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Schnittblumen aus Südfrankreich

comptoir paulinois - Spezialist für Ranunkel und Anemonen

Schnittranunkeln im Beet (LWG Veitshöchheim)

Die Gegend um Hyeres bei Toulon im Departement Var in Südfrankreich ist ein traditionelles Gartenbaugebiet. Früher produzierten die Gärtner hier vorwiegend Gemüse. Sie waren dafür bekannt das früheste Gemüse in ganz Frankreich zu liefern. Nachdem Spanien mehr und mehr diese Rolle übernahm, galt es Alternativen zu finden. Viele Gemüsegärtner leben heute von der Direktvermarktung, eine große Zahl wandte sich dem Anbau von Schnittblumen zu. Heute ist das Gebiet führend in der französischen Schnittblumenproduktion. Hier produzieren 900 Betriebe auf 1360 ha, davon 385 ha unter Glas und erzielen einen Jahresumsatz von 270 Millionen €.
Ranunkeln und Anemonen sind eine besondere Spezialität dieses Gebietes, mit steigender Tendenz. Dagegen stagniert der Anbau von Rosen und Gerbera durch den steigenden Importdruck aus Übersee.
1994 wurde hyeres hortipole gegründet, eine Kooperation von verschiedenen Partnern aus Forschung, Beratung, Vermarktungsorganisationen, Züchtern, Produzenten und der regionalen Verwaltung. Ziele sind u.a. die Verbesserung und Ausweitung des Sortiments(z.B. durch Paeonien), integrierte Pflanzenproduktion und die Optimierung der nationalen und internationalen Vermarktung.
Einer der Partner von Hyeres hortipole ist comptoir paulinois, ein mittelständischer Familienbetrieb, der sich auf die Züchtung von Schnittblumen und die Produktion von Schnittblumensamen und Knollen von Anemonen und Ranunkeln spezialisiert hat. Aus seiner Züchtung stammt zum Beispiel die Schnittranunkelserie 'Pauline' oder der kürzlich von flora holland preisgekrönte Schnittmohn 'Poppy Bussana'. Daneben vertreibt der Betrieb unter anderem eigene Selektionen von Anemone coronaria, Antirrhinum majus und winterblühenden Dianthus barbatus.
Bernard Bideau, Betriebsleiter in der dritten Generation unterhält Geschäftsbeziehungen in die ganze Welt. So exportiert er u.a. nach Israel, Süd- und Mittelamerika, Australien und neuerdings auch nach Russland und China. In Europa liegen seine Hauptkunden in Holland und im betriebsnahen Anbaugebiet um Hyeres.

gelbe Schnittranunkeln im Beet (LWG Veitshöchheim)

Bei der Züchtung von Anemonen und Ranunkeln arbeitet Bernard Bideau eng mit dem staatlichen Forschungsinstitut INRA (institut national de la recherche agronomique) im benachbarten Frejus zusammen. Hier werden gegen Entgeld für ihn Experimente mit der sog. Haploidentechnik (Erzeugung von Pflanzen mit einfachem Chromosomensatz) vorgenommen, um neue Sorten von Anemonen und Ranunkeln zu entwickeln. Ein weiteres Ziel ist die Erzeugung von F1-Hybriden bei Ranunkeln. Die haploiden Pflanzen werden durch in vitro-Kultur von jungen, unreifen Pollen gewonnen. Haploide Pflanzen aus diploidem Ausgangsmaterial besitzen den höchstmöglichen Grad an Reinerbigkeit. Mithilfe von Colchizin kann man daraus wieder diploide Pflanzen gewinnen, die sich als Eltern für die Hybridzüchtung eignen. Nach Auskunft von Monsieur Bideau benötigt die Züchtung einer neuen Sorte mindestens 8 Jahre, dazu kommen noch 2 Jahre Testphase in seinem Betrieb. Demnächst auf den Markt kommen wird die Ranunkelserie "Giga" mit den Farben rot, weiß, gelb, orange und pink, die sich durch große Blüten und einen etwas späteren Blühtermin auszeichnet. Aktuell wird an einer neuen Ranunkellinie mit grüner Mitte gearbeitet.

Beet mit Schnittmohn (LWG Veitshöchheim)

