Überraschend anders!
Kartoffelvielfalt in Bayerns Böden!

Aufgeschnittene Kartoffeln unterschiedlich gefärbt in Kreisfom gelegt

Ananas, Avocado, Erdbeeren, Erdnüsse, Kakaofrucht, Mais, Tabakblätter, Tomaten, Paprika aber auch Kartoffeln: Nur ein Auszug aus der ganz besonderen Einkaufsliste von Christopher Kolumbus.

Der italienische Seefahrer legte mit seiner Entdeckung nicht nur die Grundlage für die dauerhafte Kolonisierung der „Neuen Welt“, sondern bereicherte mit seinen Mitbringseln auch die europäische Lebensmittelpalette. Dass die Kartoffelpflanze bei der Überfahrt nicht seekrank geworden ist, zeigt die Erfolgsgeschichte des Erdtrüffels. Die Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse fühlt sich auch im bayerischen Boden und unter dem weiß-blauen Himmel wohl und wächst und gedeiht in zahlreichen Varianten. Die Experten am Gemüsebauversuchsbetrieb der LWG in Bamberg beschäftigen sich seit 2017 mit den verschiedenen Kartoffelsorten und prüft diese auch auf ihre Anbaueignung für den Ökolandbau.

Ganz besonderer Erdtrüffel

Ob als Semmel, Püree, Pommes oder Reibekuchen – gebraten, gehobelt, zerdrückt oder frittiert: Die Kartoffel ist von den deutschen Tellern nicht mehr wegzudenken und ist dabei nicht nur irgendein Lebensmittel. „Rund 380 Millionen Tonnen Kartoffeln werden jährlich weltweit auf fast 20 Millionen Hektar, was in etwa der Größe von Großbritannien entspricht, geerntet und machen den Erdapfel damit zu einem der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt“, so Tino Hedrich, Versuchsingenieur am Gemüsebauversuchsbetrieb in Bamberg. Alleine in Bayern wird die Knolle auf rund 40.000 Hektar angebaut. Doch die Kartoffel, deren Name sich von „tartufolo“, also der italienischen Bezeichnung für Trüffel ableitet, ist nicht nur eine Gaumenfreude: Sie kommt auch als Futtermittel zum Einsatz und die gewonnene Stärke findet in der Textil- und Papierindustrie Anwendung.

Diversity: Vielfalt in der Pommestüte

Eine hellbraune, hauchdünne Schale mit einem saftigen gelben Fleisch: Doch müssen beispielsweise Pommes denn immer nur goldgelb sein? Nein! So fällt die Sorte „Blauer Schwede“, die übrigens 2008 zur Kartoffel des Jahres gekürt wurde, bereits auf dem Feld durch blaue Blüten auf. Als blauschalige und blaufleischige Knolle ist die Kartoffel aber auch auf dem Teller eine echte Augenweite. Für noch mehr Abwechslung sorgt die „Rote Emmalie“ (Kartoffel des Jahres 2018), die eine tiefrote Schale und ein rosarotes Fleisch ausbildet. „Die langovale Knolle ist festkochend und daher sehr vielseitig verwendbar, sowohl für Püree wie auch für Salat“, so Hedrich. Rund 5.000 verschiedenen Kartoffelsorten gibt es weltweit, die sich nicht nur in Form und Farbgebung, sondern auch im Geschmack unterscheiden.

Kartoffel kann Bio!

„Der Umfang der subterritorialen Knollengewächse steht in reziprokem Verhältnis zum Intellekt des Agrarökonoms“, oder umgangssprachlich ausgedrückt „Der dümmste Bauer erntet die größten Kartoffeln“. Zwar gehört wirklich eine Prise Glück zum Ernte-Erfolgsrezept, doch der Erfolg ist nicht alleine eine Sache des Glücks. „Neben der Witterung haben vor allem Boden und Nährstoffversorgung einen entscheidenden Einfluss auf Erntequantität und -qualität“, so Tino Hedrich. Auch fühlen sich bestimmte Sorten nicht an jedem Standort gleich wohl. Außerdem haben sie mit den unterschiedlichsten Herausforderungen, wie beispielsweise Krankheiten und Schädlingen, zu kämpfen. “Für den Bio-Anbau ist die Widerstandsfähigkeit einer Sorte von großer Bedeutung, denn chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu“, so Hedrich. Die seit 2017 laufende Versuchsreihe soll daher zeigen, wie mit neuen Sorten Widerstandsfähigkeit und Ertrag in Einklang gebracht werden können.

Heimspiel für das „Bamberger Hörnla“

Eine Sorte darf am Bamberger Versuchsbetrieb natürlich nicht fehlen: Das Bamberger Hörnchen, umgangssprachlich „Bamberga Hörnla“ genannt, das seinen Namen seiner außergewöhnlich länglichen Form zu verdanken hat. Die Sorte ist dabei nicht nur in und um das „Fränkische Rom“ bei den Verbrauchern beliebt, sondern schmeckt auch den Kartoffelkäfern besonders gut. „Hier geht es darum, diese Bamberger Regionalsorte mit anderen, neueren Sorten hinsichtlich Ertrag zu vergleichen“, betont Hedrich. Auch eine „blaue Version“ der Bamberger Lokalsorte gibt es, über die der Kartoffel-Experte bei seiner Bestellung für die Versuchsreihe eher zufällig gestolpert ist. „Es freut mich sehr, dass die einst vom Aussterben bedrohte Sorte mittlerweile wieder einen festen Bestand hat“, so Hedrich. Dabei setzten sich v. a. lokale Kleingärtner in den letzten Jahren für den Anbau der traditionsreichen Kartoffel ein. Das „Bamberger Hörnla“ ist aber nicht nur eine kultige und traditionsreiche Knolle, sondern auch ein wertvolles Lebensmittel. Denn Kartoffeln liefern Stärke, Ballaststoffe aber auch Vitamine, Eiweiß und Mineralstoffe.
Kartoffelernte aus der Kiste: hier 'Bamberger Hörnchen'
Den Zeitpunkt der Kartoffelernte richtig wählen
Wann die Kartoffel reif ist und geerntet werden kann, hängt von der jeweiligen Sorte ab. Die ersten Knollen, wie die Sorten 'Solist' und 'Anuschka', können bei Bedarf schon jetzt geerntet werden. Wer größere Knollen bevorzugt, muss noch bis Ende August warten. Dann stirbt nämlich nach und nach das Kartoffelkraut ab. Nachdem das oberirdisch gewachsene Kraut vollständig abgestorben ist, sollte jedoch noch 1-2 Wochen mit der Ernte gewartet werden: Denn erst dann sind die Kartoffeln richtig schalenfest und lassen sich gut bei optimalen Bedingungen, beispielsweise in einem kühlen und trockenen Gewölbekeller, den ganzen Winter über lagern.