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Wollemia nobilis – ein Grünes Fossil aus der Urzeit

Frank Angermüller

Die Wollemia gilt mit als die wichtigste botanische Entdeckung des 20. Jahrhunderts. Sie ist eine der ältesten (ca. 90. Millionen Jahre) und seltensten Baumarten der Welt.

Die erste Wollemia in Europa (Wien, Großes Palmenhaus Schlosspark Schönbrunn)

Die gesamte Struktur der Pflanze wirkt elegant

Familie

Von der Systematik her betrachtet gehört dieser Nadelbaum zur Familie der Araucariaceae, die über 200 Millionen Jahre alt ist. Zu dieser Familie gehören außerdem die Gattung Araucaria sowie die weniger bekannte Gattung Agathis (Kauri-Fichte). Die Wollemia nobilis stellt dabei die einzige Art dieser dritten Gattung dar. Sie wird auch als Wollemi Kiefer (Wollemi Pine) bezeichnet, obwohl sie nicht zu den Kiefern gehört.

Wissenschaftlicher Name

Der botanische Name Wollemia nimmt Bezug auf den Fundort der Pflanzen in Australien. Dort wurden sie in einem unzugänglichen Tal in dem ca. 500.000 ha großen Wollemi Nationalpark in den Blue Mountains (ca. 200 km westlich von Sydney) 1994 entdeckt.


Die Gattungsbezeichnung Wollemia ist abgeleitet aus der Sprache der australischen Ureinwohner und bedeutet soviel wie „Sieh dich um, halte die Augen offen, schau hinaus“. Die Bezeichnung der Art geht zurück auf David Nobles (Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung in New South Wales), der die Baumart im Jahr 1994 beim Wandern entdeckt hatte. Interessanterweise bedeutet die Bezeichnung der Art „nobilis“ im lateinischen auch edel oder vornehm, was zufällig auch auf die Einzigartigkeit dieser Baumart Bezug nimmt.

Vorkommen

Von dieser Baumart gibt es nur noch ca. 100 ausgewachsene Bäume in drei kleineren Beständen. Auf Grund fossiler Funde ist bekannt, dass Wollemia nicht nur im heutigen Australien, sondern auf dem gesamten südlichen Teil des Urkontinents Gondwana vorkam. Vor der Entdeckung der Bäume nahm man an, dass Wollemia seit ca. 2 Millionen Jahren ausgestorben sei. Das Überleben einiger, weniger Pflanzen dieser Art in einem australischen Tal dürfte auf die gleichbleibenden klimatischen Verhältnisse über Millionen von Jahre zurückführen sein.

Beschreibung

Die Wollemia wird von Natur aus ca. 40 m hoch und erreicht einen Stamm- durchmesser von über 1 m. Es werden Zuwächse von bis zu 50 cm / Jahr erreicht. Die dunkelbraune Rinde besitzt blasige Ausstülpungen. Das Alter der noch lebenden Altbäume ist schwierig zu bestimmen, da sie mehrere Stämme ausbilden kann. Dies stellt eine Anpassung an Standorte dar, die häufig durch Brände heimgesucht werden. Es wird jedoch vermutet, dass das älteste gefundene Exemplar über 1000 Jahre alt ist. Sie ist einhäusig und getrennt geschlechtlich. Die Zapfen sind am Ende der Seitenzweige zu finden. Nach der Samenreife sollen nicht nur die Zapfen, sondern der ganze Zweig abgeworfen werden.

Erhaltung der Art

Um diese besondere Art vor dem Aussterben zu bewahren, ist es die Absicht, sie zu kultivieren und zunächst an Botanische Gärten und dann an private Gärten abzugeben.

Das erste Exemplar außerhalb Australiens erhielt der Botanische Garten der Universität Wien anlässlich seiner 250 Jahrfeier 2004 als Geschenk der Regierung Australiens. Dieses Exemplar ist heute als Dauerleihgabe im Großen Palmenhaus des Schlossparks Schönbrunn zu besichtigen. Die ersten frei erhältlichen Exemplare wurden 2005 in Sydney öffentlich versteigert.

Die erste Wollemia in Deutschland erhielt im Jahr 2005 der Palmengarten in Frankfurt. Seit Mitte 2006 sind auch einzelne Pflanzen im Fachhandel erhältlich. Die Vermarktung der Wollemia in Europa findet über die Gartenbaufirma Kientzler in Gensingen statt (siehe Bezugsquelle). Eine Vermehrung erfolgt über Samen und Gewebekulturen. Bis zum Jahr 2013 darf Wollemia nur in Australien vermehrt werden.

Ab 2006 wurden die ersten Pflanzen zum Verkauf in Privatgärten freigegeben. Die Lizenzgebühren vom Verkauf der Wollemia dienen in erster Linie der Erhaltung dieser seltenen Pflanze sowie anderen vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten. In Bayern können Exemplare im Botanischen Garten München-Nymphenburg, dem Botanischen Garten Würzburg und dem Ökologischen Botanischen Garten Bayreuth besichtigt werden.

Verwendung

Von Standort her bevorzugt Wollemia einen sonnigen und geschützten Platz mit sauren Bodenverhältnissen. Am Naturstandort wächst sie bei Temperaturen von – 12 bis + 45 °C. Es wird vermutet, dass sie ausgewachsen auch etwas kältere Temperaturen überstehen könnte. Sie stellt auf Grund des Alters der Art, des charakteristischen Wuchses und der wenigen noch lebenden Pflanzen eine Rarität für Gärten und Parks in klimatisch begünstigten Gebieten (Weinbauklima) dar.
Für den Gartenbau werden 2 Größen angeboten:
Wollemia im 14 cm Topf (ca. 35 cm groß) ca. 49 €
Wollemia im 18 cm Topf (ca. 60–70 cm groß) ca. 190 €
Zum Verkaufspaket gehören außerdem eine umfangreiche Informationsbroschüre sowie eine DVD über die Pflanze.



Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Frank Angermüller, Abt. Landespflege, Tel.: 0931/9801-415, Fax: 0931/9801-400