Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Dicliptera suberecta - der Kolibribusch
Aus der Arbeitsgruppe "Neue Zierpflanzen"
Foto links:
Dicliptera suberecta als Kübelpflanze
Aufnahme: 9.8.2004
Die Gattung Dicliptera umfasst ca. 150 Arten einjähriger, weichsprossiger oder verholzender, immergrüner Halbsträucher, Stauden oder Kletterpflanzen aus tropischen oder warm-gemäßigten Gebieten. Als einzige Art dieser Gattung wird Dicliptera suberecta, synonym auch Jacobinia suberecta oder Justicia suberecta, bereits kultiviert. Die Pflanzen stammen ursprünglich aus Uruguay. Sie bilden weichholzige, immergrüne, aufrecht bis ausladend wachsende Halbsträucher mit einer Höhe von 45 bis 60 cm und einer Breite bis 90 cm. Die schlanken, kantigen Sprosse wie auch die eiförmigen, stumpfen, 4 bis 8 cm großen Blätter sind mit samtigem, hellgrauem Filz bedeckt. Von Sommer bis in den Herbst entstehen in den Achseln und an Triebenden Büschel von zahlreichen, leuchtend orangeroten, röhrenförmigen, ca. 4 cm lange Blüten, die in schönem Kontrast zu den weichen, silbergrauen Laubblättern stehen. Dicliptera suberecta zählt zu den Favoritenpflanzen der Kolibris, was den Pflanzen den Namen Kolibribusch eingebracht hat. Weiterhin wurde die Art auch als Königskrone benamt.
Für unsere Breiten eignet sich Dicliptera suberecta als pflegeleichte Zimmerpflanze für einen sonnigen, hellen Standort oder als neue Kübelpflanze für Balkon und Terrasse mit Blüte von Ende Mai bis Ende September. Angeblich sollen die Pflanzen im Winter bei tieferen Temperaturen von -5 °C bis maximal sogar -12 °C überdauern können. Sicherer ist es jedoch, sie im warmen Wohnwintergarten oder an einem hellen Standort bei kühlen Temperaturen bis zu maximal 5 °C zu überwintern.
Kultur
Die Vermehrung erfolgt über Kopfstecklinge. Zu empfehlen sind besonders Grünstecklinge nach der Blüte ab Oktober. Unter gespannter Atmosphäre und bei Temperaturen von 20 bis 24 °C bewurzeln die Stecklinge innerhalb zwei Wochen sehr schnell und sicher in Einheitserde P. Aus diesem Grund können im Rahmen einer Kurzkultur zusammen mit anderen Beet- und Balkonpflanzen zum Aufbau buschiger Pflanzen bis Anfang Februar drei Stecklinge in einem 9- bis 10-cm-Topf direkt gesteckt werden. Ca. sechs Wochen später, nach Durchwurzelung des Topfes, werden die kleinen Pflanzen in den Endtopf (12- bis 13-cm-Topf) umgetopft. Als Substrat haben sich Einheitserde T oder ähnlich gut strukturierte Erden bewährt. Für einen buschigen Aufbau sollten die Pflanzen einmal gestutzt werden. Der Nährstoffbedarf liegt im mittleren Bereich. Dem entspricht bei einer wöchentlichen Intervalldüngung eine Konzentration von 0,2 % eines ausgewogenen Mehrnährstoffdüngers wie z.B. Flory 3 (15-10-15) oder eine – je nach Pflanzenentwicklung - 0,05 bis 0,075 %ige Bewässerungsdüngung. Für zügiges Wachstum will der Kolibribusch hell und sonnig bei einer Heiztemperatur von 16 – 18 °C kultiviert werden. Krankheiten und Schädlinge wurden bisher nicht beobachtet. Die Pflanzen gelten als sehr pflegeleicht. Staunässe kann ihnen jedoch zum Verhängnis werden. Ende Mai erscheinen die ersten leuchtend roten Blütenbüschel. Die gesamte Kulturzeit beträgt somit einschließlich der Vermehrung 4,5 bis 5 Monate.
Tabelle "Beispiel für ein Kulturschema von Dicliptera suberecta"
(44,2 KB)
Verwendung
Foto links:
Schöner Kontrast: orangerote Blütenbüschel und samtiges, silbergraues Laub
Aufnahme: 9.8.2004
Besonders schön wirkt der Kolibristrauch als Kübelpflanze. In Veitshöchheim wurden hierzu drei im 12-cm-Topf kultivierte Pflanzen Mitte Mai in einen 40-cm-Container mit Einheitserde ED 73 gepflanzt und im Freiland aufgestellt. Als Standort bewährten sich vollsonnige Lagen. Hohe Temperaturen und direkte Sonneneinstrahlung wurden von Dicliptera suberecta sehr gut vertragen. Ab Ende Mai begannen die Pflanzen zu blühen. Die Nährstoffversorgung im Freiland erfolgte über eine Bewässerungsdüngung kontinuierlich mit 0,1 % Flory 3. Die Pflanzen erwiesen sich als wenig pflegebedürftig. Laut diverser Pflanzenbeschreibungen verschiedener exotischer Gärtnereien im Internet verträgt der Kolibribusch Trockenheit wesentlich besser als andauernde Staunässe. Krankheiten und Schädlinge traten in Veitshöchheim auch während der Freilandprüfung nicht auf. Blühhöhepunkt der Pflanzen war Anfang August, doch bis Ende September erschienen noch die attraktiven Blüten. Die Pflanzen erreichten eine Höhe von 52 cm. Zur Überwinterung empfiehlt es sich, die Pflanzen kräftig zurückzuschneiden und an einem hellen, kühlen Ort aufzustellen. Hierbei die Pflanzen relativ trocken halten und nur gelegentlich gießen. Die Pflanzen können auch im Warmen überwintert werden. Hierbei ist jedoch ein besonders heller Standort z.B. ein Wohnwintergarten oder eine Südfensterbank auszuwählen.
Beurteilung und Ausblick
Vermehrung und Kultur als attraktive Kübelpflanze sind einfach und unproblematisch. Der Schmuckwert der Pflanzen liegt in der Vielzahl der leuchtend orangeroten Blütenbüschel, die im Kontrast zu den samtigen, silbergrauen Blättern besonders schön zur Geltung kommen. Optimal für den Endverbraucher sind die Pflegeleichtigkeit und die Robustheit der Pflanzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Weitergehende Versuche zur Temperaturtoleranz der Pflanzen im Winterhalbjahr müssen noch erfolgen. Ebenso stehen noch Versuchsergebnisse zur Blühverfrühung und zur Kultur als kleinere blühende Topfware aus.
Artikel veröffentlicht in Deutscher Gartenbau, Ausgabe 3/2005
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Zierpflanzenbau, E.-M. Geiger
|