Artenvielfalt in der Baumkrone
Die Bäume von morgen – El Dorado oder „Ökologische Wüste“?

Studentin Rosa Albrecht in einem Hubsteiger in der Baumkrone

Die Biologiestudentin Rosa Albrecht hat genau hingeschaut: Über eine gesamte Vegetationsperiode hat sie im Rahmen ihrer Masterarbeit im letzten Jahr die Artenvielfalt in den Baumkronen der in Würzburg gepflanzten Zukunftsbäume untersucht - und das in rund 6 Meter Höhe. Eines lässt sich dabei jetzt schon sagen: Die nicht heimischen Stadtbäume haben sich bestens integriert, denn in den Baumkronen summt, brummt, kriecht und kreucht es gewaltig.

Gesucht: Neue Stadtbäume!

Den heimischen Baumarten geht es zunehmend schlechter. Denn anhaltende Trockenperioden und Hitzewellen machen den heimischen Arten wie Linde und Ahorn das Leben schwer. So ist die Trockenstresstoleranz bei vielen Baumarten bereits häufig überschritten, sodass sie sich künftig mehr und mehr aus dem gewohnten Bild der Innenstädte verabschieden. Im Projekt „Stadtgrün 2021“ sucht die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) aus Veitshöchheim daher Kandidaten für die klimaresilliente Stadt. „Was liegt dabei näher als Bäume zu wählen, die von Haus aus mit Hitze, Trockenheit und Wasserknappheit bestens vertraut sind“, so Dr. Susanne Böll, Leiterin des Stadtgrün-Projektes. Bei den Testkandidaten handelt es sich daher vorwiegend um Baumarten aus Osteuropa, die dank ihrer kontinentalen Herkunft an diese Extreme angepasst sind. Seit 2010 werden deshalb 30 verschiedene Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Deutschland auf Herz und Niere getestet. Mit 31 Hitzetagen bei Durchschnittstemperaturen von bis zu 40 °C (Werte aus 2015) sowie langen Trockenperioden werden die Bäume am Standort Würzburg dabei auf ihre Trockenstresstoleranz geprüft.

Die Ökologie muss stimmen

Doch sind unsere nicht heimischen Stadtbäume „ökologische Wüsten“? Ist die Baumkrone einer heimischen Linde artenreicher als die Baumkrone der osteuropäischen Silberlinde? Genau dies versucht Rosa Albrecht in ihrer Masterarbeit herauszufinden. „Bisher gibt es dazu keinerlei Vergleichswerte“, so die 26-jährige Studentin. Umso spannender wird daher das finale Ergebnis ihrer Abschlussarbeit. „Damit wir eine Aussage über das gesamte Insektenspektrum machen können, haben wir drei verschiedene Fangmethoden eingesetzt“, erläutert Albrecht. So wurden etwa fliegende Insekten wie Käfer, Zikaden und Wanzen über Fensterfallen eingefangen. Bei der Klopfprobe, also dem Abklopfen von Ästen mit einem Holzstock, wurden alle nicht fliegenden Insekten wie Raupen und andere Larven sowie räuberische Spinnen erfasst. Nicht zuletzt gingen der Studentin über eine Gelbtafel, vergleichbar einer Fliegenfalle, auch Nützlinge wie Zwergwespen auf den Leim.

Zum Anbeißen gut

„Schon jetzt lässt sich sagen, dass sich unsere nicht heimischen Stadtbäume nicht verstecken müssen“, bringt es Albrecht auf den Punkt. Denn bei jeder Hubsteigerfahrt kehrte sie auch bei Silberlinde und Co. mit gut gefüllten Fallen zurück. Insgesamt wurden auf den 30 untersuchten Bäumen über die Saison über 100.000 Tiere gefangen, wie ein erster Überblick zeigt. Diese hohen Individuenzahlen belegen, welch wichtigen Lebensraum Straßenbäume für Insekten und Spinnen darstellen. Detaillierte Auswertungen zur Artenvielfalt der einzelnen Baumarten stehen noch aus. „Wir sind sehr gespannt, was die Auswertung am Ende zeigen wird. Denn damit wird zum ersten Mal eine ´echte´ Diskussionsgrundlage geschaffen, inwieweit unsere nicht heimischen Baumarten tatsächlich von unseren heimischen Insekten angenommen werden“, so Dr. Susanne Böll.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt "Stadtgrün 2021: Neue Bäume braucht das Land!"

Hinweis mit Staatswappen "Finanziert durch Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz"
Das Projekt wird gemeinsam von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und dem Biozentrum der Universität Würzburg (Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie) durchgeführt.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zur Vorstudie Externer Link

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