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Sortimentsprüfung von Erysimum bzw. Cheiranthus

54 Sorten des Schöterich in Veitshöchheim getestet

Neben den Primeln, den Violen und den Hornveilchen zählt der Schöterich bzw. der Goldlack zum altbekannten Frühjahrsblüher-Sortiment. Farben und Blütenfülle der bisherigen Sorten sind jedoch nicht so auffällig, neue Sorten z. B. von Kientzler bringen Bewegung ins Sortiment. Auch der teils kräftige Duft ist ein Verkaufsargument dieser Nostalgie-Pflanzen.

Über den Winter 2006/07 wurden fast alle erhältlichen Sorten von Erysimum von 8 Lieferanten an der Landesanstalt in Veitshöchheim geprüft. 12 Sorten stammten aus vegetativer Vermehrung. 17 von den 42 samenvermehrten Sorten waren nicht als Jungpflanzen lieferbar und wurden selbst ausgesät. Zur Erkundung der optimalen Kulturdauer wurden zwei Sätze Ende August bis Mitte September und Ende September bis Mitte Oktober getopft.

Zur Kultur

Topfen:

  • Satz 1:
    gelieferte Jungpflanzen: 29.8./30.8. (Florelite 24.8.)
    Eigenaussaaten: 19.9.
  • Satz 2:
    gelieferte Jungpflanzen: 27.9. (Florensis 13.10.)
    Eigenaussaaten: 27.9.
Blühende Pflanze in Gelb

Topfgröße:

11 cm

Substrat:

Primelerde Patzer incl. 2 kg Osmocote 5-6 M

Gießen:

überkopf

Düngung:

0,16 % Flory 3 (15-10-15), November 2 x wöchentlich, anschließend wöchentlich

Temperatur:

ab Topfen: 2/6 °C Heiztemperatur/Lüftungstemperatur

Stutzen:

13.10. wüchsige Sorten in Satz 1

Standweite:

40/48 Pflanzen je Netto-m² Satz 1/Satz 2
14.12. wüchsige Sorten rücken auf 32 je Netto-m²

Pflanzenbehandlungen:

Rovral, Conserve

Ergebnisse

Sätze/Topftermine

Herbst und Winter 2006/07 waren außergewöhnlich warm (ca. 4 °C wärmer als das langjährige Mittel, siehe Grafik). Deshalb wuchsen die Erysimum nach dem Topfen recht kräftig. Die 8 Tage bis 43 Tage früher getopften Sorten des ersten Satzes wurden daher bis zu 20 cm höher als die des zweiten Satzes. Sie blühten meist gleichzeitig oder bis 15 Tage früher. Extreme Blütezeitunterschiede gab es bei den ohne Kältereiz blühenden Serien. 'Citrona' (Ball), 'Charity' (Florensis) und 'Aida'-Sorten (SuG) blühten bereits im November, die Pflanzen des zweiten Satzes erst von Ende Dezember bis März. Das restliche Sortiment blühte teils recht spät bis Ende April, was vermutlich auf die fehlende Kälte des extrem milden Winters zurückzuführen war. Reichblütigkeit und Qualität der Pflanzen waren in beiden Sätzen meist ähnlich. Spitzennoten von 8 oder 9 (Notenskala 1-9) wurden von 10 (Satz 1) bzw. 8 Sorten (Satz 2) erreicht.

Tagesmitteltemperaturen Veitshöchheim Wölflein  PDF-Dokument

Stutzen

Bei wüchsigen Sorten des ersten Satzes (31 Sorten) wurde am 13.10. jeweils die halbe Parzelle gestutzt. Dieses sonst bei Erysimum nicht übliche Stutzen bewirkte keine bis eine deutliche
Blühverzögerung um bis zu vier Wochen. Die Pflanzen wurden teils gleich hoch oder blieben gestutzt deutlich niedriger. Die Qualität wurde teils verbessert.

Wuchshemmung

Für Ausstellungszwecke wurden Pflanzen einiger Sorten mit Topflor 0,05 % zweimal behandelt. Die Pflanzen blieben danach deutlich kleiner.

Kultur bei 10 °C und Assimilationsbelichtung

Ebenfalls für Ausstellungszwecke wurde versucht, Pflanzen aller Sorten des ersten Satzes bei frostfreier Kultur (2/6 °C HT/LT) und bei 10/13 °C mittels Assimilationsbelichtung von 4 Kilolux 16 Stunden täglich zu verfrühen. Es wurde einmal ab Woche 47 und einmal ab Woche 52 jeweils bis Woche 4 belichtet. Die angestrebte Blüte Ende Januar konnte mit diesen Kulturverfahren meist nicht erreicht werden. Die nicht kältebedürftigen Sorten blühten schon im November. Die restlichen frostfrei meist März bis April blühenden Sorten konnten mit 10 °C Heiztemperatur und Assimilationslicht ab Woche 47 etwa 4 bis 9 Wochen früher zur Blüte gebracht werden. Aber der Pflanzenaufbau und die Qualität waren bei den höheren Temperaturen meist schlechter. Dies war auch bei der Variante 2 °C Heiztemperatur der Fall. Zur warmen Witterung kam auch hier noch die Wärme der Assimilationslampen hinzu.

