Versuch 2013: Torfreduzierte und torffreie Substrate mit organischer Nachdüngung
Euphorbia pulcherrima: Vergleich konventionelle und biologische Produktion

Versuchsfläche im Gewächshaus mit Euphorbia pulcherrima

Die umweltfreundliche Anzucht von Zierpflanzen bietet direkt und indirekt produzierenden Betrieben die Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzusetzen.

Wie bisherige Versuchsergebnisse zeigen, sind zudem auch gewisse kulturtechnische Vorteile durch den Einsatz torfreduzierter und torffreier Substrate zu erwarten. Die Erkenntnisse kamen im Rahmen des Forschungsprojekts "Nachhaltiger Zierpflanzenbau" zustande, das an der LWG von 2009 bis 2012 von Christine Hochmuth durchgeführt wurde.
In der Kultur von Bio-Zierpflanzen ist eine chemische Wuchsregulierung nicht erlaubt. Im Hinblick auf die aktuelle Zulassungssituation bei Wuchshemmstoffen werden zukünftig jedoch auch in der konventionellen Produktion alternative Methoden zur Wuchsregulierung gefragt sein. In vorhergehenden Versuchen begünstigten einige torfreduzierte Substrate ein kompaktes Pflanzenwachstum, wodurch auf den Einsatz von Wuchshemmstoffen verzichtet werden konnte.
Ein zu befürchtender erhöhter Befall durch Trauermücken bei Verwendung komposthaltiger Substrate ist ein Punkt, der Gärtner davor zurückschrecken lässt, torfreduzierte Substrate in der Produktion einzusetzen. Zu prüfen ist, mit welchen Substraten in Kombination mit biologischer Düngung marktgerechte Qualitäten produziert werden können und welche Maßnahmen in der Bio-Produktion zu ergreifen sind, die zur Kultursicherheit in der nachhaltigen Produktion von Zierpflanzen beitragen können.
  1. SP T Perl Poinsettienerde (Patzer), Nachdüngung konventionell
  2. BL Bio T Öko torffrei (Patzer), Nachdüngung konventionell
  3. BL Bio T Öko torffrei (Patzer), Nachdüngung biologisch (OPF)
  4. Tonsubstrat, torfreduziertes Substrat (Kleeschulte), Nachdüngung konventionell
  5. Tonsubstrat, torfreduziertes Substrat (Kleeschulte), Nachdüngung biologisch (OPF)
  6. SM Poinsettia, torfreduziertes Substrat (Brill), Nachdüngung konventionell
  7. SM Poinsettia, torfreduziertes Substrat (Brill), Nachdüngung biologisch (OPF
  1. Bravo Bright Red (Dümmen)
  2. Viking (Dümmen)
  3. Neva (FloriPro)
  4. Titan Red (FloriPro)
  5. Allegra (Lazzeri)
  6. Superba Red (Lazzeri)
  7. Christmas Feelings (Selecta)
  8. Christmas Beauty (Selecta)

Kulturdaten / Substrate / Düngemittel

Die nachfolgende Datei beinhaltet die Kulturdaten sowie Informationen zu den verwendeten Substraten und Düngemitteln.

Ergebnisse

Wasserführung der Substrate

Drei der vier Substrate verhielten sich bei der angewandten Anstaubewässerung bei der Wasseraufnahme unauffällig. Bioline BL Bio T Öko torffrei von Patzer zeigte eine deutlich verringerte Kapillarität und Wasserkapazität. Dadurch musste dieses lockere Substrat vor allem in den Sommer- und Herbstwochen etwa doppelt so oft bewässert werden. Die Topfballen blieben in der oberen Hälfte meist trocken. Die Pflanzen waren anfangs recht hell. Im Kulturverlauf wurde das Laub dann immer dunkler und bis zum Kulturende standen die Pflanzen optimal da. Mit folgenden Maßnahmen will Patzer dieses einzige Substrat im Test, das für den biologischen Anbau nach EU-Öko-Verordnung ausgewiesen ist, verbessern: Geändertes Bio-Netzmittel, feinere Rindenstruktur und mehr Cocopeat und Ton beimischen.

