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Gräser für den Herbstverkauf
Auch im Spätsommer und Herbst steht für die Produktion und den Handel ein umfangreiches Sortiment blühender Topfpflanzen zur Verfügung. Freilandchrysanthemen und viele andere Pflanzen in auffälligen wie auch dezenten Farben kommen meist aus dem Staudenbereich. Zum Kombinieren mit diesen Blütenpflanzen eignen sich in gemischten Gefäßen oder Beeten die Gräser. Mit ihrem kompakten bis grazilen Wuchs und ihrer feinen bis dekorativ breitblättrigen Belaubung bringen sie Abwechslung in die Pflanzungen. Dekorative Blütenstände erhöhen den Zierwert einiger Arten.
Die LWG Veitshöchheim prüfte 46 als Jungpflanzen erhältliche Arten bzw. Sorten von Gräsern oder grasartig wachsenden Pflanzen. Es wurde zum einen immer im Gewächshaus in 12-cm-Töpfen kultiviert und zum anderen 19-cm-Töpfe nach dem Einwurzeln im Freiland fertigkultiviert. In beiden Kulturvarianten wurde der Nährstoffbedarf untersucht, indem man jeweils einmal mit 0,05 % und einmal mit 0,1 % immer flüssig nachdüngte.
Versuchsdurchführung
Je nach Lieferbarkeit der Jungpflanzen wurde in einem weiten Bereich vom 2.5. (Imperata) bis 3.7. (Dianella, Deschampsia, Cymbopogon) getopft. Mit Staudensubstrat Patzer wurden in die 12-cm-Töpfe je eine, in die 19-cm-Töpfe teilweise 3 Jungpflanzen getopft. Bei 6 °C Heizungs- und 12 °C Lüftungseinstellung standen anfangs alle Pflanzen im Gewächshaus. Die 19-cm-Töpfe kamen am 4. Juli (KW 27) ins Freie. Hier standen 10 Töpfe/m², im Gewächshaus bei den 12-cm-Töpfen 20/Netto-m². Bewässert wurde im Gewächshaus mittels Anstau, im Feiland mit S.N.D.-Tropfer (selbstverschließend, druckkompensiert).
In der Anzucht wurde mit 0,05 % bis 0,1 % Ferty 3 Mega (18-12-18) gedüngt. Ab dem Ausräumen bzw. dem Aufstellen auf Endstand im Gewächshaus wurde je eine Variante mit 0,05 % und eine mit 0,1 % kontinuierlichem Flüssigdünger mit Ferty 3 Mega gedüngt.
Dithane Neo Tec, Systhane, Vertimec, Conserve, Pirimor und Confidor wurden je nach Bedarf ausgebracht.
Gewächshauskultur – Freilandkultur
Die Qualität der Gräser im Freiland war bei etwa der Hälfte der Arten deutlich schlechter als bei den im Gewächshaus kultivierten. Ursache waren Blattflecken, entstanden durch Witterungseinflüsse wie Verbrennungen oder Pilzinfektionen nach langer Nässe (teils Rostbefall).
12-cm-Töpfe – 19-cm-Töpfe
Etwa ein Drittel der Arten/Sorten passte in die 12-cm-Töpfe, zwei Drittel hätten meist 14-cm-Töpfe für ein optimales Pflanzen-Topf-Verhältnis benötigt.
In den 19-cm-Töpfen konnten sich die Pflanzen meist reichlich entfalten. Dennoch waren diese Töpfe bei etwa der Hälfte des Sortiments zu groß. Bei 11 schwachwachsenden Gräsern erreichten wir mit 3 Jungpflanzen je Topf ausreichend große Pflanzen. 7 Arten hätten noch größere Töpfe vertragen können.
0,05 % - 0,1 % Nachdüngung
Knapp die Hälfte aller Arten entwickelte sich mit 0,1 % nachgedüngt leicht kräftiger als mit nur 0,05 % nachgedüngt. Sowohl im Gewächshaus in 12er Töpfen, wie auch im Freiland in den 19-cm-Töpfen.