Duft

Die meisten der geprüften Erysimum-/Cheiranthus-Sorten dufteten wahrnehmbar. Unseren drei Testpersonen fiel der starke Duft von Erysimum perovskianum 'Goldshot' (Florensis) und 'Goldrush' (Kieft) auf. Ebenso dufteten stark Eryngium allionii (Weigelt), E. a. 'Gruppengold' (Nebelung), 'Orange Queen' (Florensis), Cheiranthus allionii 'Orange' und 'Golden' (Florelite). Des weiteren Cheiranthus 'Royal Golden Yellow' (SuG) und die Cheiranthus cheiri 'Fair Lady'-Mischung (Florensis).

Sorten

Im Versuch und in den Listen wurden die Gattungsbezeichnungen so verwendet, wie sie von den Lieferfirmen geführt werden. Die aktuell gültige Gattungsbezeichnung ist Erysimum, Cheiranthus ist aber auch eingeführt und bleibt uns sicher noch einige Jahre erhalten. Aufgrund der beiden verwendeten Gattungsnamen ist die Auflistung etwas unübersichtlich. Es sind einige Sorten enthalten, die sich recht ähnlich sehen und eventuell gleiche züchterische Herkunft haben. Insgesamt sind neben vielen Einzelsorten einige markante Serien enthalten, dazu kommen die vegetativ vermehrten Kreuzungen von Kientzler.

Drei Serien blühten ohne Kältereiz schon im November: 'Citrona' von Ball in gelb und orange wuchs schmal und hoch. 'Charity' von Florensis entwickelte sich kompakt nur etwa 20 cm hoch in den Farben cremeweiß, altrosa, rotbraun und gelb. 'Aida' von SuG wuchsen ebenfalls kompakt in diesen vier Farben.

Weitere Serien in der Prüfung: 'Bedder' von Florensis mit lockerem, hohem Wuchs in dunkelrot, orangerot, gelb und schwefelgelb. Blüte in beiden Sätzen erst Mitte April. Die beiden 'Treasure'-Farben von Florelite wuchsen zwar kompakt und mittelhoch, aber 'Yellow' war im ersten Satz schon am 1. November, 'Scarlet' erst am 1. März verkaufsfertig. 'Royal Golden Yellow' und 'Royal Orange Scarlet' von SuG wuchsen locker und hoch mit gutem Blütenbesatz. 'Prince' von Florensis in den Farben schwefelgelb, gelb, dunkelrot und violett wuchs halbhoch und meist locker. Das Stadium 50 % blühend wurde Anfang bis Mitte April erreicht. 'Prince' von Weigelt wurde selbst ausgesät und hatte die selben Eigenschaften wie die mit Jungpflanzen von Florensis kultivierten.

Von den vegetativ vermehrten Kientzler-Sorten sind 'Sweet Sorbet' in violett und die duftende 'Terracotta' nicht mehr im Programm. Am frühesten (Februar) blühte die violette 'Winter Joy' bei sehr kräftigem Wuchs. Ebenso wüchsig 'Winter Sorbet' (gelb-lila), auch recht früh Anfang März in Blüte. Anfang bis Mitte März blühte die etwas kompaktere 'Gold'. Diese und auch 'Bronce' dufteten mittelstark. 'Bronce' blieb deutlich niedriger. Nur 10 cm hoch wurde die schwefelgelbe 'Zwerg'. Diese blühte erst Anfang April mit gutem Blütenbesatz und guter Pflanzenqualität.


Im restlichen Sortiment blieben ebenfalls sehr niedrig Erysimum helveticum (gelb) und Erysimum suffruticosum 'Goldstaub' von Florensis und die beiden Erysimum perovskianum 'Goldshot' und 'Goldrush' von Florensis und Kieft. Auffällig auch das weißgerandete Laub der violett blühenden Erysimum 'Exp. Purple Peach Var.' und Erysimum linifolium 'Variegatum' von Florensis. Beide wurden recht hoch und blühten im April.

Erysimum/ Cheiranthus Sortiments- und Kulturversuch 2006/07 Ergebnisse Satz 1 und Satz 2 ungestutzt  PDF-Dokument


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Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Abteilung Gartenbau, Sachgebiet Zierpflanzenbau