Nährstoffgehalte

Mit Ausnahme von dem Substrat BL Bio Öko torffrei von Patzer kam es bei allen Substraten zu einem deutlichen pH-Wert Abfall in beiden Nachdüngungs-Varianten. Die pH-Werte sanken nahe 5, teils auch unter 5. Am stärksten betroffen war das Substrat von Kleeschulte (pH-Wert bis 4,3). Mit drei von Ende September bis Ende Oktober durchgeführten Gießbehandlungen mit 0,2 % kohlensaurem Kalk erreichte man eine Stabilisierung des pH-Wertes, aber keine merkliche Erhöhung. Die laufende Düngung mittels Anstau mit Ferty 3 Mega in der Konzentration 0,08 % bis 0,12 % ergab in allen vier Substraten eine Anhebung der Nährstoffgehalte.
Durch zusätzliche Umsetzungsprozesse der unterschiedlichen Substratkomponenten ergab sich folgendes Bild: In der SP T Perl Poinsettienerde Patzer nahmen Salzgehalt (bis 3 bis 4 g/l) und Hauptnährstoffe stark zu. Beim löslichen N wurden bis zu 500 mg/l gemessen. In der torffreien Erde von Patzer nahm der Salzgehalt (bis 3 g/l) und Kali mit bis zu 900 mg/l stark zu. In der Brill-Erde blieb der Salzgehalt über den Kulturverlauf gleich bei maximal 2,5 g/l mit etwas erhöhten N- und K-Gehalten. Im Substrat von Kleeschulte nahmen Gesamtsalz, P und K im Kulturverlauf stark zu, zum Kulturende wieder stark ab. Der N-Gehalt zeigte sich laufend hoch bis zu 500 mg/l.
Die organische Nachdüngung mit OPF war anfangs zu niedrig konzentriert, da nur etwa 60 % der Nährstoffe pflanzenverfügbar sind. Salz- und Nährstoffgehalte nahmen nach der anfänglichen Unterversorgung rasch zu, leichte Mangelerscheinungen (Laubaufhellungen) verschwanden. Im torffreien Substrat von Patzer waren gleichbleibende Salzgehalte bis 2 g/l, durchschnittliche N- und P-Gehalte, aber eine starke Kali-Zunahme bis 700 mg/l festzustellen. Die Brill-Erde hatte leicht schwankende Salzgehalte bis 2,5 g/l, durchschnittliche P- und K- Gehalte und etwas erhöhte N-Gehalte. Beim Kleeschulte-Substrat ein etwas niedrigeres Nährstoffniveau: gleichbleibendes Salz bis 2 g/l, P und K immer niedrig, N etwas erhöht bis 300 mg/l.

Pflanzengröße und Qualität

Bei der Bewertung der Pflanzengröße können die beiden Düngungsmethoden nicht verglichen werden, da nur die Ferty-Varianten gestaucht wurden (2 x 0,1 % CCC + 0,1 % Wuxal). Die mit OPF gedüngten Parzellen wurden als biologischer Anbau nicht chemisch gehemmt. Diese ungehemmten Pflanzen waren, kaum merklich, etwa 1 bis 2 cm höher als die gehemmten. Die Pflanzen wurden in den verschiedenen Substraten fast gleich groß. In der Pflanzenhöhe gab es nur Unterschiede von bis zu 2,5 cm (Brill). Die Poinsettien in der torffreien Patzererde hatten deutlich kleinere Durchmesser (2 bis 5 cm) als in den restlichen Substraten.
Etwas mehr wirksame Seitentriebe (5,3 und 5,4) waren an den Pflanzen in Poinsettienerde Patzer und SM Poinsettia von Brill zu finden, jeweils mit Ferty gedüngt. Mit 7,6 und 7,2 erhielten die Pflanzen dieser Varianten auch deshalb die besten Qualitätsnoten (Skala 1 bis 9). Die Pflanzen der restlichen Substrat-Düngung-Varianten erreichten Noten von 6,3 bis 6,6.

