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Übersicht über "Neue Zierpflanzen" an der LWG Veitshöchheim
Die Arbeitsgruppe "Neue Zierpflanzen" besteht seit 25 Jahren im deutschen Zierpflanzenbau und beruht auf der vertrauensvollen Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen in Deutschland, aber auch mit Mitgliedern in Österreich und in der Schweiz. Innovationen im Sortiment zählen zu den wichtigsten Wettbewerbskriterien im internationalen Gartenbau. Doch neue Zierpflanzen sind eine Herausforderung für Versuchsbearbeiter und Produzenten, denn im Gegensatz zu dem auf dem Markt etablierten Sortiment können sie keine jahrzehntelange züchterische Bearbeitung vorweisen. In der anschließenden Übersicht werden einige der interessantesten Blüten- und Grünpflanzenarten aus dem Versuchsprogramm der AG "Neue Zierpflanzen" der letzten Jahre an der LWG Veitshöchheim vorgestellt und Hinweise für die Produktion gegeben.
Indoor - Blütenpflanzen
Sommerflor & Kübelpflanzen
Blattschmuckpflanzen
Weitere Blattschmuckpflanzen aus der Arbeitsgruppe "Neue Zierpflanzen"
Indoor - Blütenpflanzen
Manettia luteoruba- "Sambalina"
(Rubiaceae, Heimat: tropische Regionen Amerikas: Paraguay, Uruguay)
Manettia luteorubra eignet sich als Kletterpflanze im Topf für die helle Fensterbank im Winterhalbjahr, wie auch als bis zu 2 m hoch rankende Kletterpflanze im sommerlichen Freilandprogramm. Bei hoher Lichtintensität produzieren die Pflanzen ganzjährig dekorative, hellrote röhrenartige Blüten mit goldgelben Spitzen. Im Winterhalbjahr bilden die fakultativen Kurztagpflanzen deutlich kürzere Internodien, wodurch bei den Kletterpflanzen der Eindruck einer höheren Blühintensität entsteht. Die Vermehrung erfolgt über Kopf- und Teilstecklinge. Einige Jungpflanzenfirmen (Grünewald, Elsner) bieten zudem im Frühjahrs- und Sommersortiment auch bewurzelte Jungpflanzen an. Die Kulturdauer ab Topftermin beträgt für den 13-cm-Topf mit 2 Jungpflanzen und entsprechender Kletterhilfe ca. 12 Wochen. 2 bis 3 Wochen nach dem Topfen sollten die Jungpflanzen gestutzt und anschließend im Klettergerüst aufgeleitet werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Pflanzen links herum ranken. Rahmenbedingungen für eine zügige und erfolgreiche Kultur sind saure Topfsubstrate mit pH-Wert um 5, Bewässerungsdüngung im mittleren Nährstoffbereich, Kulturtemperatur um 17 °C und Luftfeuchtigkeitswerte von 75 bis 80 %. Als Schädlinge können Rote Spinne und Weiße Fliege auftreten. Schwarze Flecken auf den Laubblättern sind eventuell durch einen Befall mit Pleospora-Blattfleckenpilz verursacht.
Siehe auch Artikel "Pflanzenempfehlungen für die Innenraumbegrünung"
Odontonema schomburgkianum – der "Rote Regen"
(Acanthaceae, Heimat: Kolumbien)
Ursprünglich handelt es sich hierbei um hochwachsende Sträucher, die im warmen Wohnwintergarten eine Höhe von 2 m erreichen können. Auffällig sind die langen Blütentrauben, die ab Januar entstehen. Diese können bis zum Boden reichen und zahllose, ziegelrote Einzelblüten tragen, die nach dem Abblühen abfallen (daher die Namensgebung). Die Blütenbildung lässt sich über Kurztag steuern. Ungesteuert kommen die Pflanzen am Standort Veitshöchheim ab Mitte Januar zur Blüte und blühen dann bis in den Frühling. Odontonema schomburgkianum eignet sich als Begleitpflanze im Wohnwintergarten. Eine Besonderheit ist die Verwendung als Ampelpflanze. Hierfür werden mehrere bewurzelte Kopfstecklinge Anfang Oktober in eine Ampel getopft. Leicht saure Topfsubstrate, eine konsequente Düngung mit einem ausgewogenen Mehrnährstoffdünger im mittelhohen bis hohen Bereich und gute Lichtverhältnisse führen bei einer Temperatur von 16 bis 17 °C zu zügigem Wachstum. Zur Wuchsregulierung eignet sich CCC im Gieß- und Spritzverfahren. Ab Januar schmücken die Ampelpflanzen lang herabhängende rote Blütentrauben.
