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Viola odorata - Kulturversuch 2006/2007
Neue Sorten von Viola odorata - Neun "Miracles" in Veitshöchheim getestet
Duftveilchen wurden früher als Schnittblumen für kleine Handsträuße kultiviert. Heutzutage dienen Viola odorata im Topf der Sortimentsergänzung bei den Frühjahrsblühern, wobei der Duft ein zusätzliches Verkaufsargument ist. Die Nostalgie-Pflanze gibt es inzwischen in verschiedenen Farben. Züchtung und Samenvermehrung sind nicht ganz einfach, so dass die Kultur am besten mit zugekauften Jungpflanzen begonnen wird.
An der Bayerischen Landesanstalt in Veitshöchheim wurde 2006/07 ein Kulturversuch mit 9 Sorten des Recklinghausener Züchters Kuffel durchgeführt.
Kulturverlauf
Topfen:
10.08.2006 (KW 32) gelieferte Jungpflanzen (66-er Platten) in Primelerde Patzer inkl. 2 kg Osmocote 5-6 M Topfgröße: 10 cm – 1 Pflanze; 12 cm – 2 Pflanzen
Stutzen:
9.10. (KW 41) starker Rückschnitt auf Topfdurchmesser
Standweite:
anfangs Topf an Topf ab 28.11. (KW 48) 49/m² (10-cm-Töpfe); 36/m² (12-cm-Töpfe)
Düngung:
1. 2/5° C (Heizung/Lüftung) immer 2. 2/5° C (Heizung/Lüftung) + Assimilationslicht ab Woche 48 bzw. 52 3. anfangs 2/5° C, dann 10/13° C (Heizung/Lüftung) + Assimilationslicht ab Woche 48 bzw. 52
Assimilationslicht:
ca. 4 Klx 16 Stunden lang (5:00 Uhr bis 21:00 Uhr) bei weniger als 10 Klx natürlichem Licht Beginn: ab Verfrühung Woche 48 bzw. 52 Ende: 14.2. (KW 7)
Pflanzenbehandlungen:
Fonganil, Rovral, Dithane Neo Tec, Vertimec, Conserve
Ergebnis
Nach dem Topfen am 10. August wurden die Pflanzen Topf-an-Topf aufgestellt. Es entwickelte sich im August und September viel Laub. Am 9. Oktober wurde stark zurückgeschnitten, so dass neben einzelnen jungen Blättern nur noch Blattstielenden zurückblieben. Diese Stielenden wurden später wieder überwachsen.
Im außergewöhnlich warmen Spätherbst und Winter wuchsen die Pflanzen nach dem Stutzen je nach Sorte teils recht üppig. Es stellte sich die Frage, ob die Pflanzen der Kulturvariante 3 bis zum Beginn der "Treibphase" bei 10/13° C ab Woche 48 bzw. 52 genügend Kälteeinwirkung zur Blütenentwicklung bekommen hatten. Bis dahin hatten anstelle der eingestellten Temperaturen von 2° C Heizung und 5° C Lüftung wegen des milden und wolkenreichen Wetters auch hier oft deutlich höhere Temperaturen auf die Pflanzen gewirkt. In der "Treibphase" ab Woche 48 bzw. 52 wurde mit Assimilationslicht belichtet.
Auswirkungen Wärmebehandlung
Die ab Woche 48 wie auch ab Woche 52 wärmer kultivierten Pflanzen begannen fast zum gleichen Zeitpunkt mit der Blüte. Die frühen Sorten blühten ab Woche 52. Ab Woche 48 wärmer kultivierte Pflanzen wuchsen fast immer in minderer Qualität: Bei den frühen Sorten entwickelte sich langes, weiches Laub, die Blüten blieben im Laub. Bei den späteren Sorten wurden generell zu wenig Blüten gebildet, das Boniturstadium 50 % der Pflanzen mit mindestens 3 offenen Blüten wurde nicht erreicht. Ab Woche 52 wärmer gestellte späte Sorten verhielten sich ebenso. Dagegen erreichten die in Woche 52 wärmer gestellten frühen Sorten mittlere bis gute Qualität (Note 5 bis 7 auf der Skala 1 bis 9).
Auswirkungen Assimilationsbelichtung
Alle nur frostfrei kultivierten Parzellen wuchsen und blühten in besserer Qualität als die wärmer kultivierten (10/13° C Heizung/Lüftung). Wobei nochmals betont werden muss, dass im milden Winter 2006/07 die wirklichen Temperaturen oftmals höher lagen als die eingestellten 2° C Heizung und 5° C Lüftung.
Alle Sorten erhielten mittlere bis gute Bewertungen der Qualität (Note 5 bis 8). Die ab Woche 48 und ab Woche 52 mit Assimilationsbelichtung kultivierten Sorten unterschieden sich folgendermaßen: Die frühen Sorten blühten, ab Woche 48 belichtet, etwa eine Woche früher (ca. 16.1.) als die ab Woche 52 belichteten. Bei den späteren Sorten kehrte sich dieser Unterschied um. Hier blühten die später belichteten Sorten etwa zwei Wochen früher. Qualitäten und Pflanzengröße unterschieden sich kaum.
