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Neues Pflanzverfahren sichert gesunde Zwiebelernte
Ein neues Anbauverfahren verspricht, zahlreiche Probleme im Zwiebelanbau auf elegante Weise zu umgehen. Wie Salat und viele andere Gemüsearten lassen sich auch Zwiebeln in Presstöpfen anziehen und dann wie gewohnt mit der Pflanzmaschine aufs Feld auspflanzen. In der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wurde das von Praktikern und Beratern entwickelte Verfahren seit mehreren Jahren erprobt.
Gesundes Wachstum der Pflanzzwiebeln im Juni
Mehrere Betriebe haben bereits Erfahrungen mit der neuen Methode. Thema eines Forschungsprojektes von Bioland Bayern, gefördert mit Mitteln aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau, war die Optimierung unter anderem von Pflanzdichten und Topfgrößen.
Bisher hatte der Zwiebelanbauer zwei Möglichkeiten: Entweder er sät seine Zwiebeln aufs Feld oder er kauft Steckzwiebeln zu. Beide Verfahren können gut gelingen, beide sind aber auch mit hohen Risiken verbunden.
Risiken bei der Kultur von Säzwiebeln
Bei ungünstigem Witterungsverlauf, vor allem wenn keine Beregnung zur Verfügung steht, kommt es bei Säzwiebeln in manchen Jahren zu Bodenverkrustungen und lückenhaftem Feldaufgang. Durch die lange Keimzeit und langsame Jugendentwicklung verunkrauten viele Flächen. Bei der ohnehin gegenüber Steckzwiebeln späteren Abreife kommt es manchmal zu Verzögerungen durch zu dicke Hälse.
Probleme beim Anbau von Steckzwiebeln
Leider sind die Steckzwiebelherkünfte in den letzten Jahren zunehmend befallen von Fusarien und Falschem Mehltau. Eine Warmwasserbehandlung ist aufwändig und schafft nur bedingt Abhilfe. Schon immer war zudem für manche Betriebe, vor allem bei Direktabsatz, die eingeschränkte Sortenwahl ein Problem.
Wer Zwiebeln mit dem neuen Verfahren pflanzen will, braucht lediglich eine Pflanzmaschine. Er hat die volle Sortenwahl (alle schossfesten Säzwiebeln eignen sich), einen lückenlosen Bestand, spart einen Großteil der bei Säzwiebeln nötigen Handhack-Durchgänge und kann ein bis zwei Wochen nach den Steckzwiebeln ernten.
Alfred Schaller (Bioland Bayern) berichtete im Rahmen des Öko-Gemüsebautages der LWG in Bamberg von zweijährigen Erfahrungen in fünf bayerischen Betrieben mit den Sorten 'Hystar' und der etwas früheren 'Summit', die sich beide gleich gut bewährten.
Gepflanzt werden sollte in der 13. bis 15. KW.
Der Pflanzabstand hatte innerhalb weiter Grenzen keinen Einfluss auf den Gesamtertrag, aber einen signifikanten Einfluss auf die Sortierung.
Die Ertragshöhe nahm ab einer Bestandesdichte von ca. 70 Pfl./m² nicht mehr zu. Lediglich die Größensortierung änderte sich durch eine weitere Erhöhung der Bestandesdichte.
Der 4er Erdpresstopf bringt gegenüber dem 3,5er Erdpresstopf keine Vorteile, die Tendenz geht zu noch kleineren Erdvolumen, zum Beispiel Speedies. Je kleiner die Zopfgröße, umso kürzer sollten die frisch gelieferten Jungpflanzen vor dem Auspflanzen lagern.
Bis zu einer Anzahl von 8 Pflanzen pro Topf entwickelt sich die Zwiebelform und -größe gut, sechs bis sieben Pflanzen je Topf scheinen optimal zu sein.
Ein Reihenabstand von 30 oder 50 cm ist gleichermaßen möglich, er beeinflusst den Ertrag oder die Sortierung nicht, ebenso wenig den Befall durch Falschen Mehltau.
