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Kompetenzen wachsen lassen

Meister- und Technikerausbildung in Veitshöchheim

Ulrich Schäfer und Hans Beischl

„Ehemaliger Veitshöchheimer“, Meisterprüfungsausschussvorsitzender und Präsident des VGL Bayern e.V., Ulrich Schäfer

Zuerst bedankt sich die Staatliche Fach- und Technikerschule recht herzlich für Ihre Mitwirkung als Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses Garten- und Landschaftsbau in der Zeit von 1997 bis 2007. Als Präsident des VGL Bayern e.V. sind Ihnen die Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung mit Sicherheit auch in Zukunft sehr wichtig. Aus diesem Grunde bitten wir Sie, mit diesem Gespräch gewissermaßen ein Resümee zu ziehen und in die Zukunft zu blicken.

  • 1. Frage: Viele Betriebe beklagen sich über die mangelnde Motivation und Einsatzbereitschaft ihrer Auszubildenden. Stimmen Sie dem zu?

Schäfer: Generell kann ich dem nicht beipflichten. Es gibt durchaus motivierte Auszubildende, die wissen, dass eine gute Ausbildung der Grundstein für eine berufliche Karriere bedeutet. Insbesondere lässt sich die Motivation auch während der Ausbildungszeit steigern. Wenn die Arbeit Spaß macht, dann fällt das Lernen auch nicht schwer. Natürlich gibt es auch nicht zu motivierende Auszubildende, aber die sollten wir auch nicht einstellen. Wir sollten bei der Auswahl wählerisch sein und über ein Praktikum oder einen Einstellungstest die Eignung prüfen.

  • 2. Frage: "Der Hauptschulabschluss ist auch nicht mehr das, was er einmal war". Stimmt diese These? Kann man so über die Ausbildungswilligen im GaLaBau reden? Und wo drückt der Schuh in den Fachbetrieben

Schäfer: Grundsätzlich sind die Hauptschüler keine schlechte Wahl. Natürlich sollten sie lesen, schreiben und rechnen können. Leider wird die Hauptschule teilweise zu einem Sammel-Lager von Lernschwachen oder Lernunwilligen abgestempelt. Eher praktisch veranlagte Schüler(innen) werden dort leider oft nicht ausreichend gefördert, obwohl diese später die geeigneten ausgebildeten Landschaftsgärtner werden könnten.

  • 4. Frage: Wie sieht der "moderne Meister" der Gegenwart und Zukunft aus?

Schäfer: "Modern" finde ich in diesem Zusammenhang etwas unpassend. Wir brauchen Menschen die mitdenken, Eigeninitiative zeigen, den Menschen und Kunden selbstbewusst gegenüber treten und auch ein Gespür für ein Zusatzgeschäft entwickeln. Bei der Mitarbeiterführung kommt es ganz klar auf die Führungsqualitäten an und wie er es schafft, Mitarbeiter und Auszubildende zu einem Team zu verschmelzen. Nur solche Teams verfügen über ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft. Das gilt bereits heute und wird in großem Maße die Spreu vom Weizen auch in der Zukunft trennen.

  • 5. Frage: Wo sehen Sie die größten betriebswirtschaftlichen Engpässe für die Führungskräfte?

Schäfer: In der Umsetzung der oft hart kalkulierten Zeitansätze und die Zusammenhänge der Kostenfaktoren. Meist reicht ein kleiner Zwischenfall und das Baustellenergebnis kann nicht mehr in den grünen Bereich gelotst werden. Und wenn die Vorkalkulation mit falschen Ansätzen arbeitet, ist im Nachhinein selten etwas positiv zu beeinflussen.

  • 6. Frage: Glauben Sie, dass es auch im Garten- und Landschaftsbau notwendig werden könnte, Schwerpunkte in der Ausbildung zu setzen z.B. im Bereich Akquisition und Marketing, Kalkulation, Aufmaß und Abrechnung, Arbeitsorganisation, Ausbildung und Mitarbeiterführung?

Schäfer: Eine gewisse Spezialisierung kann ich mir sehr wohl vorstellen. Letztendlich ist dieser Prozess schon im vollem Gange. Die Ausbildung in der großen Breite hat uns ja viele Allrounder beschert, aber oft fehlen die Spezialisten. Die müssen dann sehr kostenaufwändig in den Betrieben nachträglich ausgebildet werden. Eine Spezialisierung spätestens nach der Ausbildung halte ich für absolut notwendig.

  • 7. Frage: Vielseitigkeit kann auch zur Verflachung führen, frei nach dem Motto: "Von allem ein wenig, von nix was G`scheits". Sehen Sie Gefahren für unseren Berufsstand?

Schäfer: Genau das habe ich mit der Spezialisierung gemeint. Wir dürfen keinesfalls noch mehr Inhalte in die Ausbildung packen. Da sollten wir schon bei den Ausbildungsinhalten beginnen, unnötiges Zeug herausnehmen und dafür den gärtnerischen Schwerpunkten, z.B. Thema Pflanze und dessen Verwendung, zuschlagen.

  • 8. Frage: Welche Empfehlungen geben Sie den Absolventen / Innen der Fach- und Technikerschule auf die Reise mit?

