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Kürbis: Renaissance einer Kultur

Seit über 10 Jahren erleben wir die Renaissance einer Kultur, die zuvor vielen nur aus Kindertagen vertraut ist. Kürbisausstellungen locken Tausende von Besuchern; nahezu an jeder Haustüre erinnern die dekorativen Früchte im Herbst an das Erntedankfest.

Kürbisse sind pflegeleicht

Kürbisfeld in Bamberg

Riesig groß oder zierlich klein, glatt oder warzig, rund oder länglich, gelb, orange, grün oder weiß: Es ist besonders spannend, die Kürbisse im Herbst selbst heranreifen zu sehen. Liebhaber der gewichtigen Früchte finden Platz auch im kleinsten Garten. Kürbisranken breiten sich als pflegeleichte Kultur nicht nur über Gemüsebeete aus, sie ranken an Zäunen, Pergolen oder einfach an drei zeltartig aufgestellten Bohnenstangen nach oben oder hängen über Mauern und Terrassenbrüstungen nach unten. Sie sind Blickfang und dienen zugleich als Sichtschutz. Sorten mit kleinen Früchten gedeihen sogar in Kübeln auf dem Balkon.

Kürbis in jedem Garten – Kürbisse sind "in" (Kulturanleitung)  PDF-Dokument

Kürbisse aus drei Sortengruppen

Besonders zuverlässig und robust sind die Sorten aus der Gruppe der Gartenkürbisse (Cucurbita pepo). Dazu gehören die meisten Speise- und Zierkürbisse, einschließlich Zucchini. Ebenso gedeihen die Riesenkürbisse (C. maxima) mit dem bekannten 'Gelben Zentner' in jedem humosen Gartenboden.

Einen hohen Wärmeanspruch haben die vor allem im Feinschmeckerland Frankreich beliebten Moschuskürbisse (C. moschata), wie zum Beispiel 'Muscat de Provence' oder 'Rouge vif dÈtampes'. Sie sollten besonders sorgfältig angezogen und nur an voll sonnigem Standort mit Wärmeschutz bis Juni (Vliesabdeckung) ausgepflanzt werden. Ihre Blüten sind kleiner als die der beiden anderen Gruppen und cremegelb gefärbt.

Worin unterscheiden sich nun Speise- und Zierkürbisse?

Trombolino d'Albenga

Viele Wildformen enthalten Bitterstoffe, die Cucurbitacine. Gurken aus dem eigenen Garten mussten noch vor zwei Jahrzehnten erst mit einem kleinen Bissen auf Genießbarkeit getestet werden. Diese Bitterstoffe schmecken nicht nur unangenehm, sondern sind auch gesundheitsschädlich. Sie können Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen, bei empfindlichen Menschen Kreislaufzusammenbrüche.

Durch die Züchtungsarbeit sind Gurken heute weitestgehend bitterstofffrei. Kürbis wird züchterisch weit weniger bearbeitet und bei Zierformen spielt der Bitterstoffgehalt keine Rolle. So sind manche Zierformen bitterstofffrei, manche nicht.

Zieht man selbst Kürbissaatgut im eigenen Garten nach, so kann es passieren, dass sich Blüten von Speisesorten mit Pollen aus der Umgebung bestäuben und im kommenden Jahr die Pflanzen bittere Früchte hervorbringen. Zu Ängsten besteht jedoch kein Anlass, jede Frucht kann vor der Verwertung leicht getestet werden. Zerkauen Sie einen kleinen Bissen und spucken ihn einfach aus, wenn Sie Bitterkeit feststellen.

Kurzvorstellung verschiedener Kürbis-Sorten  PDF-Dokument (mit Bildern)

Wirkstoffe

Das Fruchtfleisch ist außerordentlich reich an Wasser und Ballaststoffen und wirkt verdauungsfördernd. Dabei werden Toxine (Gifte) ebenso gebunden und ausgeschieden wie Gallenstoffe und Fettsubstanzen. Enzyme im Nahrungsbrei entlasten die Bauchspeicheldrüse, die weniger Lipasen (fettspaltende Enzyme) bereitstellen muss.

Der Kürbissaft ist der beste Gemüsetrank: Alle Vitamine und Mineralien wie Kupfer, Eisen, Magnesium oder Kalium sind optimal aufeinander abgestimmt – in einem für den Stoffwechsel hervorragenden physiologischen Verhältnis. Kürbis wirkt ausschwemmend, wasserregulierend und abspeckend. Die gelbe Farbe stammt von den Karotinen, der Lieblingsspeise des Immunsystems.

Heilen mit Kürbis: Kürbis ist Arzneipflanze des Jahres 2005

Der Verzehr von Kürbissen, kürbisenthaltenden Produkten bzw. aus Kürbissen bestehenden Produkten

  • fördert die Verdauung und entgiftet den Darm
  • senkt den Blutfettspiegel, entlastet die Bauchspeicheldrüse
  • hilft beim Abbau von Speckpolstern
  • wirkt harntreibend, hilft bei Nieren- und Prostataleiden
  • kräftigt das Immunsystem
  • stärkt die Schutzhülle der Nerven, wirkt so beruhigend
  • versorgt den Körper mit Vitamin A
Ölkürbis Herakles

Die Kürbissaison beginnt Anfang August und endet etwa im Februar. Ganze Kürbisse können (kühl und trocken, kein Frost!) bis zu vier Monate gelagert werden. Teilstücke halten im Kühlschrank etwa eine Woche.

Geschmacklich sehr wertvolle Speisekürbisse sind z.B. Hokkaido, Butternut und Muskatkürbis.

Blättern Sie durch einen Saatgutkatalog. Sie finden eine große Zahl schöner und schmackhafter Kürbissorten für den Anbau im Hausgarten. Die Sorten, die hier ausgewählt wurden, haben alle einen hohen Stellenwert als schmackhafte Speisekürbisse oder eignen sich – wie der Ölkürbis - zur Verwertung der Kürbiskerne. Gerade die kleineren, leuchtend orangefarbenen Hokkaido-Kürbisse werden aber auch häufig zur Dekoration eingesetzt.

Rezepte zur Kürbiszubereitung  PDF-Dokument

Die verwendeten Bilder wurden vorn Herrn Wilhelm Schubert erstellt.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Abteilung Gartenbau, Sachgebiet ökologischer Gemüsebau