Pflanzenhöhe und -Durchmesser von 8 Poinsettien-Sorten in unterschiedlichen Substraten (Nachdüngung konventionell) pdf 186 KB

Die Abbildung zeigt Euph. pulch. 'Christmas Feelings', ovl. Sorte 1 - 4, uvl. Sorte 5 – 7

Euph. pulch. 'Christmas Feelings', ovl. Sorte 1-4, uvl. Sorte 5-7

Die Abbildung zeigt Euph. pulch. kultiviert mit Substrat Bio torffrei Patzer + OPF, ovl. Sorte 1 - 4; uvl. Sorte 5 – 8

Euph. pulch. Substrat Bio torffrei Patzer+OPF, ovl. Sorte 1-4, uvl. Sorte 5-8

Die Abbildung zeigt die Wurzelballen von Euph. pulch. 'Allegra Red', ovl. Sorte 1 - 3, uvl. Sorte 4 – 7

Euph. pulch. 'Allegra Red', ovl. Sorte 1-3, uvl. Sorte 4-7

Frühzeitigkeit

Die Poinsettien der sieben verschiedenen Substrat- und Düngungskombinationen wurden mit einem Unterschied von maximal 3 Tagen verkaufsreif. Die Pflanzen in der Poinsettienerde Patzer waren am 10.11. fertig, die in der BL Bio T Öko torffrei von Patzer am 13.11., alle restlichen am 12.11. Zwischen den beiden Düngungsvarianten gab es keinen Unterschied. Die Gleichmäßigkeit der Pflanzen innerhalb der Parzellen war ebenfalls in beiden Düngungsvarianten gleich.

Wurzelbildung

Am 29.11. wurden von allen Sorten in allen Substrat-Düngungs-Varianten die Bewurzelung bewertet (Skala 1-9, 9 = sehr stark). Insgesamt wurde eine relativ schwache Wurzelbildung beobachtet. Die Pflanzen hatten, vermutlich wegen des üppigen Nährstoffangebotes, keine unnötigen Wurzeln gebildet. Die stärkste Wurzelbildung im Mittel aller Sorten (5,6 und 5,4) wurde im torffreien, recht lockeren Substrat von Patzer beobachtet (Flory bzw. OPF). Wobei hier wegen der groben Konsistenz die oberen, oft trockenen, nicht durchwurzelten Ballenbereiche beim Austopfen auseinander fielen. Noch schwach bis mittel (4,1) bewurzelt waren die Ballen beim Tonsubstrat Kleeschulte, gedüngt mit Ferty. Schwach bewurzelt waren die Varianten SP T Perl Poinsettienerde Patzer (3,6), SM Poinsettia von Brill (3,5 beide Düngungen) und Tonsubstrat Kleeschulte mit OPF (3,3).

Triebwelke, Triebbruch

Die Pflanzen wurden durch mehrmalige Substratentnahme für die Substratanalysen mehr mechanisch gestresst als in einer normalen Produktion. Trotzdem waren welkende oder abbrechende Triebe insgesamt kein großes Problem. Ein welker oder abgebrochener Trieb je 12 Pflanzen wurden bei konventioneller Nachdüngung mit Ferty 3 Mega bei SP T Perl Poinsettienerde Patzer und der SM Poinsettia von Brill notiert. Beim BL Bio T Öko torffrei von Patzer mit OPF nachgedüngt welkte bzw. brach gar nichts ab.

Trauermücken

Es ist bekannt und auch in früheren Versuchen festgestellt worden, dass sich Trauermücken bzw. Trauermückenlarven in den Substraten mit den organischen Torfersatzstoffen wohlfühlen. Deshalb waren in KW 30 und 33 Steinernema-Nematoden gegossen worden. Trotzdem waren im konventionellen Poinsettiensubstrat nur wenige, aber in den restlichen Substraten deutlich mehr Trauermückenlarven zu beobachten. Während des Versuches wurden laufend Trauermücken mittels Gelbtafeln weggefangen. Bei einer Bonitur der Wurzelballen zu Versuchsende am 9. Dezember nach abgesenkten Temperaturen in der Lagerphase wurden nur noch vereinzelt Larven beobachtet.