Schäfer: Nehmen Sie alle Angebote während des Aufenthaltes an der Fach- und Technikerschule wahr. Versuchen Sie auch über den Tellerrand hinauszuschauen. In den angrenzenden Ländern gibt es viel Interessantes zu sehen. Besuchen Sie viele Betriebe und sprechen mit den Betriebsleitern und Chefs. Bobachten Sie die neuesten Trends und Marktentwicklungen. Nichts bewegt sich zur Zeit schneller als der Markt und die Ansprüche der Kunden und Auftraggeber. Und diesen Kundenansprüchen müssen Sie in Zukunft gerecht werden, ob als Selbständiger oder Angestellter werden Sie in einer Führungsposition gleichermaßen gefordert werden.

  • 9. Frage: Was halten Sie von unserer Anstrengung in Veitshöchheim, eine BWL-Arbeitsgruppe am Leben zu erhalten?

Schäfer: BWL ist neben den gärtnerischen Fächern ein Schwerpunktfach. Versuchen Sie mit allen Mitteln, die Gruppe am Leben zu erhalten und neu zu beleben. Vielleicht braucht es dazu auch einige neue Impulse.

  • 10. Frage: Wie gefällt Ihnen unsere Idee, am 10. Oktober 2007 einen Informationsabend "Licht installieren im Garten" mit Ausstellungen, Illuminationen und Vorträgen auszurichten?

Schäfer: Aktivitäten, die von Veitshöchheim ausgehen, sind immer zu begrüßen. Insbesondere Firmen aus Nordbayern und die Studierenden können sich einen Überblick über diesen interessanten Markt verschaffen. Wir verkaufen inzwischen in meiner Firma keinen Garten oder einen Schwimmteich ohne Licht. Das gehört heute dazu.

  • 11. Frage: Wie kann die Zusammenarbeit zwischen den Landschaftsarchitekten und den Fachbetrieben des Garten- und Landschaftsbaues verbessert werden?

Schäfer: Das würde ich nicht so pauschaliert beantworten wollen. In vielen Fällen arbeiten die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaues sehr gut mit den Landschaftsarchitekten zusammen. Fast jeder öffentliche Auftrag wird von einem Landschaftsarchitekten geplant. Das gleiche gilt für größere Hausgärten. Natürlich gibt es auch Individualisten, die alles selber ausführen und somit auch die Planung übernehmen und damit auch nach außen auftreten. Oftmals wird dort die Planung auch noch kostenlos durchgeführt. Viele sind sich auch nicht klar darüber, dass Sie bei Planungsleistungen auch das uneingeschränkte Haftungsrisiko übernehmen. Für mich gilt eine klare Trennung von Planung und Ausführung als das einzig Richtige. Und da wären wir wieder bei der Spezialisierung. Schuster bleib` bei deinen Leisten. Im Verband haben wir regelmäßige Gespräche mit dem BDLA und wir sind, glaube ich, auf dem richtigen Weg.

  • 12. Frage: Wie beurteilen Sie die Auf- und Durchstiegschancen zwischen den Absolventen der Technikerschulen zu einem Bachelorstudium an einer FH?

Schäfer: Die Weichen sind gestellt und der Zusage für ein weiterführendes Studium an der FH dürfte nichts mehr im Wege stehen. Allerdings steht noch aus, wie viele Absolventen der Technikerschule an einem weiterführenden Studium interessiert sind. Natürlich werden die Techniker zukünftig mit den Studenten des Landschaftsbau-Management-DUAL stärker konkurrieren; insbesondere bereitet mir die geringe Berufserfahrung der Techniker große Sorgen. Ohne fundierte Berufserfahrung wird es zukünftig immer weniger offene Stellen geben. Aber Techniker mit ausreichender Berufserfahrung, einem guten Schulabschluss und gegebenenfalls noch einem Aufbaustudium, dafür wird es auch in Zukunft Arbeitsstellen geben.
Wenn die Landesanstalt weiterhin mit Energie und Zielstrebigkeit motivierte Führungskräfte ausbildet, sehe ich für den Berufsstand keinen Mangel an Führungskräften. Wenngleich der Markt für Meister des Garten- und Landschaftsbaues wesentlich größer als das Angebot ist. Ich möchte alle Landschaftsgärtner mit ausreichender Berufspraxis motivieren die Ausbildung zum Meister anzustreben.
Als ehemaliger Veitshöchheimer fühle ich mich der Landesanstalt ganz besonders verbunden. Auch wenn ich zukünftig nicht mehr den Vorsitz des Meisterprüfungsausschusses innehaben werde, können Sie bei anderen Gelegenheiten jederzeit auf mich zählen. Außerdem bin ich ja im Fachbeirat der Fach- und Technikerschule vertreten. Damit bleibt ganz sicher eine enge Verbindung bestehen. Dass ich den Vorsitz gerne in jüngere Hände abgeben möchte, hatte ich auch bereits bei der letzten Wahl 2002 angekündigt. Damals hatte ich an mein neues Amt als Präsident der bayerischen Landschaftsgärtner nicht einmal im Traum gedacht. Viele Jahre als Prüfer im Meisterprüfungsausschuss und 10 Jahre als Vorsitzender sind genug. Ein Ehrenamt sollte immer zeitlich limitiert sein; und schließlich will ich Platz für neue Ideen und Aktivitäten schaffen.

Wir hoffen, dass der Berufstand auch in Zukunft die Fach- und Führungskräfte bekommt, die er so dringend braucht. Unser Wunsch ist es, dass wir Sie als Verbandspräsidenten, aber auch als Ehemaligen Veitshöchheimer noch viele Male innerhalb unserer Gefilde begrüßen dürfen. Vielen Dank für das Gespräch.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Hans Beischl, Abt. Landespflege, Tel.: 0931/9801-416, Fax: 0931/9801-400