Siehe auch Artikel "Pflanzenempfehlungen für die Innenraumbegrünung"
Pavonia multiflora - Pavonie
(Malvaceae, Heimat: Brasilien)
Die exotisch anmutende Pavonie wurde bereits in den Anfangsjahren der Arbeitsgruppe "Neue Zierpflanzen" bearbeitet. Die Schmuckwirkung der Topfpflanze ist auf die gestielten, purpurroten Malvenblüten mit weit aus den Blüten herausragenden violetten Staubgefäßen zurückzuführen. Diese entstehen in den Blattachseln junger Triebe. Ungewöhnlich sind auch die kleinen weißen Salzkristalle, die auf der Blattunterseite ausgeschieden werden. Pavonien können am besten über Kopfstecklinge vermehrt werden. Die Kulturdauer für eine attraktive Topfpflanze mit 2 bis 3 bewurzelten Stecklingen im 12-cm-Topf beträgt bei einer Kultur mit einmaligem Stutzen ca. 5 bis 6 Monate. Ohne Stutzen verzweigen sich die Pflanzen kaum. Pavonien verlangen für zügiges Wachstum leicht saure Topfsubstrate, mittelhohe bis hohe Nährstoffgaben, hohe Lichtintensität und Temperaturen zwischen 16 bis 18 °C. Ballentrockenheit führt zu Knospen- und Blütenabwurf. Für den Endverbraucher stellen die robusten und krankheitstoleranten Pavonien pflegeleichte Einsteigerpflanzen für helle Standorte in Wohnräumen dar. Gleichmäßige Düngergaben gewährleisten eine ständige Blüte. Die strauchartigen, aufrecht wachsenden Pflanzen können mehrere Jahre alt werden und im Wohnwintergarten beträchtliche Höhen bis zu 2 m erreichen.
Plumbago indica – Rosa Bleiwurz, "Rosabella"
(Plumbaginaceae, Heimat: tropische Regionen Indiens)
Die winterblühende Topfpflanze bildet auffällige, bis zu 20 cm aufrecht stehende Blütentrauben, die aus zahlreichen, leuchtend lachsrosafarbenen Einzelblüten bestehen. Das Aufblühverhalten des Blütenstandes ist von der Basis zur Spitze. Während sich dort noch Blüten öffnen, fallen die ersten Basisblüten bereits ab. Als halbklimmender, immergrüner Strauch benötigt Plumbago indica eine Kletterhilfe. Aufgrund einer vorliegenden Kurztagsreaktion lässt sich die Blüte mit einer Tageslänge von 9 Stunden gut steuern. Die kritische Tageslänge ist temperaturabhängig. Mutterpflanzen müssen unter hohen Temperaturen und Dauerlicht kultiviert werden, um vegetative Kopf- und Teilstecklinge ernten zu können. Daher liegt die beste Vermehrungszeit im Hochsommer. Alternativ hierzu können die Pflanzen auch in vitro vermehrt werden. Die Kulturdauer beträgt ab Topftermin bei einer Temperatur von 18 °C ca. 18 bis 20 Wochen. Zur Kulturzeitverkürzung können auch drei Jungpflanzen in einem 12-cm-Topf ohne anschließendes Stutzen kultiviert werden. Stutzen führt zu einer deutlichen Kulturzeitverlängerung. Nach dem Stutzen treiben die Pflanzen auch nur mit wenigen Seitentrieben durch. Sobald 4 bis 6 Laubblätter je Einzeltrieb gut ausgebildet sind, kann mit der photoperiodischen Steuerung begonnen werden. Nach 8 bis 10 Wochen entstehen die ersten Blütenstände. Der Nährstoffbedarf der Pflanzen ist relativ hoch, als Topfsubstrat sollten Erden mit einem pH-Wert von 5,5 und einer zusätzlichen Eisenbevorratung gewählt werden, um späteren Mangelsymptomen, vor allem bei hartem Gießwasser, vorzubeugen. Die Höhe der Blütenstände kann durch Wuchshemmstoffgaben (CCC, Topflor) reduziert werden. Die Vermarktung sollte im knospigen Zustand erfolgen, da die Einzelblüten relativ transportsensibel sind. Wählt der Endverbraucher für die Pflanzen einen hellen Standort und berücksichtigt den hohen Nährstoffbedarf, kann "Rosabella" nahezu ganzjährig Blütenstände entwickeln und eine Pflanzehöhe um 50 cm und mehr entwickeln.
