Pflanzenstärkungsversuch Herbststauden
Produktion von Herbststauden unter Verwendung von Effektiven Mikroorganismen

Ein Mitarbeiter gießt mit einer Gießkanne auf der Tischfläche im Gewächshaus

Handel und Verbraucher verlangen auch im Zierpflanzenbau immer mehr Produkte, die weitgehend ohne Hemmstoffe und andere chemische Pflanzenschutzmittel kultiviert werden. Aus der Praxis wird berichtet, dass Effektive Mikroorganismen nach Rezepten der Fa. Multikraft positiv auf die Entwicklung der Pflanzen wirken und das Kulturrisiko senken sollen.

An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim läuft seit 2016 eine Versuchsreihe mit verschiedenen Kulturen zu unterschiedlichen Jahreszeiten um den Einfluss von diesen Effektiven Mikroorganismen (EM) auf Pflanzenqualität und Pflanzengesundheit zu untersuchen.
2017 stand ein Sortiment von 106 Herbststauden im Fokus, die unter Glas kultiviert wurden. Den Versuchsparzellen ohne Behandlung stand eine wöchentliche Gieß- und Spritzbehandlung mit EM gegenüber. Bei 40 Sorten wurde als dritte Versuchsvariante auf die Gießbehandlung verzichtet und stattdessen ein Substrat mit eingemischten EM (Fa. Patzer, Einheitserde) verwendet.
Bei jeweils sechs Pflanzen pro Parzelle wurden der Gesamteindruck, die sichtbare Wurzelmenge und die Wurzelqualität bewertet sowie die Pflanzenhöhe und der Pflanzendurchmesser gemessen. Betrachtet man die Mittelwerte für alle Arten und Sorten waren die Unterschiede zwischen den Behandlungsvarianten gering. Auch konnte kein einheitlicher Trend festgestellt werden. Vielmehr reagierten die Arten und Sorten unterschiedlich auf die EM-Behandlungen. Selbst bei den Sorten einer Art z. B. bei Hedera helix oder Heuchera schnitten mal die unbehandelten Parzellen besser ab, mal die mit EM behandelten Parzellen. Ein ähnliches Bild ergab sich auch beim Vergleich der zwei EM Behandlungsvarianten. Die Variante mit Gieß- und Spritzbehandlung brachte keinen eindeutigen Vorteil gegenüber der reinen Spritzbehandlung mit EM im Substrat.

Einfluss auf den Wuchs

In dem Tastversuch mit 68 Sorten bei dem eine Gieß- und Spritzbehandlung mit EM erfolgte, reagierten 51 % der Sorten auf die EM-Behandlung mit geringerer Pflanzenhöhe. Bei der anderen Hälfte der Sorten war der Wuchs gleich stark oder stärker, so dass kein genereller Einfluss der EM-Behandlung auf die Pflanzenhöhe festgestellt werden konnte. Selbst bei Sorten der gleichen Art ergab sich oft kein einheitliches Bild. Mal waren die Pflanzen aus der Kontrolle höher, mal die aus der EM-Behandlung.
Bei den 40 untersuchten Stauden mit der zusätzlichen EM-Substratvariante wies diese Behandlung im Mittel aller Arten und Sorten die geringsten Höhen auf. Jedoch reagierten auch hier Arten und Sorten durchaus unterschiedlich. Bei etwa 20 % der Sorten waren die unbehandelten Parzellen sogar niedriger als die der beiden EM-Varianten.
Bei Dianthus reagierten die Sorten unterschiedlich: Im Durchschnitt der Sorten waren die EM-Parzellen zwar etwas niedriger als die ohne Behandlung, bei den zwei Sorten der DSS-Serie war es jedoch genau umgekehrt. Bei Hedera helix führte die EM-Behandlung bei drei von sechs Sorten zu kompakteren Pflanzen mit geringeren Durchmessern, bei den anderen drei Sorten war die Kontrollparzelle ohne Behandlung kompakter.
Im Handel sind bei Heuchera zunehmend Sorten mit kompaktem Wuchs und kurzen Blattstielen gefragt. Bei 11 kompakt wachsenden Heuchera im Test wurde neben Höhe und Durchmesser auch die Länge des längsten Blattstieles erfasst. 7 der 11 Sorten blieben bei der EM Spritz- und Gießbehandlung etwas niedriger und kompakter und zeigten etwas kürzere Blattstiele. Bei 5 dieser 7 war jedoch der Gesamteindruck schlechter als bei der unbehandelten Variante. Die Mittelwerte aus zwei Wiederholungen über alle Heuchera-Sorten zeigen nur geringe Unterschiede im Wuchs.
Tabelle1: Einfluss einer Spritz- und Gießbehandlung mit Effektiven Mikroorganismen auf den Wuchs von Heuchera (Mittelwerte aus zwei Wiederholungen)
Sorte
(Bezug Kientzler)
Gesamteindruck (1 - 9)
1= sehr schlecht
9= sehr gut
Höhe ab Topfrand
cm
Durchmesser