Die schwächere Düngung ergab zwar kleinere, aber in der Qualität (Gleichmäßigkeit, Blattfärbung) meist keine schlechteren Pflanzen.
Deutlich kräftiger wuchsen bei 0,1 %: Calamagrostis 'Overdam' und 'Karl Foerster', Arundo donax im Freiland, im Gewächshaus Corynephorus canescens 'Spiky Blue', Pennisetum 'Hameln' und Stipa calamagrostis.
Bei über der Hälfte der Arten war kein Unterschied zwischen den Düngungsstufen zu sehen.
Bei vier Arten wirkte sich die stärkere Düngung im Freiland leicht negativ aus. Carex buchananii 'Red Rooster', Deschampsia caespitosa 'Goldschleier' und Miscanthus sinensis 'Ferner Osten' wuchsen etwas schwächer.
Blütenbildung
Nach der kurzen Kulturzeit blühte nur ein Drittel der Gräser bzw. grasähnlichen Pflanzen zum Versuchsende in Woche 39. Dies waren z.B. Pennisetum und drei von sechs Miscanthus-Sorten. Hier sind Blütenstände wichtig für die Zierde.
Arten und Sorten
Acorus gramineus, der Zwergkalmus, wächst grasartig. Er hat die schmalen, grün-weiß oder grün-gelbgrün gestreiften Blätter interessant in halben Rosetten angeordnet. Die Sorten von Selecta wuchsen etwas kompakter als die von Kientzler. Nur im Gewächshaus war die Qualität gut.
Alopecurus, der Goldfuchsschwanz von Grünewald, war auffällig gelbgrün gestreift. Er wuchs breit ausladend und war im Freiland mit Rost befallen.
Arundo donax 'Versicolor' hat dekorative breite, gelbgrün gestreifte Blätter. Die kräftigen Pflanzen wurden in den 19-cm-Töpfen 80 cm hoch.
links: Acorus gramineus 'Argenteostriatus' (Zwergkalmus) rechts: Arundo donax 'Versicolor' (Pfahlrohr)
Calamagrostis 'Overdam' (grün-weiß-rot gestreift) und 'Karl Foerster' (grünblättrig) mit den schmalen Blättern wuchsen ebenfalls relativ kräftig und waren stark mit orangem Rost befallen.
Recht vielfältig waren Wuchsstärke und Wuchsform der Seggen.
Carex brunnea wuchs straff aufrecht mit grünen teils feingestreiften, festen und sehr dünnen Halmen. 'Jubilo' und 'Variegata' blieben für die verwendeten Töpfe deutlich zu klein. Alle Carex brunnea blühten mit unauffälligen Blütenständen. Fast schon abgestorben wirken die bronzefarbenen Seggen. Recht wüchsig Carex buchananii 'Red Rooster' mit dem schmalen aufrechten Wuchs und eingedrehten Blattspitzen. Ebenfalls wüchsig, aber kugeliger Wuchs mit anfangs bräunlichen, an den überhängenden Spitzen weißlichen Blättern waren Carex flagellata 'Bronzita' und Carex comans 'Bronco' von Florensis. Deutlich schwächer Carex comans 'Bronze Perfection' und die grünliche 'Amazon Mist'. Carex testacea 'Pairie Fire' wuchs stark ausladend. Auffällig feines grünes Laub mit orangebraunen Spitzen. Kompakter blieb die Art von Kientzler. Für eine Segge relativ breite Blätter hatte die leuchtend hellgrüne Carex elata 'Bowles Golden'.
Carex comans (Segge) links: 'Amazon Mist', rechts: 'Bronco'
Für das wüchsige Pampasgras 'Pumila' war selbst der 19-cm-Topf zu klein. Nur ein Topf blühte.
Das Silbergras bildete halbrunde Kugeln mit bläulichgrünen nadelartigen Blättern. Drei Pflanzen im Topf ergaben interessante konkurrierende Blattquirle. Wenig attraktiv war das Zitronengras mit nur wenigen Trieben und Blättern.