Whitfieldia elongata
(Acanthaceae, Heimat: tropisches Westafrika)
Die Schmuckwirkung der Topfpflanze wird durch die reinweißen Blütenstände mit 10 bis 20 Einzelblüten im Kontrast zu den dunkelgrünen, glänzenden Laubblättern bestimmt. Die Pflanzen blühen bei hohen Lichtintensitäten in Schüben mit Blühperioden von 2 bis 3 Monaten mehrmals im Jahr. Hierbei bleiben die schmucken, weißen Hochblätter der Acanthaceae lange an der Pflanze, während die Haltbarkeit der Einzelblüten geringer ausfällt. Die Vermehrung erfolgt über Kopfstecklinge. Die gesamte Kulturzeit für eine Blütenpflanze im 12-cm-Topf beträgt im Sommerhalbjahr ca. 4,5 Monate bei Verwendung von 3 Stecklingen je Topf und einmal Stutzen. Whitfieldia elongata benötigt Substrate mit niedrigem pH-Wert um 5 und Temperaturen über 14 bis 15 °C. Licht- und Nährstoffbedarf sind sehr hoch, bei Stickstoff-Unterversorgung, hohen pH-Werten und kühlen Temperaturen reagieren die Pflanzen schnell mit Mangelsymptomen. Schattieren ist nur bei sehr hohen Einstrahlungswerten (über 50 klx) angebracht. Als Wuchshemmstoffe zeigten CCC und Topflor bei Versuchen an der LWG Veitshöchheim nur geringe Wirkung. Die Kultur kann ganzjährig erfolgen, wobei die Pflanzen jedoch nur bei ausreichend hohen Lichtintensitäten zur Blüte kommen. Für den Endverbraucher ist Whitfieldia elongata eine sehr edle, langlebige Topfpflanze für warme, sonnige bzw. helle Standorte. Bei entsprechender Pflege, v.a. sehr guter Düngung, kann die Pflanze eine Höhe bis zu 100 cm erreichen und mit ihren zahlreichen weißen Blütenstände zu einer Attraktion im Wohnwintergarten werden.
