Pressemitteilung - 11. Dezember 2017
Wie kommt die Gurke ins Glas? - Industriegemüsetag der LWG

Weihnachten ist Gourmetzeit – da darf es ruhig ein bisschen mehr sein! Dabei sind jedoch nicht unbedingt die Portionen gemeint, sondern vielmehr die Zubereitungszeit in der Küche. Doch bevor es überhaupt ans Kochen geht, steht oftmals die quälende Frage, was denn überhaupt auf den weihnachtlichen Festtagstisch gezaubert werden soll. Dabei besinnt man sich oftmals auf Gerichte, mit denen man selbst groß geworden ist – wie den Klassiker Rouladen mit Klößen und Blaukraut. Doch bevor Sie im anstehenden Kochmarathon die sauren Gurken, die zu einer Rouladenfüllung unbedingt dazugehören, gedankenverloren zu Streifen, Scheiben oder Würfeln verarbeiten, lohnt sich ein genauer Blick: Denn haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Gurken im Glas nahezu alle gleich groß und dick sind? Und dass Sie aller Wahrscheinlichkeit nach eine bayerische Essiggurke vor sich haben? Denn mit seinen rund 2.000 Hektar Anbaufläche ist Bayern der größte europäische Produzent von Einlegegurken. Beim Industriegemüsetag der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim am Donnerstag, den 14.12.2017, steht u. a. das perfekte Gurken-Modelmaß sowie innovative Erntetechnik auf dem Tagesprogramm.

9:3 - Das Modelmaß der sauren Gurke
Nur die perfekten Gurken finden überhaupt den Weg ins Glas und somit in Roulade und Co. „Die Zauberformel, die über die nächste Runde, sprich eine Abfüllung ins Glas, oder eine Verwertung in der Gurkensalat- und Burgerindustrie entscheidet, ist der LD-Wert“, so Florian Hageneder, Versuchsingenieur am Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost in Landshut. Denn nur mit einem Längen-Dicken-Verhältnis, kurz LD, von 2,7:1 bis 3,3:1 schaffen es die Gurken in die genormten Gläser. „Die Sache ist ganz einfach: Sind die Gurken zu lang, passen diese nicht ins Glas; sind die Gurken dagegen zu klein wird das vorgeschriebene Füllgewicht nicht erreicht“, ergänzt Martin Schulz vom Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau und u. a. Arbeitsgruppenleiter für Freilandversuche der LWG. Das Idealmaß einer sauren Gurke liegt somit bei einer Länge von 9 cm mit einer Breite von 3 cm. Sortiert wird bei der Abfüllung übrigens nach der Dicke über sogenannte ´weichende Bänder´. Dabei werden die Abstände auf den vollautomatischen Sortierbändern immer weiter – und Gurken mit dem gewünschten Umfang für die spätere Abfüllung ins Glas aussortiert.

Auf der Suche nach den perfekten Gurken
Anbauers Liebling sind dabei natürlich Gurken mit einem idealen LD-Verhältnis. Denn für die Gurken, die ins Glas wandern, erhält der Anbauer deutlich mehr als für die kleinen grünen Vertreter, die es nur in den Gurkensalat schaffen. Bei einem deutschlandweit einmaligen und hinsichtlich der Versuchsstellung sicherlich eines der aufwendigsten Versuchsvorhaben seiner Art, betreut das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landshut (AELF, Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost) im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau einen Einlegegurkensortenversuch in einem Anbaubetrieb. Unter Praxisbedingungen werden Gurkensorten geprüft, ob sie auch halten, was die Züchtung verspricht. „Bei einem Exaktversuch, also einer vierfach wiederholten Versuchsreihe, testen wir 12 verschiedene Pflanzensorten über den gesamten Saisonverlauf“, so Florian Hageneder vom Gartenbauzentrum Bayern Süd-Ost. Im Fokus stehen dabei neben Wachstum und Vitalität der Pflanzen auch die tatsächlich erreichten LD-Werte. „Dafür werden rund 800 Gurken je Saison in Handarbeit vermessen, die Daten anschließend erfasst und ausgewertet“, erläutert Hageneder. Die Versuchsreihe ist dabei anbauorientiert und neutral.

Neue ´Saure-Gurken-Zeit´ in Aussicht?
Von einer ´Sauren-Gurken-Zeit´, umgangssprachlich als Ausdruck für eine Zeit mit wenig verfügbaren Lebensmitteln, kann in der heute vorherrschenden Überschussgesellschaft nicht die Rede sein – zumindest für den Konsumenten. Doch den Anbauern könnte eine ´Saure-Gurken-Zeit´ der anderen Art in Haus stehen: Fährt man in der Erntezeit (Ende Juni - September) übers Land, sind die ´Gurkenflieger´ ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Ernte in vollem Gang ist. Mit einer Spannweite von zweimal neun Metern bieten die ´Tragflächen´ dieser ganz besonderen Erntemaschine Platz für bis zu 28 Erntehelfer. Denn die Ernte der Gewürzgurken ist auch in Bayern reine Handarbeit – noch. Aufgrund steigender Lohnkosten wandern mehr und mehr Anbauflächen ins Ausland, beispielsweise nach Serbien und Bosnien Herzegowina. Auch die bayerische Gurke fühlt sich dabei im Ausland wohl, denn kaum zu glauben: Fast ein Drittel der niederbayrischen Gurken wird exportiert. Hauptabnehmer dabei ist das Nachbarland Polen; aber auch in den skandinavischen Ländern finden die niederbayrischen Einlegegurken ihre Fans.

Steht Bayern drauf – ist Bayern drin!
Um am internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Produktionskosten daher langfristig gesenkt werden. Die Erntekosten, der größte Kostenfaktor im Einlegegurkenanbau, bietet dabei das größte Einsparpotential und könnte u. a. mit der Automatisierung der Ernte erreicht werden. Mit dem Projekt CATCH (Cucumber Gathering - Green Field Experiments) soll ein Verfahren entwickelt werden, welches die Einlegegurke mithilfe eines Roboters erntet. Die ersten Ergebnisse werden im Rahmen des Industriegemüsetages am 14.12. vorgestellt. Die Branche versucht zudem das Verbraucherbewusstsein zu stärken und setzt auf Regionalität. Steht Bayern drauf – ist Bayern drin: Bei Gurken mit dem Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ schmecken Sie schon heute ein Stück Heimat. Denn die kleinen, grünen Gemüsevertreter sind ausschließlich unter dem weiß-blauen Himmel Bayerns gewachsen. Das Qualitätssiegel "Geprüfte Qualität Bayern" wird vom Freistaat Bayern vergeben und garantiert eine Herkunft aus und eine Verarbeitung in Bayern sowie die Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien während der gesamten Wertschöpfungskette.

Bei Rückfragen zum Industriegemüsetag am 14.12.2017 wenden Sie sich bitte an:

Bayerische Landesanstalt
für Weinbau und Gartenbau (LWG)
n der Steige 15, 97209 Veitshöchheim
Ansprechpartner: Herr Martin Schulz

Tel. 0951 91726-128
E-Mail: martin.schulz@lwg.bayern.de