Sorten

Von 4 Jungpflanzenlieferanten wurden jeweils 2 rote Hauptsorten ungesteuert kultiviert. Alle acht wuchsen mittel bis stark und V-förmig. Die Brakteen waren meist groß, bei ‘Neva‘ (FloriPro) und ‘Christmas Beauty‘ (Selecta) mittelgroß. Die roten Brakteen leuchteten bei ‘Bravo Bright Red‘ (Dümmen), ‘Neva‘ (FloriPro) und ‘Christmas Beauty‘ (Selecta). Die acht Sorten erreichten mit einer maximalen Differenz von 8 Tagen die Verkaufsreife. Die schnellsten Sorten waren ‘Titan Red‘ (7.11., FloriPro) und ‘Bravo Bright Red‘ (9.11., Dümmen). Die Selecta-Sorten ‘Christmas Feelings‘ und ‘Christmas Beauty‘ (14.11.) und ‘Neva’ (15.11., FloriPro) waren am spätesten fertig.
Im Durchschnitt war die Qualität der Sorten gut (etwa Note 7 auf der Skala 1 bis 9). Die höchste Bewertung erhielt ‘Bravo Bright Red‘ (Dümmen) mit Note 7,1, die niedrigste ‘Christmas Feelings‘ von Selecta. Diese Sorte reagierte auf die in den meisten Substrat-Düngungs-Kombinationen sehr niedrigen pH-Werte am empfindlichsten teils mit Mangelerscheinungen.

Sortenbeschreibung pdf 93 KB

OPF-Düngung

Wie anfangs beschrieben, ist der organische Dünger OPF relativ schwach konzentriert (8 % N) und der organische Stickstoff nur zu etwa 60 % über die Mineralisierung pflanzenverfügbar. Deshalb muss die Düngelösung etwa viermal so hoch konzentriert werden wie bei Ferty 3 Mega. Dies funktioniert noch über die „Dosatron“-Ausbringung. Leider funktioniert bei OPF die EC Leitfähigkeitsmessung nicht, was die Kontrolle der Konzentration in den Rücklaufbecken erschwert. Die OPF-Düngung über Anstautische brachte eine teils erhebliche Geruchsbelästigung des Gewächshauspersonals mit sich. OPF war im Kanister und auch anfangs in der Lösung geruchsneutral, aber nach etwa einer Woche entstand in den Becken ein „Landluft-Duft“. Bei Bewässerungsvorgängen über Ebbe-Flut verbreitete sich im gesamten Gewächshaus ein starker teils ekeliger Geruch. In der Düngerlösung wurden viele Keime, festgestellt. Vor allem auch die abschließende Reinigung der Rücklaufbecken vom sehr unangenehm riechenden Bodensatz rief bei unseren Gärtnern keine Begeisterung hervor.

Fazit

Im vorliegenden Versuch wurden Poinsettien in einer Bio-Variante mit einem torffreien Substrat und kompletter organischer Düngung und weiteren Varianten mit torfreduzierten Substraten kultiviert. In allen Substrat-Düngungs-Kombinationen konnten ähnlich gute Qualitäten produziert werden. Die Poinsettien im recht lockeren torffreien Substrat mussten deutlich häufiger gegossen werden. Eine geänderte Zusammensetzung soll dies verbessern.
Die starke pH-Wert-Absenkung im Verlauf des Versuchs bei den meisten Varianten (auch beim Standardsubstrat mit mineralischer Nachdüngung) war außergewöhnlich, wirkte sich aber kaum negativ auf die Qualität der Pflanzen aus. Mit der organischen Nachdüngung mit OPF konnten die erforderlichen Nährstoffe nachgeliefert werden. Aber die starke Geruchsbelästigung und die aufwändige Reinigung der Düngerbecken sind kaum akzeptabel. Nach zwei Gießbehandlungen mit Steinernema-Nematoden war im Kulturverlauf nur ein unbedeutender Befall mit Trauermückenlarven festzustellen.