Ja ist denn schon wieder Weihnachten?
Ökologische Weihnachtsbaumkultur

Ein kleiner Weihnachtsbaum auf der Plantage umgeben und bedeckt mit Schnee

Ökologisch produziertes Obst und Gemüse gehören nicht nur zum Standardsortiment in den deutschen Supermärkten - sie sind vielmehr der Renner in der Frischeabteilung. Doch wie sieht es mit nachhaltig produzierten Weihnachtsbäumen aus? Derzeit eher trüb, denn bislang werden nur wenige Weihnachtsbaumplantagen nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet und das, obwohl die Nachfrage danach stetig steigt. Um ein Signal in Richtung Nachhaltigkeit zu setzten, hat die Öko-Akademie Bamberg in Kooperation mit dem Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau dieses Thema zum ersten Mal im Zuge eines Seminars behandelt. Rund 50 interessierte Anbauer aus ganz Bayern, den umliegenden Bundesländern und Österreich informierten sich im Februar über die Möglichkeiten der ökologischen Bewirtschaftung von Weihnachtsbaumkulturen.

Erfolgreich durch die Umstellung

Bevor ein Weihnachtsbaum das Bio-Siegel tragen darf, muss er eine Umstellungszeit von drei Jahren durchlaufen. Franziska Blind (ÖKOmene Bayern) und Martin Reinold (Naturland e.V.) sind absolute Spezialisten auf diesen Gebiet und erteilten den Teilnehmern wichtige Tipps und Ratschläge für die Umstellung auf den ökologischen Landbau. So müssen die zukünftigen Öko-Bauern beispielsweise darauf achten, dass die Weihnachtsbaumsetzlinge aus einer Bio-Baumschule stammen. Klingt in der Theorie einfacher, als es in der Praxis ist, denn Bio-Setzlinge sind nur sehr schwer in hoher Qualität zu finden. Daher dürfen die Anbauer im Notfall auch auf konventionell vermehrte Jungpflanzen zurückgreifen.

Vorbeugen ist besser als Heilen

Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger ist der Grund-gedanke des Öko-Landbaus. Günter Marx bewirtschaftet im Spessart eine Weihnachtsbaumfläche von 30 ha und ist seit 2013 Mitglied beim Anbauverband Biokreis. In Sachen Pflanzenschutz verfolgt er eine andere Strategie als seine konventionellen Kollegen und handelt nach dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Seitdem er auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet, versucht er seine Bäume mit Pflanzenstärkungsmitteln und effektiven Mikroorganismen widerstandsfähiger gegen Schaderreger zu machen – mit Erfolg!

Ulrich Resele vom Gut Mergenthau ist leidenschaftlicher Land- und Forstwirt und war zugleich der Gastgeber des Seminars. Bei der Bewirtschaftung seiner Weihnachtsbaumplantagen legt er viel Wert auf blühende Untersaaten (bspw. Weißklee). Diese fördern nicht nur die Nützlinge, sondern liefern auch Futter für die hofeigenen Bienenvölker.

Der faire Weihnachtsbaum

Nahezu alle Weihnachtbaumsetzlinge haben ihren Ursprung in Georgien. Von dort stammt nämlich ein Großteil der Tannensamen, die für die Jungpflanzenanzucht benötigt werden. Die Arbeiter steigen für die Ernte der Zapfen meist komplett ungesichert in die bis zu 40 m hohe Tannen. Um diesen gefährlichen Trend entgegenzuwirken setzt sich die Initiative Fair Trees, die von Forstwirt und Baumpfleger Michael Kraus vorgestellt wurden, seit einigen Jahren vor Ort für mehr Arbeitssicherheit ein. Eine wichtige Maßnahme stellen dabei Schulungen dar, die den Arbeitern das Klettern mit Gurten näher bringen soll. Daher beim Weihnachtsbaumkauf genau hinschauen: So sind fair produzierte Weihnachtsbäume an dem Fair Trees-Siegel zu erkennen.