cm
Länge des längsten Blattstieles
cm
Apple Crisp 8 9,7 23,5 14,2
Apple Crisp mit EM 8,5 9,5 26,2 14,4
Blackberry Jam 8 10,4 26,1 15,2
Blackberry Jam mit EM 7 9,6 27,5 15,0
Black Knight 8 8,2 24,6 13,1
Black Knight mit EM 7,5 8,3 24,1 13,6
Black Pearl 8 12,9 31,8 18,4
Black Pearl mit EM 7,5 12,7 31,2 17,8
Little Cuties Blondie 8 11,6 31,7 18,0
Little Cuties Blondie mit EM 7,5 10,5 29,5 16,5
Little Cuties Frost 8 11,5 28,9 16,0
Little Cuties Frost mit EM 6,5 11,7 28,6 15,8
Little Prince 9 10,8 26,6 15,0
Little Prince mit EM 7,5 9,5 24,8 14,2
Mint Marquess 7 11,7 25,7 15,1
Mint Marquess mit EM 8 12,8 28,3 15,4
Silver Duke 7,5 10,5 29,0 15,9
Silver Duke mit EM 8 9,8 28,0 15,4
Silver Gumdrop 8 10,4 25,7 14,5
Silver Gumdrop mit EM 7 10,7 24,1 13,7
Starry Night 7,5 13,3 29,4 17,8
Starry Night mit EM 7,5 11,2 27,9 15,9
Ø ohne EM 7,9 10,9 27,5 15,7
Ø mit EM 7,5 10,6 27,3 15,2

Einfluss auf die Bewurzelung

Im Durchschnitt aller Arten und Sorten wurden bei der Beurteilung der sichtbaren Wurzelmenge nur mäßige Werte erzielt. Wie unterschiedlich auch Sorten einer Art auf die Behandlungen reagierten, zeigt sich am Beispiel der 21 untersuchten Gräser, davon 13 Carex-Arten und -Sorten. Bei Sorten mit schwächerer Bewurzelung im Versuch wie Carex brunnea 'Jubilo' und 'Lemon', Carex caryophyllea 'The Beatles' und Carex hachijoensis 'Eversheen' schnitt die EM Spritz- und Gießbehandlung am schlechtesten ab. Die Einmischung von EM ins Substrat wirkte sich bei bei Carex brunnea und Carex caryophyllea etwas positiver aus, bei Carex hachijoensis 'Eversheen' zeigten sich bei dieser Variante die wenigsten sichtbaren Wurzeln.
Bezüglich der Wurzelqualität war kein eindeutiger Einfluss der EM-Behandlungen auszumachen. Im Durchschnitt aller Arten und Sorten lagen die Werte bei den EM-Varianten gleich oder geringfügig unter denen der unbehandelten Kontrolle. Die Gieß- und Spritzbehandlung mit EM schnitt bei etwa 30 % der untersuchten Arten besser ab als die Kontrollvariante.