Der Gesamtertrag lag im Bereich der Steckzwiebeln, diese neigten vergleichsweise stärker zu dicken Hälsen, die Qualität (Schale) war schlechter. Der Säzwiebelertrag war geringer, vor allem im Jahr 2004.
Der Aufwand für die Unkrautregulierung lag mit rund 50 Stunden je ha auf dem Niveau von Steckzwiebelanbau.
Unterschiedliche Düngermengen zeigten sich zwar in der Laubfarbe nicht aber im Ertrag. Anzustreben ist ein Niveau von 100 kg N im Boden.
Wichtig bleibt die Einhaltung eines mehrjährigen Anbauabstandes, weil Fusarium nicht nur über Steckzwiebel, sondern auch über den Boden übertragen werden kann, vor allem bei stauender Nässe.
So werden die Jungpflanzen geliefert.
Uli Natterer vom Bioland-Jungpflanzenbetrieb Gudrun und Uli Natterer in Vaihingen/Enz war als innovativer Unternehmer von Anfang an beteiligt an der Entwicklung des neuen Verfahrens. Er berichtete von seinen Bemühungen, das neue Produkt, das zu einer Zeit anfällt, wenn die Häuser voll sind, zu integrieren. Kostenvorteile sieht er bei Speedies. Sie müssen gut durchwurzelt sein und lassen sich dann auch besonders rationell pflanzen. Der Gärtner auf der Pflanzmaschine kann mit einem Griff immer gleich ein ganzes Bündel am Schopf packen und so der Palette entnehmen. Allerdings scheint es wichtig zu sein, dass der Speedy nach der optimalen Versorgung im Jungpflanzenbetrieb sehr schnell gepflanzt wird. Längere Lagerzeiten schwächen die Pflänzchen, was sich am Ende in Mindererträgen auswirken kann.
Über seine langjährigen Erfahrungen mit Zwiebeln berichtete Rudolf Waas vom Biolandhof Waas in Landau-Zeholfing. Die gesamte Betriebsfläche beträgt 60 ha, davon regelmäßig 12 Hektar Zwiebeln.
Gravierende Probleme vor allem mit Fusarium bei Steckzwiebeln, die deren Lagerfähigkeit beeinträchtigten, bewogen ihn schon früh, sich mit Pflanzzwiebeln zu befassen. Zusammen mit Herrn Georg Potzkai (ALF Landau a. d. Isar) machte er erste Versuche. Heute produziert er mit einem Lohner Sägerät seine Jungpflanzen selbst, pro Tag säen drei Arbeitskräften 100.000 Pflanzen aus. Gepflanzt wird am besten, wenn das zweite echte Laubblatt erscheint bis zur Entwicklung des 3. Laubblattes. Die Jungpflanzen vertragen auch mäßige Frosteinwirkung, es kommt nicht zu Schossern. Zusätzlich zum Striegeln und Hacken braucht er rund 50 Stunden Handhacke je Hektar. Die gleiche Zeit rechnet er für die Handhacke in Steckzwiebeln, wogegen in Säzwiebeln nach seiner Erfahrung 300 Stunden, also der sechsfache Zeitaufwand, erforderlich sind. Die Kosten seiner selbst erzeugten Jungpflanzen kalkuliert er mit zwei Drittel der Kosten von Steckzwiebeln. Der Gesamtertrag liegt mit 30 t je ha etwas höher als bei Steckzwiebeln, ist aber ähnlich konstant. Durch Risiken beim Auflaufen und bei der Unkrautbekämpfung kann es dagegen bei Säzwiebeln große Ertragsschwankungen geben, er erntete schon rund 40 t je ha, in anderen Jahren aber nur 10 t. Die Pflanzzwiebel gibt demnach ein Mehr an Sicherheit in der Anbauplanung und in der Vermarktung.
Rudolf Waas ist Mitglied einer niederbayerischen Liefergemeinschaft, die alle Großhändler im süddeutschen Bereich mit eigenen LKWs beliefert.
Wenn die Unkrautbekämpfung auch in Betrieben mit kontrolliertem, integrierten Anbau durch fehlende Mittelzulassungen Probleme macht, sollte das neue Verfahren auch dort in Erwägung gezogen werden.
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Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Gemüsebau, ökologischer Anbau
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