeitet ebenfalls intensiver als der herkömmliche Striegel und ist durch die kreisende Arbeitsweise unabhängig von Reihenabstand und –anzahl, jedoch ist, wie auch beim Reihenstriegel, die Beschädigung der oberirdischen Pflanzenteile etwas stärker. Der Preis liegt bei 4200 Euro.
  • Weitere Möglichkeiten den Reihenbereich maschinell zu bearbeiten sind Netzegge, Querstriegel, Torsionshacke, Oktopus-Kombihacke, Akrobathacke, Pneumat und andere Gebläsemaschinen. Ebenso wie bei den untersuchten Verfahren ist auch hier ein Vorsprung der Kulturpflanzen Voraussetzung.

Strategien bei wichtigen Kulturen

  • Möhren: Abflammen im Vorauflauf – Gänsefußschare mit Hohlschutzscheiben (Sicherheitsstreifen ca. 8 cm) – 1 genauer Handjätgang oder 2 Schnelljätgänge mit oder ohne Liegeeinrichtung – Flachhäufeln ab ca. 10 cm Kulturpflanzenhöhe. Damit dürfte die Bearbeitung im Reihenbereich beendet sein, da dort der Bestand bald schließt. Striegel- oder Fingerhackeneinsatz ist möglich, nach den gemachten Erfahrungen aber überflüssig.
  • Säzwiebeln: Abflammen im Vorauflauf – Gänsefußschare mit Hohlschutzscheiben (Sicherheitsstreifen ca. 8 cm) – 1 genauer Handjätgang oder 2 Schnelljätgänge mit oder ohne Liegeeinrichtung – Flachhäufeln ab ca. 10 cm Kulturpflanzenhöhe – Striegel- oder Fingerhackeneinsatz im nächsten Hackgang – bei Bedarf abschließendes Flachhäufeln.
  • Porree: Zuschütten der Pflanzfurchen mit Striegel oder Flachhäufeln 2-3 Wochen nach der Pflanzung – nach weiteren 2-3 Wochen versch. Striegel oder Fingerhacke – nach weiteren 2-3 Wochen abschließendes Anhäufeln mit größeren Häufelkörpern.
  • Sellerie: Flachhäufeln 2-3 Wochen nach der Pflanzung – nach weiteren 2-3 Wochen versch. Striegel und/oder Fingerhacke – nach weiteren 2-3 Wochen abschließendes Flachhäufeln.
    Bei allen Kulturen und Hackgängen wird die Intra-Reihenregulierung mit der Scharhacke oder anderen Geräten für den Zwischenreihenbereich kombiniert.

Praxisempfehlung

Flachhäufler, Fingerhacken oder Striegel verschiedener Art reduzieren den notwendigen Handhackaufwand erheblich. Säkulturen mit ihrer langsamen Jugendentwicklung erfordern zumindest einen Handjätgang. Bei den gepflanzten Kulturen Porree und Sellerie kann durch Verfahrenskombinationen von Flachhäufeln und Striegeln oder Fingerhacke die Handarbeit in vielen Fällen vollständig entfallen oder wenigstens auf eine Beseitigung der Restverunkrautung (10-15 Akh/ha) reduziert werden. Flachhäufler sind so kostengünstig und wirksam, dass sie in keinem Öko-Gemüsebaubetrieb fehlen sollten. Die aufwändigeren und teureren Geräte zeigen bei optimalen Bedingungen geringfügig höhere Wirkungsgrade, dürften jedoch erst ab gewissen Flächengrößen wirtschaftlich sein.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Ökologischer Gemüsebau