Siehe auch Artikel "Pflanzenempfehlungen für die Innenraumbegrünung"
Sommerflor & Kübelpflanzen
Diclicptera suberecta - "Kolibribusch"
(Acanthaceae, Heimat: Uruguay)
Blätter wie auch Sprosse des immergrünen, bis 60 cm hohen und ausladend wachsenden Halbstrauches sind mit samtigem, hellgrauem Filz bedeckt. Im Sommerhalbjahr entstehen in den Blattachseln und an Triebenden Büschel von zahlreichen, leuchtend orangeroten, röhrenförmigen, ca. 4 cm langen Blüten. Die Kultur kann zusammen mit anderen Sommer-Kübelpflanzen erfolgen und beträgt einschließlich der Vermehrung 4,5 bis 5 Monate. Hierfür werden zum Aufbau buschiger Pflanzen bis Anfang Februar drei Kopfstecklinge in einem 9- bis 10-cm-Topf direkt gesteckt. Ca. 6 Wochen später, nach Durchwurzelung des Topfes, werden die kleinen Pflanzen in den Endtopf (z.B. 13-cm-Topf) umgetopft und einmal gestutzt. Für ein zügiges Wachstum sollten die Pflanzen hell und sonnig bei einer Heiztemperatur von 16 bis 18 °C kultiviert werden. Der Nährstoffbedarf liegt im mittleren Bereich. Ende Mai erscheinen die ersten leuchtend roten Blütenbüschel. Für den Endverbraucher eignet sich der Kolibribusch als pflegeleichte Kübelpflanze für einen sonnigen, hellen Standort mit Blüte von Ende Mai bis Ende September. Zur Überwinterung empfiehlt es sich, die Pflanzen kräftig zurückzuschneiden und an einem hellen, kühlen Ort (bis zu 5 °C) aufzustellen oder alternativ hierzu diese im warmen Wohnwintergarten zu überwintern.
Siehe auch den Artikel "Dicliptera suberecta - der Kolibribusch"
Nauplius sericeus (syn. Asteriscus sericeus) – Seidenhaariger Goldstern, Sternauge
(Asteraceae, Heimat: Fuerteventura, Kanarische Inseln)
Nauplius sericeus wird erst seit jüngster Zeit in Veitshöchheim bearbeitet. Das Ausgangsmaterial stammt aus dem Botanischen Garten in Marburg. Die Pflanzen sind auf Fuerteventura endemisch und entwickeln dort als Felssträucher in sonnigen Lagen ein dichtes Wachstum von 30 bis 70 cm Höhe. Pflanzen- und Blütenaufbau erinnern an Asteriscus maritimus, eine bekannte Beet- und Balkonpflanzenart. Jedoch sind die Laubblätter mit einem silbergrauen, samtig-weichen Filz überzogen und die gelben Strahlenblüten sind mit einem Durchmesser von 4 bis 5 cm deutlich größer. Bei Berührung verströmen die Pflanzen einen harzigen Duft. In Veitshöchheim werden sie gegenwärtig hinsichtlich einer Eignung als Balkon- und kleinere Kübelpflanze geprüft. Die Vermehrung erfolgt über Kopfstecklinge, die 4 bis 5 Wochen zur Bewurzelung benötigen. Die Bewurzelungsrate liegt bei ca. 70 %.
Nauplius sericeus lässt sich mit anderen Beet- und Balkonpflanzen in der Kultur kombinieren. Nach dem Stutzen bauen sich die Pflanzen rund auf und verholzen mit der Zeit an der Basis. In der letztjährigen Freilandprüfung erreichten die Pflanzen eine Höhe von 30 cm im Hochsommer, die Hauptblütezeit reichte von Juli bis Ende September.
Blattschmuckpflanzen
Breynia disticha 'Nana' (syn. Breynia nivosus) - "Kleiner Schneebusch"
(Euphorbiaceae, Heimatgebiet: Südseeinseln)
Der immergrüne, stark verzweigende Busch mit seinen drahtigen, zackig gebogenen Zweigen erreicht innerhalb eines Jahres eine Höhe von ca. 25 bis 30 cm. Den Schmuckwert der kleinen Miniatursorte 'Nana' machen die nur etwa 1 cm großen, pergamentartigen Blättchen mit ihrer auffälligen, weißen Zeichnung aus. Mitunter werden im Sommer kleine, unscheinbare Blütchen gebildet, sie sind grünlich und kronblattlos. Die Vermehrung erfolgt problemlos über Kopfstecklinge mit 2 bis 3 Nodien, die bei gespannter Atmosphäre und bei 20 bis 24 °C innerhalb von 4 Wochen bewurzeln. Breynia disticha 'Nana' kann ganzjährig produziert werden, die Kulturzeit beträgt für den 11- bis 12-cm-Topf etwa 5 Monate bei Topfen von mehreren bewurzelten Jungpflanzen als Tuff. Ideal ist eine Kulturtemperatur von 16 bis 18 °C. Pinzieren der Pflanzen ist zu empfehlen, Wuchshemmstoffe sind nicht erforderlich. Der Nährstoffbedarf liegt im mittleren Bereich. Direkte Sonneneinstrahlung in den Hochsommermonaten, niedrige Luftfeuchtigkeit und ungleichmäßige Wassergaben mit Trockenphasen führen zu Verbrennungen und Nekrosen an den Blättchen. Dem Einsatz mit Insektiziden sollten unbedingt Probespritzungen vorangehen, da die papierartigen Laubblätter sehr empfindlich mit Verbrennungsschäden reagieren. Breynia disticha 'Nana' ist für den Endverbraucher als interessante Sortimentsergänzung zu Blattschmuckpflanzen wie Efeu, Farne und Kiwi-Knöterich zu betrachten und kann im Winterhalbjahr gemeinsam mit Euphorbia pulcherrima produziert und als "kleiner Schneebusch" vermarktet werden.
