Veranstaltungsbericht
Neue Gemüsekulturen rücken in den Fokus

Andreas Schmitt bei seinem Vortrag vor den sitzenden Besuchern

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die bayerischen Gärtner stets auf der Suche nach innovativen Ideen für ihre Betriebe sind. Besonders eindrücklich zeigte sich dieser Trend bei der Süßkartoffel, die seit einigen Jahren auch in Deutschland angebaut wird.

Aus diesem Grund wurde das Thema innovative Gemüsekulturen auch beim diesjährigen Öko-Gemüsebautag am 03.07.2018 an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Versuchsbetrieb Bamberg aufgegriffen. Dabei konnten sich die 120 Teilnehmer bei einer Vortragsreihe am Vormittag über den Anbau von Freilandwassermelonen, Edamame (Gemüsesoja), Ingwer und Wildkräuter für Salatmischungen informieren. Der Nachmittag stand für Führungen durch die aktuellen Gemüsebauversuche der LWG zur Verfügung.

Ingwer aus regionalem Anbau

Im vergangenen Jahre wurden erstmals Erfahrungen mit Ingwer im geheizten Gewächshaus am Versuchsbetrieb Bamberg gesammelt, aber auch in diesem Jahr hat die Kultur wieder einen festen Stellenwert im Bamberger Versuchsprogramm. In zwei Exaktversuche soll der optimale Pflanzabstand ermittelt und der Anbau im ungeheizten Folientunnel erprobt werden.
Am Gemüsebautag informierte Birgit Rascher (LWG Bamberg) die Teilnehmer über ihre bisherigen Ergebnisse.
Für die Jungpflanzenanzucht wurde auf Konsumware zurückgegriffen, die in ca. 35 g schwere Stücke geschnitten und anschließend eine dünne Substratschicht eingelegt wurden. Wichtig ist, dass jedes Stück zwei ruhende Augen besitzt, an denen es austreiben kann. Nach zwei Monaten in der Anzucht konnten die ersten Jungpflanzen wurzelnackt in den Gewächshausboden umgepflanzt werden. Während der Kulturzeit muss auf eine ausreichend hohe Luftfeuchte geachtet werden, da es sonst zu Wuchsdepressionen kommt. Im ersten Kulturjahr konnte ein Ertrag von rund 1 kg pro Pflanze erzielt werden. Insbesondere für Gewächshausbetriebe könnte der Ingwer eine interessante Abwechslung sein, da dadurch einseitige Fruchtfolgen aufgelockert werden können. Zudem ist die Kultur deutlich pflegeleichte als das klassische Fruchtgemüse.

Sommerportulak, Spitzwegerich und Löwenzahn

Wildkräuter wie Girsch oder Brennnesseln rücken zunehmend wegen ihrem hohen Vitamin C-Gehalte in den Fokus. Vereinzelt bieten Marktgärtner bereits Wildkräutermischungen für die Zubereitung von Salaten oder Smoothies an. Die Ware stammt allerdings nicht selten aus Wildsammlung, dabei können Wildkräuter auch ganz gezielt auf dem Acker in Kultur genommen werden. Birgit Rasch probiert in diesem Jahr Sommerportulak, Spitzwegerich und Löwenzahn auf den Bamberger Versuchsflächen aus. Dabei überzeugten ertraglich insbesondere der direktgesäte Portulak und der vorgezogene Spitzwegerich. Beim Löwenzahn konnte hingegen nur wenig marktfähige Ware geerntet werden.

Wassermelonen aus dem Freiland

Für einen Erfahrungsbericht zum Anbau von Mini-Wassermelonen im Freiland wurde Doris Lengauer von der Versuchsstation Wies in der Steiermark eingeladen. Beim Anbau spielt die Wahl der richtigen Sorte eine entscheidende Rolle, denn aufgrund der klimatischen Gegebenheiten reicht bei uns nur für schnellreifende Sorten die Kulturzeit aus. In einem Sortenversuch sind insbesondere die Sorten 'Premium' F1 und 'Sugar Baby' positiv aufgefallen. Wichtig ist, dass die Früchte zur Badesaison reif werden, da zu dieser Zeit Melonen bei den Kunden besonders beliebt sind. Einen entsprechenden Erntebeginn erreicht man allerdings nur durch eine frühe Pflanzung in Kombination mit einer Vliesabdeckung. Spätestens ab Blühbeginn muss das Vlies aber wieder runter, damit die Bienen die Blüten bestäuben können.

Edamame: Eine japanische Spezialität

Fabian von Beesten ist ein absoluter Sojaspezialist und hat es sich zur Aufgabe gemacht Edamame in Deutschland zu etablieren. Dabei handelt es sich um grün geerntete Sojabohnen, die insbesondere in der japanischen Küche gerne Verwendung finden. Auch aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts ist die Sojabohne interessant für die menschliche Ernährung. Beim Anbau sollte man allerdings den hohen Wärmbedarf der Kultur berücksichtigen. Empfohlen wird eine Aussaat ab Anfang bis Mitte Mai. Das Saatgut muss jedoch vor der Saat mit speziellen Rhizobienstämmen beimpft werden, da diese in der Regel in unseren Böden nicht vorhanden sind. Eine Ernte lässt sich relativ einfach mit einem Buschbohnenvollernter realisieren. Die Schaderreger der Sojabohne sind laut Fabian von Beesten überschaubar. Lediglich Sclerotinia und der sogenannte Distelfalter können für Schwierigkeiten im Anbau sorgen.
In der Reihe gepflanzter Ingwer im Gewächshaus mit einem Srühnebel

Ingwer

Portulakpflanzen auf einer Versuchsfläche im Freiland

Portulak

Wassermelonen auf einer Versuchsfläche im Freiland

Wassermelonen

Eine Kiste voller Sojabohnen am Stiel

Edamame

Verschiedene Sojabohnen in einem Kistenkoffer aus Holz auf den Tisch

Sojabohnen

Bamberger Versuche

Bei dem Rundgang durch die gemüsebaulichen Versuche wurde unter anderem ein Rhabarberversuch vorgestellt, bei dem verschiedene Sorten auf ihren Oxalsäuregehalt nach dem bekannten Stichtag untersucht werden. Zudem stand ein Knoblauchsortenversuch für eine Besichtigung zur Verfügung. In einem Versuch von vor zwei Jahren überzeugt insbesondere die französische Knoblauchsorte 'Therador'. Auch in diesem Wiederholungsversuch wurde 'Therador' aufgepflanzt und das Sortiment durch weitere interessante französische Sorten erweitert. Aber auch die Süßkartoffel wird 2018 in Bamberg weiter bearbeitet.
Dieses Jahr werden verschiedene Jungpflanzenqualitäten sowie unbewurzelte Stecklinge, die wesentlich günstiger und einfacher zu produzieren sind, getestet. Gemäß den bisherigen Beobachtungen wachsen unbewurzelte Stecklinge mit drei Nodien deutlich besser an als Stecklinge mit zwei Nodien. Von der Entwicklung haben die stark bewurzelte eigene Jungpflanze sowie die israelische Zukaufware einen deutlichen Vorsprung. Alle Versuchsergebnisse können ab Dezember auf Hortigate oder der Internetseite der LWG abgerufen werden.