Die Parzellen ohne Assimilationslicht und bei frostfreier Kultur entwickelten sich recht ähnlich den Parzellen mit Assimilationslicht. Die frühen Sorten blühten mit Mitte Februar etwa 3 Wochen später als die ab Woche 52 belichteten. Späte Sorten waren mit Blühtermin Ende Februar bis Anfang März ebenfalls etwa 3 Wochen später.
Topfgröße
In der frostfreien Kultur ohne Assimilationslicht wurde in zwei verschiedenen Topfgrößen kultiviert. Die Pflanzen in 12-cm-Töpfen mit zwei Jungpflanzen waren in der Frühzeitigkeit und der Qualität ähnlich den Pflanzen in den 10-cm-Töpfen mit einer Jungpflanze. Der Pflanzendurchmesser war etwa 1 bis 4 cm größer, so dass der Flächenbesatz deutlich niedriger war. Bei der '2 SL' standen 36 gegenüber 49 je m² und bei der 'Albiflora' 64 gegenüber 100 Töpfen je m². Bei Vollblüte wurden deutlich mehr Blüten gezählt, meist 30 bis 50 % mehr. Zum Beispiel bei '2 SLD' rund 50 gegenüber 35 Blüten der Pflanzen in den 10-cm-Töpfen.
Blattflecken
In allen Kulturvarianten waren während der Kultur sortenunterschiedlich Blattflecken zu beobachten, die zumindest teilweise auf Ramularia-Befall zurückzuführen waren. Möglicherweise ging die Infektion von überdauerten Sporen eines Befalls bei Viola cornuta im Vorjahr aus. Es wurde nicht gezielt bekämpft. Die schnellwachsenden frühen Sorten waren fast nicht, die späten Sorten teils etwas stärker befallen.
Duft
Duftveilchen dürften vielfach wegen des erwarteten Dufts gekauft werden. Deshalb untersuchten wir den Duft der "Miracle"-Sorten genauer und ließen insgesamt 57 Personen (Studierende und Mitarbeiter) zu verschiedenen Tageszeiten "schnuppern". Auffällig ist die große Streubreite der Riech-Ergebnisse in der Tabelle. Das subjektive Empfinden spielt hier ebenso eine Rolle wie die Tageszeit, das Alter und die Anzahl der Blüten, die Duftnote sowie Sonneneinstrahlung, Wärme und Luftbewegung.
Bonitur Duft Viola odorata 'Miracle'-Sorten (Angaben in %)
| Sorte |
kein Duft |
leichter Duft |
mäßiger Duft |
starker Duft |
| Albiflora |
7 |
35 |
42 |
16 |
| 2 SL |
28 |
63 |
7 |
2 |
| 2 SLD |
52 |
30 |
14 |
4 |
| 6 EL |
11 |
31 |
44 |
14 |
| 19 EM |
49 |
42 |
5 |
4 |
| 22 NC |
13 |
19 |
40 |
28 |
| 23 CC |
53 |
40 |
2 |
5 |
| 13 TJ |
35 |
44 |
21 |
0 |
| 18 AS |
83 |
12 |
5 |
0 |
Die "Miracle"-Sorten - Bewertung bei frostfreier Kultur ohne Assimilationslicht in 10-cm-Töpfen
| Sorte |
Farbe |
Verkaufsreif *1 am |
Anzahl Blüten max. |
Töpfe je m² bei Verkaufsreife |
Qualität *2 (Noten 1-9) |
Beschreibung |
| Albiflora |
weißlich bis leicht hellblau |
28.2. |
14 |
100 |
5 |
sehr kompakt, Laub niedrig, Blüten hoch über Laub |
| 2 SL |
hellrosa |
12.2. |
35 |
49 |
8 |
kompakt bis leicht locker, Blütenstiele aufrecht bis seitlich, Blüten so hoch wie Laub |
| 2 SLD |
rosa |
14.2. |
35 |
49 |
8 |
kompakt bis leicht locker, Blütenstiele aufrecht bis seitlich, Blüten so hoch wie Laub. 30 % hellrosa Pflanzen |
| 6 EL |
violett |
22.2. |
30 |
49 |
7 |
kompakt bis locker breit, Blütenstiele aufrecht bis seitlich, große Blüten über dem Laub. |
| 19 EM |
rosa |
10.3. |
35 |
64 |
5 |
kompakt; Blütenstiele relativ kurz über Laub |
| 22 NC |
blau-violett |
26.2. |
22 |
100 |
5 |
kompakt; Blüten hoch über Laub |
| 23 CC |
weiß |
7.3. |
15 |
64 |
7 |
Laub flach, breit; Blüten niedrig über Laub |
| 13 TJ |
hellrosa |
16.2. |
35 |
49 |
7 |
kompakt bis leicht locker, Blütenstiele aufrecht bis seitlich, Blüten so hoch wie Laub |
| 18 AS |
hellorange, champagner |
10.3. |
15 |
81 |
4 |
Laub kompakt, Blüten niedrig über dem Laub, einzelne blau-violette Pflanzen |
*1 50 % der Pflanzen mit mindestens 3 offenen Blüten *2 1 = sehr schlecht, 9 = sehr gut
'Albiflora'
|
'2 SL'
|
'2 SLD'
|
'6 EL'
|
'19 EM'
|
'22 NC'
|
'23 CC'
|
'13 TJ'
|
'18 AS'
|
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Rückschnitt der Viola odorata mit der Schere
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Zurückgeschnittene Pflanzen von Viola odorata
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