Pressemitteilung - 02. August 2017
LWG misst „Fieberkurve“ von Stadtbäumen

Mal „schnell“ Fieber messen geht bei einem Baum nicht. In einem Pilotversuch setzt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) aus Veitshöchheim daher auf modernste Messtechnik. Dafür wurde am vergangenen Freitag, den 28.07.2017, ein Klimabaum am Friedrich-Bergius-Ring in Würzburg aufwendig verkabelt. Dabei soll die Frage geklärt werden, warum bestimmte Baumarten besser mit Hitzewellen zurechtkommen als andere. Im Langzeitprojekt “Stadtgrün 2021“ sind die Fachbereiche Landespflege und Gartenbau seit 2010 auf der Suche nach den Stadtbäumen von morgen. Mit den Klimabäumen soll das Grün in den Städten erhalten bleiben, denn da wo Grün ist, ist auch Leben!

Die Suche nach den Bäumen von morgen
Vor allem im Sommer sind die Plätze unter den Bäumen in den Innenstädten sehr begehrt. Spendet doch das grüne Blätterdach den hitzegeplagten Bewohnern und Shoppingtouristen eine kurze Abkühlung. Was viele aber vergessen: Nicht nur der Mensch leidet unter Hitzestress. Auch die grünen Schattenspender wie Ahorn und Linde leiden und sind den klimatischen Veränderungen häufig nicht mehr gewachsen. So zeichnet die Zukunft der Stadtbäume ein düsteres Bild: leere Baumgruben und lichte Baumkronen schon im Sommer. „Ein sommerlicher Spaziergang im Schatten der satten Baumkronen wird bald der Vergangenheit angehören“, so Dr. Susanne Böll, Projektleiterin „Stadtgrün 2021“ an der LWG in Veitshöchheim. Einen ersten Vorgeschmack gab es in Würzburg bereits im Rekordsommer 2015. Bei Temperaturspitzen von bis zu 40 °C und lang anhaltender Trockenheit warfen viele Würzburger Stadtbäume ihr Laub bereits im August ab. „Die Bäume haben sich dabei nicht in der Jahreszeit geirrt. Vielmehr war dies ein reiner Selbsterhaltungstrieb“, so die promovierte Biologin. Der Hitzestress alleine ist aber nicht alles. So drückt der Schuh die Stadtbäume oftmals direkt an der Wurzel: Denn zu kleine Baumgruben, versiegelte Flächen, verdichtetes Erdreich und die Belastung durch Streusalz und Schadstoffe schaffen keine Wohlfühlatmosphäre, sondern schlagen von Anfang an auf die Baumgesundheit.

Die Zukunft der Stadtbäume braucht Vielfalt
„Wirft man einen Blick in die deutschen Innenstädte, trifft man in Sachen Bäume immer auf die gleichen Bekannten“, betont Böll. So prägen vor allem Ahorn, Linde, Platane, Esche, Eiche und Kastanie das grüne Stadtbild. Besser gesagt noch, denn: „Der Ahorn bricht uns überall weg und auch die Linde befindet sich häufig am Limit“, stellt Dr. Böll klar. Fällt daher eine Baumart aus, reist dies große Lücken in den innerstädtischen Baumbestand. Seit 2010 testet die LWG daher in einem Langzeitversuch mittlerweile 30 vielversprechende Baumarten an drei, klimatisch unterschiedlichen Standorten in Deutschland. Die rund 660 gepflanzten Bäume kommen überwiegend aus dem (süd-)osteuropäischen aber auch nordamerikanischen und asiatischen Raum und werden regelmäßig bonitiert, d. h. optisch beurteilt. „Am Ende wird es sicherlich nicht den ´Superbaum´ geben. Vielmehr geht es uns darum, den Städten, Gartenämtern und Baumschulen eine breite Auswahl an möglichen grünen Kandidaten zu nennen, die auch zum jeweiligen Standort passen“, so die LWG-Projektleiterin. Denn die Zukunft gehört der Vielfalt – eine bewusst gewollte grüne Vielfalt, die die Gefahr reduziert, dass bei künftigen Problemen mit einzelnen Baumarten das Grün in der Stadt flächendeckend verschwindet.

Linde ist nicht gleich Linde
Während im Rekordsommer 2015 die heimischen Linden in Würzburg viel Laub ließen, überzeugten die 2010 gepflanzten osteuropäischen Silberlinden am Friedrich-Bergius-Ring mit einem strahlend grünen Blätterdach. Doch worin liegt das Geheimnis der Silberlinde? Ein besonderer Trick des Baumes versteckt sich dabei schon im Namen. So dreht die osteuropäische Baumart bei Hitzewellen ihre Blätter und reflektiert mit der silberfarbenen Blattunterseite die Sonnenstrahlen. Doch in der Silberlinde, so sind sich die LWG-Experten sicher, steckt noch mehr: In einem Pilotversuch soll mit dem Einsatz modernster Technik das Geheimnis nun weiter gelüftet werden. Dafür wurde am Freitag, den 28.07.2017, eine rund acht Meter hohe Silberlinde verkabelt – von der Wurzel, über den Stamm bis hin zu den Blättern in der Baumkrone. „Mit den Temperaturfühlern können wir die ´Fieberkurve´ des Baumes bei Hitzetagen genau erfassen und hoffen, daraus Rückschlüsse auf die Kühlleistung des Baumes ziehen zu können“. Dafür wurden rund 50 Meter Kabel verlegt und insgesamt 10 Temperaturfühler im Baum angebracht. In den kommenden Wochen soll die eingesetzte Technik auf Herz und Niere geprüft und erste Ergebnisse generiert werden. „Die eigentliche Arbeit fängt dann im kommenden Jahr an, wenn wir weitere Klimabäume verkabeln und die Datensätze auswerten. Nur dadurch können wir von den Bäumen lernen“, so Dr. Böll. Zusammen mit den bisher gesammelten Daten soll die Auswertung der „Fieberkurve“ dabei helfen, die Auswahl der Zukunftsbäume weiter zu justieren und dafür sorgen, dass sich die Bäume von morgen möglichst lange an ihrem künftigen Standort wohlfühlen – und auch im Sommer ein Schattenspender bleiben.