Siehe auch den Artikel "Breynia disticha - Vergleich der Sorten 'Nana' und 'Roseopicta'"
Stenotaphrum secundatum 'Variegatum' - "Buntblättriges St.-Augustin-Gras"
(Poaceae, Heimat: Küsten des tropischen Amerikas, West-Afrikas und der Pazifischen Inseln)
Die Blattschmuckpflanze bildet flachgedrückte, kriechende bzw. hängende Sprosse aus, die sich nicht nur gut verzweigen, sondern auch bei Erdkontakt gut bewurzeln. Die nicht panaschierte Art wird deshalb gerne z.B. auf den Kanarischen Inseln aufgrund ihrer Robustheit und Genügsamkeit als Rasenpflanze verwendet und als Rasenplatten ähnlich wie Rollrasen angebaut. Das nicht winterharte Ziergras eignet sich im Beet- und Balkonpflanzenbereich als Strukturpflanze oder im Indoor-Bereich als attraktive Ampelpflanze. Dabei können die starkwüchsigen Pflanzen innerhalb von 2 bis 3 Monaten eine Länge von 100 cm erreichen. Mitunter werden auch im Spätsommer kleine, bräunlich-grüne Ähren sichtbar. Die Vermehrung über Teilung und Stecklinge ist unproblematisch. Direkt-Stecken mehrerer Stecklinge je Topf und einmal Stutzen führt nach 8 bis 10 Wochen bei 14 bis 17 °C zu einer dichten Topfware. Wasser- und Nährstoffbedarf sind hoch. Ballentrockenheit führt unmittelbar zu bräunlichen Blattspitzen. Die Pflanzen können unter Kalthausbedingungen überwintert werden. Das buntblättrige St.-Augustin-Gras ist nicht nur eine Bereicherung im Sortiment der Blattschmuckpflanzen im Sommer- und Herbstflor, sondern auch eine pflegeleichte und wüchsige Zimmerpflanze für den Topfpflanzen-Einsteiger.
Muehlenbeckia axillaris und Muehlenbeckia complexa – Polsterknöterich-Arten
(Polygonaceae, Heimat: Neuseeland, Australien)
Links Muehlenbeckia axillaris, rechts Muehlenbeckia complexa
Muehlenbeckia complexa, bekannt auch als Kiwi-Knöterich, hat bereits erfolgreichen Einzug als Ampel- und Kletterpflanze im Zimmertopfpflanzen-Sortiment genommen und wird in zahlreichen Formierungen angeboten. Im Sommer und Herbst lässt sich die Art auch als hübsche Blattschmuckpflanze in Kombination mit schwächer wüchsigen Balkonpflanzenarten kombinieren. Die Pflanzen sind jedoch nicht frosthart.