Deschampsia von Grünewald hatten weiches frischgrünes Laub und kugeligen Wuchs.
links: Cortaderia selloana 'Pumila' (Pampasgras) Mitte: Corynephorus canescens 'Spiky Blue' (Silbergras) rechts: Deschampsia caespitosa 'Goldschleier' (Waldschmiele)
Ähnlich einer Grünlilie grün-weiß gestreift waren die breiten Blätter der Flachslilie Dianella. Im Freiland, aber auch im Gewächshaus waren Schäden durch rötliche Blattflecken zu sehen.
Recht kompakte Horste bildeten die Blauschwingel von Kientzler. 'Elijah Blue' war etwas blauer als 'Eisvogel'. 'Festina' von Florensis wuchs kräftiger und war grüner.
Sehr auffällig ist das Japanische Blutgras. Die Blätter wachsen straff aufrecht, sind an der ersten Hälfte grün und etwa in der zweiten Hälfte rötlich gefärbt. Im Freiland vertrocknete das zarte Laub von den Spitzen her etwas.
links: Dianella tasmanica 'Variegata' (Flachslilie) Mitte: Festuca glauca 'Festina' (Blauschwingel) rechts: Imperata cylindria 'Red Baron' (Japanisches Blutgras)
Koeleria 'Coolio' wuchs mit graugrünen, weichen überhängenden Blättern halbkugelförmig und schob bis Ende September einzelne Blütenstiele.
Beide Luzula passten in der Größe zu den 12er und mit 3 Pflanzen je Topf zu den 19-cm-Töpfen. 'Lucius' mit schmalen Blättern war weniger auffällig als 'Starmaker' mit breiterem frischgrün leuchtendem Laub.
Von den 6 Miscanthus-Sorten blühten bis Ende September 'Adagio' (silbriger Blütenstand), 'Ferner Osten' (rötlich) und 'Kleine Silberspinne' (rötlich). Mit einer Wuchshöhe von 70 bis 120 cm passten sie gut in die 19-cm-Töpfe; 12-cm-Töpfe im Gewächshaus waren etwas zu klein. Die Chinaschilfe hatten meist sehr feines Laub, die Blätter von 'Cabaret' waren breit und gelbgrün längs gestreift, die von 'Strictus' gelb quergestreift.
links: Koeleria glauca 'Coolio' (Blaugrünes Schillergras) Mitte: Luzula nivea 'Lucius' (Hainsimse) rechts: Miscanthus purpurascens 'Adagio' (Chinaschilf)
Sehr hoch wuchs die Rutenhirse mit zahlreichen, unscheinbaren braunen Blütenständen.
Pennisetum 'Hameln' wuchs breit ausladend und blühte grün-silbrig mit orangen Staubbeuteln. Die rotlaubigen Pennisetum setaceum wuchsen noch kräftiger. Viele auffällige, rötliche später braune Ähren entwickelten sich ab Anfang August. 'Rubrum' erreichte eine Höhe von 100 cm. Beide sind recht nährstoffbedüftig, denn vor allem bei nur 0,05 % laufender Nachdüngung minderte viel abgestorbenes älteres Laub die Qualität.
links: Panicum virgatum 'Shenandoah' (Rutenhirse) rechts: Pennisetum alopecuroides 'Hameln' (Lampenputzergras)
Beim sehr wüchsigen Phalaris stehen die hellgrün weiß-rötlich gestreiften Blattspitzen in mehreren Etagen vom Halm ab.
Viel Platz benötigte das Federgras 'Pony Tails'. Neben den sehr feinen grünen Blättern entwickelten sich im Freiland schon ab Ende Juli zahlreiche feine Blütenstände mit langen hellbraunen "Federn". Mit 0,1 % gedüngt fielen die üppigen Pflanzen stärker auseinander.
links: Phalaris arundinacea 'Dwarf Garters' (Glanzgras) rechts: Stipa tenuissima 'Pony Tails' (Federgras)
Ausführliche Sortenliste
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