Die Produktion von Samen, Anemonenknollen und Ranunkelkrallen erfolgt auf 7,5 ha, die sich auf neun zugepachtete Betriebe verteilen. Eine Schnittergruppe fährt ab Anfang April reihum in die Betriebe um einmal wöchentlich den Flor bei Ranunkeln zu schneiden. Die Blüten könnten zwar vermarktet werden, werden aber verworfen, da sich Monsieur Bideau ganz auf die Produktion der Krallen konzentrieren will. Ende Mai, Anfang Juni wird die Bewässerung abgestellt, damit die Pflanzen einziehen können. Die Krallenbildung erfolgt abhängig von der Lichtmenge. Nach dem Einziehen wird maschinell gewaschen, getrocknet und automatisch nach Größen sortiert. Comptoir paulinois produziert jährlich 1 Million Ranunkelkrallen. Der Anbau ist weitgehend über Klimacomputer automatisiert. Durch die Einsparung von Arbeitskräften konnte der Preis der Krallen über 25 Jahre konstant gehalten werden. Gerade die Produzenten aus der näheren Umgebung sind sehr preisbewusst, so Monsieur Bideau. Daher setze er auch nicht auf die Meristemvermehrung. Durch dieses aufwendige Verfahren müsste der Preis für Krallen auf ca. 1 € pro Stück steigen. Diesen Preis würden seine Kunden nicht akzeptieren. Die Vorteile der meristemvermehrten Krallen wie höherer Ertrag und Einheitlichkeit glaubt er auch auf herkömmliche Weise erreichen zu können.

Derzeit sind bei comptoir paulinois 25 Personen beschäftigt, zwei Drittel davon Aushilfskräfte aus Marokko, der Rest ist französisches Fachpersonal. Im Sommer werden auch Studenten als Aushilfen eingestellt.
Nach den Ranunkeln werden in den Häusern Sonnenblumen zur Saatgutproduktion angebaut. Dabei erfolgt die Bestäubung durch Hummeln.

Tipps vom Züchter für den Anbau von Schnittranunkeln





  • Der Name Ranunkel leitet sich vom lateinischen Rana, der Frosch, ab. Schon der Name lässt also auf einen hohen Wasserbedarf schließen. Besonders wichtig ist eine ausreichende Wassergabe direkt nach dem Pflanzen und eine zweite 24 bis 48 Stunden später. Im weiteren Verlauf dürfen Ranunkeln nie austrocknen
  • Der Boden sollte humusreich und gut drainiert sein. Der optimale pH-Wert liegt zwischen 6,5 und 7,5.
  • Die Pflanzung erfolgt am besten in Doppelreihen mit 70cm Abstand. Für unsere Breiten empfiehlt Monsieur Bideau eine Pflanzdichte von maximal 24 Pflanzen/m².
  • Gedüngt wird mit einem kalibetonten Mehrnährstoffdünger (15-15-20 + Magnesium). Bis Valentinstag 10g/Woche, danach 20g/Woche.
  • Das gelegentlich beobachtete Abknicken der Blütenköpfe lässt sich mit Calcium beheben. Bewährt hat sich die Zugabe von von 1g/l Calciumnitrat zum Vasenwasser gleich nach der Ernte, beim Transport bis hin zum Endverbraucher.

Poppy 'Bussana', preisgekrönter Schnittmohn von comptoir paulinois

Bussana lilas gefüllt

Benannt nach dem Künstlerdorf oberhalb von San Remo an der Blumenriviera, zeichnet sich dieser neue Papaver nudicaule durch guten Schnittertrag und bis zu 70 cm langen Stielen aus. 2005 wurde er von flora holland zur vielversprechendsten Neuheit im Sektor Schnittblumen gekürt.
Bei einem Probeanbau an der LWG Veitshöchheim erwies er sich als problemlos in der Kultur. Einzelne Pflanzen zeigen auch halbgefüllte oder gefüllte Blüten. Die Aussaat erfolgte am 13.08.04 ,am 13.10.04 wurde mit 16 Pfl/m² in 8cm Dünnschicht (GS90L) gepflanzt. Poppy 'Bussana' stand zusammen in einem Haus mit Schnittranunkeln bei 7°C Heiztemperatur, soll aber schon mit 2-3 °C auskommen.
Die ersten Blüten erschienen bereits im Januar, der Hauptertrag setzte ab Woche 11 ein und blieb bis zum Versuchsende am 9. Mai 2005 konstant. Vermutlich hätte noch länger geerntet werden können.
Pro m² konnten bis zum Versuchsende zwischen 179 und 224 Stielen geerntet werden. Im Durchschnitt erbrachte jede Pflanze 12,5 Stiele. Die durchschnittliche Stiellänge war mit 46 cm höher als bei den gleichfalls getesteten Topfsorten von Papaver nudicaule.
Für die Haltbarkeit ist ein frühes Erntestadium entscheidend. Der optimale Zeitpunkt ist gegeben, wenn die Knospen beginnen aufzuplatzen. Die weitere Entwicklung erfolgt sehr schnell, so dass täglich geerntet werden muss.
Bei einem Haltbarkeitstest unter Verbraucherbedingungen erreichte Poppy Bussana in Wasser eine Haltbarkeit von einer Woche. Da er etwas transportempfindlich ist, eignet er sich besonders gut für einen Anbau im Endverkaufsbetrieb.

Weitere Informationen über Stauden, Papaver und Schnittblumen erfahren Sie auf unserer Homepage unter folgenden Links:

Zu diesem Thema ist ein Artikel in der DeGa-Ausgabe 31/05 auf den Seiten 40 bis 41 nachzulesen. Die Fotografien erstellte Barbara Schmitt und Hubert Hanke.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Zierpflanzenbau