Veranstaltungsbericht
Ökogemüsebautag 2017 - Die Ökofamilie zu Gast in Bamberg

Öko-Gemüsebautag im Fokus: Bodenfruchtbarkeit
Passion & Leidenschaft – diese Attribute eint alle Bio-Gemüsebauern gleichermaßen. Denn der Öko-Anbau erfordert viel Wissen, um die Natur zu verstehen und mit dieser auch im Einklang zu sein. Rund 120 Bio-Gemüsebauern und Bio-Interessierte aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Österreich und der Schweiz waren der Einladung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) zum diesjährigen Ökogemüsebautag am 04.07.2017 nach Bamberg gefolgt. Neben praxisorientierten Vorträgen stand die Präsentation aktueller Forschungsprojekte im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Als Schwerpunkt wurde in diesem Jahr die Bodenfruchtbarkeit gewählt – und das nicht ohne Grund. „Der Boden ist und bleibt die Grundvoraussetzung des menschlichen Lebens. So kommen rund 90 % der Nahrung von den Ackerflächen weltweit“, machte Dr. Hermann Kolesch, Präsident der LWG, in seiner Begrüßung deutlich. Gleichzeitig geht jedoch jährlich, beispielsweise durch Erosion, eine Bodenfläche im Größenverhältnis von rund 14.000 Fußballfeldern unwiderruflich verloren. Umso wichtiger ist es, einen aktiven Bodenschutz zu betreiben und die Fruchtbarkeit des „braunen Goldes“ langfristig zu erhalten.

Bodenanalyse – die Unstimmigkeiten der Bodenflüsterer

Der Anbau im Boden ist der zentralste Bestandteil des ökologischen Gemüsebaus. Umso wichtiger ist es, dass man als Gemüsebaubetrieb auch die Bedürfnisse seines Bodens kennt. Denn nur wenn die Rahmenbedingungen im Boden, wie beispielsweise der pH-Wert und die Gehalte an Haupt- und Spurennährstoffen stimmen, kann auch das Gemüse im Anbau gesund und erfolgreich sprießen. Daher ist die regelmäßige Auswertung von Bodenproben in zertifizierten Labors unerlässlich – im Öko-Anbau sogar alle vier Jahre Pflicht. Doch kommen „die Bodenflüsterer“ dabei immer zu einem gleichen Ergebnis? Und wie unterscheiden sich die ausgesprochenen Düngeempfehlungen voneinander?
Um dies herauszufinden, wurden von einer Testfläche am Versuchsbetrieb Bamberg Bodenproben in vier unterschiedlichen Laboren untersucht, zwei davon nach Düngeverordnung anerkannt. Anschließend wurden die Ergebnisse verglichen und ausgewertet. „Grundsätzlich ist es schwierig, verschiedene Werte aus verschiedenen Verfahren aussagekräftig miteinander zu vergleichen“, so Dr. Dominik Christophel (Geobüro Velburg) während der Ergebnispräsentation.
Den in den einzelnen Verfahren ermittelten Messwerten folgten dann auch unterschiedliche Düngeempfehlungen. Diese auf dem Feld zu überprüfen wird Aufgabe des kommenden Jahres sein. „Die Analyse und die ausgesprochene Düngeempfehlung können nur so gut sein, wie die Bodenprobe“, machte Christophel deutlich und gab Tipps, um Fehler bei der Probennahme zu vermeiden.

Heute schon die Regenwürmer gezählt?

Warum geht die Bodenfruchtbarkeit zurück? Eine Antwort auf diese Frage liefert laut Johannes Storch (Bio-Gemüsehof Dickendorf) ein Blick in die Natur. Denn anders als bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen sind die Böden im Wald oder auf der Wiese durchgängig bewachsen und bedeckt. „Wäre dies nicht gegeben, würden die Böden austrocknen und eine regelrechte Wüste vorherrschen“, so Storch. Am Bio-Gemüsehof Dickendorf wird daher konsequent mit Mulch gearbeitet und die Anbauflächen mit frisch abgehäckseltem Grünmaterial von Zwischenfrüchten oder Silage abgedeckt. Der Mulch fungiert dabei nicht nur als natürlicher Nährstofflieferant, wie u.a. für Stickstoff, Phosphor und Kalium, sondern auch als „Türsteher“ für das Wasser. So sorgt die Schicht bei Regen dafür, dass das Wasser genau dort gehalten, wo es auch benötigt wird. Denn die barrierartige Struktur bremst den Regen nicht nur ab und fängt das Wasser ein, sondern vermeidet auch ein Abfließen.
Auf der anderen Seite dient der Mulch als Verdunstungsschutz, d.h. einmal ins Erdreich gelangte Wasser bleibt auch langfristig dort, wo es gebraucht wird, nämlich an den Wurzeln der Pflanzen. Dadurch kann der Boden auch ohne künstliche Bewässerung bei Trockenperioden feucht und locker gehalten werden. Das freut nicht nur die angebauten Kulturen, sondern auch den Regenwurm.
So wurde bei einem Vergleich in der gemulchten Ackerfläche ein deutlich höherer Regenwurmbestand gefunden als in der nicht bedeckten Fläche. Als Indikator für die Bodenfruchtbarkeit leistet der Regenwurm schwerste Pionierarbeit unter Tage. So tragen die Würmer nicht nur zur Humusbildung bei, sondern Durchlüften den Boden und steigern die Fähigkeit, Wasser im Erdreich besser zu halten.
An verschiedenen Infopunkten auf dem Gelände des Bamberger Versuchsbetriebes konnten sich die Teilnehmer zudem bei einer Führung im Freiland und in den Gewächshäusern über aktuelle Forschungsthemen, wie beispielsweise die ökologische Beikrautregulierung mit modernster Kamera- und GPS-Technologie oder dem Nachbau von Erdbeeren auf bodenmüden Standorten, informieren.
Jetzt schon notieren:
Der nächste Ökogemüsebautag der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau findet im Juli 2018 statt.