Der Wuchs des strauchartigen Bodendeckers Muehlenbeckia axillaris ist wesentlich filigraner und mit 5 bis 10 cm Höhe niedriger. Auch die Blätter sind kleiner. Diese Art eignet sich bevorzugt als Bodendecker in der Innenraumbegrünung und auch im Freiland, z.B. auch für Grabbepflanzungen. In milden Klimaten ist die Art winterfest, verliert im Winterhalbjahr jedoch die Laubblätter.
Muehlenbeckia lässt sich gut über Kopfstecklinge der drahtartigen Sprosse vermehren. Für einen zügigen kompakten Pflanzenaufbau empfiehlt es sich, mehrere Stecklinge bzw. Jungpflanzen je Topf zu kultivieren und die Pflanzen zweimal zu stutzen. Leicht saure Substrate sind zu bevorzugen, um Eisenmangelsymptomen vorzubeugen. Volles Licht fördert die Kultur, der Nährstoffbedarf liegt im mäßigen bis mittelstarken Bereich. An jungen Trieben der Muehlenbeckia-Arten können gerne Blattläuse auftreten.
Homalocladium platycladum - der Bandbusch
(Polygonaceae, Heimat: Salomon-Inseln, Neu-Guinea)
Die Schmuckwirkung machen die sehr flachen, an lederartige, bis zu 2 cm breite Bänder erinnernden Zweige aus, die in Abständen von wenigen Zentimetern durch Nodien begrenzt und damit deutlich gegliedert werden. Dies hat der Pflanze auch den Namen "Bandwurmpflanze" eingebracht. Die Sprossteile übernehmen die Funktion der Blätter (Phyllocladien). Nur an den jüngeren "Bandteilen" entstehen in den Nodien 1 bis 6 cm lange Blätter, die später wieder abfallen. Am Rand der Zweigsegmente können sich kleine, unscheinbare Blüten und purpurrote Früchte entwickeln. Die Vermehrung des Bandbusches erfolgt problemlos über Kopf- und Teilstecklinge mit jeweils 2 bis 4 Segmentteilen. Die bewurzelten Stecklinge können anschließend innerhalb von 3 bis 4 Monaten im 12- bis 13-cm-Topf zu einer ansehnlichen Pflanze kultiviert werden. Zur Verkürzung der Kulturzeit empfiehlt es sich, gleich mehrere bewurzelte Stecklinge je Gefäß zu kultivieren. Für eine rationelle Anzucht empfehlen sich Mehrnährstoffgaben im mittleren Bereich und eine helle Kulturführung bei 14 bis 17 °C. Tiefere Temperaturen werden toleriert. Schnittmaßnahmen und Stutzen sind nicht erforderlich, werden jedoch gut vertragen. Wichtig ist es, für eine gute Durchlüftung des Bestandes zu sorgen, da die Blättchen insbesondere im Winterhalbjahr bei hoher Luftfeuchtigkeit empfindlich gegenüber Echtem Mehltau sind. Homalocladium platycladum kann dem Kunden als pflegeleichte "Lifestyle"-Topfpflanze, wie auch als größere Kübelpflanze für Balkon und Terrasse im Sommer oder als schmucke Großpflanze für den warmen Wohnwintergarten angeboten werden. Dort erreicht der Bandbusch eine Höhe von ca. 1,50 m und mehr.
Weitere Blattschmuckpflanzen aus der Arbeitsgruppe "Neue Zierpflanzen"
Hemigraphis repanda
(Acanthaceae, Heimat: Malaiisches Archipel, Nordaustralien)
Hemigraphis repanda
Pellionia pulchra (syn. Elatostema pulchrum) - Melonenbegonie
(Urticaceae, Heimat: Indochina, Burma)
Pellionia pulchra (syn. Elatostema pulchrum)
Melonenbegonie
Pilea crassifolia - Kanonierblume
(Urticaceae, Heimat: Regenwälder, Jamaica)
Pilea crassifolia
Kanonierblume
Strobilanthes-Arten - Zapfenblume
(Acanthaceae, Heimat: Asien, Madagaskar)
Strobilantes-Arten
Zapfenblume
Veröffentlicht in Deutscher Gartenbau 04/2006
Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Zierpflanzenbau, E.-M. Geiger
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