Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
weiter zur Themennavigation|
Bildsymbol Pflanzenverwendung| Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau |
Wappen mit Link auf die Startseite des StMELF|
Kopfnavigation: weiter zur Position im Verzeichnisbaum|
Position im Verzeichnisbaum: weiter zum Inhalt|
StMELFLWGGarten- und LandschaftsbauPflanzenverwendung
Inhalt: zurück zum Seitenanfang|

Die Gelbe Pavie - Aesculus flava

Dr. Philipp Schönfeld

Aesculus flava 'Vestita' als junger Strauch.
Aus der Nähe betrachtet sind die Blüten von A. flava 'Vestita' durchaus attraktiv.

Die Gattung Aesculus ist durch den Befall der Roßkastanie (A. hippocastanum) mit der Katanienminiermotte in Verruf geraten. Dabei umfaßt die Gattung ca. 25 Arten, die in Europa, Nordamerika und Asien verbreitet sind. Zu den wenig bekannten und zu Unrecht vernachlässigten Arten gehört neben der Aesculus flava auch die Gelbe Pavie (A. pavia, früher A. octandra) aus Nordamerika. Diese Art wurde 1764 erstmalig eingeführt. Das Verbreitungsgebiet reicht von Pennsylvania bis South-Carolina. Sie gedeiht dort in Stromtälern und an schattigen Hängen im Bergland, bevorzugt in Höhen zwischen 460 und 1800 m. Die Jahresniederschläge am Naturstandort liegen zwischen 990 mm und 2130 mm. Die Gelbe Pavie wächst mittelstark und ist die mächtigste amerikanische Kastanienart. Das größte bekannte Exemplar am Naturstandort ist 42 m hoch und 16 m breit. In Europa erreicht sie diese Höhe nicht. Hier wächst sie zu einem mittelgroßen Baum heran. Mitunter bleibt sie aber auch nur ein großer mehrstämmiger Strauch. Die Bäume entwickeln eine aufrechte dichte Krone mit im Alter überhängenden Zweigen.

Die Sorte 'Vestita' (1970) bleibt mit 12 bis 15 m Höhe niedriger als die Art. Die Triebe und Blattunterseiten sind dicht behaart. Die Blüte ist grünlichgelb mit roten oder purpurrosa Flecken.

Aesculus flava ist Kreuzungspartner für eine Reihe von (Natur)-Hybriden: Allegheny-Rosskastanie A. x hybrida (A. flava x A. pavia); Carolina-Rosskastanie A. x neglecta (A. flava x A. sylvatica) und A. x marilandica (A. glabra x A. flava).

Zur Blütezeit ist zwar die Rosskastanie attraktiver als die Gelbe Pavie, aber man kann sie dennoch getrost zu den auffälligen Blütenbäumen zählen. Die Früchte sowie die jungen Triebe enthalten das giftige Glycosid Aesculin. Die Indianer rösteten vor dem Verzehr die Früchte, zerstampften sie und spülten sie anschließend einige Tage im Wasser. Auf diese Art wurde das Aesculin ausgetrieben.

Die Gelbe Pavie ist eine interessante und attraktive Art. Dennoch sieht man die Gelbe Pavie in modernen Parkanlagen leider nur noch selten. Schöne Exemplare findet der aufmerksame Dendrologe hingegen gelegentlich noch in alten Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts. Sie eignet sich bevorzugt zur Einzelstellung in großen Gärten und Parkanlagen. Als Straßenbaum ist sie nur bedingt geeignet. Bei entsprechenden Standortbedingungen kann sie aber in Vorstadtgebieten, am besten in breiten Grünstreifen an Stelle von kleinen Baumscheiben, auch als Straßenbaum verwendet werden.

Am Naturstandort ist sie u.a. vergesellschaftet mit Aesculus octandra, Liriodendron tulipifera, Acer saccharum und A. rubrum, Tsuga canadensis, Fraxinus americana, Nyssa sylvatica, Juglans nigra, Magnolia acuminata sowie Platanus occidentalis sowie verschiedenen Quercus-Arten. In der Strauchschicht wachsen u.a. Cornus florida und C. alternifolia, Magnolia tripetala, Acer pensylvanicum, Cercis canadensis, Amelanchier arborea, Hamamelis virginiana, Hydrangea arborescens, Sambucus canadensis sowie Aristolochia durior und Celastrus scandens. In Gesellschaft dieser Arten lassen sich mit der Gelben Pavie in großen Gärten und Parkanlagen sehr schöne eindrucksvolle Gehölzpflanzungen schaffen.

Woran sie zu erkennen ist

Die Winterknospen sind im Gegensatz zur Roßkastanie nicht klebrig. Aus ihnen entwickeln sich früh im Jahr die typischen dunkelgrünen Kastanienblätter mit 5, in Ausnahmefällen auch einmal 7, Blättchen. Sie sind 10-20 cm lang, verkehrt-eiförmig bis eiförmig, kurz gestielt und anfangs unterseits behaart. Der Blattrand ist fein gesägt. Die Blätter verfärben sich im Herbst orange bis hellgelb und fallen bald ab. Die Blüten erscheinen im Mai bis Juni in 10 bis 15 cm langen behaarten Rispen. Die Einzelblüte besteht aus 4 gelben ungleichen Kronenblättern mit purpurnen Saftmalen. Aus ihnen entwickeln sich 5 bis 7 cm lange zweisamige Früchte mit glatter Schale. Die Borke ist braun und blättert, ähnlich wie bei der Platane, in großen Schuppen ab.

Tipps für den Kunden

Die Gelbe Pavie ist eine anpassungsfähige Art und stellt keine besonderen Ansprüche an den Standort. Entsprechend ihrer Herkunft bevorzugt sie jedoch tiefgründige, nährstoffreiche und frische bis feuchte Böden sowie sonnige bis lichtschattige Standorte. Sie ist kalkverträglich. Wie alle Aesculus-Arten verträgt sie nur schlecht Hitze und trockene Luft sowie Bodenverdichtungen und Einpflasterung.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Dr. Philipp Schönfeld, Abt. Landespflege, Tel.: 0931/9801-409, Fax: 0931/9801-400