Pressemitteilung - 20. September 2017
Eröffnung LWG-Sensorikzentrum - Wenn Sinne auf die Schulbank geschickt werden

Klein und unscheinbar – und vor allem bei Kindern sehr beliebt: Gummibärchen. Doch sechs dieser Leckereien aus der Gattung “fruchtige Bären“ trieben am vergangenen Freitag, den 15. September 2017, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Landtagspräsidentin Barbara Stamm aber auch der Fränkischen Weinkönigin Silena Werner die Schweißperlen auf die Stirn: Mango, Apfel, Papaya oder vielleicht doch Rhabarber? Nach was schmeckt das bloß? Im Rahmen der Eröffnung des neuen Sensorikzentrums der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim wurden die Sinne der Gäste nicht nur auf die Probe gestellt, sondern bewusst auf die falsche Fährte geführt. Das sorgte für viele überraschte Gesichter – und verblüffende Ergebnisse.

Werkstatt für die Sinne
Mit dem neuen Sensorikzentrum übergab Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, am vergangenen Freitag eine „Werkstatt für die Sinne“ an Dr. Hermann Kolesch, Präsident der LWG in Veitshöchheim. „Immer schon war die LWG dem guten Geschmack auf der Spur – heute bekommt sie dafür ein weiteres Werkzeug zur Hand – oder besser gesagt: eine ganze Werkstatt“, so der Bayerische Landwirtschaftsminister. Denn Geschmack aber auch Aussehen und Geruch werden als Kaufkriterium immer wichtiger. Davon ist auch Helmut Brunner überzeugt: „Ein Lebensmittel, das nicht schmeckt, wird auch nicht gekauft“. Im neuen Sensorikzentrum der LWG können künftig nicht nur Winzer und Brenner herausfinden, an welchen sensorischen Stellschrauben gedreht werden kann, um ihren Produkten einen einzigartigen und vor allem wiedererkennbaren Geschmack zu verleihen. Denn der Geschmack ist und bleibt das Top-Kaufkriterium bei Lebensmitteln. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? So ist sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm sicher, dass auch die Sehnsucht der Verbraucher nach Heimat, Qualität und Verlässlichkeit gerade durch die bayerischen Spitzenprodukte gestillt werden kann. Dabei werden Brenner, Landwirte und Winzer zum Botschafter ihrer Produkte und erzählen die Geschichte dahinter.

Nichts ist so, wie es scheint
Hören, Sehen, Riechen, Fühlen, Schmecken: Mit den Sinnen nimmt der Mensch seine Umwelt überhaupt erst war – und gleichzeitig dienen diese zur Orientierung und zum Schutz. Dass sich die menschlichen Sinne aber leicht in die Irre führen lassen, erfuhren die geladenen Gäste bei einer sensorischen Prüfung direkt am eigenen Leib. Zum Einstieg hatte Dr. Michael Zänglein, Sachgebietsleiter Oenologie und Kellertechnik, dafür eine scheinbar mit Leichtigkeit lösbare Aufgabe ausgewählt. So sollten drei Gläser, jeweils gefüllt mit einem Weißwein, einem Rotling sowie einem Orange Wine in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Die entspannten Gesichter der Sommeliers in spe verwandelten sich aber ziemlich schnell in nicht übersehbare Fragenzeichen, als die Beleuchtung des Raumes in Rot geändert wurde, und der Inhalt der Gläser auf einmal gleich aussah. Doch nicht nur mit der Reihenfolge hatte der ein oder andere so seine Probleme. Denn plötzlich schmeckte auch der Rotling gar nicht mehr wie Rotling. „Die Erklärung dafür ist recht einfach“, löste Dr. Zänglein die Situation schließlich auf. Denn die Farbe beeinflusst den Geschmack von Lebensmitteln nicht unerheblich. So werden rote Lebensmittel häufig süßer und fruchtiger wahrgenommen. Dabei sind auch rote Gummibärchen nicht süßer als die fruchtigen Pendants in grün, gelb und weiß. Doch nach was schmecken die Bärchen eigentlich? Bei einer Verkostung von sechs verschiedenen Sorten, fiel die Antwort darauf nicht immer gleich aus. So wurde einem rosa Bärchen Erdbeer-, Pfirsich- oder gar Papayageschmack nachgesagt. Die richtige Lösung „Rhabarber“ lag indes niemanden auf der Zunge.

Sinne auf die Schulbank schicken
„Wir können nur so gute Weine machen, wie wir auch riechen und schmecken können“, machte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, in seiner Rede deutlich. Damit die künftigen Weinbaugenerationen dafür ein Näschen und eine geschulte Zunge entwickeln, werden ihre Sinnesorgane im Sensorikzentrum der LWG auf die Schulbank geschickt. So ist die Sensorik, die fachliche Bewertung mithilfe der Sinnesorgane, ein Prüfungsfach im Rahmen der Fortbildung zum Staatlich geprüften Meister und Techniker. Dabei gilt es aber nicht nur den Wein mit allen Sinnen zu genießen: So ist es geplant, das Spektrum künftig um weitere regionaltypische Lebensmittel zu erweitern. Als Teil der Genussakademie, einer Säule der Premiumstrategie des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, steht dabei auch hier die Steigerung der Genusskultur und das Schaffen eines Bewusstseins für die hohe Qualität der heimischen Produkte im Mittelpunkt. Denn neben Verpackung und Markenname soll auch Geschmack und Geruch ein deutlicher Indikator für „Made in Bayern“ werden und nationale bzw. internationale Wiedererkennung für bayerische Spitzenprodukte liefern.

Das neue Sensorikzentrum – Zahlen, Daten, Fakten
- Baubeginn: 2016
- Gesamtinvestition: über 600.000 €
- 24 Einzelprüfplätze
- individuelle Lichtstimmungen (Tageslicht, rot, grün, blau) simulierbar
- Software für die Erfassung/Auswertung der Ergebnisse
- Steuerung der Luftfeuchtigkeit
- regulierbare Raumluft