Gesamteindruck und Pflanzengesundheit

Bei vielen Arten und Sorten war optisch kaum ein Unterschied in der Qualität wahrnehmbar. Im Durchschnitt konnten in allen Behandlungsvarianten gute Qualitäten erzeugt werden. Der Gesamteindruck im Mittel aller Arten und Sorten blieb bei der EM-Gieß- und Spritzbehandlung mit 7,2 von neun möglichen Punkten nur geringfügig unter der Kontrollvariante mit 7,3 Punkten. Bei dem Versuch mit den 3 Varianten wurden beide EM Varianten im Mittel etwas schlechter bewertet als die Kontrolle. Bei 39 % der Sorten schnitt die Kontrolle am besten von den drei Varianten ab.
Die Ausfallquote wurde von den EM-Behandlungen nicht verbessert. Zum Beispiel traten bei Hebe hastii, wahrscheinlich aufgrund hoher Gewächshaustemperaturen, Wurzelschäden bis hin zum Totalausfall auf. Die Ausfallrate war in den EM-Parzellen genauso hoch wie in der unbehandelten Kontrolle.
Bei Carex caryophyllea, Carex panicea, Corynephorus canescens, Koeleria glauca, Uncinia rubra und den beiden Luzula-Arten traten in der Kultur gelbe oder nekrotische Halmspitzen auf. In den Parzellen wurden die einzelnen Pflanzen auf Anzahl und Ausmaß dieser Erscheinung von 1 bis 9 bewertet. Die Gieß- und Spritzbehandlung mit EM konnten diese Erscheinung nicht verhindern, die Schäden waren sogar stärker als ohne Behandlung.
Zum Ende der Kulturzeit im September trat bei einigen Pflanzenarten Echter Mehltau auf. Euphorbia myrsinites erwies sich als besonders anfällig. Das Laub aus der unbehandelten Kontrollvariante war oft gänzlich mit Pilzbelag bedeckt. Bei der EM Spritz- und Gießbehandlung und auch bei der Spritzvariante mit EM im Substrat blieben die Pflanzen bis zum Versuchsende befallsfrei. Auch bei Kombipots mit Viola cornuta konnte die EM-Behandlung den Echten Mehltau deutlich abschwächen oder lange verzögern. Vermutlich war die wöchentliche EM Spritzung für dieses positive Ergebnis verantwortlich. Bei einem Nachfolgeversuch im Frühjahr 2018 mit reiner EM-Spritzung ohne Gießbehandlung bestätigte sich dieses Ergebnis.
Tabelle 2: Einfluss von EM-Behandlungen auf die Bewurzelung und Gesundheit von 19 Gräserarten (Mittelwerte aus zwei Wiederholungen)
Behandlung Wurzelmenge
(1-9)
1= keine
9= komplett durchwurzelt
Wurzelqualität
(1-9)
1= sehr schlecht
9=sehr gut
Homogenität der Parzelle
(1-9)
1= sehr uniform
9= sehr inhomogen
Gesamtzahl ausgefallene Pflanzen Gelbe Halmspitzen
(1-9)
1= keine
9= alle Halme an der Pflanze gelbe Spitzen
EM im Substrat + spritzen 5,5 4,9 6,9 11 3,3
EM gießen + spritzen 5,3 4,9 7,2 12 4,1
Ohne EM 5,6 5,2 7,1 6 3,5

Fazit des Versuches

Unter den Versuchsbedingungen überwog der Sorteneinfluss der 106 getesteten Arten und Sorten aus dem Herbstsortiment den Einfluss der EM-Behandlungsvarianten. Hinsichtlich Gesamteindruck, Pflanzenhöhe und Pflanzendurchmesser sowie bei der sichtbaren Wurzelmenge und Wurzelqualität konnte kein einheitlicher Trend festgestellt werden. Das traf auch auf die Pflanzengesundheit zu: Schwache oder kränkliche Pflanzen boten mit und ohne EM-Behandlung bis zum Schluss ein schlechtes Bild. Der Befall mit Echtem Mehltau zum Versuchsende konnte mit den EM-Spritzungen hingegen stark verzögert oder ganz verhindert werden.