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Justicia rizzinii (syn. Jacobinia pauciflora) - eine reizvolle Kultur

Drei Jahre Kulturerfahrung mit einer interessanten Topfpflanze

Justicia rizinii (syn. Jacobinia pauciflora)

Nur von Dezember bis März ist Justicia rizzinii (syn. Jacobinia pauciflora) im Handel anzutreffen. Ihre röhrenförmigen, zu zwei Drittel gelben und zu einem Drittel roten Blüten erinnern an Cuphea ignea, das Zigarettenblümchen. Mit 2 bis 2,5cm Länge sind sie recht klein, dafür hängen mehrere hundert davon an einer Pflanze. Diese leuchtenden Blüten bilden einen auffälligen Kontrast zu den 2cm großen dunkelgrünen, spitz elliptischen Laubblättern. Trotz des ledrigen Eindrucks der Laubblätter ist man vom großen Wasserbedarf vor allem über Heizkörpern überrascht, ebenso von den fortlaufend abfallenden verblühten Blüten.
Im Handel werden nur geringe Mengen von Justicia rizzinii angeboten. Die Kultur gilt als schwierig. Zum Teil wird im Sommerhalbjahr im Freien kultiviert. Im Gewächshaus kann relativ energieextensiv bei 5 bis 10°C gefahren werden.

Justicia rizzinii Versuchsjahr 2001/02, Satz 1, 1xStutzen, Gewächshauskultur, Topflor 0,1%, links: frühe Treiberei; rechts: späte Treiberei

Von 2001/02 bis 2003/04 wurden an der Bayerischen Landesanstalt in Veitshöchheim über drei Jahre Versuche zur Kultur von Justicia rizzinii durchgeführt. Von selbst gezogenen Mutterpflanzen wurden jeweils Kopfstecklinge geschnitten und in Multiplatten mit Einheitserde P gesteckt. Zwei bis drei Wochen standen die Stecklinge unter Folie bei gespannter Luft und wurden bis zum Topfen bei 20°C geheizt. In 13cm-Endtöpfe wurden immer fünf Jungpflanzen getopft. Als Substrat wurde Einheitserde ED 73 mit Optifer (Lieferant Fa. Patzer) mit einem niedrigen pH-Wert von 5,5 verwendet. Einmal wurde immer gestutzt, je nach Versuchsfrage auch ein zweites Mal. Wuchshemmstoffbehandlungen waren ein zentrales Thema der Untersuchungen (siehe nebenstehende Tabellen Kulturdaten). Jeweils eine Hälfte der Bestände blieb immer im Gewächshaus bei einer Heiztemperatur von 10°C (im ersten Jahr 12°C). Gelüftet wurde ab 14°C (im ersten Jahr ab 18°C). Standweite war anfangs 25, später 16 Töpfe pro m². Im Gewächshaus wurde von Hand überkopf gegossen und gedüngt, wöchentlich einmal mit 0,15 bis 0,2% Mehrnährstoffdünger (meist Flory 3, 15-10-15). Die zweite Hälfte der Bestände wurde nach dem Stutzen bzw. nach der Wuchshemmstoffbehandlung ab Juli ins Freiland gestellt. Die Töpfe standen dort in Betonformsteinen neun Töpfe pro m². Mittels Tropfbewässerung wurde bewässert und gedüngt. Parallel zur Versorgung der mit angeschlossenen Gartenchrysanthemen wurde laufend mit 0,075 bis 0,12%, meist Flory 3 gedüngt. Im Oktober kamen die Töpfe wieder ins Gewächshaus zu den dort verbliebenen Parzellen bei 10/14°C bzw. 12/18°C (= frühe Treiberei im ersten Jahr 2001/02) oder zuerst 3/6°C, dann 12/18°C (= späte Treiberei im ersten Jahr 2001/02). Sie wurden auf 16 Pflanzen pro m² Endstand gestellt.
Die Justicia waren wenig anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge. In der Vermehrung wurde vorbeugend meist mit Fonganil und Ronilan behandelt. Auftretende Blattläuse und Weiße Fliege wurden mit Confidor und Nomolt bekämpft.

J. rizzinii Versuchsjahr 2003/04, Gewächshauskultur, Satz 2 Topflorbehandlung 6 Wochen nach dem Stutzen, von links: ohne, 0,05 %, 0,1 %

Der dreijährige Versuchsanbau konnte einige Fragen zur Kultur von Justicia rizzinii klären. Die Justicia konnten in befriedigender Qualität nur im Gewächshaus kultiviert werden. ED 73 mit Optifer und niedrigem pH-Wert als Topfsubstrat und Temperatureinstellungen ab Oktober von 10°C Heizung und 14°C Lüftung waren günstig. Ebenso Stecklingsvermehrung von eigenen Mutterpflanzen von Februar bis Mai und ein bis zweimaliges Stutzen. Wuchshemmung mit CCC wirkte kaum. Topflorbehandlungen mit 0,1% wirkten am stärksten, wenn sie etwa drei bis fünf Wochen nach dem Stutzen durchgeführt wurden. Die Justicia blieben danach teils etwas kompakter und hatten weniger störenden frischen Austrieb. Teils blühten sie aber später.
Zwischenzeitliche Kultur im Freien (Juli bis Oktober) ergab in den ersten beiden Kulturjahren deutlich weniger, im dritten Jahr(2003/2004) extrem weniger Knospenansatz als bei durchgehender Gewächshauskultur. Ursache könnte die üppige, auf die parallel kultivierten Gartenchrysanthemen ausgelegte Bewässerungsdüngung von kontinuierlich 0,075 bis 0,12% gewesen sein. Hingegen waren die immer im Gewächshaus kultivierten Justicia in der Hauptwachstumsphase wöchentlich nur einmal mit 0,15 bis 0,2% überkopf gedüngt worden. Diese eher "hungrige" Kulturweise hatte anscheinend die Blütenbildung begünstigt.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Zierpflanzenbau